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Tierisch Grau – So bleibt der Seniorhund gesund

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Mein Finley ist im Februar nun schon 11 Jahre alt geworden. Gott sei Dank geht es ihm gut und er ist erstaunlich fit für sein Alter. Manchmal gibt es eben aber auch diese kurzen Momente, in denen ich denke, hoppla, das wird ihm jetzt zu viel. Wäre mein Opi ein Mensch, würde ich ihm wahrscheinlich ein Kissen in den Rücken stopfen oder eine Decke über die Knie legen. Aber was macht man da bei einem alternden Hund?

 

Wenn Hunde älter werden, verändert das auch noch einmal die Beziehung, die man zu seinem Hund hat. Neue Unsicherheiten können entstehen. Was darf mein Hund jetzt noch? Warum hat er an bestimmten Dingen keine Freude mehr? Kann ich ihm oder ihr bestimmte Tätigkeiten noch zumuten? In dem Buch von Annette Dragun und Katja Wald findet man Antworten auf diese Fragen.

 

Begonnen bei geriatrischen Erkrankungen, seniorengerechter Ernährung, organischen Erkrankungen, bis hin zur Taubheit oder Altersblindheit, beschreiben Dragun und Wald, welche typischen Altersgebrechen es beim Hund gibt und erklären, wie diese Krankheiten zu behandeln sind. Für mich waren insbesondere die Kapitel wichtig, die sich mit der Früherkennung von Einschränkungen des Bewegungsapparates beschäftigt haben. Was können wir beobachten, wenn unser Hund eine Arthrose entwickelt? Katja Wald hat mir in ihrem Teil des Buches, der sich mit dem Bewegungsapparat des Hundes beschäftigt viele Antworten auf meine Fragen gegeben.

 

Wenn man wie ich einen Hund hat, der Zeit seines Lebens sehr aktiv war und im Kopf auch heute noch am liebsten jeden Tag Bäume ausreißen würde, ist es manchmal nicht so einfach zu erkennen, wann das Ganze noch unbeschwerter Spaß für ihn ist und wann Finley anfängt sich zusammenzureißen.

 

Dieses Buch sollte man nicht erst lesen, wenn der eigene Hund schon alt ist, sondern schon viel früher. Schon in der Welpenzeit kann man, so die Autorinnen, den Hund darauf vorbereiten, später unbeschwerter durch den Alterungsprozess zu gehen. Annette Dragun und Katja Wald schreiben fachkompetent aber für jeden gut verständlich. Mir hat dieses Buch ein wenig die Ängste vor dem genommen, was da im Alter noch auf uns wartet.

 

Fazit:

Ein mit Empathie und Fachkompetenz geschriebenes Buch. Das Buch zeigt viele Wege auf, wie auch das Leben mit einem alternden Hund noch erfüllt und lebenslustig sein kann. Absolut Lesenswert, ein Nachschlagewerk, dass man während eines Hundelebens sicherlich immer wieder aus dem Regal holt.

 

Die Autorinnen

 

Annette Dragun ist Tierheilpraktikerin für Hunde, Katzen und Pferde seit 1999. Sie lebt und praktiziert bei Niebüll, Nordfriesland. Ihre Therapieschwerpunkte sind Homöopathie, Akupunktur, Blutegeltherapie, Organotherapie, Phyto- und Bachblütentherapie. Neben der Praxis hält sie Vorträge und Fortbildungen für Tierhalter und -therapeuten und schreibt Bücher und Zeitschriftenartikel.

 

 

 

 

Katja Wald ist Diplom Sportlehrerin für Präventions- und Rehabilitationssport und Hundephysiotherapeutin. Sie lebt und praktiziert in Lotte bei Osnabrück. Ihre Zusatzqualifika-tionen: Akupunktur am Bewegungsapparat, Neuraltherapie, Blutegeltherapie, Low-Level-Lasertherapie, Dry Needling für Hunde und Dorn-Therapie. Beim Deutschen Institut für Pferdeosteopathie (DIPO) assistiert sie in der Ausbildung der Hundephysiotherapeuten. Ergänzend absolviert sie eine Ausbildung zur Hundeosteopathin.

