Das Kompostier frisst Gras, frisst Gras, frisst….

Mein Hund der lässt das Grasen nicht, da muss ich was tun

In den letzten Wochen waren Spaziergänge mit Finley schon ziemlich speziell.

Meine Überzeugung das Hunde Fleischfresser sind, ist durch sein Verhalten gewaltig ins Schwanken geraten. Mittlerweile tendiere ich zu der Aussage, dass sie Allesfresser sind, mit einer starken Tendenz zum Vegetarier-Dasein.

Denn sobald wir unser Haus verlassen hatten und mein Hund etwas Grünes – vorzugsweise Gräser aller Arten – erspähte, stürzte er sich gierig darauf, wie eine Truppe Kreuzfahrtrentner auf die Salatbar beim Kaptain’s Dinner. Und dann wurde gegrast, mit einer Vehemenz, die alles in den Schatten stellte, was ich bisher beim Fressverhalten meines Hundes beobachtet hatte. Bauer Stüffels Kühe erblassten ob seiner Fähigkeiten vor Neid.

Und hey, ich kann hören was Ihr jetzt denkt: Lass‘ ihn doch. So ein Retriever-Magen verdaut doch alles. Dazu sage ich, jaaa, aber …

Finleys Magen ist, wie sein Charakter, etwas anders geartet als es beim Durchschnitts-Retriever zu erwarten wäre. Sein Magen ist ein Sensibelchen, ein in sich geschlossenes Ökosystem.

 

Es gibt zwei Hauptvarianten, wie Finleys Verdauungssystem mit den überwältigenden Mengen Grünschnitt umzugehen beliebt.

Da ist die Variante 1 – Die Totalverweigerung

Etwa 20 Minuten nach der Nahrungsaufnahme, ändert sich Finleys Blick. Erst schließt er kurz seine Augen, dann schaut er mich erstaunt an, legt den Kopf schief und gibt einen tiefen Seufzer von sich. Unterdessen beginnt sein ganzer Körper an zu pumpen und „wump, wuummpp, wuuummmppp …. wuaaahhhh … „ Ihr könnt es Euch denken, es ist nicht schön, was da zum Vorschein kommt. Der einzige Vorteil dieser Variante für uns, seine Menschen ist, dass damit dann vorerst alles erledigt ist – bis zum nächsten Spaziergang.

Dann Variante 2 – Die Kompostierung

Sie dauert meistens den ganzen Tag und findet hinter verschlossenen Magenwänden statt. Man hört es poltern und grummeln in dem ruhesuchenden und schlafenden Hund. Dann beginnt es zu blubbern. Das ist der Moment in dem man besser das Weite suchen sollte. Und egal welche Temperaturen draußen vorherrschen, Fenster aufreißen ist eine brillante Idee – und zwar alle! Denn das Endprodukt des Entgasungsvorgangs im Kompostier hat sedierende Wirkung auf Humanoide. Ersatzweise empfiehlt sich der Einsatz einer Gasmaske.

Die Einleitung von Gegenmaßnahmen wurde nötig

Nach zwei Wochen Napalm-Angriff hatte ich die Nase voll. Da konnte doch etwas nicht stimmen. Da Finley ohnehin geimpft werden musste, wollte ich das Thema bei meiner Tierärztin einmal ansprechen, denn immer häufiger ließ Finley auch kleine Portionen seines Futters stehen.

Meine Tierärztin vermutete, es könne etwas mit Finleys Alter zu tun haben. Er sei jetzt neun Jahre alt und es wäre vielleicht gut ihm statt einer großen Mahlzeit am Tag zu geben, auf drei kleinere Portionen umzustellen. Dann sei das Hungerloch zwischendurch nicht ganz so groß. Denn möglicherweise versuche er nach der langen Futterpause einfach seinen Hunger zu stillen. Das leuchtete mir ein, das war einfach.

