Beiträge

Hang Loose 2019 – Finleys eigenes Kursprogramm

 

Gute Vorsätze, da sollte man Vorsicht walten lassen

 

 

 

Finley hat sich so seine Gedanken über gute Vorsätze zum Jahresbeginn gemacht. Die Kernfrage war, müssen Hunde das auch oder ist das Fassen guter Vorsätze so ein Menschendings?

Er hat das mal gegoogelt und war ganz erstaunt, als er herausgefunden hatte, dass es sich hier gar nicht um einen Überlieferten Brauch handelt. Sehr merkwürdig, dachte er, die Menschen machen sich diesen Stress ganz freiwillig. Warum machen die das nur? Dieses In-diesem-Jahr-wird-alles-besser-Gebrabbel (seine Worte, nicht meine) verdirbt einem doch den ganzen Jahresanfang.

 

Finleys kleine Lehrstunde

 

Er hat mich verständnislos angesehen und fragte: „Birgit, warum wollt ihr immer alles anders machen? Wäre es nicht klüger einfach mal besser nachzudenken und dann gleich eine Lösung zu finden, mit der man im nächsten Jahr auch noch klarkommt?“

Ich antwortete: „Weißt Du, wir Menschen sind innovativ und kreativ, wir wollen alles optimieren. Na ja, zugegeben manchmal sind wir mäkelig, gniddelig und unheimlich schnell unzufrieden. Da kommt das wohl auch her.“ Finley grinste und sagte: „Was Du nicht sagst…“

Finley zog seine Augenbrauen hoch, ein Retriever mit Denkerstirn. Dann sagte er: „Dann wäre ja der beste menschliche Vorsatz, es mal etwas langsamer angehen zu wollen. Dann kann man auch niemanden enttäuschen, auch sich selbst nicht.“ Da das erstaunlicherweise eine gewisse Logik hatte, hielt ich kurz inne und überlegte. Dann sagte ich: „Gar nicht so leicht zu entscheiden, wo man da Zeiteinsparungen vornehmen sollte.“

 

Der gute Samariter

 

„Och“, antwortete Finley, „ich greif Dir da so’n Büschen unter die Arme, dann läuft das schon. Ich könnte zum Beispiel ein paar Gruppen in der Hundeschule übernehmen.“ Und weiter: „Ich mach da was ganz Innovatives … neue Kursinhalte … lass Dich mal überraschen.“

Ich hatte ja schon selber daran gedacht, das Kursprogramm auszubauen. Allerdings war ich mir sicher, dass Finley und ich da ganz unterschiedliche Trainingsansätze hatten. Aber man soll dem Nachwuchs ja auch mal eine Chance geben. Wer weiß, vielleicht überraschte er mich ja … äh, positiv. Also nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und sagte: „Na dann mach mal, Finley. Ich bin schon ganz gespannt.“ *kalterAngstschweißaufderStirn

 

Brainstorming im Hundekorb

 

Finley zog sich in sein Körbchen zurück und begann mit der Planung. Er brummelte vor sich hin, dann schlief er wieder und fiepte im Schlaf, dann bewegten sich seine Pfötchen rhythmisch wie im Dauerlauf, dann wieder hektisch … oha, dachte ich, das kann ja lustig werden“.

Und dann stand es, das FTFP (Finley-Torture-Fitness-Programm). Er legte mir ein sauber ausgearbeitetes Manuskript vor, dass keine Fragen offen ließ. Und ich kann Euch nur sagen, Menschen die sich zu Finley in die Hundeschule trauen, haben so etwas wie eine Ausbildung zum Elitesoldaten vor sich. Ich denke allerdings, die Hunde würden sich sehr amüsieren.

 

Finleys Manuskript:

 

Liebe Mithunde,

nun ist es soweit, ich habe endlich ein hundgerechtes Kursprogramm für die Hundeschule Goodfellows entwerfen dürfen.

Dummytraining schön und gut – sie meint es ja gut – aber es gibt doch viel Aufregenderes im Leben. Wer könnte das besser wissen als ein Hund wie ich. In meinen Kursen lernen unsere Frauchen und Herrchen, was wir Hunde wirklich brauchen und was wir unter dem Begriff „gemeinsame Unternehmungen“ verstehen. Ihr bekommt hier einen ersten Einblick, welche Übungen Euch in meinen drei Kursen erwarten. Im Folgenden schreibe ich, der Einfachheit halber, immer von den Frauchen weil sie nun mal in der Überzahl sind.

 

Kurs 1: Swing your Frauchen

 

Die Teilnehmer benötigen eine drei Meter lange Schleppleine mit Handschlaufe – nicht länger – sonst geht der Schleudereffekt flöten. Gebt Eurem Frauchen die Handschlaufe in die Handinnenfläche. Neigt das Frauchen zum Loslassen, dann sollte die Schlaufe so um das Handgelenk gewickelt werden, dass sie sich bei Zug zuzieht.

Dann befestigen wir den Karabinerhaken der Leine an unserem Geschirr. Ich empfehle ausdrücklich ein Geschirr, denn denkt daran, liebe Mithunde, nicht jedes Frauchen ist eine Elfe. Ich weiß, wovon ich spreche. *hüstel Wir leisten da Körpereinsatz auf höchstem Niveau.

Dann positionieren wir uns vor unserem Frauchen und fangen an zu ziehen. Nicht vergessen liebe Mithunde, ein „Bei Fuss“ existiert nicht, sondern ist eine vollkommen sinnfreie Erfindung eines Steinzeithundehalters. Während wir nur fröhlich vor uns hin traben, steigern wir langsam die Geschwindigkeit. Zurufe von Frauchen, die nicht wie „gut so“, „super“ oder „feiner Hund“ klingen, ignorieren wir.

Beim Laufen wechseln wir regelmäßig die Seiten. Gelingt uns das, ohne dass Frauchen den nächsten Seitenwechsel schon vorher erkennen kann, entsteht ein schöner Schleudereffekt und Euer Frauchen wird vor Freude Juchzen *dooochistFreude

Ist Euer Frauchen dann schon etwas fitter geworden, könnt Ihr die Anforderungen steigern, indem Ihr ihr Rollschuhe anschnallt oder sie auf ein Skateboard stellt. Das gibt später bestimmt einen Extraknochen.

 

Kurs 2: Breaking Bones

 

Breaking Bones ist so eine Art Querfeldein-Geländelauf. Unser Motto lautet: „Befestigte Wege sind unter unserem Niveau“.

Ihr legt Eurem Frauchen einen Bauchgurt an. Wer Übergrößen braucht, wendet sich an mich, ich habe da ein paar Adressen. *ausgegebenemAnlass

Die Leine sollte etwa 2 Meter lang sein und aus nicht elastischem Material bestehen. Wir wollen ja nicht verweichlichen und Abfedern wird ohnehin überschätzt. Wo bliebe denn da der Spaß?

Als nächstes klicken wir den Karabiner der Leine in den Ring von Frauchens Bauchgurt ein. Dann gar nicht lange abwarten und durchstarten und dann ist es wie auf der Kirmes: „Werhatnochnichtwerwillnochmal … HoppeKloppeReiter … ÜberStockundüberStein … wennsiefälltdannschreitsie … aufstehenundnocheineEhrenrrruuundeeee …“

Eure Frauchen werden hier nicht nur körperlich angestrengt, auch der Kopf bekommt etwas zu tun. Denkt immer daran, wenn Eure Frauchen zuhause auf dem Sofa zusammenbrechen, habt Ihr Euer Ziel erreicht. Man darf sie dann nicht stören. Sie brauchen mindestens acht Stunden Schlaf um das Erlebte zu verarbeiten. Botenstoffe in Ihrem Gehirn werden das Erlernte in der Tiefschlafphase in das Langzeitgedächtnis transportieren – sie werden niemals vergessen, was Ihr zusammen erlebt habt.

 

Kurs 3: Hang loose

 

Dieser Kurs ist geeignet für Yogaafine und Esotherikfreunde. Wer mal weniger Action möchte, seine Zeit aber trotzdem sinnvoll mit seinem Frauchen verbringen möchte, ist hier in meinem Kurs Hang Loose richtig. It’s Qualitytime, Babes.

Mitzubringen ist ein Satz Räucherkerzen. Ihr braucht keine Liegematte, Ihr habt ja Euer Frauchen. Je nach Beschaffenheit Eurer „Menschin“ entspricht eure Unterlage einer flachen Isomatte, einem Hundekissen aus einem schwedischen Möbelhaus namens „Vaddmjuk“ oder wie bei mir, wegen der zusätzlichen Unterfütterung, einem Orthopädischen Hundekissen. Manchmal habe ich eben auch Glück.

Ihr legt Euer Frauchen, mit dem Gesicht nach unten, ausgestreckt auf den Boden. Jetzt kommt eine Lockerungsübung. Ihr steigt auf den Rücken Eures Frauchens und geht, Minimum fünf Mal auf und ab. Tastet nach Verhärtungen im Rücken. Findet Ihr welche, löst Ihr diese mit einem gezielten Vierpfotensprung. Das Frauchen wird quieken – vor Wonne. *dooochistso

Dann legt Ihr Euch auf Ihrem Rücken ab. Macht Euch richtig schwer. Ihr dürft auch gerne einen Fünf-Minuten-Napp einlegen. Denkt immer daran, Euer Frauchen spiegelt Eure Gemütsverfassung. Seid Ihr entspannt, wird sich das auf Eure Menschen übertragen. Ihr bleibt jetzt solange da oben liegen, bis jegliche Spannung aus den Körpern Eurer Frauchen gewichen ist. Es ist sooo wichtig, dass die Menschen lernen, sich zu entspannen … jederzeit und überall.

Viel Erfolg! Ich sende Euch Liebe und meinen Eso-Zen-Gruß „Namastumit“.

 

So meine lieben Mithunde, Ihr könnt meine Kurse ab März buchen. Inzwischen werde ich nicht ruhen und für Euch an der Weiterentwicklung meines Kursprogramms feilen. Geplant sind die Kurse „Under Pressure“, „Under Water“ und „Buddelala-Yoga“. Na, ist da irgendwer neugierig geworden? Ich erwarte Euch mit Freude.

Euer Trainer Finley

 

Kleiner Nachtrag von Birgit:

Ichhhh habpfe misch füüü Hannng Luuuse entschpfieden. KÖNNDDE MIA BIDDE JEHHHMAND HELLLPFEN!!!!!

Die Kunst des positiven Verkloppens – Büchergruppen auf Facebook

Ein Buch ist ein Buch,  ist ein Buch, ist ein Buch…

 

Fotoquelle: pixabay

 

Ich schreibe gerne Buchrezensionen, das wisst Ihr ja. So bleibe ich, was die aktuelle Hundeliteratur betrifft, auf dem Laufenden. Außerdem setze ich mich mit den Büchern viel intensiver auseinander, wenn ich weiß, dass ich später über sie schreiben muss.

Ist mein Text fertig, veröffentliche ich den Artikel auf meinem Blog und in meinen sozialen Medien. Auf Facebook zum Beispiel, teile ich meine Texte auch in andere Gruppen, wenn es thematisch passt. Bei Rezensionen eben dann auch in diverse Buchgruppen. Die meisten dieser Gruppen funktionieren gut, ihre Mitglieder sind offen gegenüber allen Autoren und Themen.