 

 

 

 

 

 

Tierisch Grau

Autoren: Annette Dragun/Katja Wald

Verlag: BoD Book on Demand

Preis: 17,90 Euro

ISBN: 978-3750406070

 

 

 

 


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Figaro, Figaro Vol.2 … Retriever-Cut vom Hundefriseur – ein Unfallbericht

Fegefeuer der Eitelkeiten

(Filmsatire 1990; James Cagney)

 

 

 

 

Quax, der Bruchpilot

(Komödie 1941; Heinz Rühmann)

 

Neulich hatte ich Euch ja von meinem ersten Versuch meinen wilden Kerl zu trimmen erzählt. Das Ergebnis war, sagen wir mal, semibefriedigend ausgefallen und ich hatte mir zuhause eine Menge Ärger dafür eingehandelt. Im Ergebnis hatte Finley ein Zickzack-Muster im Schweif – sehr akkurat durchgestuft – aber eben nicht dem Standard entsprechend.

 

Das Familiengericht, bestehend aus meinen zwei Töchtern Motte und Mausi, hatte mich dazu verurteilt, unseren Hund einer Hundefriseurin vorzustellen, sobald mein selbsterfundener Zickzack-Cut herausgewachsen war. Bis dahin war das Durchbürsten seines Fells das Höchste der Gefühle, was mir noch gestattet war. Ich war auf Bewährung. Die ganze Geschichte findet Ihr HIER.

 

Denn sie wissen nicht was sie tun

(Drama 1955; James Dean)

 

Finleys Fell brauchte etwa fünf Wochen, bis meine Schnippelsünden herausgewachsen waren. In dieser Zeit machte ich mich auf die Suche nach einem Hundefriseur, der Finleys Lockenpracht zu bändigen wusste. Die Internetrecherche ergab, dass es im Umkreis drei Hundefriseure zur Auswahl gab.

 

Direkt bei uns in der Vorstadt gab es den Salon „Ratzfatz“. Dessen Inhaber Stefan warb mit ein paar „Kundenfotos“ im Netz, die bei mir doch einige Zweifel an seiner Qualifikation hervorriefen. Auf einem dieser Bilder war ein ziemlich unglücklich dreinschauender Pudel zu sehen. In der Bildunterschrift hieß es optimistisch: „Peppi kann jetzt den Wind wieder spüren.“ Ich hatte hingegen den Verdacht, dass Peppi sich den Arsch abfriert und auf den Wind den er jetzt spüren konnte, ganz gepflegt pfeifen konnte. Ich endschied, dass „Ratzfatz“ zwar um die Ecke war aber trotzdem nicht unser neuer Hundesalon werden würde.

 

Dann war da noch der Hundesalon „Mona mit den Scherenhänden“ im angrenzenden Edel-Örtchen. Als Referenz gab die Coiffeurin an, „jahrelange Erfahrung im qualifizierten Umgang mit Hunden unterschiedlichster Haarlängen“ gemacht zu haben. Also das konnte wirklich alles oder nichts bedeuten. Ich rief an und fragte, ob sie schon mal das Fell eines Golden Retrievers gepflegt hatte.

Mona kicherte und sagte dann die bedeutungsschweren Worte: „Einen Retriiiifer nicht aber einen Rietreiwer schon. Das spricht man Rietreiwer aus. Natürlich habe ich einige davon die ich jedes Jahr schere…“

Nun unseren Finley sicher nicht. Soviel war, angesichts der totalen Absenz von Kompetenz schon mal sicher.

 

Das Schweigen der Lämmer

(Drama 1991; Jodie Foster/Anthony Hopkins)

 

Als Drittes erzählte man sich auf einer unserer Hundewiesen, dass es im angrenzenden Ammershausen* einen richtig guten Hundesalon gab. Die Friseurin hieße Anke und sei sehr erfahren im Umgang mit Hunden und die Ergebnisse ihrer Schnittkunst seien sehr zufriedenstellend gewesen. Zum Schutze der Anonymität der Protagonistin habe ich den Ortsnamen bis zur Unkenntlichkeit verändert. *augenzwinker

Also, sah ich mir die betreffenden Hunde auf der Wiese an und musste mir eingestehen, dass keiner wie Finley mit einem Zickzack-Muster im Schweif herumlief. Und Adressen, die man über Mund-zu-Mund-Propaganda bekam, waren ja schon immer die besseren Tipps – oder?