 

Dann meinte sie aber auch, in Finleys Alter würden sich auch häufiger Organkrankheiten ankündigen. Dass festzustellen benötige allerdings die Anfertigung eines großen Blutbildes. Da unsere letzten Jahre frei von Untersuchungen und Krankheiten waren, habe ich dem zugestimmt. Ich will es kurz machen, es war alles pikobello. Da konnten wir uns entspannen. Also blieben als Alternativen übrig:

  1. Das Futter-Intervall ändern. Das machen wir.
  2. Ab und an mal Magermilchprodukte und Distelöl zum Futter dazugeben. Okay, keine Einwände.
  3. Auf Seniorenfutter umstellen. Damit tue ich mich schwer, denn bei den meisten Sorten steht in der Beschreibung „Für Hunde, die nicht mehr so aktiv sind.“ Das trifft auf Finley nicht zu, er ist fit, bekommt täglich seine im Schnitt 3 Stunden Bewegung und auch der Kopf hat viel zu tun. Ab und an nehem ich ihn auch mit zur Arbeit – er hat also auch noch einen Job. Also gestrichen.

„Antigras-Training“ für die Verhaltensänderung

Schnell hatten sich die ersten Besserungen eingestellt aber ab und zu ging Finley immer noch mit Bauer Stüffels Kühen grasen. Also entschloss ich mich auch noch ein bisschen „Antigras-Training“ als unterstützende Maßnahme einzufügen. Ich ließ Finley frei laufen und versteckte während er schnüffelte, und die Umgebung erkundete Leckerchen auf Baumstümpfen, auf gestapelten Baumstämmen, auf dem Weg und schließlich auch in Grasbüscheln, die am Wegesrand standen. Dann rief ich ihn zurück und schickte ihn mit einem „Such Futter“ los.

Wenn Finley mit der Nase arbeiten kann, ist er glücklich. Deshalb setze ich die Nasenarbeit auch gerne ein, wenn ich etwas an seinem Verhalten ändern möchte. In diesem Fall ist der Plan super aufgegangen. Die Kombination von leckerem Futter und der Tätigkeit, die er so sehr liebt, hat ihn das Gras und das andere Grünzeug vergessen lassen. Sicher schaut den einen oder anderen Grasbüschel noch mal verliebt an. Wenn ich ihm dann als Alternative ein Suchspiel anbiete, ist das aber vergessen.

Pssst und ja, natürlich hat er mich auch ein ganz kleines Bisschen konditioniert. Finley wird es so sehen: Grasbüschel untersuchen – Frauchen lässt mich suchen – LÄUFT!!!

Aber hey, wenn wir beide Spaß daran haben …

4 Kommentare
  1. Sarah
    Sarah says:

    Bei meinem goldie Paul (10J.) Dachte ich auch, es wäre nur eine Macke. Und dann bekam er eine Graskolik mit Darmverschluss und wäre uns fast dran eingegangen… gut dass ihr beim Tierarzt nachschauen lassen habt.
    Bei Paul sind durch jahrelange, falsche Fütterung bei den Vorbesitzern die Zotten der Magenschleimhaut sehr kaputt. Er hat diverse Futtermittelallergien (hat sich aber keiner drum gekümmert:-( ) und dadurch trotz Futterumstellung immernoch hin und wieder Sodbrennen, weswegen er dann anfallsartig Gras frisst.

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    • bj
      bj says:

      Oje, da habt Ihr ja zu kämpfen. Es wird natürlich schwerer, wenn eine Erkrankung vorliegt. Ich wünsche Euch alles Gute und dass Ihr das Grasproblem mit Hilfe eines guten Tierarztes in den Griff bekommt.
      Lieben Gruß
      Birgit

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  2. Julia
    Julia says:

    Hallo! Ich hab auch so eine Kuh zu Hause. Allerdings ohne die bestialischen Nebenwirkungen. Wahrscheinlich will er eigentlich ein Leben als Veganer führen und dann wird ihm ständig Fleisch vorgesetzt. Wenn ich nicht aufpasse frisst er mir den Salat aus dem Beet und die Beeren von den Sträuchern. Letztes Jahr hab ich ihn sogar mal erwischt wie er sich sehr umständlich einen Apfel gepflückt hat. Aber Jagdtrieb, also Futter aus Fleisch verfolgen? Nöp.
    Liebe Grüße von der Kuh im Alpenland 😉

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    • bj
      bj says:

      Finley schickt Dir und Deinem Hund ein fröhliches „Muuuhhhh!“. Und wenn Dein Hund keinen Hang verspürt „Fleisch“ zu verfolgen – na da wollen wir mal nicht unzufrieden sein 😉

      Liebe Grüße von der Waterkant
      Birgit und Finley

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