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Sternchen – Erlebnisurlaub in der Steiermark

 

 

Der Sommer steht bevor und normalerweise auch der nächste Urlaub. Dieses Jahr fällt das Reisen aus den bekannten Gründen aus. Für uns heißt es zum zweiten Mal, dass wir unsere Familie in Österreich nicht besuchen können. Deshalb habe ich mir gedacht, ich schwelge mal ein wenig in Erinnerungen und gebe Euch mal einen Bericht, aus unserer Urlaubsvergangenheit. Finleys erster Besuch in Österreich, gewissermaßen sein Antrittsbesuch bei der Schwiegerfamilie und deren Hund. Ihr ahnt es schon, dass man sich bei so einem Antrittsbesuch vorbildlich zu benehmen hat, war Finley vollkommen schnurz.

Jedes Jahr im Sommer war es soweit, die großen Ferien standen vor der Tür, wir wollen die Familie besuchen. Mein Mann ist Österreicher und deshalb gab es, was unsere Urlaubspläne betraf keine Diskussionen. Er wollte nach Hause, die Kinder freuten sich auf Oma und Opa und mir … stand der kalte Angstschweiß auf der Oberlippe.

Urlaub, endlich Urlaub … jay …

Also packte ich in unser Auto ein, was man in der Steiermark so brauchte: Sommersandalen, Badesachen, Gastgeschenke, Notfallapotheke. Und zusätzlich für mich: Baldrian, Rescue Tropfen, Kytta Sedativum Dragees, eine große Flasche Klosterfrau Melissengeist, vorgefertigte Scheidungspapiere und unseren Hund Finley. 38 Kilogramm pure Muskelmasse, eingepackt in einen Golden Retriever,  angetrieben von überschäumender Lebensfreude.

Finley, the king of the road … Sternchen the styrian Hausherr

Es liegen 16 Stunden Autofahrt vor uns. 16 Stunden in denen ich mich fortwährend fragte, wie wohl unser Empfangskomitee aussehen würde. Würde er dabei sein? Der Herr des Hauses? Der Rüde meiner Schwiegermutter, das „Sternchen“? Alleine der Gedanke an ihn, gab mir das Gefühl, als würde ich eine Sprengstoffweste tragen, deren Explosion ungenannte, emotionale Auswirkungen freisetzen würde. Eigentlich war es bei Licht betrachtet, die Kombination dieses weißen Fellknäuels, zusammen mit meiner Schwiegermutter,  diese Symbiose eines selbstverliebten kleinen Rackers und einer Frau, die diesen Racker kompromisslos und leidenschaftlich liebte, die mich immer wieder an den Rand des Wahnsinn trieb. Und wie Ihr ja wisst hatte Finley in seiner Pubertät so ein „Ding“ mit anderen Rüden…

Der Rüde meiner Schwiegermutter war ein watteweißer, fluffiger Malteser und wich ihr nicht von der Seite. Wo ist das Problem, fragt Ihr euch? Nun, Sternchen das waren vier Kilogramm „I doarf olles“, vier Kilogramm geballtes Testosteron, vier Kilogramm Fluffi-Hund mit dem Selbstbewusstsein eines 50-Kilo-Rottweilers.

Finley benimmt sich wie ein Matrose auf Landgang

Und dann war er da der Moment. Die Familie stand in der Einfahrt und winkte. Kein Sternchen zu sehen. Ich atmete erleichtert durch, öffnete die Heckklappe und mein Rüde sprang in Schwiegermamis Garten und markierte seelenruhig jeden Baum, jede Rose (seufz) und jeden Gartenkübel (schluck). Bei jedem Pipitropfen wurden die Lippen der Schwiegermutti etwas schmaler. Eigentlich reichte es mir an dieser Stelle schon, ich wollte im Boden versinken. Der Garten meiner Schwiegermutter ist wunderschön. Sie hatte viel Liebe und Arbeit investiert. Ich persönlich bewunderte insbesondere ihren Rosengarten, der mich ein wenig an die Schlossgärten von Sanssouci denken ließ. Ich entschuldigte mich. „Geh‘ macht doch nix“, sagte sie, ihr Blick sendete eine andere Botschaft aus. Auf meinem Gesicht entstand ein schiefes Lächeln.

