Beiträge

Es zwickt und zwackt – was Finley das Altern leichter macht

+++Werbung+++

 

Zwei AniForte-Produkte im Finley-Test

 

 

 

 

Auch mit sechzig kann man noch vierzig sein – aber nur noch

eine halbe Stunde am Tag.

(Anthony Quinn)

 

Neulich, hatten Finley und ich morgens eine schöne Waldrunde hinter uns gebracht. Wir hatten ein wenig mit unseren Dummys trainiert und Finley durfte später noch mit Hannes spielen. Hannes ist ein flitzeflinker 18 Monate alter Australien Shepherd und hält Finley immer ganz schön auf Trab, wenn sie sich treffen. Zuhause angekommen, war mein Dicker müde auf sein Kissen gefallen und fest eingeschlafen.

 

Nach einer Stunde Tiefschlaf hatte Finleys Magen wohl signalisiert, dass es Zeit sei aufzustehen, um sich seine Morgenration bei mir abzuholen. Doch es ging einfach nicht, er hatte Mühe hoch zu kommen und humpelte dann auf mich zu. Es war deutlich zu sehen, dass er Schmerzen hatte. Das war wirklich ein trauriger Anblick, der mir sehr zu Herzen ging. Zuerst dachte ich, er habe sich im Wald beim Toben vertreten, doch dann kamen mir Zweifel. Nachdem die Symptome auch am Nachmittag immer noch nicht besser geworden waren, gingen wir zu unserer Tierärztin.

 

Nachdem unsere Ärztin ihn gründlich untersucht hatte, sagte Sie: „Er ist ja nun schon etwas älter, es kann sein, dass sich da eine Arthrose entwickelt.“

Worte können weh tun, mir taten sie weh. Aber ich musste mich der Realität stellen. Finley bekam für die nächsten Tage ein Schmerzmittel und ich viele Tipps und Broschüren über Nahrungsergänzungsmittel. Ich hatte mich mit diesem Thema vorher – Asche auf mein Haupt – noch nicht beschäftigt.

 

Ich startete eine Umfrage im Internet und fragte mal die Erfahrungen meiner Leser ab, die diese mit solchen Mitteln gemacht hatten. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank für Eure Unterstützung. Ich habe mir jeden Hinweis gesichert und alle Präparate aufgeschrieben.

 

Am Ende bin ich auf der Seite von AniForte gelandet. Ich suchte dort nach einem Produkt mit Grünlippmuschelextrakt. 4 in 1 Complete – Rundumversorgung für Hunde schien mir genau das Richtige Präparat zu sein. Es besteht zum einen aus Grünlippmuschel für eine bessere Beweglichkeit, das hatte ich vorrangig gesucht. Außerdem beinhaltet das Präparat aber auch noch gemahlene Hagebutten für ein besser funktionierendes Immunsystem, Bierhefe für ein kräftiges Fell und gesunde Haut und Topinambur zur Unterstützung der Darmflora. Die genaue Zusammensetzung findet Ihr bei AniForte auf der Produktseite. Klickt dafür einfach auf den Produktnamen.

 

Der Lieferung lag ein Dosierlöffel bei, der das Abmessen der richtigen Menge sehr erleichtert. Finley soll laut Händlerangabe täglich 3 Gramm pro 10 Kilogramm Körpergewicht ins Futter bekommen. Das heißt, er bekommt bei derzeit 38 Kilogramm Körpergewicht 12 Gramm 4 in 1 Complete ins Futter. Ein voller Dosierlöffel erfasst 2 Gramm des Pulvers. Finley futtert die Ration anstandslos weg, das Pulver scheint gut zu schmecken.

 

Bis heute hat es gut gewirkt. Finley hatte seit November keinen Arthrose-Schub mehr und läuft locker und leicht. Wenn wir Hannes treffen, achte ich ein bisschen strenger darauf, dass mein Dicker sich nicht übernimmt und wir machen ein paar Mal pro Woche gezielte Gymnastikübungen, die seinen Bewegungsapparat stärken sollen. Unser 4 in 1 Complete gehört jetzt fest zum Fütterungsalltag und ich bin zuversichtlich, dass Finley sein Leben noch ganz lange schmerzfrei, genießen kann.

 

Ein Lächeln ist das schönste Make Up, dass ein Hund tragen kann

(Frei nach Marilyn Monroe)

 

„Was Männlicheres ist Dir als Einstieg wohl nicht eingefallen, schnaub … Marilyn Monroe, ey“, sagte Finley zu mir, als wir unseren neuen Text noch mal durchgegangen waren.

„Jetzt stell‘ Dich mal nicht so an“, antwortete ich, „schließlich war sie ja eine der begehrtesten Frauen ihrer Zeit.“

Finley: „Eben! Grummel … Clark Gable, John Wayne, Old Shatterhand … es hätte Alternativen gegeben, Birgit.“

Ja sicher, dachte ich im Stillen aber die Herren hatten sich leider niemals zu Themen wie Zahnhygiene geäußert und waren deshalb hier nicht zitierfähig, Punkt!

 

Mit Finleys Zahnstatus kann ich eigentlich ganz zufrieden sein. Meine Tierärztin meint, dass er da wohl sehr viel Glück gehabt habe mit seinen genetischen Anlagen. Denn ob ein Hund stark oder weniger stark zu Zahnsteinentwicklung neige, hinge zum größten Teil von der Zusammensetzung seines Speichels ab.

 

Dass Finley auch jetzt noch, im hohen Alter von zehn Jahren, gute und gesunde Zähne hat, liegt sicher auch daran, dass wir seine Kauwerkzeuge von Anfang an regelmäßig geputzt haben. Ihr ahnt sicherlich was jetzt kommt – richtig – Finley hält nie still. Ob nun mit Fingerlingen oder Zahnbürste, mit schmackhafter Zahnpaste oder ohne, mein alberner Junge hatte immer viele Tricks drauf, um das Zähneputzen zu einem schweißtreibenden Event zu machen.

 

Ich glaube, Finley und ich, wir hatten beide keine Lust mehr auf diesen Stress. Und weil mein Dicker so gut auf das 4 in 1 Complete reagiert hatte, habe bei AniForte gleich noch mal nachgeforscht. Da muss es doch noch was geben, dachte ich, was uns die Mundhygiene etwas erleichtern kann. Und ich bin fündig geworden. Seit etwa 14 Tagen bekommt Finley nun DENTA Clean & Care Zahnstein-Ex Pulver für Hunde und Katzen von mir ins Futter. Die Dosierung ist einfach, weil der Lieferung ein Maßlöffel beiliegt. Pro 10 Kilogramm Körpergewicht empfiehlt das AniForte-Team einen halben Dosierlöffel voll als Beigabe zum Futter. Für Finley sind das zurzeit 2 volle Dosierlöffel.

 

DENTA Clean & Care besteht aus einer Algenmischung, Petersilie, Kieselgur und Apfeltrester. Anfangs hatte Finley ein wenig mit dem Geschmack des Pulvers gefremdelt, da habe ich ihm vorübergehend etwas Dosenfutter zum üblichen Futter dazugegeben. Problem gelöst, er putzt das jetzt weg wie nix. Das Finleys Atem sogar ein bisschen frischer riecht, als vor der Einnahme, nehmen wir als Bonus natürlich gerne mit.

„Frisch UND männlich natürlich“, sagt Finley und schaut mich vorwurfsvoll an.

„Natürlich, mein Bärchen – supermännlich“, antworte ich und grinse …

 

Tipps für einen entspannten Schwedenurlaub

Gastbeitrag von Schwedenkennerin Maike Harms

 

Ich freue mich sehr, dass ich  Hundefreundin und Schwedenkennerin Maike Harms als Gastautorin für meinen Blog gewinnen konnte. Sie reist mit ihrer Familie und ihren Hunden regelmäßig nach Schweden. Außerdem organisiert sie ab und an auch Gruppenreisen mit Hund nach Schweden und kann Euch ein paar wertvolle Tipps mit auf den Weg geben. Bleibt mir nur noch, Euch viel Spaß im Pippilottaland zu wünschen.

 

Fotos: Maike Harms

 

Mit dem Hund nach Schweden

 

Hunde sind Familienmitglieder und gehören daher auch mit in den Urlaub. Das ist natürlich nicht immer ganz so einfach umsetzbar. Das Reiseziel sollte am besten nicht zu weit entfernt sein, idealerweise mit dem Auto zu erreichen und vor allem sollte es hundefreundlich sein.

Schweden ist das Land von Abba, IKEA und H&M, aber auch das Land der unendlichen und dicht bewaldeten Landschaften, der Elche und der tausend Seen. Wer noch nie in Schweden war, sollte dies dringend nachholen. Gerade für einen Urlaub mit Hund ist Schweden wie geschaffen.

 

Schweden: Ein Hundeparadies

 

Schweden ist hundefreundlich und das liegt vor allem an den dort lebenden Menschen. Böse und verurteilende Blicke oder Mißbilligung ernten verantwortungsbewusste Hundehalter nicht. Schweden sind ein aufgeschlossenes und entspanntes Volk und stehen Vierbeiner ebenso aufgeschlossen gegnüber. Die vielen Seen und Hundestrände laden zum baden und toben ein. Überwältigende Landschaften machen einen langen Spaziergang in Schwedens Natur unvergesslich. Auch für Eure Fellnase.

 

Vor der Anreise

 

Denkt beim Packen bitte unbedingt an eine Kopie Eurer Hundehaftpflichtversicherung inkl. Telefonnummer, falls Euer Hund irgendwo einen Schaden anrichtet. Wichtig für die Einreise ist auch dass die letzte Tollwutimpfung mindestens 21 Tage zurückliegen muss. Demnach dürfen Welpen schon ab einem Alter von 4 Monaten mit in die Ferien, da eine Tollwutimpfung bei einem Welpen mit 3 Monaten durchgeführt werden darf.  Also checkt noch einmal den Heimtierausweis Eures Vierbeiners.
Wie für jeden Urlaub gilt auch in Schweden, dass Ihr Euch vorab über die Tierärzte und Tierkliniken entlang Eurer Reiseroute informieren solltet. Schweden ist groß und manchmal sind die Wege recht weit.

 

Mit dem Auto oder Wohnmobil nach Schweden

 

Ob mit dem Auto oder Wohnmobil, Ihr könnt Schweden auf dem Weg durch Dänemark oder mit der Autofähre ab Deutschland bereisen. Die Fähren der TT-Line von Travemünde nach Trelleborg, der Finnlines von Travemünde nach Malmö oder der Stena-Line von Kiel nach Göteborg bieten beispielsweise hundefreundliche Kabinen an. Da müsst Ihr allerdings schnell sein, denn die Hundekabinen sind sehr beliebt und daher schnell ausgebucht. Auf den Fähren gibt es eine Hundetoilette und meist einen kleinen Auslauf für Eure Vierbeiner. Der Vorteil bei einer Einreise nach Schweden mit der Fähre ist, dass es im Vergleich zu einer Flug- oder langen Autoreise recht enspannt für Euern Hund sein kann. Er genießt auf der Fähre mehr Freiheiten und mehr Auslauf. Wie Ihr einreist, ist aber natürlich eine Geschmacksfrage, wichtig ist nur, dass Ihr Euren Hund bei der Ankunft an der schwedischen Grenze beim Zoll anmeldet.

