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Der Guinnes-Book-Rekord-Pups

Ich dachte, wenn ich ein paar Blüten über das Corpus delicti lege, kann man diesen Artikel auch zum Frühstück online stellen.

Pippi machen und Kot absetzen, das heilige Geschäft

Als ich mir einen Rüden anschaffte, ahnte ich nicht, dass Pippi machen und Kot absetzen einmal zentrale Themen meines täglichen Hundehalterlebens werden sollten. Denn wenn der Hund muss, muss er eben nicht nur einfach. Er muss dort … nein doch nicht … eher dort … oder vielleicht lieber da … bergauf … bergab … im Kreis … den Kopf in der Hecke … den Mors in der Hecke … Fifty-Shades-of-Kacka-machen.

 

Die Wissenschaft hat das Markierverhalten unserer Hunde untersucht und festgestellt, dass Hunde sich nach Norden ausrichten bevor sie dann mal wirklich Wasser lassen. Ich glaube das sofort, nur hilft mir diese Erkenntnis im täglichen Leben überhaupt nicht weiter. Ich weiß nämlich so gut wie nie wo Norden ist. Soll ich zukünftig mit Kompass herumlaufen, “Oh er zeigt nach Norden, jetzt macht er ernst“, bestimmt nicht. Also habe ich mal meine eigenen Beobachtungen aufgeschrieben und ehrlich, liebe Wissenschaft, ihr habt es noch nicht mit dem Meister aller Hundeköttel-Klassen zu tun gehabt…

 

Täuschungsmanöver gehören zum Ritual

Ich hatte ursprünglich die Vorstellung: Hund geht raus und los geht’s – ich Dummerchen… Mittlerweile weiß ich, so ist es nicht, niemals, unter keinen Umständen. Fünf Umdrehungen, simuliertes Pippiverhalten sind das Minimum. Sechs bis neun angetäuschte Stopps sind Pflicht. Dann tut Finley so als ob gleich bächeweise Urin fließen würde. „Ohhh es ist so dringend, upppsss leider doch noch nicht.“ Der Hund macht mich wahnsinnig!!! Beobachtet man Finley beim *hüstel „Machen“, gewinnt man den Eindruck, es gäbe irgendwo im Rüden-DNA-Code ein festgelegtes Regelwerk, für sozialkompatibles, rangordnungsrelevantes Löseverhalten, gepaart mit einem gewissen ästhetischen Anspruch an hündische Bewegungsabläufe.

 

Schwerkraft – Nein Danke!

Finley zum Beispiel versucht seit neun Jahren die Schwerkraft außer Kraft zu setzen und köttelt mit Vorliebe auf abschüssigem Gelände. Ich nenne diese Methode die „Ein-Schisser-am-Abgrund-Strategie“. Denn Finley setzt den Pups nicht wie eine Reinhold-Messmer-Gipfel-Fahne auf die Spitze des Abhangs. NEIN, denn das könnte ja jeder. Er steht auf dem oberen Teil des Gefälles. Das Hinterteil zeigt nach oben, die Hinterläufe sind leicht eingeknickt. Der Kopf und die Vorderläufe sind nach unten ausgerichtet und stramm durchgedrückt – dann Vollzug! Und was danach kommt ist die totale Verwirrung meines Hundes, wenn er sein „Geschäft“ zwischen seinen Vorderbeinen bergab kullern sieht. Das ist für ihn jedes Mal hart an der Tränengrenze.

 

Das Lösen ist eher eine Kunstform als ein Bedürfnis

Dann gibt es da noch das „Baumstumpf-Zielschietern“. Der Baumstumpf wird aus großer Entfernung anvisiert und dann umkreist … mehrmals *natürlichwassonst. Es ist wirklich dringend, das kann ich sehen. Trotzdem, unter Aufbietung der letzten Kraftreserven werden die Backen zusammengekniffen, denn das WIE ist existentiell ungleich wichtiger als das Wohlbefinden. Dann dreht Finley sich mit der Flanke zum Stumpf und klettert seitlich mit den Hinterpfoten auf den abgesägten Baum – dann Vollzug! Danach wird der Baumstumpf wieder umkreist … mehrmals *natürlichwassonst. Während er die Positionierung des Köttels überprüft *ürgs , stellt er sich die Frage aller Rüdenfragen: „Gibt es eine sinnvolle, schmerzfreie Möglichkeit diesen Kunstbrutzer durch Scharren, sozialgefügemäßig, noch zu verbessern?“ Er entscheidet, nein gibt es nicht. Ich komme erleichtert aus meiner Deckung. Finley grunzt zufrieden. Wir können endlich weiterlaufen.