Attacke aus dem Off

Daaaa, ganz plötzlich kam er um die Ecke geschossen, der Rottweiler in Malteser-Camouflage. Er nahm Anlauf, bockte auf meinem Hund auf, krallte sich mit seinen Pfoten in Finleys Lenden und versuchte mit aller Kraft …., na ja, Ihr könnt es Euch denken.

„Schau, jetzt is’ der Finley sei Weiberl“, frohlockte meine Schwiegermutter.

„Nicht in einer Millionen Jahre“, dachte mein Finley und schüttelte den lästigen kleinen Irrläufer vom Hinterteil. Das wiederum löste Empörung beim steirischen Hausherrn aus und er zwackte meinem Golden in den Bauch. Der ließ sich nicht lange bitten, pflückte sich den Widersacher vom Bauch und spuckte ihn, begleitet von einem tiefen Grollen, vor Schwiegermutters Füße. Dort blieb das Sternchen verdutzt liegen, rührte sich erst einmal nicht, Widerworte war er nicht gewohnt. Dies alles war ein Vorgang von Sekunden.

Drama Baby, Drama

„Jöhhh“, rief meine Schwiegermutter, „Sterndi, sag was. I bins!“  Tränen rinnen ihre Wangen hinunter. Ich wollte in Grund und Boden versinken. Und meine Schwiegermutter durchbohrte mich derweil mit ihren Blicken.

Mein Schwiegervater und ich inspizierten den Kleinen, er hatte, abgesehen von einer kleinen Schramme, keine Verletzungen. Trotzdem wollten wir zur Sicherheit einen Tierarzt aufsuchen. Sternchen war sichtlich geschockt, gepaart mit Erdoganscher Empörung über diese dreiste Majestätsbeleidigung. Die Liesl*, Schwiegermutters Nichte sollte uns fahren. Sie wurde ins Bild gesetzt. Wild gestikulierend lieferte meine liebe Schwiegermama der Liesl* eine hochdramatische, mit Seufzern und Schluchzern durchsetzte Reportage. Aus Sternchen, dem rotzfrechen Stalker, wurde ein armes Hascherl und von Finley entstand der Eindruck, als sei er ein Säbelzahntiger  aus dem Pleistozän, mit langen Reißzähnen und fürchterlichen Klauen. Ich war ein ganz kleines Bisschen irritiert, hatte ich die Abläufe doch komplett anders in Erinnerung.

A Bluat is dicker als wia Wosser

Die Liesl* wurde leichenblass.  „Mei, Mei, Mei….“, hauchte sie atemlos und schaute mich vorwurfsvoll an. Mein Blick richtete sich pflichtschuldig auf meine Schuhspitzen. Wir stiegen in ihren blitzblank geputzten Kombi ein. Liesl* fuhr beherzt, „Jo, des machen mia scho“, die Schwiegermutter mit dem Sternchen auf dem Beifahrersitz und ich auf der Rückbank. Schließlich war mir die Situation unangenehm … und ein bisschen norddeutsche Kontrolle kann dem steirischen Temperament ja nicht schaden, gell. Und während wir fuhren, dachte ich darüber nach, was die Liesl*, die ja Schwiegermutters Nichte war, wohl dann für mich sei … Halbkusine, Schwiegertante oder vielleicht Schwippnichte … daaa, wuahhh …

Unvermittelt geriet der Wagen ins Schlingern. Die Kusine beschwerte sich emotionsgeladen, über den Ex-Mann, die Kinder, ihre Eltern, ihren neuen Freund …. : „Mei, da mocht und duat man und wie wiads oam gedankt. Undankbar sans olle!“  Die nun folgenden, dramatischen und tränenreichen Erzählungen aus ihrem Leben, führten zu einem gewissen Maß an Instabilität bei ihren Fahrkünsten. Inhaltlich, also da stellt Euch einfach vor, euch werden 3650 Folgen „Schwarzwaldklinik“ mit gelegentlichen Abschweifungen zu „Bauer sucht Frau“, komprimiert zusammengefasst, in eine der beängstigenden Stunden eures Lebens.