 

Mit Hund nach Schweden fliegen

 

Wenn Ihr nach Schweden fliegen möchtet sollte Euer Hund der Fluggesellschaft möglichst früh angemeldet werden. Abhängig von der Airline ist, ob Ihr einen Hund überhaupt mitnehmen könnt, ob er im Frachtraum mitfliegt, wie groß und schwer die Transportbox mit Hund sein darf und so weiter. Also informiert Euch gut bei der jeweiligen Fluggesellschaft, was zu beachten ist wenn Ihr mit Hund fliegen möchtet. Ein Vorteil der Flugreise ist die kürzere Reisezeit, allerdings kann diese dann für Euch und Euern Vierbeiner den doppelten Stress bedeuten.

 

Einreise mit Hund nach Schweden

 

Um alle Einreisebestimmungen mit Hund in Schweden einzuhalten, müsst Ihr Euch einige Dinge beachten. Alle Hunde und andere Haustiere, die innerhalb der EU reisen oder in die EU wiedereingeführt werden, müssen einen Heimtierausweis (Pass) besitzen. Dieser Heimtierausweis wird in der Amtssprache des Ausstellungsmitgliedstaates und in Englisch verfasst. Bei allen Transporten zwischen EU Mitgliedstaaten müssen für Hunde und andere Haustiere Heimtierausweise mitgeführt werden. Diesen Ausweis muss der Reisende im Land seines ständigen Wohnsitzes beschaffen.

Folgende Bedingungen gelten für die Einfuhr von Hunden und Katzen aus einem EU-Land:

  • ID-Kennzeichnung mit Mikrochip oder mit einer deutlich lesbaren Tätowierung
  • Impfung gegen Tollwut, entsprechend den Empfehlungen des Impfstoffherstellers, mit einem Präparat, das von der WHO zugelassen ist. Grundimpfung spätestens 21 Tage vor Reiseantritt.
  • Dokumentation in Form eines Passes (Heimtierausweis), in dem der zuständige Tierarzt alle notwendigen Maßnahmen notiert.
  • Zollanmeldung

(Quelle: Auswärtiges Amt)

 

Unterkünfte in Schweden mit Hund

 

In Schweden im Hotel mit Hund zu übernachten gestaltet sich recht schwierig. In den meisten Hotels sind Haustiere nicht gestattet. Das macht aber gar nichts, denn um Schweden richtig zu erleben sollte man eine der folgenden Übernachtungsmöglichkeiten wählen.

 

Campen in Schweden / Mit dem Wohnmobil durch Schweden

 

Das sogenannte „Jedermannsrecht“ in Schweden besagt unter anderem, das man überall für eine Nacht sein Zelt aufschlagen darf beziehungsweise sein Wohnmobil parken darf, solange man nicht in Sichtweite eines Wohnhauses oder auf landwirtschaftlicher Nutzfläche steht. Hier geht es vor allem um Rücksichtnahme auf die Anwohner, damit dieses Jedermannsrecht erhalten bleibt. Es gibt aber auch viele wunderschöne Campingplätze, auf denen ein Hund erlaubt ist. Das Angebot ist riesig und vor allem günstig. Laut ADAC Campingführer ist Schweden nach Deutschland das günstigte Camping-Land Europas. Also ein wahrer Traum für Camping-Fans. Viele der Campingplätze sind das gesamte Jahr über geöffnet und bieten häufig besondere Aktivitäten an wie bespielsweise Wander- und Mountainbikestrecken oder einen Kanuverleih. Langweilen werdet Ihr Euch bestimmt nicht.

 

Haus mieten in Schweden

 

Es gibt viele Anbieter, die haustierfreundiche Häuser in Schweden vermieten, zum Beispiel auf der kleinen Schäreninsel Orust. Diese Häuser haben meist einen größeren Garten, in dem Ihr Euch mit Eurem Vierbeiner austoben könnt. Außerdem sind sie auch häufig mit Schlafplätzen für Hunde und Näpfen ausgestattet.

 

Gassi gehen in Schweden

 

Ein Hundespaziergang in Schweden ist Traumhaft. Es gibt riesige Wälder mit Schluchten, Höhlen und Flüssen zu erkunden. Ein richtiges Abenteuer Für Euch und Euern Vierbeiner. Meist trifft man auch Spaziergängen keinen anderen Menschen und hat die atemberaubende Natur ganz für sich alleine. Vom 01. März bis 20. August gilt allerdings ein Leinenzwang in Wäldern und auf Feldwegen, ebenso wie in Nationalparks und in Gebieten mit Rentierzucht. Am besten Ihr habt immer eine lange Schleppleine dabei, dann kann Eure Fellnase trotzdem die Freiheit Schwedens genießen. Ihr solltet Euch trotzdessen gut informieren wie genau es in der Region ausieht, die Ihr besuchen möchtet. Viele Strände haben, wie auch in Deutschland, einen Hundestrandabschnitt. Badeplätze sind meist durch Schilder gekennzeichnet, die anzeigen ob Hunde erlaubt sind.

 

Essen gehen mit Hund in Schweden

 

Bei einem Restaurantbesuch sollte Euch bewusst sein, dass es nicht selbstverständlich ist seinen Hund mit ins Lokal mitnehmen zu dürfen. Daher solltet Ihr Euch am besten im Vorfels erkundigen, ob Hunde erlaubt sind.

 

Fazit:

 

Auch wenn das nun erst einmal viel klingt, ist Schweden das perfekte Urlaubsland für einen erholsamen Urlaub mit Hund! Es gibt so viel zu sehen, von Natur pur über Krimi Schauplätze (z.B. von Komissar Wallander oder der Stieg Larsson Trilogie) bis hin zum schwedischen Königshaus. Auch eine Kanutour mit Hund ist sehr zu empfehlen!

 

Wer ist Maike Harms

 

Maike Harms ist eine Hundefrau mit Leib und Seele. Pferde und Hunde faszinierten sie schon als Kind. Ihre ersten Erfahrungen mit Hunden sammelte sie mit den Hunden der Nachbarn, die sie regelmäßig ausführte. Als Maike 18 Jahre alt wurde bekam sie endlich ihren ersten eigenen Hund, die Golden Retriever Hündin Amber of Redpine.

Seitdem war Maike nie wieder ohne Hund. Sie entwickelte eine echte Leidenschaft zur Rasse Golden Retriever und gründete ihren Zwinger „Golden Daydreams“. Dort wurden in den vergangenen Jahren viele Welpen geboren, die ihre neuen Familien glücklich gemacht haben. Es zogen auch immer mal Vertreter anderer Rassen bei Maike ein, so hatte sie mal einen Kuvasz, einen Springer Spaniel und heute leben dort die drei Französischen Bulldoggen Fanta, Lakritz und Bully friedlich mit ihren drei Golden Cola, Cornflake und Fussel zusammen. Die Bullys sind die Leidenschaft von Maikes Mann Dieter. Ab und an fällt im Zwinger Golden Daydream auch ein Wurf Französischer Bulldoggen. Wenn Ihr Maikes Rudel einmal kennenlernen wollt, klickt einfach auf den Zwingernamen und Ihr gelangt auf ihre Züchterseite.

1993 machten Maike Harms und ihr Mann Dieter ihre Leidenschaft für Hunde zum Beruf und gründeten das Unternehmen Lucky Pet (hier geht’s zum Shop). Ihr Hauptanliegen gilt gesunder und artgerechter Ernährung von Hunden und Katzen aber ihr findet in dem Shop in Bad Oldesloe auch alles andere, was man als Hundehalter so braucht.

Gutes Füttern alleine macht einen Hund aber nicht glücklich und zufrieden. Er will auch sinnvoll beschäftigt werden. Maike legt sehr viel Wert darauf, dass Hunde abwechslungsreich trainiert werden, damit aus ihnen kluge Allrounder werden, die unterschiedlichste Aufgaben mit vollem Enthusiasmus angehen und lösen können. Deshalb hat sie sich schon frühzeitig ehrenamtlich im Golden Retriever Club als Zuchtwartin, Wesens- und Begleithunderichterin engagiert. Später führte sie ihre eigene Hundeschule. Seit dem Jahr 1990 veranstaltet Maike Trainingsreisen nach Dänemark und Schweden. Trainingsschwerpunkte sind Apportieraufgaben, die Rettungshundearbeit und Fährtentraining.

Maikes Hunde sind geprüfte Pflegedienstbesuchshunde. Sie besucht mit ihnen Alten- und Pflegeheime und bringt so, ein wenig Freude und Abwechslung ins Leben der Bewohner.

Als Züchterin hat Maike natürlich besonders tiefreichende Kenntnisse über die Welpenaufzucht. Es ist die wichtigste Zeit in der Hundeerziehung. Damit Hundeanfänger für diese prägende Zeit ein wenig mehr Hilfestellung bekommen, hat Maike Harms den Welpenratgeber „Welpen-Erziehung: Glücklich & Gesund durch das 1. Lebensjahr“ geschrieben.


Werbung wegen Namensnennung

 

 

 

 

Figaro, Figaro … aus mir wird nie ein Hundefriseur

„Fellpflege schafft Vertrauen, das ist gut für die Bindung“ (Züchter Thomas M.)

 

 

 

Was ich an Finley schon immer besonders geliebt habe, ist sein wunderschönes, volles, dunkelrotgoldenes Fell. Ich kann stundenlang neben ihm sitzen und mit meinen Fingern durch seine weichen Locken streichen. Damit das Fell auch ein Leben lang so schön bleiben würde, hatte mein Züchter mich mit zahlreichen Pflegetipps versorgt.

Jede Woche ein Eigelb oder ein schöner Klacks Quark ins Futter, sagte er und einmal in der Woche sollte ich meinen Hund richtig durchbürsten. „Das lieben unsere Hunde“, sagte mein Züchter und klang wirklich überzeugend. Einer der letzten Begebenheiten bevor ich meinen Finley bekam, war ein Trimmseminar im Garten meines Züchters.

 

Trimmen ist eine Kunst

 

Zuhause angekommen, entschloss ich mich meinem Hund die Haare zu schneiden – fachgerecht, so wie mein Züchter es mir dereinst vorgeführt hatte. Ich hatte also folgende Erinnerungen als Vorbild:

Züchter Thomas bedeutete seiner Hündin Jeany – wortlos – sie möge auf den Gartentisch springen, was sie ohne mit der Wimper zu zucken auch tat. Von den herumliegenden Scheren und Bürsten in keiner Weise irritiert *natürlichnicht, stand sie regungslos da, wie eine aus Marmor geklöppelte, antike Statue. WOW!