Ich rief also bei Anke an und machte einen Termin für Finley und mich. Es musste an einem Nachmittag sein, denn meine Tochter Mausi hatte es sich als Vorsitzende meines Bewährungsausschusses auserbeten, mitzukommen. „Vielleicht brauchst Du etwas Unterstützung“, hatte das Kind gesagt, von dem sein Kinderarzt einmal behauptet hatte, es müsse altersmäßig erst noch in seinen IQ hineinwachsen.

 

Haus aus Sand und Nebel

(Literaturverfilmung 2003; Ben Kingsley)

 

Wir fuhren also über die Stadtgrenze in Richtung Norden. Vorbei an einem großen See, der bei uns Hundeleuten ein sehr beliebtes Auslaufgebiet war. Gott sei Dank hatte ich Franziska, mein Navi dabei, denn wir verließen die befestigten Straßen und fuhren auf Schotter- und Waldwegen weiter. „In 200 Metern bitte rechts abfahren“, flötete Franzi mir von der Konsole zu. Die Gegend wurde immer einsamer. Im Rückspiegel sah ich wie mein Kind sich umschaute, dann sagte sie: „Maaan, das ist ja tote Hose hier. Wenn jetzt was schiefläuft, dann findet uns kein Schwein.“ „Ach was soll schon schieflaufen“, antwortete ich. Vielleicht war ich da eine Spur zu zuversichtlich gewesen.

 

In the Land of Blood and Honey

(Liebesfilm 2011; Angelina Jolie)

 

Ich bog rechts ab und am Ende des Weges standen wir vor einem alten weiß gestrichenen Siedlungshaus. Das Haus hatte einen viereckigen Vorbau, mit einem flachen Dach. In diesem Vorbau, der wohl früher mal ein Tante-Emma-Laden gewesen war, befand sich der Hundesalon. Über der hellblau gestrichenen Eingangstür hing ein Holz-Schild auf dem auf weißem Untergrund in großen pinkfarbenen Buchstaben das Wort „Fellmäuse“ zu lesen war. Das war offensichtlich der Name von Ankes Salon.

 

Überwältigt von so viel Kreativität und subtiler Werbekunst, stieg ich aus meinem Auto aus. Mausi und Finley folgten mir. Anke stürzte auf mich zu, hakte mich ein und flötete: „Willkommen bei den Fellmäusen. Wir machen das schon, was?“ Und in der nächsten Sekunde standen wir alle vier im „Behandlungsraum“. Anke plauderte indes munter weiter. Ihre Oma habe hier früher selbstgekochte Marmelade verkauft und was der Garten sonst noch so hergegeben hatte. Man hätte nach dem Krieg ja nichts gehabt und hätte aus Scheiße Gold gemacht, um die Familie durchzubringen. Äh, ja … tapfer die Omi …

 

Glaubensfrage

(Literaturverfilmung 2008; Meryl Streep)

 

Während Anke so plapperte, räumte sie schon mal die Gerätschaften zusammen, die sie gleich benutzen wollte. Ich sah ich mich inzwischen um. Der Innenraum war professionell ausgerüstet – soweit ich das überhaupt beurteilen konnte. In der einen Ecke stand eine Badewanne mit Seiteneinstieg und mitten im Raum ein Friseurtisch mit der Möglichkeit den Hund zu fixieren. An den Wänden standen zwei Regale, in denen unterschiedlichste Shampoos und andere Pflegemittel aufgereiht waren. Rechts daneben standen ein Tisch und zwei gemütliche Korbstühle.