 

Peace and Rock’n Roll – Hundebuch-Gruppen auf Facebook

 

Doch dann gibt es Hundebuchgruppen auf Facebook, deren Mitglieder sind absolute Experten im positiven Verkloppen. Sie wollen ihre intellektuelle Welt offensichtlich möglichst eng und überschaubar halten. Vor Weihnachten waren meine speziellen Freunde wieder besonders gut in Form. Am Ende der „Unterhaltug“ war ich aus einer dieser Gruppen ausgetreten und hatte mir in einer anderen Gruppe mit deren Admina und ein paar ihrer Lästerschwestern ein kleines Scharmützel geliefert. Am Ende bedeutete das für mich … ach, ich erzähle einfach mal der Reihe nach.

 

Eventuelle Ähnlichkeiten sind nicht beabsichtigt aber…

 

Für diejenigen, die jetzt noch weiterlesen möchten, habe ich ein paar hilfreiche Nutzerhinweise. Die Namen* in diesem Artikel sind zum Schutze des sozialen Umfeldes der Protagonisten geändert worden. Auch die echten Gruppennamen werden nicht genannt, weil auch diese Gruppen Mitglieder haben, die versuchen, vernünftig und sachlich zu argumentieren. Wer dennoch glaubt sich erkennen zu können – ähm, tja, also Ehre wem Ehre gebührt, oder so…

Ich hatte also ein Buch besprochen und in der Gruppe gepostet. Was jetzt folgte, lief fast immer nach demselben Schema ab. Nach der Veröffentlichung meines Artikels klickten innerhalb von drei Sekunden etwa fünf Besucher/Innen den Wut-Emoji. *seufz

 

Speerspitzen der positiven Kommunikation

 

Gleich darauf postete eine sehr besorgte Lästerschwester eine Nachricht an die Admina der Gruppe in die Kommentarspalte. *augenroll

Etwa so: „Mortitia* ist diese/r Autor/in gruppenkonform?“ Im schlimmsten Fall würde mein Beitrag daraufhin kommentarlos gelöscht werden. In diesem Fall entschied Admina Mortitia* aber, dass man meinen Beitrag in der Timline lassen solle: „Danke an alle für die Hinweise. Ich schlage vor, wir lassen den Beitrag in der Gruppe, auch wenn das Buch … nicht gruppenkonform ist. Dann kann sich jemand, der Interesse … hat, durch die Beiträge hier informieren.“  Das ist Lästerschwester-Code und bedeutet im Klartext „Feuer frei!“

 

Die Wattebausch-Mobster waren auf Kriegspfad

 

Der Mob formierte sich und es folgten Postings wie, „der arbeitet nicht positiv…“, „der arbeitet negativ verstärkend, macht tzzzz zu den Hunden und so …“ oder mein persönlicher Favoritenpost, „tja, man müsste halt den Unterschied zwischen positiv verstärkend, positiver Negativverstärkung und negativer Positivumpolung kennen, kennst Du (meint mich) wohl nicht…“. Ich rolle schon wieder mit den Augen…

Gerne werden dann auch Behauptungen aufgestellt, die die Protagonistinnen dankenswerter Weise sofort selbst durch das Posten von Youtube-Videos konterkarierten, weil die Filmchen die aufgestellten Behauptungen widerlegten. Beispiel gefällig? Gerne doch – in einem Video sieht man einen Mann mit einem Mops an der Leine. Der Mops verbellt alle entgegenkommenden Hunde und versucht auf sie loszugehen. Der Mann legt dem Hund ganz sachte die Hand auf den Rücken. Der Mob schreibt, „na super, dem Hündchen mal schnell Eine klatschen, dann läuft es…“. *augenroll

 

Die Wattebauschphilosophie – sei nett zum Tier, der Mensch hingegen…

 

Man nennt diese Ansammlung versierter Trainingspowerfrauen manchmal auch scherzhaft die Wattebausch-Fraktion unter den Trainern. Aus ihrer Sicht ist ein klar ausgesprochenes „Nein“ zum Hund schon Gewaltanwendung und das Schaffen von Strukturen ein Grund den Tierschutz zu rufen. Umso erstaunlicher finde ich es immer wieder wie brutal, respekt- und würdelos die gleichen Frauen (es sind wirklich überwiegend Frauen) mit andersdenkenden Menschen umgehen.

 

No „Flirt“, no „Freeze“, but „Fight“…

 

Bei meinem letzten Zusammenstoß mit der Wattebausch-Fraktion ging es dann so weiter. Susi-ohne-Iku* postete: „Das Titelbild widerlegt den Inhalt des Buches.“ Na sowas, dachte ich und überlegte kurz ob ich etwas dazu schreiben sollte, ließ es aber dann doch *augenroll. Da legt Susi-ohne-Iku* nach und schrieb: „Das ist unerwünschter Frontalkontakt. Das Buch kann weg und von seiner Fernsehsendung hab‘ ich ihn auch nicht als kompetent in Erinnerung.“

Ich wagte einen Vorstoß: „Ein Buch und dessen Inhalt nach einem Foto zu beurteilen, finde ich nicht sehr fundiert. Ich finde das Buch übrigens inhaltlich wesentlich besser als die Sendung.“  Jetzt kam Susi richtig in Fahrt, denn nun war es ihrer Meinung an der Zeit mal deutlich zu sagen, was so von mir zu halten war: „Ich muss mir ein Buch nicht durchlesen, um festzustellen, dass ich den Inhalt nicht brauche. Hier (meint die Gruppe) geht es auch ein bisschen darum, wie man sich selbst positioniert. Das Eine (meint das Buch) gut finden und das Andere (meint die Sendung) nicht, geht gar nicht.“

 

Ferien für die Impulskontrolle

 

Ich wollte ja eigentlich nichts dazu sagen, aber langsam hatte mein Blut den Siedepunkt überschritten. Meine Impulskontrolle verabschiedete sich und fuhr in die Ferien. Ich antworte: „Du hast Recht. Es geht darum, wie man sich selbst positioniert.

Deine Aussage, Du müsstest ein Buch nicht lesen, um festzustellen, dass Du den Inhalt nicht brauchst, ist nicht nachvollziehbar. Sollte man Inhalte, die man auf so disponierte Art an die Wand knallt, wie Du es hier machst nicht kennen? Jegliche Kritik käme doch wesentlich kompetenter rüber, wenn man über ein breit gefächertes Wissen verfügen könnte, anstatt inhaltliche Vergleiche nur auf Vermutungen, Worthülsen oder Vorurteile zu stützen.

Wie man aufgrund irgendeiner Lektüre allerdings auf die Idee kommen kann, man habe „ausgelernt“, ist mir schleierhaft. Das ist in der Tat nicht meine Position.“

 

Das Buch … Das Training … Der Weltfrieden, sonst noch was?

 

Kurze Atempause, dann holt Susi-ohne-Iku zum ganz großen Schlag aus: „Es gibt Menschen, dazu gehöre ich auch, die verlassen sich auf Empfehlungen ähnlich denkender Leute wie sie in dieser Gruppe hier zu finden sind. Sie lesen Deine Rezension, haben vorher noch nie etwas vom Trainer XY gehört und meinen sie sind an einen positiv arbeitenden Trainer geraten. Vielleicht wohnen sie dann auch noch in der Nähe von Köln und gehen dann ganz naiv dahin, weil Du das Buch gut findest. So kommen solche Trainer dann an ihre Kunden und ganz ehrlich, würdest Du ihn in dieser oder einen anderen dem Training durch positive Verstärkung zugewandten Klientel empfehlen?“

 

Nun ist aber mal gut mein Frollein

 

Alter Schwede! Das kann ja wohl nicht ernst gemeint sein denke ich und antworte: „Selbst wenn wir mal davon ausgehen, die meisten Blogleser würden das Buch nach dem Lesen meiner Rezension kaufen (was nicht der Fall sein wird), so bin ich doch sehr zuversichtlich, dass diese Lektüre nicht zu einem Rattenfänger-von-Hameln … äh, Köln-Effekt führen wird.

Und zwar aus den folgenden Gründen nicht: Meine Leser haben in der Regel einen eigenen Willen, ein ziemlich gutes Bauchgefühl und neigen zu eigenständigem Denken. Sie heißen zwar Follower, das bedeutet allerdings nicht, dass sie mir blind und willenlos überall hin folgen würden. Jede andere Annahme würde ein sehr verstörendes Bild von der/dem Annehmenden zeichnen.

Letztlich nun zu Deiner nächsten Sorge. Ich treibe meine Leser nicht wie die Lemminge in irgendwelche Trainingskurse, egal von wem. Wenn das bei Dir so funktionieren würde, musst Du das mit Dir selber ausmachen. Ich würde es nicht verstehen. Durch eine Rezension empfehle ich ausschließlich ein Buch. Eigentlich ist das so klar, dass man es gar nicht schreiben müssen sollte aber bitte.“

 

Deutliche Widerworte führen zu Tumult

 

Oha, das war wahrscheinlich zu deutlich. Admina Mortitia* meldete sich wieder zu Wort: „Susi-ohne-Iku hat recht, mit allem. Du willst die Wahrheit nicht sehen, vielleicht kannst Du sie auch (noch) nicht erkennen. Lass Dir helfen.“ Und sofort stimmte der Chor der „Positiv Verstärkenden Schwestern“ mit einem kräftigen Hosianna ein, „Sie kann es eben nicht…“, „Manche lernens nie…“, „Du bist unbelernbar…“ *autsch, „Geh mal in ein Seminar…“.

 

Ich sag dann mal Tschüss – Der Abschied

 

An diesem Punkt traf ich dann die Entscheidung, die Lästerschwestern sich selbst zu überlassen. Ich verabschiedete mich formvollendet: „Ich sag jetzt mal nix und wünsche Euch allen ein wunderschönes Weihnachtsfest. Das werdet Ihr sicher auch haben, vorausgesetzt Ihr lasst den großen, gemütlichen Kerl in der roten Kutte, mit seiner Rute in Eure Vordergärten…“

 

Daraufhin wurde ich gelöscht und blockiert … und das ist auch gut so. Ich werde mir in Zukunft die Buchgruppen in die ich gehe sehr genau ansehen, bevor ich etwas poste. Ich finde, das bin ich auch den Autoren der Bücher, über die ich schreibe, schuldig. Um jedes Missverständnis auszuschließen, ich finde es gar nicht schlimm, wenn jemand in der Einschätzung eines Buches nicht meiner Meinung ist. Ich diskutiere da auch gerne, ich finde das sogar sehr interessant. Allerdings wünsche ich mir, dass dieser Meinungsaustausch sachlich, freundlich und respektvoll abläuft. Also wenn das kein guter Bloggervorsatz fürs nächste Jahr ist… In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen guten Rutsch.

 

 

 

 

 

 

Booombangebang – Silvestergeschichten aus der Vorstadt

Wenn nur die Nachbarn nicht wären

 

Foto: pixabay

 

Hach Silvester, es ist doch jedes Jahr wieder ein sehr ergreifender Moment, wenn ein Jahr zu Ende geht. Man fällt seinen Liebsten um den Hals, herzt und küsst sie, stößt mit einem erlesenen Tropfen an und wünscht Ihnen nur das Allerbeste für das neue Jahr. Und dann, kracht es!

