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Hurra, hurra die Post ist da

Man sieht sich immer zwei Mal im Leben (Zitat: Omi)

 

Foto: pixaby

 

Man denkt ja immer, es gibt Dinge, die können einem nicht zweimal passieren. Und dann stand wieder so ein Karnevalspostler in meinem Garten. Genau gesagt dümpelte er bepackt, mit verschlafenem Blick durch meinen Garten hindurch und steuerte zielgenau unseren äußeren Kellerzugang an.

Mein Mann und ich saßen am Frühstückstisch und beobachteten den Mann mit Erstaunen. Er wird jetzt doch wohl stehen bleiben, dachte ich so bei mir. Nein, genau das tat er nicht. Ich ging also auf meine Terrasse und fragte:

„Moin, kann ich etwas für sie tun?“

Finley sprang hinter mir her und baute sich neben mir auf. Ein bisschen angespannt aber immer noch freundlich. In Zeitlupe sah der Mann, nennen wir ihn hier mal den Postbeamten Tranig, zu mir herauf und sagte lächelnd:

„Nee danke, ich mach das schon.“

Ich: „Sie machen was?“

Postbeamter Tranig: „Ich stell das Päckchen zu.“  Sein Lächeln wurde breiter …

Mühsam bekämpfte ich den Wunsch dem Postbeamten Tranig mein Erdbeermarmeladenbrot mitten in sein breites Lächeln zu pressen und fragte:

„Warum klingeln Sie denn nicht vorne und geben es an der Tür ab?“

 

Gestatten, mein Name ist Schmittke … äh, nein

 

Postbeamter Tranig:

„Also auf meinem Laufzettel steht, wenn niemand zuhause ist, soll ich durch den Garten gehen und das Paket im Kellerabgang ablegen, das haben Sie bei der Post so angegeben, Frau Schmittke.“

Welche rauschverheißenden Flüssigkeiten hat der denn oral verklappt, frage ich mich im Stillen. Offensichtlich hatte der Gute sich durch den falschen Garteneingang gezwängt. Nämlich durch denjenigen, auf dessen Pforte breit und deutlich mehrere Mein-Hund-hasst-Dich-Schilder angebracht waren … ich werde das nie verstehen. Eigentlich war das Päckchen an meine Nachbarin Frau Schmittke adressiert, sie bewohnt mit Familie das Haus Nr. 20b. Die drei weiteren Alternativen, die Nummern a, c, d hatten den Paketboten Tranig offensichtlich vollkommen durcheinander gewirbelt.

Also klärte ich ihn auf:

„Ich bin nicht Frau Schmittke. Sie wollen zu 20b, wir sind hier aber 20c!“  Mit meinem Zeigefinger deutete ich über unseren Maschendrahtzaun zur Linken um dem armen, verwirrten Mann die richtige Richtung zu weisen.

Dann sagte ich:

„Also würden Sie das Paket dann bitte nebenan abliefern?“

Und dann, weil Tranig unverändert unsere Kellertreppe anvisierte, etwas lauter:

„JETZT BLEIBEN SIE DOCH MAL STEHEN, HERGOTTNOCHMAL!“

 

Postbeamter mit Beratungsresistenz

 

Ich war echt genervt, denn Tranig zeigte keinerlei Anzeichen von Bedauern oder Einsicht. Finley ging dann mal die Treppe runter auf den Rasen und baute sich direkt vor dem Karnevalspostler auf und gab ein tiefes Knurren von sich:

„GRRRrrr … pass mal auf Du Pappnase. Sie ist hier der Chef. Da heißt STOPP stehenbleiben und zwar sofort. GRRrrrsabber … Und wenn Du das nicht kapierst, bin ich noch da … Fletsch, grrr …ich bin hier der Torwächter … Jeder weitere Schritt bedeutet ein Lochmuster in der Büx.“

Irritiert schaute der Postler nach unten auf meinen Torwächter und fragte ihn:

„Ja, wathattudenn?“  Echt jetzt?