Entspannt saß ich im Gartenstuhl und betrachtete das Geschehen.  Ich brannte darauf meinen Hund zu trimmen. Alle bisher unterdrückten Barbie-Frisuren-Fantasien, die ich als Kind gehabt hatte, brachen sich Bahn. Ich würde Haare schneiden und effilieren … Juhuuuuu! Nun hatte ich aber außer Betracht gelassen, dass ich von Thomas ja keine Barbie bekam, sondern einen bockigen Ken.

 

Ein formvollendeter Fächerschnitt ist das Ziel

 

Züchter Thomas fing inzwischen an, den üppigen Schweif seiner Hündin durchzukämmen. Alles mit Bedacht, ruhig und mit Muße.  Jeany ließ sich das mit unfassbarer Gleichmut gefallen. Ganz in Ruhe schnitt er die überhängenden Längen ab. Am Ende fielen die Haare wie von selbst in eine Fächerform, die Starfrisör Udo Walz Tränen der Rührung in die Augen getrieben hätte.

Er verfuhr weiter nach seiner No-Problem-Methode: Pfoten ausputzen – zack, zack … seine Hündin kannte das Prozedere, hob eine Pranke nach der anderen, freiwillig! Dann die Vorbrust, die Haare an der Wamme, die Ohren ausputzen und den Brusthaaren mit der Effilierschere den letzten Touch verpassen … alles passierte ruhig, bestimmt, ohne ein Zucken beim Hund, ohne Fluchtversuch, kein einziges Fiepen, Bellen oder Knurren. Hach, das wollte ich auch, denn schließlich, so sagte mir mein Züchter, würden solche Momente inniger Fellpflege auch die Bindung zum Hund fördern.

 

Scherenshopping – mein Starterpaket

 

Frisieren wie Hamburgs Haarstyling-Ikone Marlies Möller oder wenigstens wie Shirley vom örtlichen Frisörladen, das war meine Mission. Da ich absolut keine Ahnung hatte, von dem was ich da tun würde, wich ich auf mir bekanntes Terrain aus – ich ging shoppen. Im Hundeladen angekommen, ließ ich mich beraten. Gitte die Fachkraft vor Ort nahm mich unter ihre Fittiche und zeigte mir, was man als frisch initiierte Hundepflegekraft so zum Trimmen eines Durchschnitts-Retrievers brauchte.

Das war meine Ausbeute:

Drei Scheren mit glatten Klingen, klein, mittel, groß, sie sollten laut Gittes Auskunft mit dem Hund mitwachsen. *dochhabichgeglaubt

Zwei Effilierscheren, eine mit einer glatten Klinge und eine mit, na zwei Effilierdingsens eben. Dann zwei Krallenscheren, klein und groß, eine Drahtbürste, einen Gummischwamm mit Gummistacheln, falls mein Hund aufs Bürsten empfindlich reagieren sollte, eine normale Bürste, einen Stahlkamm und einen Flohkamm. Dann noch ein forkenähnliches Gebilde, mit dem ich meinem Hund regelmäßig das Unterfell auslichten sollte.

 

Gutes Werkzeug ist wichtig – Djangomesser inbegriffen

 

Dann legte Fachverkäuferin Gitte noch eine Art Schrubber-Messer dazu. Es erinnerte mich ein wenig an ein Rasiermesser aus einem amerikanischen B-Movie-Barbiershop. Dieses Messer landete in solchen Filmen regelmäßig in den Händen eines Mannes namens Django, kurz bevor dieser einem Mann namens Pepe die Halsschlagader durchtrennte. Egal, laut meiner Lieblingsfachkraft gehörte das Mordinstrument zur Grundausstattung einer Durchschnittshundemutti. Also rein damit in die Einkaufstüte.

 

Finley denkt an Flucht

 

Zuhause angekommen, breitete ich meine Ausbeute mit den Worten „na, dann woll’n wir mal“ vor den Augen meines Hundes aus. Finley verschwand daraufhin augenblicklich hinter unserer Regentonne und fing an einen Fluchttunnel zu graben. Es hat mich schon ein wenig Mühe und eine halbe Fleischwurst gekostet, ihn wieder hinter dem Schuppen hervorzulocken.

Also ich mache es mal kurz. Natürlich war gar nicht daran zu denken, dass Finley sich ruhig auf unseren Gartentisch stellte. Scheren und Bürsten wurden entweder abgeschleckt oder er versuchte sie im Fluchttunnel zu versenken. Und unserem Clown den Schweif zu stutzen … ach herrje … versucht das mal bei einem Hund, der mit dem Schwanz wedelt, als würde sein Leben davon abhängen. Dieses Problem schrie nach einer kreativen Lösung.

 

Wir erfinden das Etappen-Trimmen

 

Ich bin die Erfinderin des Etappen-Trimmens. Strategisch, planvolles Vorgehen war von mir gefordert. Also legte ich gleich als erstes eine Schale mit Wurst- und Käseresten bereit. Kluger Schachzug!  Finley nahm sofort Witterung auf, die herumliegenden Scheren und Bürsten verschwanden langsam aus seinem Fokus. Und jetzt stelle ich Euch mein Programm vor. Ein Weg in fünf Schritten, verteilt auf mehrere Tage. Klingt aufwendig, meint Ihr? Stimmt! Schont aber die Nerven.

 

Etappen-Trimmen – unser Weg zur Traumfrisur

 

Schritt 1: Zuerst kürzte ich ihm die puscheligen Haare an den unteren Enden der Hinterläufe. Es lief ganz gut, denn bevor Finley nach einem Spaziergang zu uns ins Haus darf, reinige ich ihm immer die Pfoten.  Er guckte zwar etwas skeptisch, weil ich statt eines Handtuchs, einen Kamm und danach eine Schere zur Hand nahm aber er nahm es hin. Naja, die leckere Fleischwurst und die schmackhaften Käsereste mögen auch ihren Beitrag dazu geleistet haben, dass mein Vorhaben gelang.

Die sogenannten Hosen, den oberen Teil der Hinterbeine, beschnitt ich nicht weil mich dafür, laut Trimmstandard meines Retrieververeins, drakonische Strafen treffen würden.  Auf meinem damaligen Hundeplatz kursierten Gerüchte, dass es Hundehalter gab, die nach dem Beschneiden der Hosen ihres Hundes nie wieder gesehen wurden… Also griff ich zu der „Forke“ und lichtetet lediglich die Unterwolle aus, sicher ist sicher 😉 .

 

Schritt 2: Jetzt, so war der Plan, wollte ich das gleiche mit den Vorderläufen machen. Finley entschied aber genau in diesem Moment, dass wir spielen wollen und fing an durch den Garten zu hüpfen. Ich machte jetzt etwas, was ich aus heutiger Sicht niemandem empfehlen würde. Ich versuchte ihn einzufangen.

Von außen betrachtet bot sich meinen Nachbarn nun folgendes Bild. Ein süsser, kleiner Hund lief vor einer großen, dunkelhaarigen Frau davon. Mit der einen Hand richtete die Frau eine lange Spitze Schere auf den Hund und in der anderen Hand schwang sie ein Barbiermesser durch die Luft . Dabei rief die offenbar völlig irre gewordene Frau sowas wie: „Komm her mein Süßer, dann haben wir es endlich hinter uns …“ Ehrlich gesagt, frage ich mich heute noch, warum damals niemand den Tierschutz gerufen hat. Letztlich, fragt bloß nicht wie,  haben wir die Vorderläufe aber doch noch ausputzen können.

 

Schritt 3: Jetzt wollte ich die Härchen an den Pfoten beschneiden. Tja, also da hatte mein Zappelphilip andere Pläne. Er trappelte auf und ab wie ein Flamencotänzer auf Ecstasy, da hatte ich erst einmal keine Chance. Offenbar war Finley an den Pfoten sehr kitzelig. Im Vergleich zu den mit dem Schrubber-Messer bearbeiteten Läufen sahen die Pfoten aus, wie zerzauste Schminkpinsel aus der Billigdrogerie. Das musste ich nun hinnehmen. Ich machte mir eine Gedankennotiz: Pfoten Ausputzen und die Krallen schneiden brauchten zukünftig einen Extratermin. Möglicherweise Schritt 3 mit Schritt 5 vertauschen, das ist besser für die Nerven.

 

Schritt 4: Das Trimmen der Vorbrust ist bei Finley, allein schon wegen der Fellmenge, eine Herausforderung. Das ist offenbar der Teil der Fellpflege, den Finley in vollen Zügen zu genießen bereit war. Er steckte den Kopf nach oben, sass ganz nah bei mir, ließ sich zwischendurch immer wieder auskämmen und genoss die kleinen Streicheleinheiten zwischendurch. Obwohl diese Etappe am längsten dauerte, verlief sie unkompliziert und ruhig.

Übrigens schneide ich die überstehenden Haare und kleine Puschel an den Ohren nicht, wie es der Ausstellungs-Standard verlangen würde, kurz. Ich finde diesen Wildwuchs nämlich total niedlich. Und solange keine gesundheitlichen Probleme auftreten, darf das bei uns so bleiben.

 

Schritt 5: Als letzten Schritt, in der Hoffnung, Finley möge sich zwischendurch mal etwas weniger freuen und mit dem Schwanzwedeln aufhören, wandte ich meine Aufmerksamkeit seinem Hinterteil zu. Die hohe Kunst des Fächerschneidens ist bei Golden Retrievern nicht zu unterschätzen. Ich gestehe, ich hatte eine leichte Obsession mit der perfekten Fächerform der Haare. Ich wollte es unbedingt so haben, wie ich es auf zahlreichen Hundeausstellungen gesehen hatte.

Also kämmte ich alle Zotteln nach hinten, umfasste sie und als ich losschnitt … Riiitschschsch … kam mein Mann nach Hause, Finley freute sich wie ein Irrer, wedelte mit dem Schwanz und rannte zur Tür. Das Ergebnis dieses Handlungsablaufs war alles andere als ein akkurater Fächerschnitt. Meine Schere war abgerutscht und hatte eine salmiartige Lücke in die Haarpracht geschnitten.

Tja, was ab ist, ist ab, dachte ich mir und entschied mich für einen Freestylecut. Ich schnitt ihm noch drei weitere Salmilücken in den Schweif und Finley lief die kommenden drei Wochen mit einem, durchaus akkurat geschnittenen Zickzackmuster herum. Ich gebe freimütig zu, es hätte sicherlich elegantere Möglichkeiten gegeben, meinen Schnippelunfall zu kaschieren. Sie sind mir aber nicht eingefallen.

 

Meine Töchter fällen ein Urteil

 

„Wenn Du einen Pudel hättest, würdest Du ihn wahrscheinlich lila einfärben“, motzte meine Tochter Motte und warf mir einen verächtlichen Blick zu. (Anm. d. Redaktion: Nein, würde ich nicht!)  „Mensch Mama eine Hundefriseurin wirst Du nie … armer, armer Finley … hat die Mama Dich hässlich gemacht“, ergänzte ihre große Schwester Mausi und umarmte das Tier theatralisch. Und was tat Finley? Na was schon – er seufzte auf, schmiegte sich in Mausis Arme und wedelte mit dem Schwanz.