 

Die Zwillinge von nebenan sind Pyrokings

 

Ich erzähle Euch mal wie das Fest der guten Vorsätze in der Regel bei uns in der Vorstadt abläuft. Raketen schießen in den Himmel. Kanonenböller und nervtötende Heuler schliddern über unsere Fußwege.  Im Garten unserer Nachbarn haben die Zwillinge eine Pyro-Anlage aufgebaut, für die sie wahrscheinlich eine Genehmigung bei der NATO beantragen mussten. Eingerahmt von etwa 20 Bengalischen Feuern stehen da drei Goldregen-Sprühräder und blasen ihren goldenen Feuerstaub über unseren Zaun. In der Luft wabert der beißende Geruch von Schwarzpulver und Schwefel. Schönes neues Jahr dann auch für Euch, Ihr Knaller.

 

Die unterschiedlichen Silvester-Vorstadttypen

 

Spätestens in diesem Moment beginnt sie, die Teilung. Dann zieht sich ein Riss durch die Anwohnerschaft unseres Vorstadtringes. Da ist zum einen die große Gruppe der Ballermänner. Sie stehen mit Ihren Söhnen, denn bekloppte Traditionen müssen unbedingt weitergeben werden, vor den noch geschlossenen Supermarkttüren und warten ungeduldig darauf, dass sie ihre Einkaufswagen bis zum Rand mit Pyrotechnik füllen können. Geld spielt keine Rolle.

 

Die Antiknaller haben alle Tiere

 

Auf der anderen Seite der nachbarschaftlichen Feuer-Demarkationslinie stehen wir Tierhalter, die Antiknaller. Wir sind gänzlich unbewaffnet. Alles was wir einsetzen können, ist unseren gesunden Menschenverstand und unsere Manpower. In seltener Eintracht, ungeachtet der Spezies mit der wir unser Leben teilen, sind wir uns in einem einig. Wir finden, es sollte möglich sein, dass wir unsere Tiere auch bei uns in der Vorstadt gut und sicher über den Jahreswechsel bekommen. Soll heißen, wir sind hier und bleiben hier! Eine temporäre Gebietsaufgabe, etwa ein Rückzug in Reetdach gedeckte  Naturschutzgebiete, wird es in dieser Siedlung nicht geben!

 

Jochens Koi-Karpfen werden heiß geliebt

 

Für Manchen von uns wäre so ein Rückzug auch nicht machbar. Jochen aus dem Haus Nr. 15b ist so ein Beispiel. Mein Nachbar ist Biologe. Er hat sehr viel Energie, Geld und Liebe in den Aufbau und Erhalt seines Teiches investiert. In diesem Teich hat sich über die Jahre allerlei heimisches Krötengetier angesiedelt. Seine eigentliche Leidenschaft, gehört aber den sechs schillernden Koi-Karpfen, die dieses Biotop ihr Zuhause nennen, sehr sensible und empfindliche Tiere.

Abstürzende Raketenhüllen und andere Outfallprodukte, die nachts in seinen Tümpel platschen, könnten bei den empfindlichen Kois durchaus einen Herzstillstand verursachen, sagt der Jochen. Also hat er ein Konstrukt aus Holzlatten und Plexiglas entworfen, dass jedes Jahr wie eine Poolabdeckung über den Teich gestülpt wird. Verrückt oder reine Notwehr, das liegt wohl im Auge des Betrachters.

Ich bin allerdings schon froh, dass ich meinen Hund einfach nur in den Arm nehmen muss, wenn die Knallerei losgeht.

 

Frau Nörgel ist der Swinger-Prototyp

 

Damit wären wir nun bei meiner persönlichen Nemesis gelandet. Meine Nachbarin Frau Nörgel gehört nämlich zur dritten Kategorie der Silvester-Heimsuchungen. Sie ist ein Swinger. Wenn sie mit ihren Freundinnen Silvester feiert, kann sie selbst gut auf das Geballere verzichten. Kommen aber die Enkel zu Besuch, dann sieht das anders aus. Die Jungs sollen sich ja amüsieren, am besten aber nicht in Ihrem Garten.

 

Halbgötter reloaded

 

Fridolin und Frederick sind die Söhne von Frau Nörgels ältestem Sohn, den sie in Anlehnung an ihr Gaststudium in griechischer Mythologie, Horst Paris Nörgel genannt hatte. Ja, in Namensgebung ist diese Familie nicht zu schlagen. (Weiteres zu Frau Nörgels Namensfindungsstörungen findet ihr HIER) Doch zurück zu Silvester – also wenn die zwei Racker ihre Oma besuchen, heißt es in Deckung gehen. Und zwar schon kurz nach Weihnachten. Spaziergänge gestalten sich dann wie Patrouillen im Partisanengebiet. Zu jeder Zeit kann neben, vor oder hinter einem ein Kanonenschlag losdonnern.

 

Finley ist mein Stimmungsbarometer

 

Ich gebe zu, dass mein Nervenkostüm dann etwas dünner wird, wenn die Nörgel-Sprösslinge vor Ort sind. Meine Resilienz hängt ganz eng von Finleys Allgemeinzustand ab. Für meinen Hund ist jeder Jahreswechsel anders. Wir haben da gemeinsam, zwischen tiefenentspanntem Verschlafen, über wütendes Alles-was-sich-bewegt-wird-zusammengebellt, bis zum verängstigten In-die-Kissen-Kuscheln, alles schon erlebt.

 

Zisch-Britzel-Rumms-Booom!!!

 

Vor zwei Jahren war es ganz schlimm. Die ersten Böller detonierten schon am ersten Weihnachtstag und so ging es Tag für Tag weiter. Irgendwann bringt das den schussfestesten Rüden zum Einknicken. Am Silvestertag habe wir dann um 15.00 Uhr unsere letzte Pipirunde gemacht. Später noch mal in die freie Wildbahn zu gehen, wäre einfach zu gefährlich gewesen. Finley musste sich bis zum Morgen dann eben mit unserem Garten zufrieden geben. Ich dachte tatsächlich, dass ihm dort nichts passieren würde.

 

Der Pupsus interruptus – unsere Erfindung

 

Was ich nicht bedacht hatte war, dass die Nörglersprößlinge Gartengrenzen nicht so ernst nahmen. Omas Geranien sollten geschont werden, also flogen die Böller auf unser Schuppendach und in unsere Rhododendren. Ich sah wie Finley sich quälte und sich immer wieder einen neuen Löseplatz aussuchen musste, weil er bei jedem Rumms zusammenfuhr. Immer wenn ich dachte, so jetzt aber , dann explodierte wieder ein Böller und mein Rüde praktizierte den Pupsus interruptus, begleitet von Fridolins und Fredericks Gejohle.

 

Sei freundlich zu Deinen Nachbarn – Ausnahmen gibt’s immer

 

Schließlich hatte ich genug.

Ich sprach die Jungen an: „Sagt mal ihr Zwei, könntet Ihr nicht auch mal woanders knallen? Außer in unseren Garten, kann unser Hund nirgendwo gefahrlos hin und das Geballere macht ihm Angst.“

Fridolin guckte nicht mal hoch und Frederick sagte: „Meine Oma hat uns das erlaubt.“

Meine Stimme wurde schneidend: „Eure Oma hat in meinem Garten gar nichts zu melden. Ab sofort kriegt Ihr Euer Zeugs von mir zurück.“

 

Manchmal hilft nur Aufrüstung

 

Daraufhin ging ich in meinen Garten zurück, schnappte mir meine Plattschaufel und brachte mich in Stellung. Ich hörte ein Zischen und ein Aufheulen und da kam er schon geflogen der nächste Nörgel-Heuler. Ich holte aus, visierte den Böller an und schlug ihn mit der Schaufel, in hohem Bogen über unseren Bonanzazaun, Richtung Nörgel Haushalt. Das war Maßarbeit gewesen, denn der Feuerwerkskörper explodierte noch in der Luft, direkt vor Frau Nörgels Wohnzimmerfenster und brachte ihre heißgeliebte Panoramascheibe zum Erzittern. Ich hatte unser Vorstadtböller-Wimbledon eröffnet … Beckerfaust!!!

 

Zugegeben, auf Beobachter muss die Szenerie echt schräg gewirkt haben. Eine etwas pummelige, in einen Glitzerpullover gekleidete Frau stand, eine Plattschaufel in den Händen, vor ihrem kackenden Rüden und wehrte Silvesterböller ab. Das wirkte alles andere als souverän. Aber hey, hatte ich denn eine andere Wahl?  Außerdem hatten wir eine klasse Vorhand, meine Schaufel und ich!

 

Spiel – Satz und Sieg!

 

Frau Nörgel kam daraufhin aus ihrem Haus gestürzt und wollte sich doch tatsächlich beschweren. Wutschnaubend lief sie auf meinen Zaun zu. Dann sah sie mich, die Plattschaufel im Anschlag und besann sich sofort eines Besseren. Bevor sie und die jüngste Nörgel-Generation wieder hinter ihrer Haustür verschwanden, schnappte ich noch ein paar Wortfetzen auf: „Die soll sich mal nicht so anstellen … gemeingefährlich … Spaßverderberin … äh, besser nicht euren Eltern erzählen…“

Na ja ich muss schon zugeben, so ganz unrecht hatte meine Nachbarin ja  nicht mit ihrem Gemurmel. Trotzdem, für Finley und mich war dieser Nörgelsche Protestgesang, gleichbedeutend mit einem Turniergewinn.

Spiel – Satz und Sieg!

 

Kleiner Nachtrag

 

Frau Nörgel und ich hatten ein paar Tage später ein klärendes Gespräch. Ich erklärte ihr, wie belastend Silvester für uns Hundehalter sein kann. Nachdem das obligatorische „Sie wissen ja wie Kinder so sind“ kam, bot ich Ihr an, mal ein Gespräch mit Horst Paris über die mangelnde Fähigkeit seiner Söhne zuzuhören zu führen. Daran hatte Frau Nörgel aber ganz offensichtlich kein Interesse. Sie bot mir an, mir die Jungen rüberzuschicken, damit sie meinen Garten aufräumen und ich fand, dass das ein guter Anfang sei. Finley hat den Beiden dabei geholfen und ganz offensichtlich mochten die Jungen meinen Hund. Seitdem haben sie Silvester nie wieder Feuerwerkskörper in unseren Garten geworfen.

Vielleicht gefällt Euch ja auch Finleys andere Silvestergeschichte. Lest mal HIER nach.

 

 

 

 

Der nächste Hund wird ein … ja was denn?

Man wird ja wohl mal fragen dürfen

 

 

Vor einiger Zeit trafen Finley und ich Frieda und ihr Frauchen beim Spazierengehen. Die 13 Jahre alte Ridgebackhündin ist eine gute alte Bekannte von uns. Sie hatte in Finleys Sturm und Drang Zeit manchmal erzieherisch auf ihn eingewirkt, wofür ich echt dankbar war, weil es mir zu dem Zeitpunkt noch nicht so gut gelang.

Katrin, Friedas Frauchen, sah Finley prüfend an und sagte: „Na Du musst doch jetzt auch schon 8 oder neun Jahre alt sein. Du wirst ja schon grau um die Schnauze.“ Und an mich gewandt fuhr sie fort: „Und? Soll es denn wieder ein Golden werden, wenn Finley mal nicht mehr ist?“

 

Finley, sie meint es ja nicht böse

 

Also ich mag Katrin wirklich sehr gerne und ich weiß, sie meinte es nicht böse aber mir versetzen solche Fragen immer einen schmerzhaften Stich ins Herz. Wenn ich ehrlich bin, finde ich es auch immer etwas unpassend so etwas zu fragen, wenn mein Bärchen neben mir steht. Finley wohl auch, denn er schnaubte entrüstet auf, wandte sich ab und ging demonstrativ ins Dickicht zum Schnüffeln. Er sieht es so: Einen vollwertigen Amtsnachfolger für ihn gäbe es ohnehin nicht – lächerlicher Gedanke. Thema fertig!