Finley antwortete:

„Grrr … grrr … Aggressionsprobleme Alter, Aggressionsprobleme … ###**+++‘‘*‘##**++!!!“

 

Ruhig Finley, denk an Deine Frustrationstoleranz

 

Ich versuchte Finley zu beruhigen und weil mein Hund in solchen Konfliktsituationen mittlerweile einfach spitze ist, gelang das auch – jedenfalls bis zu einem gewissen Maß. Zwar schaute er etwas enttäuscht aber er fuhr das Gebiss wieder ein und das ist doch schon was. Allerdings ließ er den Mann keinen weiteren Schritt mehr in Richtung Terrasse machen.

Herr Tranigs Hirn, soweit vorhanden, hatte ohne Zweifel komplett den Dienst quittiert, denn er sagte – an Finley gewandt:

„Duuuu bist aber ein Lieber. Willst Dein Frauchen beschützen, vor dem bösen, bösen Mann.“

Ich: „Hä???????“

Mein Mann, der inzwischen hinter mir stand, sagte grinsend:

„Machen Sie sich keine Sorgen um den Hund. Achten Sie besser auf die Frau …“ Er hat wirklich einen sehr trockenen Humor mein Gatte.

 

Bin ich die Christel von der Post?

 

Tranig zog daraufhin seine Stirnfalten zusammen und dachte ganz offensichtlich nach. Dann sagte er mit Blick auf das Paket:

„Ich lass‘ das dann mal hier, Sie können es dann ja über den Zaun reichen…“

Hatte der sie noch alle?

Ich wurde so rot wie mein Hundewarnschild am Zaun und sog mit einem lauten Geräusch Sauerstoff ein. Mein Mann hinter mir lachte leise, murmelte etwas wie „… und ich sag noch, achte lieber auf die Frau …“. Dann ging mein Mann, der fest davon überzeugt ist, dass jeder der Baumeister seines eigenen Schicksals ist, ins Haus zurück.

 

Ich war … sauer … aber sowas von sauer

 

Was dann folgte, ich will es mal so sagen … man sollte echt auch nicht zu viel Impulskontrolle von mir verlangen. ICH WAR NICHT AMUSED!

Langsam ging ich die fünf Terrassenstufen herunter. Währenddessen sagte ich:

„Sie verlassen jetzt auf der Stelle meinen Garten Sie Briefmarkenschubser – mit dem Paket. Machen Sie Ihren Job gefälligst selber und vor allem besser. Und wenn Sie noch einziges Mal meinen Garten betreten, dann … GRRRrrr … fletschgrrrr … ##***++###**+!!!“

 

Wenn der Hund zum Guru wird

 

Finley sah irritiert auf mich, dann auf Herrn Tranig der zögerlich und sichtlich verwirrt den Garten verließ.

Dann kam er zu mir und leckte mir über die Hand.

„Ruhig, ganz ruhig Frauchen“ schien er zu sagen, „an Deiner Frustrationstoleranz müssen wir aber noch arbeiten, hmmm? Mach, Dir keine Sorgen, das kriegen wir hin.“

Und wie in Trance beobachtete ich, wie Paketbote Tranig den Garten 20d (!) betrat und das Päckchen langsam aber zielsicher im Treppenabgang der Frau ablegte, die er jetzt für Frau Schmittke hielt. Irgendwie sind wir ja wohl alle etwas Schmittke … oder?

 

Nachtrag:

Wer Lust hat zu lesen, wie meine erste Begegnung mit unserem Garten-Postler verlaufen ist, findet die ganze Geschichte HIER.

Ich konnte auch diesen Vorfall natürlich nicht auf sich beruhen lassen. Die Situation, wenn auch mit Humor geschildert, hätte für Herrn Tranig auch sehr gefährlich werden könne. Finley bewacht sein Grundstück und ich möchte das auch so.

Also habe ich mich nachmittags ans Telefon gesetzt und habe ein Gespräch geführt, mit einem Servicemitarbeiter der Beschwerdestelle der Post. Ja, was soll ich sagen. Schwamm drüber … oder vielleicht mal eine andere Geschichte …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn der Postmann gar nicht klingelt

 

Retrievern sagt man ja gerne nach, dass sie die Menschen mögen – alle – immer – ausnahmslos. Soweit die Legende. Fakt ist aber, dass auch unsere Hunde ihre Vorlieben und Abneigungen haben. Das klassische Beispiel (ja, ich weiß ein Stigma) ist die Post mit ihren Angestellten. Jeder von uns hat schon Geschichten gehört, von Postboten, mit handtellergroßen Löchern in der Uniformhose.

