Finley, Inhaber des schwarzen Gürtels im Vollkontakt-Begrüßen

Ich will nur Hallo sagen

 

Das mit dem Hallo sagen ist ja so eine Sache. Bei uns Menschen eine Geste guten Benehmens, ist das Hallo sagen in der Parallelwelt unserer Hunde interpretationsflexibel. Begrüßungsrituale, das habe ich schnell gelernt, sind die hohe Kunst des Hundseins.

Als Finley noch mit allen vier Pfoten in seiner Pubertät feststeckte, hatte er da einiges zu bieten. Ich hätte mir von ihm etwas hanseatische Zurückhaltung gewünscht, etwa vergleichbar mit einem freundlichen „Moin“ und einem kurzen Kopfnicken im Vorbeigehen.

Ein Haudegen-Hallo von Finley

Mein Jungspund hatte da eher ein deftiges „Pfiat di“ im Repertoire, mal mit, mal ohne einen aufmunternden Pfotenschlag zwischen die Schulterblätter. Traf er auf einen Artgenossen, ging er auf Tuchfühlung, immer. Seine Hormone tanzten Tango. Das Echo meiner fruchtlosen Rückrufversuche hallt noch heute durch unsere Wälder: „Hierher …her…her… her…“

Ihr wollt es doch auch

Während ich händeringend versucht hatte, meinen angeknacksten Stolz zu retten, versenkte Finley seine Nase gut gelaunt im Hinterteil seines Gegenübers. Wenn er dann noch keine übergebraten bekam, dockte seine Nase am Riechorgan des anderen an.  Dabei sonderte er wildschweinähnliche Grunzlaute ab.  Das alles machte er ohne sein Tempo zu drosseln. „Hallo Du, findest Du mich auch so klasse?“ schien er wissen zu wollen. Wie nennt man so etwas? Nosing for Compliments?

Finley hat Nehmerqualitäten

Die anderen Hunde waren im günstigsten Fall perplex. Im Regelfall gab es für meinen Dicken eins drauf.  So lernte ich ganz nebenbei, dass das Pubertier über außerordentliche Nehmerqualitäten verfügte. Nicht selten endete so eine Vollkontakt-Anmache in einer mittelturbulenten Kneipenschlägerei.

Dann tat ich, was mir heute noch die Schamesröte auf die Wangen treibt. Ich rief hilflos „Der will nur Hallo sagen“ in den Wald. Die Reaktionen darauf waren, na sagen wir mal, semihilfreich. In kürzester Zeit legte ich mir eine kleine, feine Sammlung an Entgegnungen zu, die mir helfen sollten, peinlichen Situationen dieser Art zu überspielen. Das Repertoire bot, zwischen einem freundlichen „Entschuldigung, er muss das noch lernen“ bis zu einem flapsig-lustigen „Bei den Eskimos ist Näseln ein Liebesbeweis“, eigentlich alles. Und ja, „das-hat-er-ja-noch-nie-gemacht“ gehörte auch dazu.

Von Überschwang zu großer Toleranz

Das alles musste (s)ich ändern. Den Unmut der anderen konnte ich gut verstehen. Ich suchte unzählige Seminare zu den Themen Hundeverhalten und Kommunikation auf. Ich lernte meinen hormongesteuerten Jungspund besser einzuschätzen und zu verstehen, änderte mein Timing. Finley begann, sich auf mich einzulassen.

So konnten wir nach und nach zu einem gut funktionierenden Team zusammenwachsen. Finley grüßt heute meistens gemäßigt. Wenn er auf einen unerfahrenen Grünschnabel trifft, reagiert er mit erstaunlicher Geduld, so als wolle er sagen: „Hey Kumpel, wir haben alle mal klein angefangen.“

 

Dieser Text ist zum ersten Mal in der HundeWelt Ausgabe 10/19 erschienen.

 

2 Kommentare
  1. Sabrina
    Sabrina says:

    Ui so einen Kandidaten haben wir auch! Allerdings macht unser Hund das nur bei Menschen, die er schon kennt und mag. Bei Fremden geht er immer auf Abstand. Aber abgewöhnen möchten wir es ihm trotzdem, da es nicht so schon ist seine Klamotten immer vollgesaut zu bekommen, wenn man gerade von der Arbeit kommt

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