Ein letztes „Pfüat di“

Heiliger Klabautermann, dachte ich, was geht hier denn ab? Wild gestikulierend, eierte die Schwippcousine gefährlich nah an den Abgründen der Bergstraßen entlang. Vielleicht ist dies der richtige Moment zu erwähnen, dass ich unter Höhenangst leide. Für mich war diese Fahrt zum Tierarzt längst zur Vorstufe eines kollektiv, erweiterten Selbstmordversuches geworden. Ich überlegte kurz, ob ich meinen Mann übers Handy anrufen sollte, um ihm ein letztes „Pfüat di“ ins Ohr zu raunen, verwarf diesen Plan aber bereits in der nächsten Kurve, weil ich meine Hände brauchte, um mich im Dachhimmel des Tanten-Wagens festzukrallen.

Ich wurde blau im Gesicht. Das war nicht gut, denn Blau war der letzte Schritt vor Grün. Und wenn ich grün im Gesicht werden würde, würde ich erfahrungsgemäß als nächstes spucken. Na, das wäre was gewesen. Zuerst hetzte ich meinen Säbelzahntiger auf einen steierischen Floffifluff und dann kotze ich die Familie auf der Fahrt zum rettenden Tierarzt auch noch voll. Ich atmete tief durch. Mein inneres Ohmmm saß vor seiner Klangschale und skandierte unser Mantra der Stunde: DAS!!! … klingklong … darf unter keinen Umständen passieren.“

Schluchzer auf dem Beifahrersitz

Während sich die Liesl*, am Steuer, laut über ihre undankbare Familie erboste, saß meine Schwiegermutter, leise vor sich hin weinend auf dem Beifahrersitz. Das Sternchen hielt sie mit einer Hand fest – sehr fest – an ihre Brust gepresst. Mit der anderen Hand streichelte sie ihrem Patienten unablässig über imaginäre Wunden. Ihre Dauer-Schluchzer unterbrach meine Schwiegermutter nur für so aufmunternde Worte wie: „Stirb‘ net Sternchen, stirb‘ neeeeeet.“ Unter ihrem wogenden Busen war ein gequälter Japser zu hören.

Willkommen bei den steirischen Filmfestspielen

Ich stand kurz vor einem hysterischen Lachkrampf. Erlebnisurlaub the styrian Way, ich konnte mich gar nicht daran erinnern, dass wir DAS gebucht hatten. Wenn ich das bei mir zuhause erzählen werde, das glaubt mir kein Mensch. Tief durchatmen, alle Sinne und vor allem den Verstand sortieren. Mit einem herzhaften Sprung über ein paar Schlaglöcher, landeten wir auf dem Parkplatz vor der Tierklinik. Puhhh, das war nochmal gut gegangen. Die Kusine schneutzte sich, schaute plötzlich sehr milde nach hinten und zwinkerte mir aufmunternd zu. Diese Art von abruptem Stimmungswechsel können nur steirische Frauen, das könnt Ihr mir glauben.  Schwiegermama war mittlerweile schon auf dem Weg ins Behandlungszimmer. Ich hechtete hinterher. Meine Schwiegermutter war schon mitten in ihrer Jurassic-Steiermark-Erzählung. Ich kam einfach nicht dazu, etwas zu sagen und trug vorerst nur schuldbewußte Blicke und das eine oder andere, kraftlose Schulterzucken bei. Danach wendete sich die Tierärztin an mich und sagte: „Jetzt verzölst du mir amol wie du das sigsd.“ Ich unterdrückte mit aller Kraft meinen aufkommenden Wunsch, mich auf ihren Schoß zu setzen und Mama zu ihr zu sagen und fing an.

Juhuuuu, ich komme zu Wort

Nachdem auch ich meine Version der Geschehnisse erzählen durfte, tätschelte mir die Tierärztin mitfühlend den Arm. „Is joa nix passiert“, sagte sie freundlich. Und an meine Schwiegermutter gewandt, fragte sie: „Woll’n wir ihn net gleich kastrieren, den Raudi?“  Meine Schwiegermutter japste nach Luft. Ich hätte sie küssen können, diese schrecklich nette, kompetente, taktlose Tierärztin. Mit diesem Satz hatte sie mich abgelöst als Persona non grata. „Heute auf keinen Fall“, sagte ich bestimmt. Und weiter: „Der Kleine hat für heute genug mitgemacht.“ Meine Schwiegermutter sah mich an und …… lächelte! Die Tierärztin grinste.