Finley hat mit Briefträgern und Paketboten normalerweise überhaupt kein Problem. NORMALERWEISE stehen diese Damen und Herren ja auch an unserer Haustür und werfen unsere Post wortlos in den Briefkasten. Manchmal klingelt unser Stamm-Briefträger auch bei uns, um die Post aus der Nachbarschaft bei uns zu parken, weil die Nachbarn entweder im Büro sitzen, Kinder in der Schule unterrichten oder einfach noch ein wenig Schönheitsschlaf benötigen. So ist über die Jahre ein wirklich herzlicher Kontakt zwischen unserem Postboten Herrn Wastel und unserer Familie entstanden. Er rechnet es uns nämlich hoch an, dass er wegen der Nachbarspost nicht noch einmal vorbeikommen muss.

Seine Herzlichkeit schließt auch unseren Rüden ein. Denn *yeahsowasgibts unser Postbote versteht etwas von Hunden, er liebt sie. Aufgewachsen mit einem Schäferhund, widmet er seine Freizeit nun den Teckeln. Drei prachtvolle Exemplare wohnen bei ihm: Mathilde, ihre Mutter Herta und Max der Platzhirsch. Weil Herr Wastel weiß, was so ein Dackel an Beschäftigung braucht, damit er einem nicht die Waden zerkaut, bespasst er seine Hunde jedes Wochenende auf einem Trainingsplatz für artgerechtes Teckeltraining.

Beim ersten Kennenlernen durfte Finley ausgiebig an Herrn Wastel herumschnuppern. Dann hat mein Reviertiger seine Claims klar abgesteckt.

  • Vordergarten betreten – geht klar.
  • Treppe benutzen – geht klar.
  • Briefkasten anfassen – geht klar.
  • Kinder und Frauchen – nur gucken, nicht anfassen.
  • Futter – lass’ mal stecken.
  • Haustür anfassen – hat Verlust der Finger zur Folge.

Postbote Wastel fand das alles in Ordnung und akzeptierte die Regeln. Als für alle wohltuendes Ergebnis, erzeugt das Auftauchen unseres Briefträgers bei Finley nur noch ein müdes Lächeln.

Aber auch ein Herr Wastel hat mal Urlaub und muss sein wohlgeordnetes Postrevier einem Kollegen überlassen. Meine Güte was haben wir da schon erlebt. Mittlerweile nennen wir Herrn Wastels Kollegen liebevoll Postersatzkräfte, die Ungelernten oder die Konfettipostler.

Da war eine junge Frau, die fleißig und genau arbeitete, aber jedes Mal, wenn sie bei mir ankam – dann drückte ihr die Blase. Im Stillen nannte ich sie Pipi Poststrumpf. Da stand sie dann mit zusammengekniffenen Knien, warf mir einen erbarmungswürdigen Blick zu und bat darum auf die Toilette zu dürfen. Finley, ganz Gentleman, begleitete die Frau zum Gästeklo und achtete fein säuberlich darauf, dass sie auch nicht einen Zentimeter weiter in unser Haus hineinging, als nötig war. My home ist eben his castle.

Dann war da noch so ein Rotschopf, er sah das mit den Adressaten nicht ganz so eng. Wir lagen am Ende seiner Route und alle Briefe, die er unterwegs nicht losgeworden war, warf er in unseren Briefkasten. Anfangs haben Finley und ich die überschüssige Post ja noch in der Nachbarschaft verteilt – bis wir merkten, wir bekamen immer mehr zu tun. Ich hängte eine Klarsichtfolie unter meinen Briefkasten und steckte die falsche Post hinein. Dann bestückte ich die Hülle mit einem Schild, auf dem stand: „Ups, daneben geworfen – Grinsesmiley.  Lieber Postbote, bitte wieder mitnehmen.“  Was soll ich sagen. Die Post blieb unberührt und im Briefkasten lagen Tag für Tag Briefe für Müllers, Meiers und Schulzes … ich kochte. Nach einer Woche ging ich in unsere Postfiliale im Ort, knallte den Stapel Fehlpost auf den Tresen. Dann rechnete ich dem verdutzten Filialleiter vor, wieviel ich sein Unternehmen an Stundenlohn kosten würde, würde ich die Zeit berechnen, die ich investiert hatte, die Fehler seines Angestellten wiedergutzumachen. Unseren Rotschopf haben wir danach nie wiedergesehen.