Ich musste spontan an meinen Züchter denken …  „stärkt die Bindung zu Deinem Hund“, hatte er gesagt … „könnt Ihr zusammen genießen“, hatte er gesagt. Pah! Allerdings hatte er auch mal gesagt, „Birgit wälze Dich auf dem Rasen“ … aber das erzähle ich Euch mal in einer anderen Geschichte.

Meine Mädchen, damals acht und neun Jahre alt,  hatten beschlossen mich nicht so leicht davonkommen zu lassen. „DAS tust Du unserem Hund nicht nochmal an“, sagte Motte und blickte mich strafend an. „Ja, wie sieht den dass aus“, pflichtete Mausi ihrer Schwester in ungewohnter Eintracht bei. Und: „Das überlässt Du beim nächsten Mal, mal schön einem Profi.“ Ich bekam also die töchterliche Anweisung, meinen Hund, sobald seine Haare nachgewachsen waren, bei einer Hundefriseurin vorzustellen. Insgeheim hatte ich auch schon daran gedacht, stimmte also relativ kleinlaut zu. Warum ein Hundefriseur auch nicht immer die richtige Entscheidung sein muss, erzähle ich Euch ein anderes Mal.

 

Ende gut, Haare gut … und wenn sie nicht … dann trimmen wir auch heute noch

 

Inzwischen hat Finley gelernt, sich auch bei der Fellpflege zu entspannen, ich übrigens auch. Wir können diese Momente zusammen genießen. An dieser Stelle, schöne Grüße an meinen Züchter 😉 . Beim Etappen-Trimmen ist es allerdings bis heute geblieben. So muss Finley sich immer nur für einen kurzen Zeitraum zusammenreißen. Ich möchte seine Geduld ja nicht überstrapazieren. Mir gibt das die nötige Ruhe und die Zeit, seine Haare vernünftig und optisch ansprechend zu schneiden. Der Rassenstandard spielt dabei bei uns inzwischen zugegebenermaßen eine recht untergeordnete Rolle. Die Hosen schneide immer noch nicht, die Angst einfach zu verschwinden sitzt bei mir viel zu tief … wer schon jemals Mitglied auf einem Hundeplatz war, wird mich verstehen… 😀

Nach dem Trimmen plane ich immer eine Ruhezeit ein, dann lese ich ein Buch und Finley kann ein wenig vor sich hin dösen. Wir sind uns dann richtig nah. Übrigens, eine leichte Obsession mit der „Fächerform“ habe ich immer noch aber das halten Finley und ich locker aus…

 


Vorankündigung:

Ich lese übrigens zurzeit ein sehr interessantes Buch über die Fellpflege beim Hund. Die Autorin heißt Franziska Knabenreich-Kratz und ist ausgebildete Hundefriseurin. Meine Buchbesprechung zu „Feingemacht“ könnt ihr demnächst hier im Blog lesen.

 

 

Tuschtäterätetäääyeepyeepwhohooo, Finley ist 10 Jahre alt geworden.

Eine Torte für Finley oder lieber doch nicht?

 

Foto: pixabay

 

Tuschtäterätetäääyeepyeepwhohooo, Finley ist 10 Jahre alt geworden.

Es wird Zeit für ein Geständnis. Ich schlage mich schon länger mit einem schlechten Gewissen herum. Fast jede meiner Bloggerkolleginnen hat schon mal Rezepte für Hundeleckerlis, Hundekekse oder einen opulenten Geburtstagskuchen gepostet. Wenn man das liest, bekommt man den Eindruck, dass wöchentliche Backsessions bei ihnen zum normalen Alltag gehören. Sie verwöhnen ihre Vierbeiner mit eigenen Kreationen. Das hat bei mir dann doch ein wenig Druck aufgebaut. Denn ich hingegen hatte das in der Vergangenheit noch nie in Angriff genommen.

 

Küchenschürze um und ran an den Teig

 

Doch zu Finleys 10tem Geburtstag verspürte ich die Verpflichtung, etwas Besonderes für ihn zu schaffen. Schmackhaft und kreativ sollte es sein. Also wollte ich für meinen Dicken mein Back-Tabu brechen. Was sollte schon passieren? „Hey Finley, das wird ein Spitzenkuchen, zwei bis drei Etagen und jedes Stockwerk erzählt einen Teil unserer Geschichte“, sagte ich leicht übermotiviert zu ihm.

Finley seufzte und antwortete: „Ähm, mach Dir doch nicht so viel Arbeit. Lass uns lieber spielen gehen.“ Na etwas mehr Begeisterung hatte ich mir nun doch erwartet.

 

Meine Töchter dozieren über meine Fähigkeiten

 

Inzwischen hatten sich meine beiden Töchter in der Küche eingefunden und begegneten meinen Backplänen eher skeptisch. „Mama, echt jetzt“, sagte Motte, „backen ist ja wirklich nicht gerade Deine Stärke.“ Brutale Ehrlichkeit liegt bei uns in der Familie.

„Ne, echt nicht, ich sage nur – Erdbeertote“, ergänzt ihre Schwester Mausi bedeutungsvoll und täuschte einen Würgereiz vor. Motte bog sich vor Lachen.

Ja, ja, lacht ihr nur ihr undankbaren Bälger, dachte ich und musste im Stillen eingestehen, dass ihre Kritik durchaus berechtigt war. Backen gehörte garantiert nicht zu meinen Kernkompetenzen. Ich hatte mir in der Vergangenheit schon den einen oder anderen Lapsus geleistet. Und die besagte Erdbeertorte war sozusagen der Gipfel meines backaktiven Versagens gewesen.

 

Mein Erdbeer-Gate

 

Was war geschehen? An Mausis 12tem Geburtstag wollte ich ihr eine besonders leckere Geburtstagstorte machen. Was soll ich sagen, ich bin die einzige Person die ich kenne, der es gelingt, ein Dr. Oetker Backrezept zu versauen und zwar nach Strich und Faden. Dabei fing alles so gut an. Der Tortenboden war gelungen und in die Form gebracht. Jetzt musste ich nur noch die Frischkäsecreme herstellen, den Kuchen mit frischen Erdbeeren verzieren und das Werk dann zum Abkühlen in den Kühlschrank stellen. Bingo! Doch dann …

 

Improvisation ist das halbe Leben …

 

Uuuupsi – ich hatte vergessen den Frischkäse zu kaufen. Es war zu spät, um noch einmal zum Einkaufen loszufahren, also musste ich Ersatz im eigenen Kühlschrank finden. Und da gab es nur noch cremigen Hüttenkäse. Nach kurzem Überlegen entschied ich, dass frische Erdbeeren und Hüttenkäse geschmacklich eigentlich doch ganz gut zusammenpassen würden und rührte die aufgelöste Gelantine und die anderen Zutaten in die Käsemasse. Dann verteilte ich die Creme auf meinem Tortenboden. Optisch war der Nobake-Kuchen der Knaller. Die Folge seines Genusses allerdings, waren kotzende Kinder auf der Geburtstagsfeier, ein Golden Retriever der sich angeekelt weigerte das dargebotene Kuchenstück zu verschlingen und ein äußerst übelgelauntes Geburtstagskind. Meine Familie verhängte danach für mich ein familiäres Backverbot für mindestens drei weitere Geburtstage. Ich war auf Bewährung.

 

Unsere Blacklist

 

Meine zwei pubertierenden Mädchen führen seitdem eine schwarze Liste. Ganz oben steht „Mamas Erdbeerkuchen“, gefolgt von „Mamas gedecktem Apfelkuchen“ und „Mamas Bananen Muffins“. Das alles nur, weil ich meinen Drang, von Rezepten abzuweichen und sie kreativ zu verfeinern nicht in den Griff bekomme. Beim Kochen ist das kein Problem, das kann ich wirklich gut … außer Kürbissuppe, die steht auch auf dem Index …

 

Zaubern oder nicht zaubern – das ist hier die Frage …

 

Belastet mit dieser Historie stand ich nun in meiner Küche vor den leckeren Zutaten, die ich für Finleys Geburtstagstorte besorgt hatte. Ein Rezept hatte ich – wen wundert das jetzt noch – nicht. Da lagen jetzt, jungfräulich, lecker und unverdorben, ein paar knackige Wienerle, sechs marktfrische Eier, 500g Magerquark und eine Handvoll Käsewürfel von feinstem Cheddar auf dem Tresen. Sie warteten darauf, dass die Queen of Bakery gegen ihre Bewährungsauflagen verstieß.

 

Einen Kuchen sie zu knechten …

 

Als ich da so stand und darüber nachsann, wie ich in die noch jungfräulichen Zutaten etwas Raffinesse zaubern könnte, stupste Finley mich an.  Seine Bernsteinfarbenen Augen waren umwölkt und sein flehentlicher Blick durchdrang mich. Es schien, als wolle er mich hypnotisieren.

Und es wirkte, mir wurde leicht schwindelig.

Ich hörte seine Stimme, rauh und eindringlich. Er klang wie Gollum in „Herr der Ringe“.  „Tu es nicht“, wisperte er, „Das ist mein Schaaatz … gib ihn mir … so wie er ist … BLOß NICHT BACKEEEN …“

Wie in Trance, getrieben von Gollums Stimme, griff ich nach einem Würstchen und gab es ihm, dann etwas Käse …. „Meeehr … nicht aufhören … ich muuuss ihn haben, den Schaaatz … “, hörte ich meinen Hund flüstern.

 

Die Liebe triumphiert

 

Am Ende hatte ich den Quark in eine Schale gefüllt, hatte ihn mit sechs Eigelben, fünf Wiener Würstchen und einer Hand voll Käsewürfel garniert und stellt das Ganze vor mein sabberndes Geburtstagskind. Finley brauchte etwa drei Nanosekunden um die Köstlichkeit zu verputzen und als ich aus meiner Trance aufwachte, blieb mir nur noch die Schale zu reinigen und in den Schrank zu stellen.

Ich war erschöpft. War das jetzt ein Erfolg oder hatte ich kläglich versagt? Hatte ich am Ende alles geträumt? Ich schaute auf Finley. Mein satter Jubilar schien zufrieden und glücklich zu sein. Manchmal ist etwas nicht zu tun, das schönste Geschenk von allen.  Ich habe Dich lieb mein Quarkbärchen und ich wünsche mir, dass Du mir noch viele schöne und aufregende Jahre mit Dir schenkst. Dann verspreche ich Dir auch niemals für Dich zu backen …

 

Finleys andere Geburtstagsgeschichten

Der sechste Geburtstag:   Ein Liebesbrief mit Augenzwinkern

Der siebente Geburtstag: Happy Birthday Finley – Ein Liebesbrief in Bildern

Der achte Geburtstag:      Acht Jahre – Wir feiern „Blecherne Hochzeit“ 

Der neunte Geburtstag:   Tanz auf dem Eis – Finley wird neun Jahre alt

 

 

Der nächste Hund wird ein … ja was denn?