„Butterfly, my Butterfly…“

Für den Nachhauseweg flößte mir die Veterinärin zwei Pflaumenschnäpse ein und gab mir noch ein paar Globuli gegen die Höhenangst mit. „Die sind für Sie“, sagte sie mit einem bedeutsamen Lächeln. Ich nickte brav, schluckte widerspruchslos die ganze Ladung und wurde nach etwa fünf Minuten, wundervoll ruhig. Waren es die Globoli oder der Schnaps oder die Kombination aus Beidem, wer weiß das schon …

Auf meinem Gesicht machte sich ein grenzdebiler Ausdruck breit, begleitet von einem inneren, äußerst angenehmen, Jo-so-geihd-dat-noch‘-Schnaps-Frau-Wirtin-Feeling. Auf der Heimfahrt versuchte ich die Blümchen zu typisieren, die unsere Steil-bergab-Straßen säumten. Ich wünschte mir heiß und inniglich, dass genügend Bienchen und Schmetterlinge … ohhh … war da nicht gerade ein besonders schöner, huiiiii … bei meinen Alpenblumen vorbeischauen würden, um viele weitere Generationen ihrer opulenten Blütenpracht zu garantieren…. hach, runterfahren ins Tal, war irgendwie viel weniger stressig, dachte ich und schlief ein. Zuhause angekommen, gab es erst einmal was Anständiges zu Essen. Schließlich waren wir in der Steiermark. Ich für meinen Teil, hätte viel lieber noch eine Handvoll von diesen seligmachenden Globuli gehabt … oder besser noch ein, zwei, drei Pflaumenschnäpse.

Friedensgipfel am Abendbrottisch

Beim Dessert, stellten meine Schwiegermutter und ich ein paar Regeln auf, damit unsere Hunde sich die kommenden zwei Wochen nicht zu Gesicht bekommen würden. “ Siehsssuuu“, sagte ich mit leicht verwaschener Diktion, „jetsss werdn wir doch noch sssu einm Team.“ Ähm, wie bewußtseinsverändernde Mittelchen doch die Sichtweise aufs Leben ändern können… Sagen wir es frei heraus, bei nüchterner Betrachtung bin ich die Schwiegertochter, die etwas aus der Art geschlagen ist. Wir sind zwei Frauchen, die ihre Hunde lieben, aber mit völlig unterschiedlichen Ansichten über das Zusammenleben mit ihnen. Was uns vereint, ist die Liebe zu meinem Gatten und jede möchte nur das Beste für ihn. Und wenn ich mir die die olle Runkelrübe einmal in Ruhe anschaue … also ähm, das Sternchen natürlich … eigentlich ist er ganz niedlich, irgendwie, manchmal …… wenn er da so liegt und schläft….


Anmerkung der Redaktion:

Die Liesl* heißt natürlich nicht Liesl*, ich will ja irgendwann noch mal hin, zu meiner Familie. Natürlich sind alle anderen Namen auch geändert und bis zur Unkenntlichkeit verfälscht. Vielleicht ist die Schwiegermutter in dieser Geschichte gar nicht MEINE, ich bin mir nicht einmal mehr sicher, ob ich, ich bin. Nur der Name „Sternchen“  ist echt, der passt so gut, dass man ihn nicht besser hätte erfinden können.

Und an meine liebe Familie: Ihr wisst, ich meine es nicht böse, ich will nur spielen…

 

 

 

Kuhfladen, an jungem Rotzlöffel naturaromatisiert – Berg und Tal Report 5

Die Karlhütte hat sich das Prädikat „Stammlokal“ verdient

 

 

Lebensmittel, Kochen und Essen, spielt in Österreich und meiner österreichischen Familie eine große Rolle. Das Prädikat „Gutes Essen“ wird nicht einfach so verteilt, egal ob es sich um ein privates Essen handelt oder um ein Menu im Restaurant. Hat man mal ein Lokal gefunden, wo es allen geschmeckt hat, kehrt man dort immer wieder ein.  Denn in dieser Hinsicht und das hat er mit uns Hanseaten gemein, ist der Steirer kompromisslos treu.

Deshalb ist es bei uns in der Familie zur norddeutschsteirischen Tradition geworden die Karlhütte am Etrachsee zu besuchen, wenn wir unsere Verwandten in Murau besuchen. Unsere Tante kannte schon den alten Karl, den Gründer des Restaurants und hat als Gast inzwischen schon zwei Generationswechsel mitgemacht. Deshalb ist die Einkehr dort auch immer ein wenig wie ein Besuch bei Freunden.