 

Auswahlkriterien – Rasse, Fellfarbe, sozialer Status

 

In diversen Hundeforen in den sozialen Medien wird die Frage nach dem Nachfolgemodell unverblümt offen diskutiert. Insbesondere scheint es interessant zu sein, welche Rasse das nächste Mal in den Haushalt einziehen soll.

Kaum ist so ein Thread online, füllen sich die Kommentarspalten mit Beiträgen die inhaltlich die Treue zu bestimmten Rassen manifestieren. In etwa so: „Einmal Aussie, immer Aussie …“. Die Rassenamen kann man da beliebig austauschen. Gleich darauf folgen Aussagen wie „… ich möchte mal was Kleines/Größeres …“, …“nie wieder ein Jagdhund/Hütehund …“ oder auch “… wieder sowas Durchgeknalltes …“, „…Muss Knallbirne draufstehen, dann nehme ich ihn/sie mit …“, „Bin Plattnasenfan …“ und so weiter. Hier zeigt sich deutlich wie bunt unsere Hundewelt auch auf der menschlichen Seite ist.

Fakt ist nun einmal Finley wird nicht jünger, also ist es vielleicht gar nicht so abwegig, sich einmal ernster mit diesem Thema zu beschäftigen. Denn, und das ist das Einzige was unumstößlich feststeht, ein Leben ganz ohne Hund kann ich mir nicht vorstellen. Außerdem sind in letzter Zeit im Bekanntenkreis ein paar wundervolle Hunde gestorben, das macht nachdenklich. Deshalb traue ich mich jetzt einmal etwas näher an das Thema heran.

 

Der Familienrat war nicht zielführend

 

Am letzten Wochenende habe ich dann mal meine Familie gefragt, wie sie zu dem Thema steht. Das war gewissermaßen mein analoger Sonntagsfrühstücks-Thread: „Sagt mal, habt Ihr Euch schon mal Gedanken über Finleys Nachfolger gemacht?“

Finley: „Schnaub, pühh …“

„Auf jeden Fall muss es ein kurzhaariger Hund sein“, sagte mein Mann wie aus der Pistole geschossen. Bei ihm ist der Leidensdruck gerade in gleichem Maße angestiegen, wie seine Leidensfähigkeit gesunken ist.  Denn Finley gibt dem Wort Fellwechsel zurzeit eine ganz neue Bedeutung. Er flockt aus wie Omis alter Flokkati und zwar täglich seit Monaten, ganz egal wie oft ich ihn bürste.

Kaum habe ich durchgesaugt, liegen schon wieder goldene Fellbüschel herum. Da meine zwei pubertierenden Töchter kein Problem damit haben, einfach über die Flocken die Finley auf unserem Fußboden hinterlässt hinwegzusteigen, sind Ihre Kriterien anders gelagert.

Mausi: „Ich will einen kleinen, wuscheligen Hund, den ich auf den Schoß nehmen kann.“

Finley: „Auf den Schoß? Wo ist das Problem ich bin wuschelig und kuschelig. Ich hab‘ Dich lieb … ich kooooommeeee!“

Motte: „Ich will eine Katze, die sind … Katzen eben … oder einen schwarzen Labrador … ein Mädchen … mehr Mädelspower, yay!!!“

Finley: „What??? Schnaubppffft …“

 

Es bleibt wohl meine Entscheidung

 

Um es hier mal deutlich zu sagen, unser Familien-Brainstorming war nicht sehr erhellend. Letztlich wird es irgendwann einmal meine Entscheidung bleiben, welcher Hund bei uns einziehen darf. Ich werde diejenige sein die ihn oder sie erzieht und die meiste Zeit mit ihm oder ihr verbringen wird.  Also dann, Birgit welchen Hund würdest Du Dir als nächstes anschaffen?

Als ich damals nach meinem ersten Hund suchte, habe ich tatsächlich zuerst recherchiert, was mir die einzelnen Rassen abfordern würden. Ich habe das gesamte VDH-Rasselexikon von A bis Z durchforstet. Habe nach Eigenschaften geschaut, danach ob es Züchter dieser Rasse bei uns in der Nähe gab und habe ab und an mit einem Züchter telefoniert. Optik war ein wichtiger Faktor, natürlich sollte mir mein Hund auch optisch gefallen.

 

Informationen aus erster Hand

 

Meine zweite Informationsquelle war mein Bekanntenkreis. Wer hat da welchen Hund, sind sie glücklich mit ihrem Tier, was können sie mir von ihrem Alltag berichten. Ich streifte hundelos über Hundefreilaufflächen, beobachtete die Vierbeiner und sprach deren Besitzer an um an Informationen aus erster Hand zu kommen. Langsam entwickelte ich ein Faible für Retriever. Zurzeit, das liegt auf der Hand, ist mein Golden mein Favorit. Obwohl, wenn ich ganz ehrlich bin, werfe ich regelmäßig ein paar sehr interessierte Fremdgeher-Blicke auf die Labradorfotos einer ganz bestimmten Züchterin bei uns im Norden.

 

Mein Fokus hat sich verschoben

 

Im Laufe der letzten Jahre habe ich mit zahlreichen, interessanten Hunden unterschiedlicher Rassen arbeiten dürfen. Jeder hatte seinen eigenen Charakter, seine kleinen Macken und jeder hatte seinen speziellen Charme. Mein Fokus ist folglich etwas abgerückt von den äußerlichen Kriterien. Ich habe, nicht zuletzt durch Finley, so viel gelernt über Hundeverhalten, Kommunikation und Hundepsychologie, dass mein Auswahlschwerpunkt heute wohl bei den inneren Werten zu suchen wäre.

Im Klartext bedeutet das: Ich möchte wieder einen Hund den so schnell nichts aus den Socken haut. Er darf ruhig einmal ein wenig stur werden und seinen eigenen Kopf haben. Ich weiß, dass ich das aushalten kann und trotzdem einen Weg finden werde ein gutes Team mit diesem Hund zu bilden. Ich möchte einen Hund, der sich auf mich und meine Familie einlässt, so wie wir uns auf ihn und seine kleinen Macken einlassen werden. Er muss Kumpelqualitäten mitbringen. Dabei darf er oder sie ruhig Temperament haben, wir lenken das dann schon in Bahnen, die für uns beide akzeptabel sind.

 

Ein Hund mit Potential, mit der Lizenz zum Kumpelsein

 

Mit anderen Worten, es wird ein Hund werden, in dem ich das Potential erkennen kann, alle diese Dinge im Laufe der Zeit unseres Zusammenlebens zu erarbeiten. Der Weg dorthin, wird uns als Team zusammenschweißen. Ob das dann wieder ein Golden wird? Schon möglich, es kann aber auch ein Mischling aus dem Tierschutz oder vielleicht doch ein Labrador aus meiner Lieblingszucht werden, das ist heute noch offen.

Bis es soweit ist, dass ich mir ernsthaft darüber Gedanken machen muss, werde ich sicher noch ein paar schöne Jahre mit Finley erleben. Und ich habe das Gefühl, dass Finley auch noch ein paar Streiche auf Lager hat…

 

 

 

 

 

 

Der Weihnachtsbraten – the untold story

Wenn Finley – retrievermäßig – die Speisekammer füllt

 

Illustration: Arm und Abra; Foto: Thomas Jaklitsch

 

Weihnachten, die besinnliche Jahreszeit. *KlingGlöckchenklingelingeRrrummms

Der Geruch von Frischgebackenem wabert durch das Haus, überall spenden Kerzen ein warmes, gemütliches Licht. Im Wohnzimmer ist schon der Christbaum aufgebaut. Er wartet darauf, liebevoll geschmückt zu werden…. Ja, so könnte es sein, jedes Jahr. Jeden Morgen, noch vor dem Aufstehen, visualisiere ich dieses Bild…. versuche ich diesen Zustand meditativ heraufzubeschwören….Glaubt mir, mit zwei pubertierenden Töchtern und einem Finley im Haus, ist das nicht zu schaffen…

 

Pubertät ist der Tod jeglichen Zeitmanagements

 

„Ohmaaaaaannnn, Mamaaa! Du hast meine Lieblings-Usedlook-Jeans-mit-den-unterlegten-Löchern nicht gewaschen! Soll ich jetzt vielleicht nackt zur Schule gehen?“, brüllte meine übelgelaunte Tochter aus ihrem Zimmer. Wahrscheinlich versuchte sie gerade, vergeblich die Türen zu ihrem übervollen Kleiderschrank zu schließen. Augenblicklich landete ich hart im Hier und Jetzt. „Meinen Lieblingspullover hat sie auch nicht gewaschen…“, donnerte ihre ältere Schwester aus ihrem Loft, Dachgeschoss dürfen wir nicht mehr sagen, herunter und leistete einen wertvollen Beitrag dazu, meinen Stresspegel auf das Level ‚SchichtimSchacht‘ hochzustufen. „Ich kann Euch Beiden ja ein paar Klamotten von mir ausleihen“, rief ich zurück und tat damit natürlich nichts, um die Stimmung zu heben. Augenblicklich zogen sich meine zwei Stylowahnsinnigen zurück. Ich hörte nur noch ein paar gemurmelte Wortfetzen: „…Zombieoutfit…, … Dude, dein Ernst? …, … rufschädigende Schlackerfetzen…“

 

Kaffee, ganz viel Kaffee … Oooohmmm!!!

 

Grinsend ging ich in die Küche, ich brauchte Kaffee, viel, ganz viel Kaffee.  Ich setze mich an den Esstisch, und kraulte Finley im Nacken. Das beruhigte mich sonst immer ein wenig. Aber irgendwie wollte dieses Mal keine Entspannung aufkommen. Es gab einfach noch so viel zu erledigen, so viel zu planen, so viele offene Fragen… Eine der drängendsten Fragen, hing wie ein Betonklotz über mir. Was essen wir an Weihnachten? Als harmoniesuchendes Familien – *hüstel – oberhaupt, war mir daran gelegen, dass es allen schmecken würde. Als Kochbeauftragte der Familie, hing ich von Anbeginn der Essenszeiten einem Wunschtraum nach. Ich wollte es nur einmal, wirklich nur ein einziges Mal erleben, dass mein Essen mit Wonne, unter juchzender Lobhudelei von allen verschlungen wird. Das war doch wohl nicht zu viel verlangt. Oder?

 

Der Familienrat ist auch nicht immer eine Lösung

 

Also wurde nach der Schule der Familienrat einberufen. Eigentlich kann ich von solchen, inszenierten Familienzusammenkünften nur abraten – emotional gesehen. Jedenfalls dann, wenn das Topic nicht wirklich etwas Fesselndes, aufregend Interessantes zu bieten hat. Da saßen wir nun, mein Mann sah ständig auf die Uhr, Motte war am Handy im Klassenchat unterwegs und Mausi fielen vor Müdigkeit fast die Augen zu. Nur mein Finley schien bereit zu sein, sich voll und ganz in die Unterhaltung einzubringen. *braverHund

 

Aufmersamkeitstraining kennt man ja aus dem Hundetraining

 

Ich machte den Zweibeiner-Aufmerksamkeitscheck und warf locker ein paar Grausamkeiten in die Runde: Ich: „Also, was haltet ihr von überbackenem Brokkoli, mit Kassler…“ Rrringggg…, Mausi riss die Augen auf: „Was Grünes? Igiddigitttt…!“ Reanimation gelungen!