 

Anke deutete auf die Korbstühle und sagte: „Das ist die Mutti-Ecke. Macht es Euch bequem.“ Ich unterdrückte die Bemerkung, dass wir Finleys Mutti gar nicht mitgebracht hätten und setzte mich. Anke stellte sich einen alten Gartenstuhl dazu und fragte: „Was soll denn gemacht werden?“ Ich atmete auf, denn endlich kam ich auch mal zu Wort. „Also Finley soll getrimmt werden. Das Fell soll dem Standard entsprechend geschnitten werden, nicht zu kurz. Also die Brust, der Schweif in Fächerform und die unteren Läufe und die Pfoten. Weißt Du, wie das bei den Golden aussehen muss?“

 

Lost in Translation

(Independentfilm 2003; Scarlett Johannsen)

 

„Na klar“, sagte Anke, sie sei regelmäßig Gast auf Hundeausstellungen. Sie wäre zum Beispiel in Cloppenburg, Rostock und Neumünster gewesen und habe sich bei diversen Züchtern schlau gemacht, wie so ein Retriever-Cut auszusehen hätte. Und: „Mit so einem sommerlichen Retriever-Cut, kann der Kleine die heiße Jahreszeit genießen.“ Okay, dachte ich, sie hat sich echt engagiert um vor Ort an die nötigen Kenntnisse zu kommen. Ich entspannte mich, blieb in der Mutti-Ecke sitzen und begann zu lesen.

 

Dann hörte ich dieses surrende Geräusch … Sssrrrrrr! Meine Nackenhaare stellten sich auf. Ich sah die Schermaschine in Ankes Hand und während ich „Nicht scheeereeeeennnn!!!!“ in den Raum brüllte, pflügte sie eine etwa 10 cm breite Schneise in das rotgoldene Rückenfell meines Jungen. Anke nahm das Gerät kurz hoch und sah mich verdutzt an.  Sie verstand meine Aufregung nicht und ich verstand nicht, wie sie auf diese total bekloppte Idee kam, nachdem zuvor die Worte „Brust Einkürzen“ und „nicht zu kurz“ gefallen waren. Wo zum Henker lag da das Missverständnis? Der Fachausdruck „Retriever-Cut“ war offenbar frei interpretierbar, genauso wie der Begriff „Fachkraft“.

 

Zeiten des Aufruhrs

(Drama 2008; Leonardo DiCaprio)

 

Hinter mir gab meine Tochter ein paar Japser von sich, Tränen kullerten über ihre Wangen. „Mama“, sagte sie vorwurfsvoll, „das sollte doch so nicht, oder?“ „Ne, so nicht“, antwortete ich. Ich starrte fassungslos auf die Lücke auf dem Rücken meines Hundes. In dieser Schneise hätten meine Mädchen ganz bequem ihre Playmobil-Flugzeuge landen lassen können. Mir fiel nicht mal ansatzweise ein, wie ich das zuhause plausibel erklären sollte.

Ich stotterte: „Wir haben nicht aufgepasst … das hätten … das Du hast Du doch auch nicht gesehen, oder …“

Meine Tochter, die sich inzwischen ganz offensichtlich gefangen hatte, antwortete in sehr aufgeräumten Ton: „Du bist hier die Erwachsene. Du hättest das verhindern müssen. Ich muss mich nur erschrecken.“ Touchè, da hatte sie natürlich recht, die liebe Kleine.

Finley blieb bei der ganzen Sache erstaunlich ruhig. Für ihn schien das Ganze ein Riesenspass zu sein. Er hatte aber auch keine Augen am Hinterkopf und konnte den Schaden nicht sehen.

 

There will be Blood

(Fiktiondrama 2007; Daniel Day-Lewis)

 

Anke hatte offenbar immer noch nicht verstanden, dass sie Mist gebaut hatte und redete auf mich ein. In meinem Kopf begann es zu rauschen, ich nahm nur Wortfetzen wahr, sie redete und redete – wenn sie doch nur endlich mal den Mund halten würde. Ich merkte, wie in mir langsam aber stetig die Wut hochkochte. Mein inneres Ooohhmmm!!! meldete sich gerade noch rechtzeitig, bevor der Siedepunkt erreicht war: „Gaaanz ruhig, Birgit. Atme durch, das Fell wächst nach. Und jetzt, pack zusammen und nix wie weg da!“ Also atmete ich durch und tat – fast – wozu mein inneres Ooohhmmm!!! mir gerade geraten hatte.