 

Tierliebe wird groß geschrieben

 

Was unsere Stippvisiten für mich dort immer zu einer runden Sache macht ist, dass der junge Karl und seine Belegschaft sehr große Tierfreunde sind. Finley und alle anderen Tiere sind dort herzlich willkommen. Bevor noch die Bestellung aufgenommen wird, steht schon ein Hundenapf mit frischem Wasser vor Finley und ob im Vorbeigehen oder beim Streicheln und Loben, „mei bist du a schöner Bua“, verschwinden etliche Leckerchen im Schlund meines Hundes.

 

Himmlisches Gericht! Das schmeckt lecker

 

Wir menschlichen Gäste werden aber genauso verwöhnt. Der junge Karl und seine Frau sind Parade-Gastronomen, wie aus steirischer Lärche geschnitzt. Jeder kleine Sonderwunsch ihrer Gäste wird, wenn es möglich zu machen ist, mit einem freundlichen „joa, aber sicher“ erfüllt. Ich ordere dort jedes Mal das wohl beste Wiener Schnitzel, dass man in der Steiermark bekommen kann. Die Panade gelbkross ausgebraten aber nicht trocken, dass Kalbfleisch schön flachgeklopft und unglaublich zart. Im Zusammenspiel mit dem selbstgemachten Preiselbeeren Kompott öffnet sich das Tor zum kulinarischen Himmel, bei jedem Bissen ein kleines Stückchen mehr.

 

Die Umgebung dort ist ein Traum. Saftiger, grüner Rasen auf dem Kühe weiden, ohne abgrenzenden Zaun, ganz ruhig und ohne die Gäste zu erschrecken. Irgendwo in der Ferne hört man ab und an das dumpfe Moll der Kuhglocken erklingen. Menschen, Kühe, Hunde, Katzen, alle in einem friedlichen Miteinander an demselben Platz. In diesen Höhen weht immer ein leichter Wind. Bei den diesjährigen Sommertemperaturen war das eine Wohltat. Der Wind trägt den leichten Duft von Kiefernnadeln zu unseren Tischen, das ist Balsam für meine Städterseele, hier kann ich Kraft tanken. Und Finley liegt derweil neben dem großen Holztisch und folgt den Kühen mit den Augen. Von seinem Jagdtrieb ist nichts zu merken. Hach….

 

Neue Spezialität: Retriever, naturaromatisiert mit essbaren Blüten

 

Nach dem Essen geht es dann, über die grünen Wiesen, um den See herum. Das ist auch eine unserer Familientraditionen. Der Spaziergang ist eine schöne Gelegenheit für gute Gespräche. Außerdem dürfen wir Finley währenddessen von der Leine lassen. Es macht einfach Spaß ihm zuzusehen, wie er da ausgelassen über die Wiese tollt, ohoh …. neeeein!!! Das hat man nun davon, wenn man sich entspannt. Ich war wohl nicht aufmerksam genug und hatte es nicht kommen sehen. Finley peilte zielgerichtet den nächsten auf der Wiese abgeflatschten Kuhfladen an.

Ich gab wirklich alles: „Hierher! Stooooop!! Doppelpfiff!!! HUHUUUHHH!!! WageesnichtDudickköpfigerBlubberko…*++**#*#**!“

Nichts was wir einmal eingeübt hatten, konnte ihn noch stoppen. Als er da so trügerisch ruhig bei uns am Tisch gelegen hatte, hatte der Banause die Kühe wohl beim Absetzen beobachtet. Als echter Retriever hatte er die Fallorte der Kuhfladen markiert und auf seine Chance gelauert.