 

Das Unmögliche war das Ziel

Und dann kam die ultimative Herausforderung, die „Mission impossible“. Ist es möglich einen Brutzer an die Außenseite eines Baumes, also senkrecht an den Stamm, zu setzen? Der Hund wächst mit seinen Aufgaben, dachte sich mein Rüde und entwickelte nach und nach seine Strategie. Zuerst einmal stutzten das Schicksal und die Schwerkraft Finleys Selbstbewusstsein auf ein gesundes Normalmaß zurück. Der Erfolg wollte sich nämlich nicht einfach so einstellen.

Es galt also das Problem zu analysieren. War es ein Haftproblem, ein Problem des Untergrundes oder scheiterten die ersten Versuche an den körperlichen Möglichkeiten des Probanden? Ich lernte in dieser Zeit, dass Hunde erst einmal auf bewährte Strategien zurückgreifen und erst wenn diese gescheitert waren, neue Wege suchten. Das Umkreisen des Baumes brachte, wer hätte das gedacht, keinen Erfolg. Dann versuchte er rückwärts einzuparken aber irgendetwas war immer im Weg, ein Ast, Waldpflanzen oder Steine. Einmal richtete er sich rückwärts aus und freute sich so sehr darüber, es soweit geschafft zu haben, dass er sich mit seinem heftig wedelnden Schweif wieder vom Baum weg katapultierte.

 

In jedem Versuch steckt ein Ohmmm

Dann begann unsere esoterische Phase. Jedes Mal, wenn Finley versuchte einen Baum zu „dekorieren“, ging er vorwärts ganz nah an den Stamm heran, dann begann er mit den Vorderpfoten zu trippeln. Danach legte er erst den rechten, dann den linken Vorderlauf um den Stamm. So, als habe er heimlich eine Montessori-Schule besucht, umarmte mein Haudegen die Bäume in unseren Vorstadtwäldern, um sie dann als nächste Maßnahme, vollzuscheißen. Die Enttäuschung folgte dann auf dem Fuße, wenn seine Deko mit einem dumpfen „Patsch“ auf dem Waldboden landete.

 

Einer blieb drauf! Oder Ende gut, alles gut

Und dann kam er, der Tag als das Unverhoffte passierte. Als wir schon gar nicht mehr daran geglaubt hatten, sah Finley mich mit einem Blick an, der sagte: „Okay, ich wage noch einen Versuch und wenn es dann nicht klappt, hör‘ ich auf mit dem Scheiß.“ Unwillkürlich nickte ich ihm zu und dachte, „Go for it mein Bärchen.“ Ich stand natürlich (symbolisch gesehen) voll und ganz hinter meinem Hund.

Finley schnaufte und konzentrierte sich. Langsam drehte er sich seitlich zum Baum und begann mit seinen Hinterpfoten am Stamm hochzusteigen, beugte die Läufe ein wenig – dann Vollzug! Während ich noch dastand und erstaunt feststellte, dass mein Rüde Handstand kann, ließ Finley seinen Hinterkörper einfach elegant zur Seite gleiten und dann sahen wir es. Der Brutzler blieb am Stamm haften, Mission durchgeführt, das war er der Guinnes-Book-Rekord-Pups!

Mit stolz erhobenem Rüdenschädel stolzierte Finley mit mir durch unsere Wälder, entspannt wie nie zuvor. Und Ihr könnt es jetzt glauben oder nicht. Er hat danach niemals wieder versucht, sein Geschäft senkrecht an einem Baumstamm abzusetzen. Denn der kluge Rüde weiß, wenn es am schönsten ist, sollte man sich neuen Zielen zuwenden….

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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