„Anke, pass mal gut auf“, leitete ich das folgende ein. „Ich weiß ja nicht mit wem Du auf diesen Ausstellungen gesprochen hast. Golden-Retriever-Züchter können es jedenfalls nicht gewesen sein. Ein Golden wird NIEMALS geschoren, wenn dafür keine medizinischen Gründe vorliegen. Das zerstört die Fellstruktur. Ein Golden braucht sein Unterfell. Im Winter wärmt es, und im Sommer kühlt es. DAS solltest Du als Profi MINDESTENS wissen.“

Anke wollte gerade darauf antworten, doch ich bedeutete ihr mit einer Geste dass sie schweigen sollte. Ich war in Fahrt: „Wir brechen das jetzt hier ab. Du hast mir vorhin offensichtlich nicht zugehört. Für so einen Murcks zahle ich keinen Cent, damit das schon mal klar ist!“ Daraufhin nahm ich mir, ohne eine Entgegnung abzuwarten, meinen Hund und mein Kind und rauschte in unserem Kombi vom Hof als wäre der Leibhaftige hinter uns her.

 

Was vom Tage übrig blieb

(Drama 1993; Emma Thompson)

 

Ein schlechtes Gewissen, weil ich den Laden ohne zu Bezahlen verlassen hatte, hatte ich nicht. Anke hat deswegen auch nie versucht Kontakt mit mir aufzunehmen. Wie hätte sie das auf der Rechnung auch formulieren sollen? Einmal Rückentabularasa … oder, einmal Flugschneisen-Undercut … oder, einmal Ridgeparadox …?

Zuhause angekommen, fielen meine kleine Bewährungshelferin und ich aufs Sofa. Müde und erschöpft betrachteten wir unseren Hund. Finley lag unbeeindruckt und friedlich eingekuschelt auf seinem Lieblingssessel. Und während ich ihn betrachtete und mir überlegte, wie ich den Schaden am besten kaschieren könnte, sah ich vor meinem geistigen Auge, wie kleine Playmobil-Flugzeuge auf seinem Rücken starteten und landeten, starteten und landeten …..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Figaro, Figaro … aus mir wird nie ein Hundefriseur

„Fellpflege schafft Vertrauen, das ist gut für die Bindung“ (Züchter Thomas M.)

 

 

 

Was ich an Finley schon immer besonders geliebt habe, ist sein wunderschönes, volles, dunkelrotgoldenes Fell. Ich kann stundenlang neben ihm sitzen und mit meinen Fingern durch seine weichen Locken streichen. Damit das Fell auch ein Leben lang so schön bleiben würde, hatte mein Züchter mich mit zahlreichen Pflegetipps versorgt.

Jede Woche ein Eigelb oder ein schöner Klacks Quark ins Futter, sagte er und einmal in der Woche sollte ich meinen Hund richtig durchbürsten. „Das lieben unsere Hunde“, sagte mein Züchter und klang wirklich überzeugend. Einer der letzten Begebenheiten bevor ich meinen Finley bekam, war ein Trimmseminar im Garten meines Züchters.

 

Trimmen ist eine Kunst

 

Zuhause angekommen, entschloss ich mich meinem Hund die Haare zu schneiden – fachgerecht, so wie mein Züchter es mir dereinst vorgeführt hatte. Ich hatte also folgende Erinnerungen als Vorbild:

Züchter Thomas bedeutete seiner Hündin Jeany – wortlos – sie möge auf den Gartentisch springen, was sie ohne mit der Wimper zu zucken auch tat. Von den herumliegenden Scheren und Bürsten in keiner Weise irritiert *natürlichnicht, stand sie regungslos da, wie eine aus Marmor geklöppelte, antike Statue. WOW!

Entspannt saß ich im Gartenstuhl und betrachtete das Geschehen.  Ich brannte darauf meinen Hund zu trimmen. Alle bisher unterdrückten Barbie-Frisuren-Fantasien, die ich als Kind gehabt hatte, brachen sich Bahn. Ich würde Haare schneiden und effilieren … Juhuuuuu! Nun hatte ich aber außer Betracht gelassen, dass ich von Thomas ja keine Barbie bekam, sondern einen bockigen Ken.