Finley sah mich an. Über seinem Kopf hing wabernd eine Sprechblase: „Kassler, hmmm… wäre nicht meine erste Wahl, aber geht klar.“ *herzigerSchatz

Ich seufzte: „…oder Karpfen blau mit Salzkartoffeln…“ Motte schnappt nach Luft: „Näää, da kann man den Fisch ja noch erkennen, der guckt dann immer so traurig …. wie bist DU den drauf Mama?“

Finley hingegen nickte begeistert, seine Sprechblase schoss Karpeister: „Doch, doch, dooohooooch, Fisch ist klasse … wie damals an der See, lecker …“ *süssesBärchen

Ich, schon leicht genervt: „Königsberger Klopse mit Kapernsauce und Reis? Wie wäre es damit?“ Der Mann schnaubte laut auf. „War ja klar. Ähm, nicht so prickelnd…“ Und dann sehr gönnerhaft: „Naja, wenn’s sein muss…“

Finley sah ihn verständnislos an. In seiner Sprechblase formte sich ein Fragezeichen: „Hackfleischklöpse findest Du nicht so prickelnd? Das könnte ich jeden Tag futtern – in allen Varianten! NICHT SO PRICKELND, ts … ts … ts … ts…“ *meinHeldBuddyKumpel

Mein Blut erreichte langsam den Siedepunkt. Ich: „Na dann macht Ihr doch mal einen Vorschlag. Worauf hättet Ihr den Appetit?“  Es folgt allgemeines Gemurmel, verlegenes zur Seite schauen, nicht ausformulierte Halbsätze…: „Och, weiß nicht…, mal was Anderes…“ Und dann – Mach mal, was Du willst!

 

Flight, Freeze – ESKALATION!

 

Genau in dem Moment änderte sich mein Gemütszustand drastisch. Irgendetwas oder Jemand, hatte die Programmierung von „Kooperative Service-Mama“ auf „Ahnengenetik – Typ Veloceraptor“ gestellt. Will heißen, ich hatte zwar noch keine Ahnung, was am Heiligabend auf den Tisch kommen würde. Aber was immer es auch sein würde, ich wollte es eigenhändig töten!!!

 

Und Huuuiiiii, weg war er …

 

Unsere Versammlung hatte sich inzwischen von selber aufgelöst. Ich schaute Finley an und sagte scherzhaft: „Wahrscheinlich wird es das Beste sein, ich überlasse Dir die Auswahl unseres Weihnachtsmenus.“ Ich konnte ja nicht ahnen, dass mein Hund mich wenig später beim Wort nehmen würde. Ich brauchte dringend frische Luft. Also verabredeten wir uns mit meiner Freundin Christa und Frieda, ihrer 13-jährigen Ridgeback-Hündin. Am Waldrand ließen wir die Hunde von der Leine. Genau in der Sekunde passierte es. Finley reckte die Nase in die Luft und startete durch, wie Nico Rosberg auf der Poolposition. Und ja – DAS HATTE ER NOCH NIE GEMACHT!

 

Der zuverlässige Rückruf … öhm, man kann es ja mal versuchen

 

Ich gab wirklich alles, um meinen Hund dazu zu bewegen, zu mir zurückzukommen: „Finley HIIIIIER! – Doppelpfiff!!! – Hiiiierheeeer! –Doppeldoppelpfiff!!! – KommstDuSoooforthiiiierherJettttttzt – TripleDoppelpfiiiff!!!“ Er hatte sich nicht einmal umgedreht. Mein schöner Rückruf, auf dessen Zuverlässigkeit ich eigentlich immer ein wenig stolz gewesen war, verpuffte im Nirvana. Genauso wie Finleys Will to Please. Mein Inneres Ooohhmmm schlug mit dem Klöppel auf seine Klangschale ein, als wäre sie eine Alarmglocke. Hektisch hastete ich meinem Hund hinterher, Christa und Frieda im Schlepptau. Auf dem Acker unseres heimischen Biohofs saß er dann – und er hatte etwas Großes im Maul.

 

Wenn es da doch so herumliegt, das Fleisch…

 

„Was trägt er denn da“, fragte ich Christa. „Sieht aus wie eine Aktentasche“, sagte sie irritiert. Und dann erkannten wir es. Mein Finley hatte ein riesiges Stück Fleisch in der Schnauze und ließ es sich schmecken. Da musste einem Angestellten des Biohofes, der Weihnachtsbraten, auf der Heimfahrt vom Trecker gefallen sein. Christa sah sich Finleys Beute noch mal näher an: „Ach Mist, ich glaube das ist ein Schweinebraten“, sagt sie besorgt. Na, das hatte mir gerade noch gefehlt. Nicht nur, dass mein Jungspund gerade gefühlte sechs Kilo totes Fleisch gejagt hatte, wenn er zu viel davon in sich hineingeschlungen hatte, war die Situation lebensbedrohlich.

 

Sorry, aber „Fleischloslassen“ haben wir leider nicht konditioniert

 

Ich alarmierte meine Tierärztin. Sie versprach, in ihrer Praxis zu warten und sagte: „Du musst ihm das Fleisch wegnehmen, damit er nicht noch mehr frisst.“ Und genau das war das Problem. Christa und ich versuchten alles, Finley die Beute zu entwinden. Christa: „Loslassen … gib schön her, das Happihappiii …*dochhatsiegesagt … Friiiieda, nimm ihm das weg!“ Ich: „Lassdasloooos … das ist giftig … Aus! Ahaauuus!!! SpuckdasausDuDrömel!“ Alles vergeblich. Jede unserer Bestrebungen führte dazu, dass mein Rüde seine Zähne tiefer in der Speckschwarte vergrub.

 

Schweinefleisch –  gut abgehangen …

 

Solange er in Bewegung war schluckte er wenigstens nicht noch mehr herunter. Sobald er sich hinsetzte oder stehen blieb, schlang er wieder ein paar kapitale Brocken herunter – unzerkaut natürlich. Also musste ich ihn auf dem Weg nach Hause in Bewegung halten. Seufzend zog ich Finley die Leine über seinen Schädel und dann über das vor Blut triefende Fleisch. Dann ging es, quer durch unsere Spießervorstadt, nach Hause. An jeder Straße patrouillierte ich auf und ab, bis kein Auto mehr kam. Bei jedem Schritt hinterließen wir eine feine, getropfte Blutspur. Ein Traum für jeden Spurensicherer.

 

Die Irre mit dem Hund

 

Und dann, die irritierten Blicke meiner lieben Mitmenschen: „Guck, jetzt ist sie vollständig verrückt geworden“, schienen sie zu sagen. Oder, „Igitt, wie eklig. Kann die ihren Köter nicht zuhause füttern?“ Bestenfalls, „Gott-oh-Gott, man kann es mit der Frischfleischfütterung aber auch übertreiben…“  Noch heute, Jahre später, gibt es ein paar Menschen, die die Straßenseite wechseln, wenn sie uns sehen.

Bei mir überdeckte die Sorge allerdings jedes Schamgefühl. Zuhause angekommen, ging ich im Garten auf und ab und überlegte, wie ich den Braten aus dem Maul meines Hundes befördern könnte. Carmen, meine Nachbarin, beobachtete mich skeptisch. „Kann ich Dir irgendwie behilflich sein“, fragte sie unsicher. „Ich weiß es nicht“, antwortete ich ratlos. Und mehr zu mir selbst: „Erschrecken, ich muss ihn erschrecken! Dann lässt er vielleicht mal locker…“ „Aha, ganz wie Du meinst“, sagte Carmen und zog ihre Brauen hoch.

 

Mach ich ja ganz selten aber … BUH!!!

 

Beherzt griff ich in die Tasche, zog meinen Schlüsselbund heraus und schmiss ihn meinem Hund zwischen die Vorderpfoten. Finleys gab einen Grunzlaut von sich. Schmoampf! Der kurze Moment reichte aus, ihm das Fleisch zu entreißen. Ich schleuderte das Fleischdingens in hohem Bogen über den Gartenzaun. Mit einem gwatschenden Geräusch landete der Braten vor Carmens Füssen. „Öh, wolltest Du uns zum Essen einladen“, fragte Carmen mit einem breiten Grinsen. Ich liebe ihren trockenen Humor.

 

Vier Spritzen und ein Halleluwuampp …

 

Dann packte mir Carmen das ekelige Gwabbelstück in eine Plastiktüte und brachte mir das Corpus Delicti zu meinem Auto. „Vielleicht will Deine Tierärztin ja mal einen Blick drauf werfen“, sagte sie. Ich liebe Carmens Sinn für Praktisches. Finley, mein Dead-Flesh-Hunter, sah derweil schon etwas grün ums Maul aus. Er war, oh Wunder, ohne aufzumucken in den Wagen eingestiegen. Es musste ihm wirklich schlecht gehen.

Vier Spritzen bekam er von seiner Tierärztin. Noch bevor mein Bärchen seine Beute wieder ausgegeben hatte, sollte ich das Behandlungszimmer verlassen. „Ist besser für euch Zwei – glaub mir, das wird jetzt nicht schön“, sagte meine Tierärztin. Als ich die Tür hinter mir schloss, ging es schon los …. Wuampp …wuampp … wuampp … wuaaaaaaaa … Der Rest ist Geschichte.

Übrigens, bei uns gab es an diesem Weihnachtsfest etwas Grünes, Salat … ganz viel Salat, Gemüse, ein wenig  und unheimlich viel

 

 

 

 

Finley der Katzenflüsterer oder es kann nur Eine geben …

Immer diese anderen Tiere

 

 

Foto: pixabay

 

„Ein guter Plan ist der halbe Sieg“, frei zitiert nach Karl May, irgendwo aus dem zweiten Band „Durch das wilde Kurdistan“.

Wenn man allerdings auf das falsche Pferd … äh, Eichhörnchen setzt, dann kann das zu herben Rückschlägen führen. Der abtrünnigen Katze Mitzi scheint es gerade so zu gehen. Sie glaubt, der Otto will sie abservieren. Ihr erinnert Euch? Mitzi ist die pummelige Tigerkatze, die vormals rechte Hand unseres Katzenchefs Pauli. Sie hatte sich von Kamikaze Ottos Charme einwickeln lassen, was fast dazu geführt hatte, dass Ragdoll Kater Paulis Vorstadt-Imperium einzustürzen drohte. Finley hatte Pauli, seinen Lieblingsfeind ein wenig durchgerüttelt und half ihm bei der Rückeroberung seines Terrains – natürlich alles konspirativ, sozusagen als verdeckter Revoluzzer. (Die ganze Geschichte findet ihr HIER)

 

Otto liebt die Damenwelt

 

Ihr habt Kamikaze Otto unser überdimensioniertes Eichhörnchen-Männchen sicher nicht vergessen. Er wohnt noch immer auf den drei Eichen am Ende unseres Garagenhofes (Alles über Otto findet Ihr HIER). Er thront dort wie ein mit sich sehr zufriedener, gutgenährter Sultan und wie die Sultane in der Geschichte des osmanischen Reiches, versammelt er gerne hübsche Damen um sich.