Man wird ja wohl mal fragen dürfen

 

 

Vor einiger Zeit trafen Finley und ich Frieda und ihr Frauchen beim Spazierengehen. Die 13 Jahre alte Ridgebackhündin ist eine gute alte Bekannte von uns. Sie hatte in Finleys Sturm und Drang Zeit manchmal erzieherisch auf ihn eingewirkt, wofür ich echt dankbar war, weil es mir zu dem Zeitpunkt noch nicht so gut gelang.

Katrin, Friedas Frauchen, sah Finley prüfend an und sagte: „Na Du musst doch jetzt auch schon 8 oder neun Jahre alt sein. Du wirst ja schon grau um die Schnauze.“ Und an mich gewandt fuhr sie fort: „Und? Soll es denn wieder ein Golden werden, wenn Finley mal nicht mehr ist?“

 

Finley, sie meint es ja nicht böse

 

Also ich mag Katrin wirklich sehr gerne und ich weiß, sie meinte es nicht böse aber mir versetzen solche Fragen immer einen schmerzhaften Stich ins Herz. Wenn ich ehrlich bin, finde ich es auch immer etwas unpassend so etwas zu fragen, wenn mein Bärchen neben mir steht. Finley wohl auch, denn er schnaubte entrüstet auf, wandte sich ab und ging demonstrativ ins Dickicht zum Schnüffeln. Er sieht es so: Einen vollwertigen Amtsnachfolger für ihn gäbe es ohnehin nicht – lächerlicher Gedanke. Thema fertig!

 

Auswahlkriterien – Rasse, Fellfarbe, sozialer Status

 

In diversen Hundeforen in den sozialen Medien wird die Frage nach dem Nachfolgemodell unverblümt offen diskutiert. Insbesondere scheint es interessant zu sein, welche Rasse das nächste Mal in den Haushalt einziehen soll.

Kaum ist so ein Thread online, füllen sich die Kommentarspalten mit Beiträgen die inhaltlich die Treue zu bestimmten Rassen manifestieren. In etwa so: „Einmal Aussie, immer Aussie …“. Die Rassenamen kann man da beliebig austauschen. Gleich darauf folgen Aussagen wie „… ich möchte mal was Kleines/Größeres …“, …“nie wieder ein Jagdhund/Hütehund …“ oder auch “… wieder sowas Durchgeknalltes …“, „…Muss Knallbirne draufstehen, dann nehme ich ihn/sie mit …“, „Bin Plattnasenfan …“ und so weiter. Hier zeigt sich deutlich wie bunt unsere Hundewelt auch auf der menschlichen Seite ist.

Fakt ist nun einmal Finley wird nicht jünger, also ist es vielleicht gar nicht so abwegig, sich einmal ernster mit diesem Thema zu beschäftigen. Denn, und das ist das Einzige was unumstößlich feststeht, ein Leben ganz ohne Hund kann ich mir nicht vorstellen. Außerdem sind in letzter Zeit im Bekanntenkreis ein paar wundervolle Hunde gestorben, das macht nachdenklich. Deshalb traue ich mich jetzt einmal etwas näher an das Thema heran.

 

Der Familienrat war nicht zielführend

 

Am letzten Wochenende habe ich dann mal meine Familie gefragt, wie sie zu dem Thema steht. Das war gewissermaßen mein analoger Sonntagsfrühstücks-Thread: „Sagt mal, habt Ihr Euch schon mal Gedanken über Finleys Nachfolger gemacht?“

Finley: „Schnaub, pühh …“

„Auf jeden Fall muss es ein kurzhaariger Hund sein“, sagte mein Mann wie aus der Pistole geschossen. Bei ihm ist der Leidensdruck gerade in gleichem Maße angestiegen, wie seine Leidensfähigkeit gesunken ist.  Denn Finley gibt dem Wort Fellwechsel zurzeit eine ganz neue Bedeutung. Er flockt aus wie Omis alter Flokkati und zwar täglich seit Monaten, ganz egal wie oft ich ihn bürste.

Kaum habe ich durchgesaugt, liegen schon wieder goldene Fellbüschel herum. Da meine zwei pubertierenden Töchter kein Problem damit haben, einfach über die Flocken die Finley auf unserem Fußboden hinterlässt hinwegzusteigen, sind Ihre Kriterien anders gelagert.

Mausi: „Ich will einen kleinen, wuscheligen Hund, den ich auf den Schoß nehmen kann.“

Finley: „Auf den Schoß? Wo ist das Problem ich bin wuschelig und kuschelig. Ich hab‘ Dich lieb … ich kooooommeeee!“

Motte: „Ich will eine Katze, die sind … Katzen eben … oder einen schwarzen Labrador … ein Mädchen … mehr Mädelspower, yay!!!“

Finley: „What??? Schnaubppffft …“

 

Es bleibt wohl meine Entscheidung

 

Um es hier mal deutlich zu sagen, unser Familien-Brainstorming war nicht sehr erhellend. Letztlich wird es irgendwann einmal meine Entscheidung bleiben, welcher Hund bei uns einziehen darf. Ich werde diejenige sein die ihn oder sie erzieht und die meiste Zeit mit ihm oder ihr verbringen wird.  Also dann, Birgit welchen Hund würdest Du Dir als nächstes anschaffen?

Als ich damals nach meinem ersten Hund suchte, habe ich tatsächlich zuerst recherchiert, was mir die einzelnen Rassen abfordern würden. Ich habe das gesamte VDH-Rasselexikon von A bis Z durchforstet. Habe nach Eigenschaften geschaut, danach ob es Züchter dieser Rasse bei uns in der Nähe gab und habe ab und an mit einem Züchter telefoniert. Optik war ein wichtiger Faktor, natürlich sollte mir mein Hund auch optisch gefallen.

 

Informationen aus erster Hand

 

Meine zweite Informationsquelle war mein Bekanntenkreis. Wer hat da welchen Hund, sind sie glücklich mit ihrem Tier, was können sie mir von ihrem Alltag berichten. Ich streifte hundelos über Hundefreilaufflächen, beobachtete die Vierbeiner und sprach deren Besitzer an um an Informationen aus erster Hand zu kommen. Langsam entwickelte ich ein Faible für Retriever. Zurzeit, das liegt auf der Hand, ist mein Golden mein Favorit. Obwohl, wenn ich ganz ehrlich bin, werfe ich regelmäßig ein paar sehr interessierte Fremdgeher-Blicke auf die Labradorfotos einer ganz bestimmten Züchterin bei uns im Norden.

 

Mein Fokus hat sich verschoben

 

Im Laufe der letzten Jahre habe ich mit zahlreichen, interessanten Hunden unterschiedlicher Rassen arbeiten dürfen. Jeder hatte seinen eigenen Charakter, seine kleinen Macken und jeder hatte seinen speziellen Charme. Mein Fokus ist folglich etwas abgerückt von den äußerlichen Kriterien. Ich habe, nicht zuletzt durch Finley, so viel gelernt über Hundeverhalten, Kommunikation und Hundepsychologie, dass mein Auswahlschwerpunkt heute wohl bei den inneren Werten zu suchen wäre.

Im Klartext bedeutet das: Ich möchte wieder einen Hund den so schnell nichts aus den Socken haut. Er darf ruhig einmal ein wenig stur werden und seinen eigenen Kopf haben. Ich weiß, dass ich das aushalten kann und trotzdem einen Weg finden werde ein gutes Team mit diesem Hund zu bilden. Ich möchte einen Hund, der sich auf mich und meine Familie einlässt, so wie wir uns auf ihn und seine kleinen Macken einlassen werden. Er muss Kumpelqualitäten mitbringen. Dabei darf er oder sie ruhig Temperament haben, wir lenken das dann schon in Bahnen, die für uns beide akzeptabel sind.

 

Ein Hund mit Potential, mit der Lizenz zum Kumpelsein

 

Mit anderen Worten, es wird ein Hund werden, in dem ich das Potential erkennen kann, alle diese Dinge im Laufe der Zeit unseres Zusammenlebens zu erarbeiten. Der Weg dorthin, wird uns als Team zusammenschweißen. Ob das dann wieder ein Golden wird? Schon möglich, es kann aber auch ein Mischling aus dem Tierschutz oder vielleicht doch ein Labrador aus meiner Lieblingszucht werden, das ist heute noch offen.

Bis es soweit ist, dass ich mir ernsthaft darüber Gedanken machen muss, werde ich sicher noch ein paar schöne Jahre mit Finley erleben. Und ich habe das Gefühl, dass Finley auch noch ein paar Streiche auf Lager hat…

 

 

 

 

 

 

Das Kompostier frisst Gras, frisst Gras, frisst….

Mein Hund der lässt das Grasen nicht, da muss ich was tun

In den letzten Wochen waren Spaziergänge mit Finley schon ziemlich speziell.

Meine Überzeugung das Hunde Fleischfresser sind, ist durch sein Verhalten gewaltig ins Schwanken geraten. Mittlerweile tendiere ich zu der Aussage, dass sie Allesfresser sind, mit einer starken Tendenz zum Vegetarier-Dasein.

Denn sobald wir unser Haus verlassen hatten und mein Hund etwas Grünes – vorzugsweise Gräser aller Arten – erspähte, stürzte er sich gierig darauf, wie eine Truppe Kreuzfahrtrentner auf die Salatbar beim Kaptain’s Dinner. Und dann wurde gegrast, mit einer Vehemenz, die alles in den Schatten stellte, was ich bisher beim Fressverhalten meines Hundes beobachtet hatte. Bauer Stüffels Kühe erblassten ob seiner Fähigkeiten vor Neid.

Und hey, ich kann hören was Ihr jetzt denkt: Lass‘ ihn doch. So ein Retriever-Magen verdaut doch alles. Dazu sage ich, jaaa, aber …

Finleys Magen ist, wie sein Charakter, etwas anders geartet als es beim Durchschnitts-Retriever zu erwarten wäre. Sein Magen ist ein Sensibelchen, ein in sich geschlossenes Ökosystem.

 

Es gibt zwei Hauptvarianten, wie Finleys Verdauungssystem mit den überwältigenden Mengen Grünschnitt umzugehen beliebt.

Da ist die Variante 1 – Die Totalverweigerung

Etwa 20 Minuten nach der Nahrungsaufnahme, ändert sich Finleys Blick. Erst schließt er kurz seine Augen, dann schaut er mich erstaunt an, legt den Kopf schief und gibt einen tiefen Seufzer von sich. Unterdessen beginnt sein ganzer Körper an zu pumpen und „wump, wuummpp, wuuummmppp …. wuaaahhhh … „ Ihr könnt es Euch denken, es ist nicht schön, was da zum Vorschein kommt. Der einzige Vorteil dieser Variante für uns, seine Menschen ist, dass damit dann vorerst alles erledigt ist – bis zum nächsten Spaziergang.