 

Ein formvollendeter Fächerschnitt ist das Ziel

 

Züchter Thomas fing inzwischen an, den üppigen Schweif seiner Hündin durchzukämmen. Alles mit Bedacht, ruhig und mit Muße.  Jeany ließ sich das mit unfassbarer Gleichmut gefallen. Ganz in Ruhe schnitt er die überhängenden Längen ab. Am Ende fielen die Haare wie von selbst in eine Fächerform, die Starfrisör Udo Walz Tränen der Rührung in die Augen getrieben hätte.

Er verfuhr weiter nach seiner No-Problem-Methode: Pfoten ausputzen – zack, zack … seine Hündin kannte das Prozedere, hob eine Pranke nach der anderen, freiwillig! Dann die Vorbrust, die Haare an der Wamme, die Ohren ausputzen und den Brusthaaren mit der Effilierschere den letzten Touch verpassen … alles passierte ruhig, bestimmt, ohne ein Zucken beim Hund, ohne Fluchtversuch, kein einziges Fiepen, Bellen oder Knurren. Hach, das wollte ich auch, denn schließlich, so sagte mir mein Züchter, würden solche Momente inniger Fellpflege auch die Bindung zum Hund fördern.

 

Scherenshopping – mein Starterpaket

 

Frisieren wie Hamburgs Haarstyling-Ikone Marlies Möller oder wenigstens wie Shirley vom örtlichen Frisörladen, das war meine Mission. Da ich absolut keine Ahnung hatte, von dem was ich da tun würde, wich ich auf mir bekanntes Terrain aus – ich ging shoppen. Im Hundeladen angekommen, ließ ich mich beraten. Gitte die Fachkraft vor Ort nahm mich unter ihre Fittiche und zeigte mir, was man als frisch initiierte Hundepflegekraft so zum Trimmen eines Durchschnitts-Retrievers brauchte.

Das war meine Ausbeute:

Drei Scheren mit glatten Klingen, klein, mittel, groß, sie sollten laut Gittes Auskunft mit dem Hund mitwachsen. *dochhabichgeglaubt

Zwei Effilierscheren, eine mit einer glatten Klinge und eine mit, na zwei Effilierdingsens eben. Dann zwei Krallenscheren, klein und groß, eine Drahtbürste, einen Gummischwamm mit Gummistacheln, falls mein Hund aufs Bürsten empfindlich reagieren sollte, eine normale Bürste, einen Stahlkamm und einen Flohkamm. Dann noch ein forkenähnliches Gebilde, mit dem ich meinem Hund regelmäßig das Unterfell auslichten sollte.

 

Gutes Werkzeug ist wichtig – Djangomesser inbegriffen

 

Dann legte Fachverkäuferin Gitte noch eine Art Schrubber-Messer dazu. Es erinnerte mich ein wenig an ein Rasiermesser aus einem amerikanischen B-Movie-Barbiershop. Dieses Messer landete in solchen Filmen regelmäßig in den Händen eines Mannes namens Django, kurz bevor dieser einem Mann namens Pepe die Halsschlagader durchtrennte. Egal, laut meiner Lieblingsfachkraft gehörte das Mordinstrument zur Grundausstattung einer Durchschnittshundemutti. Also rein damit in die Einkaufstüte.

 

Finley denkt an Flucht

 

Zuhause angekommen, breitete ich meine Ausbeute mit den Worten „na, dann woll’n wir mal“ vor den Augen meines Hundes aus. Finley verschwand daraufhin augenblicklich hinter unserer Regentonne und fing an einen Fluchttunnel zu graben. Es hat mich schon ein wenig Mühe und eine halbe Fleischwurst gekostet, ihn wieder hinter dem Schuppen hervorzulocken.

Also ich mache es mal kurz. Natürlich war gar nicht daran zu denken, dass Finley sich ruhig auf unseren Gartentisch stellte. Scheren und Bürsten wurden entweder abgeschleckt oder er versuchte sie im Fluchttunnel zu versenken. Und unserem Clown den Schweif zu stutzen … ach herrje … versucht das mal bei einem Hund, der mit dem Schwanz wedelt, als würde sein Leben davon abhängen. Dieses Problem schrie nach einer kreativen Lösung.