 

Die drei Säulen der Macht

 

Und genau diese Vorliebe lenkt seine Aufmerksamkeit weg von der Waldherrschaft, hin zum schönen Geschlecht. Denn was sind die drei Säulen der Macht? Was macht einen Sultan stark und seine Herrschaft unantastbar? Da wäre zuerst Land auf das er Anspruch erhebt. Tja also das hat er schon ganz gut erledigt der Otto. Unsere Vorstadtwälder hat er erobert und die drei Eichen sind unangefochten seins.

Dann wären da noch die Untertanen, eine Anzahl von Wesen, die ihm bereitwillig dienen. Auch das ist ihm gelungen. Täglich ist er umgeben von ein paar Kätzchen, die ganz entzückt sind, wenn sie ihrem Sultan Hadschi Alef Otto ein paar Kastanien und Eicheln ins Mäulchen schieben dürfen.

 

Nachwuchs muss her

 

Doch unerlässlich ist auch die Sicherung der Dynastie, Nachkommen die das Fortbestehen seiner Blutlinie und die Erbfolge absichern. Upsi, Otto da hast Du aber was Wichtiges vergessen.

Tja und genau an diesem Punkt scheinen Mitzis und Ottos Interessen in verschiedene Richtungen zu laufen. Otto scheint wild entschlossen zu sein einen Kamikaze-Klan zu gründen – mit einem Eichhörnchen-Weibchen – nicht mit einer Katze. Er hat sie eines Tages von einem seiner Streifzüge aus dem Wald mitgebracht. Jung, schön, rothaarig, mit einem Selbstbewusstsein das seinem in keiner Hinsicht nachsteht. Lotti ist ihr Name und sie wohnt jetzt auch auf den drei Eichen.

 

Es kann nur Eine geben

 

Mitzi gefällt das gar nicht aber Lotti hat von Anfang an klargestellt, dass es nur eine Sultanine geben kann und dann kommt nur noch Personal. Seitdem hat Mitzi Katzenjammer, schlimmer als er bei Pauli je war. Nachts streift sie durch unsere Vorstadtgärten und weint und jammert und singt traurige, das Trommelfell sprengende Lieder …

 

Mitzi im Jammertal

 

Immer wenn es dunkel wird, kann man sie hören:

„Am Taaag als der Rääägen kaaam, lang ersäääähnt, heiß erflääääht…“

Eines Abends wurde es Finley zu viel und er ging zu Mitzi in unseren Garten und fragte sie was denn los sei.

 

Finley: „Mensch Mädchen, das ist ja nicht auszuhalten. Was ist denn los?“

Mitzi: „Nach allem was ich für ihn getan habe … und das ist jetzt der Dank.“

Finley: „Nur fürs Protokoll – von wem sprichst Du jetzt? Von Pauli oder dem Eichen-Sultan?“

Mitzi: „Na von Otto natürlich! Ich haaabeee ihm die beeeesten Wocheeen meines Lääääbens geopfert und jetzt das! Er hat jetzt eine Eichhörnchefraaaaauuuu … Nuuur niiiicht aus Liebäää weinen, es gibt Lääääben nicht nur den Eineäään…“

Finley: „Hör um Gottes Willen auf, zu singen, sonst hören die Vögel ja auf zu brüten!“

Mitzi: „Und für diesen, diesen, diesen … Eichelvernichter habe ich den schönsten Kater in der Siedlung sausen lassen … er wiiird mir niemaaals vääärzeihen … „

Finley: „Ähm, ja öhhh was soll ich dazu sagen … ich öhhh … verdammte Axt aber auch …“

Mitzi: „Wo soll ich denn jetzt wohnen? Ich muss jetzt wohl bei Dir im Garten bleiben …“

Und dann sang sie wieder: „Mein Froooind der Baum iiiist toooot, er fiel im äääärsten Mooorgenrooot …“

 

RED ALERT – keine Panik, keine Panik…

 

Finley spürte das erste Mal so etwas wie Panik in sich hochkriechen. Sein Magen krampfte sich zusammen, er war kurz davor seine Abendmahlzeit hochzuwürgen … Eine KATZE? In seinem Garten? Für immer? Nein, das ging nicht – auf keinen Fall. Das würde seinen Ruf nachhaltig zerstören. Er wollte Frieden in der Siedlung – ja. Aber doch nicht so… Er versuchte sich zu fassen.

Also sagte Finley: „Wir werden eine Lösung finden, einen Plan entwerfen, deeskalieren, schnell … ganz schnell… versprochen“

Mitzi wimmerte noch ein Bisschen und sah Finley dann erwartungsvoll an.

Finley: „Okay, hier ist der Plan. Erstens Du hörst sofort auf zu singen. Wenn Pauli mitbekommt, wie angeschlagen Du bist, schwächt das unsere Verhandlungsposition.“

Mitzi: „Das verstehe ich … Du bist aber klug. Also keine Gesänge mehr, großes Katzenehrenwort.“

Finley: „Die nächsten zwei Tage bleibst Du in unserem Garten und zwar so, dass Pauli und seine Späher Dich sehen können. Und Du bist nett zu mir und ich versuche nett zu Dir zu sein.“

Mitzi: „Nett zu einem Hund? Also ich weiß nicht …“

Finley: „Es ist doch nur zum Schein, Mitzi. Pauli soll doch nicht merken, wie dringend Du wieder nach Hause möchtest. Ich werde an diesen zwei Tagen gezielt ein paar Informationen an Paulis Nachrichtenleute weitergeben.“

Mitzi: „Oh, ich fange an zu verstehen. Du könntest ihm sagen, dass ich mich abgewandt habe von diesem, diesem, diesem … Hagebuttenknacker … und dass ich ein paar wichtige Infos für ihn habe. Was meinst Du?“

Finley: „Genauso machen wir das. Ich werde ihm sagen, Du wärst damals nur zu Otto gegangen, um zu spionieren – wie Mata Hari – nur dass Du am Leben bleibst.“

Mitzi: „Super Idee aber wer ist Matta Haari? Auch eine Katze?“

Finley *seufz: „Ja, auch eine Katze … bei der ist die Wiedereingliederung in ihre Katzenpopulation schiefgelaufen, weil sie dem Nachbarshund nicht vertrauen wollte …“ *augenroll

Mitzi: „So ein Dummerchen …“

 

Ein kuscheliger Schlafplatz für Mitzi

 

Finley zeigte Mitzi dann ein kuscheliges Plätzchen in unserem Gartenhäuschen. Dort konnte sie sich in die Liegestuhlauflagen kuscheln und übernachten. Er versprach ihr hoch und heilig, dafür zu sorgen, dass sie von seinen Leuten gefüttert werden würde. Denn ins Haus konnte sie nicht mitkommen, weil sein Frauchen auf die meisten Katzen allergisch reagiert.

 

Ein guter Plan, na Ihr wisst schon

 

Finleys Plan ging auf. Es dauerte vier Tage, dann hielt Pauli es vor Neugier nicht mehr aus und erlaubte Mitzi nach Hause zu kommen. Niemand hier weiß, welche Geschichten sie ihm von ihrer Zeit an den drei Eichen erzählt hat aber sie ging nie wieder dorthin zurück. Sie wurde Paulis Schatten, seine Beschützerin und Beraterin.

 

Nachtrag

 

Und auf den drei Eichen da hat sich auch etwas getan. Kamikaze Otto soll die Lotti in einer sehr anrührenden freien Nager-Zeremonie geheiratet haben. Ab sofort darf sie sich Kamikaze Lotti nennen. Natürlich brodelt die Gerüchteküche:

„Psst, sie hat ein wenig zugelegt … ob da was Kleines im Anmarsch ist … „

Für keine dieser Behauptungen gibt es derzeit eine offizielle Bestätigung. Wir müssen es einfach abwarten. (Anmerkung der Redaktion)

 

 

Angeleint! Entspanntes Leinentraining für Mensch und Hund

Das neue Buch von Katharina von der Leyen

 

 

Es ist ja kein Geheimnis mehr, dass Finley und ich ab und an ein klitzekleines Problem mit der Leinenführigkeit hatten. Finley glaubte, dass jeder Spaziergang nur dazu da war, dass er im Turbotempo frischen Spuren nachschnüffeln durfte oder dazu, dass er die Rüden aus unserer Straße verhauen durfte. Vive la Liberté!

 

Leinenführigkeit – ein Unwort für Finley

 

Ich hingegen glaubte fest und unverbrüchlich daran, dass Spaziergänge meiner Erbauung, meiner Entspannung und der Stärkung meines inneren Ooohhmmms dienen sollten. Theorie und Praxis lagen da oft sehr weit auseinander. Finley reichten im Schnitt schlappe drei Meter um mich in die Realität zurück zu katapultieren.

 

Menschen, schaut zuerst auf Euch

 

Hätte es dieses Buch von Katharina von der Leyen damals schon gegeben, wäre es mir eine große Hilfe gewesen. Neben praktischen Anleitungen, wie Schritt für Schritt Teilziel nach Teilziel zu erreichen sind, zieht sich eine Botschaft wie ein roter Faden durch alle Kapitel dieses Buch:

„Wenn es zwischen Dir und Deinem Hund nicht funktioniert, schau zuerst auf Dich und frage Dich was Du an Deinem Verhalten ändern kannst, damit Dein Hund kooperiert.“

 

Der Hund als Spiegel menschlichen Empfindens

 

Immer wieder macht die Autorin darauf aufmerksam, dass Hunde in der Regel direkte Reaktionen auf das menschliche Verhalten ihrer Halter zeigen. Sie macht das auf eine sehr sachliche Art und ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Sie erklärt einfach und verständlich wie Stimmungsübertragungen über die Leine funktionieren und wie man es umgehen kann, dass das falsche Signal beim Hund ankommt.

 

Hundeverhalten verstehen, ist schon die halbe Miete

 

Der Trainingsansatz, den Katharina von der Leyen aufzeigt, ist kein stures Ableisten von Arbeitsdrill sondern orientiert sich am Verhalten und der Erlebniswelt unserer Hunde. Das erscheint auf den ersten Blick vielleicht wenig konkret, ist aber bei näherer Betrachtung ein freundlicher und entspannter Weg zu einem guten Zusammenleben mit unseren Hunden. Letztlich ist alles was die Autorin schildert, anrät und erklärt, logisch nachvollziehbar und mit sehr wenig Aufwand nachzumachen.

 

Unbedingt lesen – es hilft egal wie lange ihr schon einen Hund habt

 

Finley und ich haben unser Leinenproblem in den vergangenen Jahren mit einigen geringen Abweichungen auf diese Art gelöst. Es ist nicht immer der Weg des schnellen Erfolgs aber der Weg zu einer nachhaltigen, zuverlässigen Erziehung unseres Hundes. Und wenn es zwischendurch mal wieder hakt, was durchaus vorkommt, frage ich mich: „Was habe ich an meinem Verhalten geändert, dass Finley so reagiert?“ Außer bei Katzen, da weiß ich, die hasst er wirklich. Da hilft auch kein Leinentraining.

 

Als Fazit lässt sich sagen, dass ich dieses Buch jedem Hundehalter guten Gewissens empfehlen kann. Es lohnt sich, sich einmal auf diesen anderen und wohltuenden Ansatz in der Hundeerziehung einzulassen.

 

Zur Autorin:

Katharina von der Leyen arbeitet seit den 80er Jahren als Journalistin für das „Who is Who“ der Printbranche von der „Bunten“ über die „Vogue“ oder die „Bild am Sonntag“ bis hin zur „Zeit“. Ihr Herz hat sie aber schon vor vielen Jahren dem Thema Hund verschrieben. Sie dokumentiert das Zusammenleben mit ihren mittlerweile acht Hunden (die Pflegehunde nicht mitgezählt) im eigenen Online Magazin Lumpi4, in Tageszeitungen und zahlreichen Büchern.