Und immer, wenn man denkt, es kann nicht schlimmer werden, kommt ein noch größerer Einfaltspinsel um die Ecke, oder durchs Gartentor. In der ersten Ferienwoche, das Wetter war schön warm, die Terrassentür offen. Ich saß am Esstisch und erledigte ein paar Büroarbeiten. Finley lag entspannt im Garten und genoss die warmen Herbstsonnenstrahlen. Plötzlich, wie aus dem Nichts stand er da. Ein Mann im Postleroutfit, 1,90 Meter groß, zwei Pakete unter dem Arm, Bermudahose, runtergerollte Socken, grenzdebiler Gesichtsausdruck.

Finley stand direkt hinter ihm, die Lefzen hochgezogen, die Zähne bleckend und aus seinem Inneren kam ein tiefes, grollendes Knurren.

„Nicht bewegen“, fuhr ich ihn an, „ich komme raus.“

Gott sei Dank habe ich Finley gut erzogen. Er hat gelernt, zu akzeptieren, dass ich ein Vorrecht habe, Situationen auf meine Weise zu regeln. Anders ausgedrückt: Ich habe das Recht auf den ersten Biss. *ürgs

Der Mann, nennen wir ihn hier mal den Schlaumeier, schien seinem Gesichtsausdruck entsprechend, komplett erlebnisresistent zu sein und machte einen weiteren Schritt auf mich zu. Dann sagt er allen Ernstes:

„Öh, ist hier Nummer 27a, ich suche die Haustür.“

Mir fehlten kurz die Worte, mein inneres Oohhhmmm zündete ein Räucherkerzchen an. Finley war inzwischen um diesen Schlafwandler herumgeschossen und hatte sich neben mir aufgebaut….GGGRRRRRRrrrrrr…..

Mir reichte es, Frustrationstoleranz – Null – Impulskontrolle – Null – Erziehung – Futsch!!!

„Was soll das hier eigentlich werden? Suizid im Amt? Rrrrunter von meinem Grundstück, aber langsam und geordnet. Hinter der Pforte stehen bleiben!“ Verdutzt folgt er mir zur Grundstücksgrenze, Finley auch. Als unser Postgehilfe hinter der Pforte stand, entspannte Finley sich – Claim gesichert.

Dort angekommen deutete ich auf die Schilder, die ich auf unserer Gartenpforte fixiert hatte. Dort stand auf leuchtendrotem Untergrund „BETRETEN VERBOTEN“ und auf neongelbem Untergrund „HIER WACHE ICH – *Retrieverkopf“.

„Haben Sie die Schilder denn nicht gelesen. Ist Ihnen eigentlich klar, wie gefährlich das für Sie hätte werden können“, fragte ich den Mann.

„Oooch“, sagte er, „so Schilder haben die Leute ja auch manchmal nur so am Zaun und dann haben sie gar keine Hunde. Wenn ich das immer glauben würde, dann würde ich meine Pakete ja nie loswerden.“

Hä, hatte der sie noch alle? Ich sah ein, dass bei unserem Posthulk wohl jegliche Energie verschwendet wäre und sagte bestimmt. „Dann hören Sie jetzt mal aufmerksam zu. Ich erteile Ihnen Hausverbot, ganz offiziell, das werde ich Ihrem Arbeitgeber auch noch schriftlich mitteilen. Und nur mal so zur Info, hier in unserer Siedlung haben ganz viele einen Hund. Ich an ihrer Stelle würde meine Gepflogenheiten mal ändern, sonst landen Sie ganz schnell in der Reha.“ Dann deutete ich mit dem ausgestreckten Finger auf die Haustür hinter ihm und sagte: „27a, gar nicht schwer zu finden. Und klingeln sie lieber, mit Frau Nörgel ist nicht zu spaßen…“

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