Dann Variante 2 – Die Kompostierung

Sie dauert meistens den ganzen Tag und findet hinter verschlossenen Magenwänden statt. Man hört es poltern und grummeln in dem ruhesuchenden und schlafenden Hund. Dann beginnt es zu blubbern. Das ist der Moment in dem man besser das Weite suchen sollte. Und egal welche Temperaturen draußen vorherrschen, Fenster aufreißen ist eine brillante Idee – und zwar alle! Denn das Endprodukt des Entgasungsvorgangs im Kompostier hat sedierende Wirkung auf Humanoide. Ersatzweise empfiehlt sich der Einsatz einer Gasmaske.

Die Einleitung von Gegenmaßnahmen wurde nötig

Nach zwei Wochen Napalm-Angriff hatte ich die Nase voll. Da konnte doch etwas nicht stimmen. Da Finley ohnehin geimpft werden musste, wollte ich das Thema bei meiner Tierärztin einmal ansprechen, denn immer häufiger ließ Finley auch kleine Portionen seines Futters stehen.

Meine Tierärztin vermutete, es könne etwas mit Finleys Alter zu tun haben. Er sei jetzt neun Jahre alt und es wäre vielleicht gut ihm statt einer großen Mahlzeit am Tag zu geben, auf drei kleinere Portionen umzustellen. Dann sei das Hungerloch zwischendurch nicht ganz so groß. Denn möglicherweise versuche er nach der langen Futterpause einfach seinen Hunger zu stillen. Das leuchtete mir ein, das war einfach.

 

Dann meinte sie aber auch, in Finleys Alter würden sich auch häufiger Organkrankheiten ankündigen. Dass festzustellen benötige allerdings die Anfertigung eines großen Blutbildes. Da unsere letzten Jahre frei von Untersuchungen und Krankheiten waren, habe ich dem zugestimmt. Ich will es kurz machen, es war alles pikobello. Da konnten wir uns entspannen. Also blieben als Alternativen übrig:

  1. Das Futter-Intervall ändern. Das machen wir.
  2. Ab und an mal Magermilchprodukte und Distelöl zum Futter dazugeben. Okay, keine Einwände.
  3. Auf Seniorenfutter umstellen. Damit tue ich mich schwer, denn bei den meisten Sorten steht in der Beschreibung „Für Hunde, die nicht mehr so aktiv sind.“ Das trifft auf Finley nicht zu, er ist fit, bekommt täglich seine im Schnitt 3 Stunden Bewegung und auch der Kopf hat viel zu tun. Ab und an nehem ich ihn auch mit zur Arbeit – er hat also auch noch einen Job. Also gestrichen.

„Antigras-Training“ für die Verhaltensänderung

Schnell hatten sich die ersten Besserungen eingestellt aber ab und zu ging Finley immer noch mit Bauer Stüffels Kühen grasen. Also entschloss ich mich auch noch ein bisschen „Antigras-Training“ als unterstützende Maßnahme einzufügen. Ich ließ Finley frei laufen und versteckte während er schnüffelte, und die Umgebung erkundete Leckerchen auf Baumstümpfen, auf gestapelten Baumstämmen, auf dem Weg und schließlich auch in Grasbüscheln, die am Wegesrand standen. Dann rief ich ihn zurück und schickte ihn mit einem „Such Futter“ los.

Wenn Finley mit der Nase arbeiten kann, ist er glücklich. Deshalb setze ich die Nasenarbeit auch gerne ein, wenn ich etwas an seinem Verhalten ändern möchte. In diesem Fall ist der Plan super aufgegangen. Die Kombination von leckerem Futter und der Tätigkeit, die er so sehr liebt, hat ihn das Gras und das andere Grünzeug vergessen lassen. Sicher schaut den einen oder anderen Grasbüschel noch mal verliebt an. Wenn ich ihm dann als Alternative ein Suchspiel anbiete, ist das aber vergessen.

Pssst und ja, natürlich hat er mich auch ein ganz kleines Bisschen konditioniert. Finley wird es so sehen: Grasbüschel untersuchen – Frauchen lässt mich suchen – LÄUFT!!!

Aber hey, wenn wir beide Spaß daran haben …

„Fuß“, „Fuhuuuß“, „Fussssjetzt!!!“, „GehFußDudickköpfigerBlubberko…*+#+**##*!“

 

„Fuß“, „Fuhuuuß“, „Fussssjetzt!!!“, „GehFußDudickköpfigerBlubberko…*+#+**##*!“

Jeder kennt das auf irgendeine Weise. Man freut sich auf einen Spaziergang und der Hund flippt aus, zieht wie eine Dampflokomotive an der Leine, macht was er will. Bei Finley, meinem Rüden, stand das täglich auf seiner To-Do-Liste. Als Finley bei mir einzog, hatte ich keine Ahnung was Leinenführigkeit eigentlich bedeutet. Und wie ich bald feststellen sollte, verstand auch jeder Hundetrainer etwas anderes darunter.

Kleine Zusammenfassung:

Bei Fuß gehen, auf der linken Seite, auf der rechten Seite, ohne zu Schnüffeln oder Schnüffeln erlaubt, den Hundeführer anschauen oder in die Ferne, Pinkeln ist böse, Bedürfniserledigung nach vorherigem Freigabesignal okay. Hund läuft an langer, lockerer Leine, vor, neben oder hinter Dir, hinter Dir aber niemals vor Dir, während des Laufens mit dem Hund reden, nicht quatschen, bei Fehlverhalten ein deutliches NEIN raushauen, oder lieber ein sanftes SCHADE säuseln, alternativ ignorieren und dann, wenn Wohlverhalten folgt, großes Kino und loben, loben, loben. Leinenführigkeit, die Geißel aller Hundehalter.

Auf meiner verzweifelten Suche nach dem Schalter, den ich bei meinem Hund umlegen musste, damit er gewillt war, ordentlich an der Leine zu gehen, entdeckte ich vor allem meine ungeahnte Fähigkeit Schmerzen zu ertragen. Wenn 36 Kilo Muskelmasse in die Leine gehen, dann zwiebelt das – und wie. Dass die Lösung nicht mit 0815-Drill zu tun haben würde, ich sie bei mir und meinem Hund finden und es mit Verstehen und Verständnis zu tun haben würde, habe ich erst später entdeckt.

Vorher begann für mich eine Odyssee durch unzählige Hundeschulen. Ich musste mit einem am Kurzführer hängenden, empörten Finley 45 Minuten im Stechschritt auf- und ablaufen. „Der gibt schon irgendwann auf“, brüllte der Platzchef. Pustekuchen, nicht mein Rüde!

Der nächste Trainer verlangte von mir, ein Baum zu sein. Ich sollte jedes Mal, wenn ich Zug auf der Leine spürte, konsequent stehen bleiben und erst dann weitergehen, wenn mein Rüde lockerließ. Freiwillig *grins! Ratet mal – richtig! Finley und ich verbrachten die Unterrichtsstunde im Stehen, während die anderen Teilnehmer und ihre Streberhunde um uns herumflanierten. Pssst, kleiner Tipp von mir – Druckabbau geht anders.

Die nächste Trainerin war ein Geheimtipp in unserer Vorstadt. Gisela, ehemalige Sozialpädagogin, sagte: „Du musst Deinen Hund zuerst im Universum treffen.“ Ich soll WAS? Ach, was soll’s, dachte ich. Ich war verzweifelt, zu allem bereit, wenn ich nur einmal 100 schmerzfreie, entspannte Meter mit diesem Hund schaffen könnte, würde ich mich dafür auch in den Orbit schießen. Gisela weiter: „Wir bauen jetzt Deine Chakren auf.“ Sie gab mir die Anweisung, die Arme auszubreiten, über den Platz zu schreiten und dabei folgende Sätze zu skandieren: „Ich KANN das“, „Folge mir“ und „ICH bin das Universum!“ Ziel war es, dass Finley von mir so hingerissen sein sollte, dass er mir fortan bedingungslos folgen würde. Also stolzierte ich wie eine bekiffte Sektenchefin, kurz bevor sie ihre Anhänger in den kollektiven Selbstmord trieb, über das grüne Gras. Derweil hatte sich mein Rüde am Rasenrand niedergelegt und betrachtete mich skeptisch. Bedingungsloses Folgen, keine Spur. Warum auch? Frauchen war offensichtlich irreversibel durchgeknallt und in keiner Weise mehr zurechnungsfähig.

Ich war erschöpft, Finley auch, wir brauchten eine Pause. Ich begann, mir die richtigen Fragen zu stellen. Was war mir wichtig im Zusammenleben mit meinem Hund? Was davon entsprach auch Finleys Charakter?  Kadavergehorsam war von ihm nicht zu erwarten und den wollte ich auch nicht. Ich musste lernen, ihn besser zu verstehen, dann würden wir gemeinsam einen Weg finden. Zahlreiche Seminare zum Thema Hundeverhalten, Lerntheorien und Jagdverhalten folgten. Dort lernte ich die Signale meines Hundes zu deuten, seine Aufmerksamkeit bei mir zu halten. Und je besser ich ihn verstand, desto kooperativer wurde Finley. Und viel wichtiger, wir hatten plötzlich viel Spaß miteinander.

Diese Erfahrung ist für mich heute ein zentraler Ausgangspunkt meiner Arbeit als Hundetrainerin. Ich bin sehr offen für die Nöte und Emotionen anderer Hundebesitzer. Ich schaue immer zuerst, was ich dem Menschen abverlangen kann. Ich versuche, den Menschen zu stützen, nicht zu demoralisieren. Schließlich ist er das halbe Team. Dann betrachten wir gemeinsam den Hund. Welche Möglichkeiten und Hypotheken bringt er mit? So entstehen für jedes Team individuelle Trainingsstrukturen.

Für Finley und mich gilt inzwischen leben und leben lassen. Es ist nicht mehr von Bedeutung, ob er neben, vor oder hinter mir läuft. Wichtiger ist, dass ich jederzeit seine Aufmerksamkeit erlangen kann und das klappt gut. Die übrige Zeit darf er schnuppern, sich lösen und in die Ferne gucken. So konnte auch Finley sich entspannen. Wir sind jetzt ein Team, kämpfen nicht mehr gegeneinander. Unser Fazit: Der Begriff Leinenführigkeit ist dehnbar. Er bedeutet genau das, was ein Team braucht, um zufrieden zusammen leben zu können. Es gibt nicht nur den EINEN Weg. Die Suche nach dem Richtigen schweißt zusammen. Finley und ich sind dann mal unterwegs, in unserem Universum…

 

 

 

SaveSave

SaveSave

SaveSave

SaveSave

SaveSaveSaveSave

SaveSave

SaveSave

SaveSave

SaveSave

SaveSave

SaveSave

SaveSave

SaveSave

Tanz auf dem Eis – Finley wird neun Jahre alt

 

Da sitzen wir nun um Finley herum und kraulen ihn, streicheln und liebkosen ihn, als gäbe es kein Morgen mehr. Finley räkelt sich in unserer Mitte, auf den Rücken gedreht, alle vier Pfoten von sich gestreckt und lässt sich das gerne gefallen. Finley hat heute Geburtstag. Er wird neun Jahre alt.