So ist sie im Laufe der Jahre zu einer der bekanntesten Hundeexpertinnen Deutschlands für die Haltung und das Zusammenleben zwischen Mensch und Hund geworden. Die Autorin hat nach eigener Aussage bis heute noch nie einen Hund getroffen, den sie nicht mochte.

 

Angeleint!

Autor: Katharina von der Leyen

Verlag: GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH

ISBN: 978 3833 866 456

Preis: 19,99 Euro

 

 


Dieser Artikel enthält Werbung. Der obenstehende Link ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr Euch entschieden habt, das Buch zu kaufen und den Weg über diesen Link in meinem Blog zu gehen, würde mich das sehr freuen. Euch entstehen dadurch keine Kosten. Ich erhalte dann eine kleine Provision, die ich wieder in die Pflege des Goodfellows Hundeblogs und die Umsetzung neuer Ideen auf meinem Blog, investieren kann.

Kamikaze-Otto der Jopi Heesters unter den Eichhörnchen

Mit seinem Charme wickelt er die Vorstadtkatzen ein

 

Foto: pixaby

 

 

Machtverhältnisse, das können wir ja derzeit gut in der menschlichen, politischen Landschaft beobachten, sind nicht für die Ewigkeit geschaffen. Trotzdem, was ist eigentlich mit unseren Vorstadtkatzen los? Da arbeiten sie seit Jahren an der feindlichen Übernahme unserer Vorstadtsiedlung und lassen keine Gelegenheit aus, die hier ansässigen Hunde in den Wahnsinn zu treiben und dann das. Sie unterwerfen sich einem Eichhörnchen!

 

Ich hatte Euch ja neulich (Lest mal HIER) von Kamikaze Otto erzählt, Ihr wisst schon dem Navy Seal unter den Eichhörnchen… zu Wasser, zu Lande und auf dem Baum … Hoooaahh! Er wohnt noch immer auf den drei Eichen, die am Ende unseres Vorstadt-Garagenhof stehen und ich habe den Verdacht, er wird niemals wieder weiterziehen. Warum auch denn hier bei uns in der Vorstadt läuft alles super für ihn.

 

Das Katzenterritorium ist in Gefahr

 

Die drei Eichen waren einmal pures Katzengebiet, besonders im Sommer. Da versammelten die „Samtpfoten“ sich regelmäßig in der Vorabendsonne und teilten ihre Claims unter sich auf.

Pauli, der weiße Ragdoll-Kater ist der Katzenchef hier bei uns im Vorstadtring. Er ist wunderschön und er weiß das auch. Darüber hinaus ist er aber auch sehr verwegen und hat ein nicht zu unterschätzendes Organisationstalent. Er teilt den anderen Katzen, die hier wohnen, ihre Aufgaben zu.

Die pummelige Tigerkatze Mitzi ist so etwas wie seine Generalsekretärin und Vertraute. Sie ist die Schnittstelle für Beschwerden und teilt auch schon mal – auftragsgemäß – ein paar Pfotenhiebe an insubordinative Untertanen aus.

 

Jeder Rüde im Ring hatte schon schmerzhafte Begegnungen mit Mitzis Krallen

 

Nahezu jeder im Ring wohnende Rüde, der etwas auf sich hält, hat von Mitzi schon eine Schmarre einkassiert. Bei Finley war das rechte Ohr betroffen und das hat Mitzi ein paar sehr kalte Duschen mit unserem Gartenschlauch eingetragen. Soweit kommt es wohl noch, dass ich ruhig zusehe wie diese kleine Bitch meinen Jungen perforiert, um es sich dann danach dreist in meinem Blumenkübel bequem zu machen. So nicht, Madame!

 

Terror nach der Abendrunde

 

Wenn wir Menschen nun mit unseren Hunden nach einer gemütlichen Abendrunde um die Ecke bogen, dann machten die Katzen mobil und terrorisierten uns. Bei Finley gehörte ja nun wirklich nicht viel dazu. Für ihn reicht schon der Anblick einer einzigen Katze um völlig außer sich zu geraten. In diesen Augenblicken mutierte mein mittlerweile eigentlich souveräner Bär zu vierzig Kilogramm Muskelmasse ohne messbare Gehirnfunktion.

Ich musste wirklich alles geben um ihn aus dieser Schleife wieder rauszuholen und saß dann zuhause mit einem noradrenalin verseuchten Rüden, denn ich mindestens eine halbe Stunde TTouchen musste damit er wieder ansprechbar wurde.

 

Unsere Tierwelt driftet aufs Chaos zu

 

Okay, das war zwar nervig aber da war unsere Tierweltenordnung irgendwie noch in Ordnung. Mit den Katzen hatten wir uns arangiert. Doch jetzt hat Kamikaze-Otto die Karten neu gemischt. Zuerst hat er sich bei Paulis Generalsekretärin eingeschmeichelt. Nur Otto und der Eichhörnchen-Gott wissen wie ihm das gelungen ist. Habt Ihr eigentlich eine Vorstellung davon, wie verstörend es ist, wenn man eine Kätzin dabei beobachtet, wie sie einem Eichkater schnurrend ein paar Eicheln zuschiebt, während sich drei andere Katzendamen wohlig zu seinen Füssen im Herbstlaub räkeln?

 

Katzenchef Pauli leidet unter dem Kontrollverlust

 

Ragdollkater Pauli hat das Verhalten seines Katzenharems ein wenig aus der Bahn geworfen. Seine Versuche, seinen Einfluss zurückzugewinnen verliefen fruchtlos. Thronte er vormals stolz auf dem Elektrohäuschen, unter den drei Eichen, so aristokratisch wie ein Sultan vor dem Taj Mahal, liegt er nun auf dem blauen Deckel der Papiertonne vor seinem Haus. Sein weißes Fell ist schmuddelig und schimmert gräulich, seine Augen scheinen glanzlos.

 

Anfangs hat Finley die ganze Sache ja mit ein wenig Genugtuung beobachtet. Dann bekam er doch ein wenig Mitgefühl mit seinem Kateralterego. Außerdem ist es aus seiner Sicht für die Hundepopulation im Ring von Vorteil, wenn sich zwischen diesem selbstverliebten Eichkater und den Hunden im Ring noch eine starke Katzenfront befindet, gewissermaßen als Pufferkätzchen.

 

Sondierungsgespräche unter Andersdenkenden

 

Also ging Finley eines Tages, wenn auch widerstrebend, zur blauen Trauertonne und versuchte den weißen Kater aufzurichten. Ich würde es mal vorsichtig ein Sondierungs-Gespräch unter Andersdenkenden nennen.

Finley: „Grrr …grrr … Ey, alter Schönling, hat das Eichhörnchen Dir Deine Groupies geklaut?“

Pauli: „Ffffchchchh … sieht ganz so aus … miiiauuuuu.“

Finley: „Brummel … äh, und was gedenkst Du dagegen zu tun? Du willst doch wohl etwas dagegen unternehmen, hä?“

Pauli: „Seufz … ja was denn? Die finden den ja soooo toll. Die hören mir ja gar nicht mehr zu … mauuuu.“

Finley: „Schau an, schau an … der schönste Kater im Ring versinkt im Jammertal. Sie mögen mich nicht meeehheeeer, buhuhuuu… Himmelarsch, reiß Dich mal zusammen!“

Pauli: „Hach … ich habe einfach keinen Plan …“

Finley: „Pass mal auf Blondie …“

Pauli: „Nenn mich nicht Blondie … Fffchchchh…“

Finley: „Papperlapapp! Also pass mal auf Whitey, Du hast vielleicht die vier Weiber erst mal verloren aber unsere Straße ist voller Katzen, die darauf warten, dass Du etwas unternimmst.“

Pauli strafft sich: „Wirklich? Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Wie kann ich die zusammentrommeln?“

Finley: „Ähm, also das habe ich eigentlich schon gemacht. Heute Abend gegen 18.00 Uhr werden alle hierherkommen und dann solltest Du ein paar motivierende Worte für sie parat haben. Mach was draus, Alter und kämm Dich mal.“

Pauli: „Tja, also dann … hüstel … muss ich wohl danke sagen. Glaub jetzt bloß nicht, dass wir Freunde sind … ein Hund … pfffft … Miauuu.“

Finley: „Türlich nicht … pah, ich und ein Kater … ne, echt nicht … grummel …“

 

Die Zusammenkunft

 

Am Abend machte Finley es sich dann in dem großen Ledersessel vor unserem Panoramafenster bequem und beobachtete wie Ragdollking Pauli auf seinem neuen Thron Platz nahm. Von allen Seiten kamen sie dann, seine Anhänger. Allen voran die anderen verschmähten Kater, die Glückskatze aus Haus 22b, die zwei silbergrauen Siamkatzen die erst kürzlich bei der Homöopathin aus Haus 34c eingezogen waren. Es war ein Maunzen und Miauen, da durfte man als Hundehalter keine schlechten Nerven haben.

 

Pauli setzte sich auf und abrupt entstand eine fast unheimliche Stille. Eine geordnete Katzenzusammenkunft. Pauli gab ein paar Schnurrlaute von sich, gefolgt von ein paar kräftigen Maunzern. Ab und an erklang in der Menge seiner Zuhörerschaft ein zustimmendes Fauchen. Es schien ganz gut zu laufen für Pauli – und für Finley auch. Gleich morgen würde er seinen Kumpels im Ring sagen, dass der eitle Schönling wieder fest im Sattel sitzt und sie sich auf katzengeschützte Weihnachten freuen dürfen. Denn darüber waren sich die Hunde im Ring einig: Sie hatten lieber eine Katze im Vordergarten liegen, als einen Bungee springenden Eichkater in ihren Bäumen sitzen.

 

Kleiner Nachtrag:

Ob das schon das Ende der Eichhörchen-Herrschaft in unserem Ring ist? Wer weiß das schon genau. Ich glaube, wir müssen es abwarten…

 

Ich möchte einen Hund weil … 1001 Gründe

Das Kurzinterview hat mich zum Nachdenken gebracht

 

 

Wenn mir vor einer Woche jemand gesagt hätte, dass ich mal ein Interview fürs Fernsehen geben würde, hätte ich gelacht und abgewinkt. Aber dann klingelte mein Handy und eine sehr nette Dame vom Sender Hamburg 1 fragte mich, ob ich zum Welthundetag für ein paar kurze O-Töne zur Verfügung stehen würde. Den ganzen Beitrag könnt Ihr Euch HIER anschauen.

Gleich das erste Thema, nämlich die Frage aus welchen Gründen Menschen sich einen Hund anschaffen würden, verdient wie ich finde, mal eine nähere Betrachtung. Die Palette von Gründen, warum sich jemand einen Hund in sein Leben holen möchte ist bunt, vielfältig und manchmal auch etwas überraschend für den äußeren Betrachter.

 

Eine bunte Palette von Gründen

 

Für einige Menschen ist der Hund eine Möglichkeit ihrer persönlichen Einsamkeit zu entfliehen. Vielleicht haben sie sich gerade von ihrem Partner getrennt oder er ist verstorben oder ihre Kinder sind flügge geworden und haben das sichere Nest verlassen. Vielleicht aber gehörten Kinder gar nicht zu ihrem Lebensentwurf und sie suchen in dem Hund einen Partner mit dem sie ihre Freizeit verbringen können.