 

Die wissenschaftlichen Daten

 

Ich musste hilflos zusehen, wie sich mein frisch getrimmter Hund mit Wonne und Anlauf in einen dieser Kuhfladen schmiss und sich in der grünlichen Masse drehte, wie ein Rollbraten im Gemüsefond. Und damit hier jedem das Ausmaß des Geschehens klar wird, wir reden über Kuhfladen von geschätzt 1,50 m Durchmesser und einem Fassungsvermögen von gefühlt etwa 25 Litern Öddelflüssigkeit, mit einem Sprenkelradius um die drei Meter. Mindestens! Warum auch nicht, schließlich kamen sie ja von steirischen Kühen. Und nein, ich übertreibe nicht, ich bin Hanseatin! *Augenzwinker

 

Möge die olfaktorische Macht mit Dir sein

 

Nachdem Finley sein Tagewerk erledigt hatte, sah er ein bisschen aus wie der ockergrüne Yediritter Yoda aus Starwars. Von nun an war die olfaktorische Macht mit ihm. Hätte er irgendwelche territorialen Ansprüche an die Alpenrepublik gestellt, glaubt mir, er hätte sich durchgesetzt. Nur kämpfen er nicht musste, weil zum Himmel er stank …. *würg

Panik kroch in mir hoch, ich schickte ein Stoßgebet gen Himmel. „BITTE, NICHT SCHÜTTELN. Wir werden alle sterben ….“, dachte ich. Die Vorstellung, dass meine Familie und ich nach unserem Ausflug aussehen könnten, wie ein Rudel Dalmatiner, hatte in diesem Moment wenig positive Aspekte für mich. Nun ich wurde erhört, er schüttelte sich nicht – Danke Schutzengel.

 

Gott sei Dank lag der Etrachsee, mit seinem klaren Wasser ja in Sehweite und es gelang mir, Finley mit einem fachgerechten „braves Hundi, geh planschen“ von uns weg, ins kühle Nass zu dirigieren. Sobald Finley das Wasser erblickt hatte, darum musste man ihn da nie lange bitten, sprang mein Yoda in die Fluten.

 

Karma kann manchmal auch nicht alles

 

Eine meiner Töchter, die Motte, hat sich erbarmt und ist hinterher gegangen und hat ihn dann gewaschen. Finley genoss die massierenden Bewegungen sichtlich, meine Motte offensichtlich nicht. Sie rümpfte die Nase und sagte: „Also echt Mama, wenn der nachher auch noch so stinkt, setze ich mich nicht ins Auto. Nicht cool Finley, nicht cool…“.

Während ich derweil versuchte, den Kuhpups aus Finleys geflochtenem Fettlederhalsband zu waschen, beobachtete ich, wie sich um meine Motte und Finley herum eine gigantische, grüne Lache bildete. Ja, Scheiße treibt oben. Von weitem konnte man den Komplex für Entengrütze halten – Danke Schutzengel. Auch wenn das in diesem See, für Ortskenner ein wenig ungewohnt wäre.

Ich liebe diesen See. Die ruhige Wasseroberfläche vermittelt einem das Gefühl von Stille und Frieden.  Diese Ruhe wird nur ab und an von einer Entenfamilie unterbrochen, die ihren Küken das Schwimmen beibringt und das ist total niedlich. Je nachdem, wie gerade das Sonnenlicht einfällt, funkelt das Wasser in tiefen bläulichen oder grünen Aquatönen. Es ist so klar, dass man auch noch dort, wo es tiefer wird, auf den Grund schauen kann. Eigentlich …

 

Kronenzeitung: „Konterminierte Forellenzucht entdeckt“

 

An diesem Tag allerdings konnten wir beobachten, wie eine riesige Lache aus Kuhpupslake langsam aber zielgerichtet auf den Teil des Sees zutrieb, in dem der junge Karl seine Forellenzucht betrieb. „Forelle Müllerin Art“ war nämlich eine weitere Spezialität meines Lieblingslokals. Die Gäste konnten sich ihre Forelle in einem Auffangbecken aussuchen. Die wurde dann gefischt und zur Verarbeitung in die Küche gebracht. Frischer kann man Forelle nicht zubereiten, als so.

 

Finley – Coco Chanels olfaktorischer Erbe

 

Wir haben unseren – aus Gründen – sehr ausgedehnten Spaziergang um den See dann trotzdem noch sehr genossen. Finley musste allerdings an der Schleppleine bleiben. Ein Schlammbad am Tag musste reichen. Die Tante und unser Cousin sammelten unterwegs ein paar Pfifferlinge, für das Mittagessen am kommenden Tag ein und unsere Gespräche konnten wir auch alle führen.

Am Auto angekommen war Finley durchgetrocknet und wir konnten losfahren. Durch unser Fahrzeug waberte ein leichtes Bouquet von „Eau de Kuhfladè No 5“.  Zum Mindesthaltbarkeitsdatum des Kuhfladen-Aromas, sei kurz angemerkt – es dauert einen Sommerurlaub lang … mindestens.