Gedankenversunken blicke ich auf meinen Hund und sage: „Neun Jahre. Mensch Finley, das war ein Tanz auf dem Eis.“ Meine Tochter Mausi murmelt: „Nur nicht so elegant wie bei ‚Holiday on Ice’.“ Die ganze Familie prustet los, denn Finley und mich mit einem eleganten Eistanzpaar zu vergleichen wäre wirklich gewagt. Wir zwei sind wohl eher die Slapstick-Version. Obwohl… ich beginne darüber nachzudenken. Während Finley von meinen Töchtern mit übelriechenden Leckerchen verwöhnt wird und mein Mann mit sonorer Stimme ankündigt, heute gäbe es mal eine kleine Radtour außer der Reihe, fange ich an in meinen Erinnerungen zu schwelgen.

Ich erinnere mich an unsere Anfangszeit im Hundetummelwald in Tangstedt. Ich könnte jetzt behaupten, ich wäre mit Finley dorthin gegangen, weil er Kontakt zu Hunden gebraucht habe. Das war zwar auch ein Grund aber eher ein untergeordneter. Fakt war, dass Finley die Führleine an sich, zu dieser Zeit als eine Art Folterinstrument begriff, welches ausschließlich an seinem Geschirr befestigt werden durfte, damit er mir damit die Schultergelenke auskugeln konnte. Dort konnte ich ihn laufen lassen. Die 20 Meter vom Parkplatz auf das eingezäunte Gelände, waren anfangs die Hölle für mich. Folgen: Großer Zeh einmal gebrochen, kleiner Finger zweimal gebrochen, Selbstbewusstsein dauerhaft beschädigt…. Ich war halt auch mal ein blutiger Anfänger.

Später, man kannte uns inzwischen, hatte ich mir bei den erfahreneren Hundehaltern einen nicht unerheblichen Mitleidsbonus erarbeitet. Wenn wir in den Tummelwald fuhren, lief das folgendermaßen ab. Ich fuhr auf den Parkplatz, ging erst einmal alleine ins Gelände und machte mal bekannt, dass WIR nun da seien. Daraufhin stellte sich ein wohlgesonnener Mensch an die Pforte. Pforte und Heckklappe wurden zeitgleich geöffnet, Finley sprintete leinenlos in den Wald und wurde von seinen Kumpels in Empfang genommen. Ich weiß, nicht ideal aber es hat funktioniert und für mich war es so erheblich knochenschonender. Kaum hatte mein ungebremstes Temperamentsbündel das Gelände betreten, entspannte Finley sich auffällig und ich durfte meinen Hund auch mal von einer anderen Seite kennenlernen.

Wir beide haben dort viel gelernt und haben dort auch viel Unterstützung erfahren. Ich habe viel über das Verhalten meines Hundes gelernt und konnte ihn in der Interaktion mit anderen Hunden beobachten und langsam mein Vertrauen in ihn und auch in mich wiedergewinnen. Oder anders ausgedrückt dort fingen wir an als Team zusammenzuwachsen. Freundschaften, die in diesem Wald entstanden sind, halten bis heute, die menschlichen genauso, wie die hündischen.

In diesem Wald begann unser Tanz auf dem Eis, etwas holperig, nicht sehr elegant aber nachhaltig. Hier lernte ich, dass es eher hinderlich sein kann sich an Dogmen festzubeißen, dass es sich lohnt seinen Hund als Individuum zu sehen. Keine „so hat man es schon immer gemacht’s“ mehr und immer mehr „was will ich’s“ und „was braucht mein Hund’s“. Ein Weg gepflastert mit Hindernissen, Momenten in denen ich vor Scham am liebsten im Boden versunken wäre, aber auch mit vielen Aha-Momenten und unzähligen Momenten, die mich mit Freude und Stolz erfüllt haben. Ich möchte heute keinen dieser Momente missen.

Irgendwie hat dieser holperige, mit Slapstick-Einlagen gepflasterte Weg doch dazu geführt, dass Finley und ich heute relativ harmonisch auf dem Eis tanzen könnten – wenn es uns denn noch wichtig wäre. Also mein Bärchen, herzlichen Glückwunsch zu Deinem Geburtstag, wir lieben Dich so wie Du bist. Bleibe uns noch möglichst lange erhalten. Oder wie man beim Eistanzen sagt: Technische Note 5.9 – Künstlerischer Ausdruck 6.0.

 

 

 

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerkenMerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerkenMerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

Retriever-Bashing, eine Bitte um Differenziertheit und Fairness

Finley, mein spezieller, toller, herausfordernder Rüde, mein bester Kumpel

Aus aktuellem Anlass habe ich diesem Artikel meine Stellungnahme zu den Ereignissen der letzten Tage beigefügt. Zu dem Beitrag geht es hier

 

 

 

 

 

„Die Golden Retriever Lüge“ diese reißerische Schlagzeile erregte gestern meine Aufmerksamkeit. Gesehen hatte ich sie bei meiner Bloggerkollegin Nicole vom Hundeblog Moe & MeNatürlich habe ich mir diesen Artikel durchgelesen – mehrfach – denn mit dem Begriff Golden Retriever Lüge konnte ich gar nichts anfangen. Und wenn ich ehrlich bin, hat mich dieser oberflächliche Artikel auch nach mehrfachem Lesen mit vielen Fragezeichen zurückgelassen. Zum Artikel geht es hier.

Inhaltlich bleibt erst einmal festzustellen, dass Moe offenbar ein Hund ist, der mit Hundebegegnungen so seine Schwierigkeiten hat. Der Zufall will es, dass er öfter mit einem Golden Retriever aneinandergeraten ist. Daraus so eine Alle-Retriever-sind-so-Haltung zu generieren, empfinde ich für so einen renommierten Hundeblog als zu dünn und unreflektiert. Oder anders ausgedrückt: Wenn Finley und ich auf Enrico C. und sein Frauchen treffen, sind wir in einer ähnlichen Situation. Zwei Hunde treffen aufeinander, die sich nicht ausstehen können. Enrico C.’s Frauchen verhält sich, wenn sie überhaupt rechtzeitig vor Ort ist, genau wie Nicole es von dem Goldenfrauchen aus ihrer Nachbarschaft beschrieben hat. Nervt mich das? Und wie! Dennoch würde ich nicht auf die Idee kommen, ab sofort den gesamten Rassebestand der Großen Schweizer Sennenhunde zu verteufeln. Es ist dieser eine Hund! Einzelschicksal sollte doch bitte auch Einzelschicksal bleiben.

Das ist Lola, eine Hündin aus dem Tierschutz und meine heimliche Liebe

Die Reaktionen auf diesen Artikel waren durchaus gemischt. Einige Leser reagierten mit Unverständnis, viele aber auch mit großer Zustimmung. Unterschiedliche Themenbereiche wurden in den einzelnen Beiträgen angekratzt. Rassehund vs. Mischling, Rassehund vs. Tierschutzhund, Retriever vs. Pittbull, Staff und Co.. Ich finde es schade, wenn gerade zwischen Hundeleuten so ein pauschales Bashing stattfindet. Letztlich sind es weder die Golden Retriever, noch die Labradore, die hier für das Verhalten, mit dem Moes Frauchen augenscheinlich nicht fertig wird, verantwortlich zu machen sind. Es sind die Menschen am anderen Ende der Leine.

Im Übrigen genauso, wie bestimmte Halter von Pittbull, Staff und Co. dafür verantwortlich sind, dass der Ruf ihrer Rassen so geschädigt wurde. Durch dieses Befindlichkeitsgebashe von Golden Retrievern oder Labradoren werden weder aus Mischlingen, noch aus Pitts oder Schäferhunden bessere oder wesensfestere Hunde. Und ihrem Ansehen nutzt es auch nicht. Wenn man es sonst verurteilt, dass bestimmte Rassen oder Mischlinge stigmatisiert werden, mutet es doch recht überheblich an, sich auf diese oberflächliche Art über zwei andere Hunderassen zu erheben.

Finley, seine Mutter Sandy und ein Geschwisterwelpe

Ein häufig in der Diskussion auftauchendes Argument war, dass Retriever einfach aus den falschen Gründen als Familienmitglieder ausgesucht würden. Dieser Artikel sei deshalb als akzeptable Provokation zu sehen. Sicher, manchmal macht Provokation Sinn und ist das richtige Mittel, um Aufmerksamkeit zu schaffen. Doch dann bitte auch mit Sachkenntnis und Augenmaß. Die Botschaft in diesem Artikel lautet: „Retriever werden als Familienhunde angepriesen, die sich von allein erziehen. Deshalb fallen sie in freier Wildbahn extrem unangenehm auf.“ Ende der Botschaft. Das ist zwar provokativ aber ohne Substanz.

Die unzureichende Darstellung einzelner Rassen und die damit verbundene, mangelnde Aufklärung der Käufer ist grundsätzlich ein gutes Thema. Das macht allerdings nur Sinn, wenn man zumindest über ein paar rudimentäre Kenntnisse der beschimpften Rasse verfügt.

Ich würde deshalb gerne mal ein paar Aspekte auflisten, die meiner Meinung nach in diesen Artikel gehört hätten. Wenn man sich einen Golden Retriever oder einen Labrador in die Familie holt, dann hat man gute Chancen, wenn man weiß was dieser Hund braucht und bereit ist Zeit, Mühe und Liebe zu investieren, einen spitzenmäßigen Familienhund zu bekommen.

Finley, mein Seehund 😉

Und nein, DEN Familienhund gibt es nicht. Kein Retriever hat im perfekten SITZ den Mutterleib verlassen oder es in die Wiege gelegt bekommen, sich selbst zu erziehen. Wer sich für einen Golden Retriever entscheidet oder für einen Labrador, bekommt in erster Linie einen Jagdhund mit allen dazugehörenden genetischen Anlagen.

Das heißt im Wesentlichen, Folgendes KÖNNTE passieren:

  • Retriever lieben das Wasser, sie werden jede aber auch jede Gelegenheit nutzen, schwimmen zu gehen und sei es nur in einer modderigen Pfütze.
  • Retriever buddeln gerne und zwar nicht nur am Strand oder im Wald, wo es den Menschen vielleicht nicht so sehr stört, sondern auch im eigenen Garten.  Der Sinn für Frauchens liebevoll angelegtes Blumenbeet fehlt da völlig.
  • Retriever sind, wenn man sie lässt, ständig mit der Nase am Boden. Was sie dort finden wird sie entzücken, Frauchen und Herrchen nicht immer.
  • Retriever haben ein ganz anderes Verständnis davon, was es heißt gut zu riechen. Deshalb besteht die Möglichkeit, dass sie sich in übelriechenden Substanzen wälzen. Damit kann man sich erzieherisch auseinandersetzen und alles in erträgliche Bahnen lenken.
  • Retriever sind große Schmuser, zumindest in dieses Vorurteil füllen sie perfekt aus.
  • In jedem Retriever steckt ein kleiner, gewitzter Clown, der einen genau dann mit irgendetwas Unpassendem überrascht, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann.
  • Dabei ist es völlig egal, ob man sich einen Retriever aus einer Arbeits- oder Showlinie aussucht. Jagdinstinkte, Energie und Temperament ist in allen vorhanden. Die unterschiedlichen Zuchtlinien beziehen sich im Wesentlichen auf das Gebäude des Hundes. Hunde aus der Showlinie sind allgemein etwas kräftiger gebaut und variieren stärker in den Fellfarben. Allerdings sollte man nicht den Fehler machen, „kräftig gebaut“ mit träge oder langsam zu verwechseln.
  • Diese Hunde machen auf jeden Fall Arbeit, aber sie machen auch auf jeden Fall Spaß.