Andere wiederum sind im Tierschutz aktiv und geben verwaisten, kranken oder anderweitig benachteiligten Hunden ein Zuhause. Eltern schaffen einen Hund an, damit ihre Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen. Und mancher braucht einen ausgebildeten Assistenzhund um sein eigenes Leben besser bewältigen zu können.

 

Der Weg zu einer guten Mensch-Hund-Beziehung ist oft eine Achterbahnfahrt

 

Alle diese Gründe sind getragen von einer sehr menschlichen Sehnsucht nach etwas, das aktuell im eigenen Leben fehlt. Und ich finde alle diese Gründe legitim, denn unsere Hunde sind in der Lage in diese Nischen einzuscheren und sie auszufüllen. Solange die Bedürfnisse der Hunde beachtet werden, ihre Grenzen respektiert werden und ihnen nichts Unmögliches abverlangt wird, ist aus meiner Sicht der Grund warum jemand einen Hund haben möchte sekundär. Hauptsache das Team funktioniert auf eine sich zugewandte, liebevolle Weise.

Der Weg kann schon mal holperig sein, die Zuneigung zueinander kann mal ein paar Schrammen davontragen, so wie in jeder guten Beziehung. Aber am Ende ist doch nur wichtig, ob und wie man wieder zueinander findet.

 

Warum beurteilen, wenn es besser wäre genau hinzusehen?

 

Mir fällt immer häufiger auf, dass gerade die Motivationen, warum ein Hund in die Familie einziehen soll, unter Beschuss stehen. Da fallen Schlagworte wie Partnerersatz, Kindersatz, Helfersyndrom und Kinderspielzeug. Bei diesen Schlagworten schwingt auch immer gleich eine Wertung mit, vorzugsweise eine Abwertung. Das finde ich sehr schade und auch ein wenig kurz gedacht.

Wir wissen doch gar nicht, warum jemand gerade keinen Partner hat. Die Gründe ein Leben ohne Kinder zu führen, müssen nicht per se getragen sein von Egoismus oder Selbstverliebtheit, sondern können sehr schicksalhaft sein. Wie schön, wenn Menschen in dieser Situation einen Ausweg sehen, ihrem Leben eine Wendung zu geben. Warum gestehen wir Tierschützern nicht einfach zu, dass sie wirklich nur helfen wollen?

Was ich aber viel wichtiger finde: Es geht uns überhaupt nichts an. Jemand hat eine Entscheidung für sein Leben getroffen und ist uns darüber überhaupt keine Rechenschaft schuldig. Warum also beurteilen, kategorisieren oder gar verurteilen?

 

Die Leute machen es anders? Wie interessant!

 

Möglicherweise entspricht die Art eines Anderen mit einem Hund zu leben nicht unseren eigenen Vorstellungen – so what?

Das muss nicht bedeuten, dass es dem Hund bei ihm nicht gut geht. Und das sollte doch immer das Maß aller Dinge bleiben. Was kostet es uns denn, den Weg der anderen zu akzeptieren? Es sagt doch gar nichts über unsere eigene Art und Weise mit unserem Hund zusammenzuleben aus.

Wir sollten die Unterschiede als Chance sehen, vor Augen geführt zu bekommen welche vielfältigen Möglichkeiten es gibt mit einem Hund zusammenzuleben. Anstatt die Lebensentwürfe anderer zu kritisieren, könnten sie uns helfen offen zu bleiben, tolerant zu sein oder vielleicht sogar einen Anstoß geben, etwas anderes auszuprobieren.

 

Hurra, hurra die Post ist da

Man sieht sich immer zwei Mal im Leben (Zitat: Omi)

 

Foto: pixaby

 

Man denkt ja immer, es gibt Dinge, die können einem nicht zweimal passieren. Und dann stand wieder so ein Karnevalspostler in meinem Garten. Genau gesagt dümpelte er bepackt, mit verschlafenem Blick durch meinen Garten hindurch und steuerte zielgenau unseren äußeren Kellerzugang an.

Mein Mann und ich saßen am Frühstückstisch und beobachteten den Mann mit Erstaunen. Er wird jetzt doch wohl stehen bleiben, dachte ich so bei mir. Nein, genau das tat er nicht. Ich ging also auf meine Terrasse und fragte:

„Moin, kann ich etwas für sie tun?“

Finley sprang hinter mir her und baute sich neben mir auf. Ein bisschen angespannt aber immer noch freundlich. In Zeitlupe sah der Mann, nennen wir ihn hier mal den Postbeamten Tranig, zu mir herauf und sagte lächelnd:

„Nee danke, ich mach das schon.“

Ich: „Sie machen was?“

Postbeamter Tranig: „Ich stell das Päckchen zu.“  Sein Lächeln wurde breiter …

Mühsam bekämpfte ich den Wunsch dem Postbeamten Tranig mein Erdbeermarmeladenbrot mitten in sein breites Lächeln zu pressen und fragte:

„Warum klingeln Sie denn nicht vorne und geben es an der Tür ab?“

 

Gestatten, mein Name ist Schmittke … äh, nein

 

Postbeamter Tranig:

„Also auf meinem Laufzettel steht, wenn niemand zuhause ist, soll ich durch den Garten gehen und das Paket im Kellerabgang ablegen, das haben Sie bei der Post so angegeben, Frau Schmittke.“

Welche rauschverheißenden Flüssigkeiten hat der denn oral verklappt, frage ich mich im Stillen. Offensichtlich hatte der Gute sich durch den falschen Garteneingang gezwängt. Nämlich durch denjenigen, auf dessen Pforte breit und deutlich mehrere Mein-Hund-hasst-Dich-Schilder angebracht waren … ich werde das nie verstehen. Eigentlich war das Päckchen an meine Nachbarin Frau Schmittke adressiert, sie bewohnt mit Familie das Haus Nr. 20b. Die drei weiteren Alternativen, die Nummern a, c, d hatten den Paketboten Tranig offensichtlich vollkommen durcheinander gewirbelt.

Also klärte ich ihn auf:

„Ich bin nicht Frau Schmittke. Sie wollen zu 20b, wir sind hier aber 20c!“  Mit meinem Zeigefinger deutete ich über unseren Maschendrahtzaun zur Linken um dem armen, verwirrten Mann die richtige Richtung zu weisen.

Dann sagte ich:

„Also würden Sie das Paket dann bitte nebenan abliefern?“

Und dann, weil Tranig unverändert unsere Kellertreppe anvisierte, etwas lauter:

„JETZT BLEIBEN SIE DOCH MAL STEHEN, HERGOTTNOCHMAL!“

 

Postbeamter mit Beratungsresistenz

 

Ich war echt genervt, denn Tranig zeigte keinerlei Anzeichen von Bedauern oder Einsicht. Finley ging dann mal die Treppe runter auf den Rasen und baute sich direkt vor dem Karnevalspostler auf und gab ein tiefes Knurren von sich:

„GRRRrrr … pass mal auf Du Pappnase. Sie ist hier der Chef. Da heißt STOPP stehenbleiben und zwar sofort. GRRrrrsabber … Und wenn Du das nicht kapierst, bin ich noch da … Fletsch, grrr …ich bin hier der Torwächter … Jeder weitere Schritt bedeutet ein Lochmuster in der Büx.“

Irritiert schaute der Postler nach unten auf meinen Torwächter und fragte ihn:

„Ja, wathattudenn?“  Echt jetzt?

Finley antwortete:

„Grrr … grrr … Aggressionsprobleme Alter, Aggressionsprobleme … ###**+++‘‘*‘##**++!!!“

 

Ruhig Finley, denk an Deine Frustrationstoleranz

 

Ich versuchte Finley zu beruhigen und weil mein Hund in solchen Konfliktsituationen mittlerweile einfach spitze ist, gelang das auch – jedenfalls bis zu einem gewissen Maß. Zwar schaute er etwas enttäuscht aber er fuhr das Gebiss wieder ein und das ist doch schon was. Allerdings ließ er den Mann keinen weiteren Schritt mehr in Richtung Terrasse machen.

Herr Tranigs Hirn, soweit vorhanden, hatte ohne Zweifel komplett den Dienst quittiert, denn er sagte – an Finley gewandt:

„Duuuu bist aber ein Lieber. Willst Dein Frauchen beschützen, vor dem bösen, bösen Mann.“

Ich: „Hä???????“

Mein Mann, der inzwischen hinter mir stand, sagte grinsend:

„Machen Sie sich keine Sorgen um den Hund. Achten Sie besser auf die Frau …“ Er hat wirklich einen sehr trockenen Humor mein Gatte.

 

Bin ich die Christel von der Post?

 

Tranig zog daraufhin seine Stirnfalten zusammen und dachte ganz offensichtlich nach. Dann sagte er mit Blick auf das Paket:

„Ich lass‘ das dann mal hier, Sie können es dann ja über den Zaun reichen…“

Hatte der sie noch alle?

Ich wurde so rot wie mein Hundewarnschild am Zaun und sog mit einem lauten Geräusch Sauerstoff ein. Mein Mann hinter mir lachte leise, murmelte etwas wie „… und ich sag noch, achte lieber auf die Frau …“. Dann ging mein Mann, der fest davon überzeugt ist, dass jeder der Baumeister seines eigenen Schicksals ist, ins Haus zurück.

 

Ich war … sauer … aber sowas von sauer

 

Was dann folgte, ich will es mal so sagen … man sollte echt auch nicht zu viel Impulskontrolle von mir verlangen. ICH WAR NICHT AMUSED!

Langsam ging ich die fünf Terrassenstufen herunter. Währenddessen sagte ich:

„Sie verlassen jetzt auf der Stelle meinen Garten Sie Briefmarkenschubser – mit dem Paket. Machen Sie Ihren Job gefälligst selber und vor allem besser. Und wenn Sie noch einziges Mal meinen Garten betreten, dann … GRRRrrr … fletschgrrrr … ##***++###**+!!!“

 

Wenn der Hund zum Guru wird

 

Finley sah irritiert auf mich, dann auf Herrn Tranig der zögerlich und sichtlich verwirrt den Garten verließ.

Dann kam er zu mir und leckte mir über die Hand.

„Ruhig, ganz ruhig Frauchen“ schien er zu sagen, „an Deiner Frustrationstoleranz müssen wir aber noch arbeiten, hmmm? Mach, Dir keine Sorgen, das kriegen wir hin.“

Und wie in Trance beobachtete ich, wie Paketbote Tranig den Garten 20d (!) betrat und das Päckchen langsam aber zielsicher im Treppenabgang der Frau ablegte, die er jetzt für Frau Schmittke hielt. Irgendwie sind wir ja wohl alle etwas Schmittke … oder?

 

Nachtrag:

Wer Lust hat zu lesen, wie meine erste Begegnung mit unserem Garten-Postler verlaufen ist, findet die ganze Geschichte HIER.

Ich konnte auch diesen Vorfall natürlich nicht auf sich beruhen lassen. Die Situation, wenn auch mit Humor geschildert, hätte für Herrn Tranig auch sehr gefährlich werden könne. Finley bewacht sein Grundstück und ich möchte das auch so.

Also habe ich mich nachmittags ans Telefon gesetzt und habe ein Gespräch geführt, mit einem Servicemitarbeiter der Beschwerdestelle der Post. Ja, was soll ich sagen. Schwamm drüber … oder vielleicht mal eine andere Geschichte …