 

Berg und Tal Report 1-4

Wenn Ihr unsere vorangegangen Berg und Tal Reporte verpasst habt und noch Lust zum Weiterlesen habt, klickt einfach auf die folgenden Überschriften und Ihr landet direkt auf dem Artikel.

Vom Antimobilsten zum Kilometerfresser – Berg und Tal Report 1

Einmal Pizza ohne Hund, bitte! – Berg und Tal Report 2

Hooladriöööö, Heidifeeling, Herrliche Ruhe – Berg und Tal Report 3

Himmel, Donner und Hagelsturm – Berg und Tal Report 4

 

 

 

 

 

Niederösterreicher brechen fragile Herzen – mit Training?

goodfellows-fragilherz-blog

Foto: Georg Sticha

Ehrlich, ich liebe Österreich und seine Menschen. Das muss ich auch, denn ich habe Familie dort, gaaanz viel Familie. Angeheiratet zwar aber – jöh, wo is doa der Unterschied? Liab sans olle! Also lehne ich mich mit diesem Artikel ganz schön weit aus dem Fenster (herzklopf). Denn mal ganz unter uns Muschelschubsern, die können auch schräg drauf sein, die Almdudler.

Das Foto oben ist das beste Beispiel dafür. Ich habe es in der Facebook-Gruppe „Rund um den Hund – Achtung: Bissig!“ entdeckt. Dort liest man auf dem Plakat des Tierheims in St. Pölten: „Der Bergriff Training wird bei uns durch Unterricht vollständig ersetzt.“

Echt jetzt? Ist das Hundeplatz-Satire oder Kaiserschmarren? Meinen die das ernst? Jahaaa –  tun sie! Die Erklärung folgt auf dem Fuße. Grund seien die „fragilen Herzen ihrer Schützlinge“, die gebrochen werden könnten, weil das Wort Training mit “ den eigenen Willen brechen“ in Verbindung gebracht werden könne.

Mein lieber Scholli, darauf wäre ich wirklich nicht gekommen.  Training verbinde ich mit Freizeit, Disziplin im positiven Sinne, gemeinsamen Erlebnissen mit meinem Hund. Lernen ja, aber entspannt.

Aber bitte, lassen wir uns mal auf die Denkweise der St. Pöltener Wortweichspüler ein. Konsequenter Weise kann das doch nur der Anfang sein. Da gibt es in der Hundewelt doch noch so viele Worte, die einer Weichzeichner-Korrektur bedürfen.

Das zackige Wort „Zuchtzulassung“ verändert seinen anstössigen Charakter sofort, nach der Abwandlung in das vollmundige Versprechen „Du-darfst“. Der „Deckakt“, oh pfui. „Familiengründung-auf-sechs-Pfoten“ klingt da doch irgendwie viel jugendfreier.

Geschirr und Halsband dürfen nicht einengen und werden deshalb nur noch „Ausgeht-Outfit“ genannt und die Führleine mutiert zum sanften „Bindungsmittel“. Hach!

Das eher martialische „Unterordnungsarbeit“ transformieren wir in ein die Situation sanft begleitendes „Versuchen-wir’s“. Aus dem scharfen „Fuss“ wird ein gurrendes „Kommst mit, wennst magst“. Nicht dass womöglich noch einer der Schützlinge den Befehl „Platz“ wörtlich nimmt. Man stelle sich diese Sauerei einmal vor. Ein freundliches „Leg‘-di-nieder-Spatzl“ könnte da das Schlimmste verhindern.

Und letztlich wäre auch die Nutzung des Wortes Hund an sich in Zweifel zu ziehen. Wird es doch, bei durchzechten Stammtisch-Nächten viel zu oft beleidigend benutzt: „Du Hund, die nächssse Runde geeed auf di!“ Ein Satz, der ersetzt durch „Wuffi“, „Hundewautz“ oder „KnuffWuff“, sicher keine Kneipenkeilerei mehr auslösen würde.

Ach übrigens, direkt unter der Ankündigung hat ein umsichtiger St. Pöltener einen Zettel mit Notfallnummern angebracht. Ein Schelm, der Böses dabei denkt…

 

 

 

 

 

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