Das Gute an den Retriever-Rassen ist, dass sie dazu gezüchtet wurden mit den Menschen zusammenzuarbeiten. Das ist der so oft zitierte „Will to please“. Aber auch hier gilt das Individualprinzip. Mancher Hund hat mehr davon, mancher Hund weniger und wieder andere, so wie mein Finley, finden ihren will to please mehr oder weniger zufällig auf einer langen Entdeckungsreise durch das eigene Ich.

Deshalb ist es nötig, seinen Hund, wenn er neu in die Familie kommt, zu beobachten und gut kennenzulernen. Die Überlegung, mein Hund wird sich schon anpassen, wird ins Leere laufen und Probleme bringen. Vielmehr sollte man sich fragen: Was steckt in diesem speziellen Hund? Was braucht er und was kann ich daraus machen?

Erziehungserfolge bekommt man nicht geschenkt, sie sind das Ergebnis harter Arbeit

Es braucht Zeit und Erfindungsreichtum, einen Retriever zu erziehen. Als Ziel sollte man es ins Auge fassen, eine Struktur zu erschaffen, die der Familie und dem Retriever gerecht wird, dann hat man einen zuverlässigen Kumpel an seiner Seite.

Natürlich ist auch diese Darstellung nicht vollständig und eine umfassende Aufklärung, würde hier den Rahmen sprengen. Vielleicht würde es aber den einen oder anderen, von Welpenfotos hingerissenen Menschen zum Nachdenken bringen.

Mir ist es eigentlich vollkommen egal welchen Hund sich jemand anschaffen möchte. Ich kenne tolle Hunde aus dem Tierschutz, viele Retriever und andere Jagdhunde und bin verliebt in die French Bully-Hündin meiner Freundin. Ein Miteinander kann meiner Meinung nach aber nur funktionieren, wenn man von pauschalisierenden Vorwürfen Abstand nimmt. Hundebegegnungen funktionieren nur bei gegenseitiger Rücksichtnahme. Klappt es mit einem Hund gar nicht, muss man wohl ein Stück weit lernen damit zu leben.

 

MerkenMerkenMerkenMerken

MerkenMerkenMerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerkenMerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

SaveSave

Der ist toll, der lässt sich ALLES gefallen…

Ich lasse nicht alles mit Finley machen.

 

„Gino ist ein toller Hund …. mit dem können die Kinder alles, aber auch ALLES anstellen. Die ziehen ihn im Fell, halten ihn am Schwanz fest, zupfen an den Ohren und können sich auf ihn draufschmeißen …. und DER MACHT GAR NICHTS!, sagte die Frau und führte ihren Mami-Konvoi durch unseren Vorstadtwald.  Während sie einen Kinderwagen vor sich herschob, liefen ihre drei Kinder um Labrador Gino herum und taten, laut johlend genau das, was die Frau eben gesagt hatte. Labrador Gino sah derweil aus, als würde er in Gedanken einen Asylantrag für ein X-beliebiges Tierheim formulieren.

Meine Nachbarin schwärmt von ihrer verstorbenen Hündin Vesta, mit der man ALLES machen konnte. „Die hat nie einen Mucks gemacht, das war ein echt toller Hund…“  Vesta hätte man gar nichts sagen müssen, die sei einfach so gewesen. Ich habe Vesta gekannt und auf mich hat sie immer gewirkt, als würde sie im nächsten Augenblick ein Klappmesser ziehen. Manchmal bedeutet Knurren eben genau das.

Von einem Kunden erfahre ich, dass der Hund seiner Nachbarin ein ganz „toller Hund“ ist, mit dem seine Kinder ALLES machen können und dass es sooo schade sei, dass sein eigener Hund, ein acht Monate alter Golden Retriever, nicht genauso sein könne. „Der zieht sich zurück, sobald die Kinder durchs Zimmer toben …“ Ich denke nur, der Hund ist wahrscheinlich ein begabter Stratege…

Anscheinend kennt jeder diesen EINEN Hund, der alles aber auch ALLES mit sich machen lässt, ohne einen Mucks zu machen. So einen tollen Hund. Und dann stehe ich da, höre zu und mein inneres Ooohhmmm, weckt seinen kleinen Bruder, den fiesen kleinen Piesacker. Der wohnt bei mir im Spielverderber-Gen und macht sich immer dann bemerkbar, wenn draußen in der Anderswelt etwas grundlegend schiefläuft. „Finde den Fehler“, raunt mir mein fieser Piesacker zu, „dazu willst Du doch nicht schweigen?“ NEIN, will ich nicht … besser gesagt, kann ich nicht.

Ich frage mich, worauf diese Menschen mit dem „ganz tollen Hund“ eigentlich so stolz sind, übersehen sie doch das Offensichtliche. Denn ihr Tier muss da eine ganze Menge aushalten. Ja, es sind tolle Hunde – durchweg. Und zwar, weil sie sich dieses distanzlose Verhalten der Kinder gefallen lassen, ohne sich zur Wehr zu setzen. Mein zweiter Gedanke ist: Hoffentlich geht das gut. Denn ich sehe Hunde, die nicht sehr entspannt und glücklich aussehen. Es sind Hunde die fast ununterbrochen beschwichtigen, ohne dass sich irgendjemand, etwa die Erwachsenen, die Mühe machen, auf ihre Signale zu achten. Ich sehe eine tickende Zeitbombe.

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich liebe Kinder und fände es toll, wenn sich jedes Kind frei entfalten könnte. Ein Hund in der Familie, bedeutet aber nicht nur die Möglichkeit sich auszuleben, sondern bringt auch den Anspruch mit, dass er respektvoll behandelt werden möchte. Deshalb betrachte ich es nicht als Erziehungserfolg, wenn sich ein Hund ALLES gefallen lässt. Aus meiner Sicht, ist dort etwas in Schieflage geraten.

Mich erinnert das irgendwie an meine Kindheitstage. Wenn meine Tante Thorwalde (Name nicht geändert) auf unseren Familienfesten auftauchte, lief es meistens folgendermaßen ab. Diese wirklich riesengroße, breitschultrige, blonde Frau schritt durch die Esszimmertür, donnerte ein lautes „GutenAbendmiteinander!“ durch die untere Etage des Hauses, sodass alle bis dahin laufenden Gespräche erstarben. Dann fixierte sie den Kindertisch, an dem alle Cousinen und Cousins, versammelt waren. Ihre stahlblauen Augen taxierten uns – leichte Beute schienen sie zu sagen – und dann, ja dann war ich dran. Es gab kein Entkommen, von meiner Mutter hatte ich keine Hilfe zu erwarten … sei lieb zu Thorwalde, hatte sie gesagt und war dann verschwunden…. „Na Duuuuu“ brüllte die Riesin mich an, „immer noch Solokünstler?“ Womit sie subtil zum Ausdruck brachte, dass sie die Tatsache, dass meine Eltern sich nach meiner Geburt aus der Zucht zurückgezogen hatten, als inakzeptabel einstufte. Dann zog sie mir mit ihren Fingern links und rechts, jeweils eine Falte aus der Wangenhaut und schüttelte meinen Kopf kurz hin und her. Zwischen meinen zwangsgeschürzten Lippen lispelte ich mühsam ein, „Schpfön, Disch pfu spfehn, Pfante Pfwaldi“, hervor. Daraufhin ließ sie ihre rechte Pranke zwischen meine Schulterblätter niedersausen und rief: „Na, gut erzogen ist sie ja…“

Nein, Tante Thorwalde hatte keinen blassen Schimmer, wie man ein siebenjähriges Kind behandelte, welche Themen man besser nicht vor versammelter Mannschaft ansprach und wo in kleinen Kinderkörpern die Schmerzzentren saßen. Niemand hatte es ihr beigebracht. Ich lief den Rest des Abends mit „Rotbäckchen“ herum und machte jedesmal einen Riesenbogen um Tante Waldi. Es tat weh, ich war verwirrt, ein wenig ängstlich und fühlte mich total schutzlos. Etwa so, so stelle ich mir das vor, müssen sie sich fühlen, die Hunde, die ALLES mit sich machen lassen.

Eigentlich halte ich Kinder und Hunde für ein perfektes Match. Damit aus dem Match eine Freundschaft und aus der Freundschaft eine tiefe, unbelastete Liebe werden kann, gibt es ein paar Dinge, auf die die Eltern achten sollten. Denn es ist ihre Verantwortung, dass ihre Kinder lernen, verantwortungsvoll mit ihrem Hund umzugehen.

Bitte liebe Eltern,

wenn ein Hund bei Ihnen einziehen darf, machen Sie sich bewusst, dass Sie einen doppelten Erziehungsauftrag haben. SIE müssen ihren Hund erziehen, ihre Kinder sind damit noch überfordert. Gleichzeitig müssen SIE ihren Sprösslingen beibringen, wie man einen Hund gut behandelt. Erklären sie ihnen bitte, dass ihr Hund kein Spielzeug ist und vielleicht auch mal zu müde zum Spielen. Sagen Sie ihnen, dass ein Hund täglich zwischen 18 und 20 Stunden Schlaf braucht und dass sie ihn beim Schlafen nicht stören sollen.

Zeigen sie ihren Kindern, wie spannend es sein kann, die Körpersprache des Hundes zu verstehen. Erklären sie ihren Kindern, dass auch ein Hund ein Wesen mit Gefühlen ist. Dass er Schmerz, Freude, Angst und Wut empfinden kann und auch mal Trost braucht. Zeigen sie ihren Kindern wie schön gerade auch die ruhigen Momente mit einem Hund sein können.  Kuscheln und Schmusen mit dem eigenen Hund ist etwas Wunderbares.

Zeigen Sie aber auch ihrem Hund, dass sie ihn verstehen. Wenn es einmal zu wild wird, greifen Sie bitte ein und zeigen Sie ihren Kindern, wie es anders geht. Wenn es Ihnen selber noch an Erfahrung fehlt, lassen Sie sich bitte von einem guten Hundetrainer beraten.

Wenn ihre Kinder das verstanden haben, haben Sie einen guten Job gemacht. Und ihre Kinder können eine der schönsten Erfahrungen machen. Nämlich, wie es ist, ein harmonisches, erlebnisreiches, wundervolles Leben mit einem Hund zu teilen.

Herzlichst Ihre Birgit Jaklitsch

 

 

 

 

 

 

MerkenMerkenMerkenMerken

MerkenMerkenMerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerkenMerkenMerken

MerkenMerken

SaveSave