 

Wir erfinden das Etappen-Trimmen

 

Ich bin die Erfinderin des Etappen-Trimmens. Strategisch, planvolles Vorgehen war von mir gefordert. Also legte ich gleich als erstes eine Schale mit Wurst- und Käseresten bereit. Kluger Schachzug!  Finley nahm sofort Witterung auf, die herumliegenden Scheren und Bürsten verschwanden langsam aus seinem Fokus. Und jetzt stelle ich Euch mein Programm vor. Ein Weg in fünf Schritten, verteilt auf mehrere Tage. Klingt aufwendig, meint Ihr? Stimmt! Schont aber die Nerven.

 

Etappen-Trimmen – unser Weg zur Traumfrisur

 

Schritt 1: Zuerst kürzte ich ihm die puscheligen Haare an den unteren Enden der Hinterläufe. Es lief ganz gut, denn bevor Finley nach einem Spaziergang zu uns ins Haus darf, reinige ich ihm immer die Pfoten.  Er guckte zwar etwas skeptisch, weil ich statt eines Handtuchs, einen Kamm und danach eine Schere zur Hand nahm aber er nahm es hin. Naja, die leckere Fleischwurst und die schmackhaften Käsereste mögen auch ihren Beitrag dazu geleistet haben, dass mein Vorhaben gelang.

Die sogenannten Hosen, den oberen Teil der Hinterbeine, beschnitt ich nicht weil mich dafür, laut Trimmstandard meines Retrieververeins, drakonische Strafen treffen würden.  Auf meinem damaligen Hundeplatz kursierten Gerüchte, dass es Hundehalter gab, die nach dem Beschneiden der Hosen ihres Hundes nie wieder gesehen wurden… Also griff ich zu der „Forke“ und lichtetet lediglich die Unterwolle aus, sicher ist sicher 😉 .

 

Schritt 2: Jetzt, so war der Plan, wollte ich das gleiche mit den Vorderläufen machen. Finley entschied aber genau in diesem Moment, dass wir spielen wollen und fing an durch den Garten zu hüpfen. Ich machte jetzt etwas, was ich aus heutiger Sicht niemandem empfehlen würde. Ich versuchte ihn einzufangen.

Von außen betrachtet bot sich meinen Nachbarn nun folgendes Bild. Ein süsser, kleiner Hund lief vor einer großen, dunkelhaarigen Frau davon. Mit der einen Hand richtete die Frau eine lange Spitze Schere auf den Hund und in der anderen Hand schwang sie ein Barbiermesser durch die Luft . Dabei rief die offenbar völlig irre gewordene Frau sowas wie: „Komm her mein Süßer, dann haben wir es endlich hinter uns …“ Ehrlich gesagt, frage ich mich heute noch, warum damals niemand den Tierschutz gerufen hat. Letztlich, fragt bloß nicht wie,  haben wir die Vorderläufe aber doch noch ausputzen können.

 

Schritt 3: Jetzt wollte ich die Härchen an den Pfoten beschneiden. Tja, also da hatte mein Zappelphilip andere Pläne. Er trappelte auf und ab wie ein Flamencotänzer auf Ecstasy, da hatte ich erst einmal keine Chance. Offenbar war Finley an den Pfoten sehr kitzelig. Im Vergleich zu den mit dem Schrubber-Messer bearbeiteten Läufen sahen die Pfoten aus, wie zerzauste Schminkpinsel aus der Billigdrogerie. Das musste ich nun hinnehmen. Ich machte mir eine Gedankennotiz: Pfoten Ausputzen und die Krallen schneiden brauchten zukünftig einen Extratermin. Möglicherweise Schritt 3 mit Schritt 5 vertauschen, das ist besser für die Nerven.

 

Schritt 4: Das Trimmen der Vorbrust ist bei Finley, allein schon wegen der Fellmenge, eine Herausforderung. Das ist offenbar der Teil der Fellpflege, den Finley in vollen Zügen zu genießen bereit war. Er steckte den Kopf nach oben, sass ganz nah bei mir, ließ sich zwischendurch immer wieder auskämmen und genoss die kleinen Streicheleinheiten zwischendurch. Obwohl diese Etappe am längsten dauerte, verlief sie unkompliziert und ruhig.

Übrigens schneide ich die überstehenden Haare und kleine Puschel an den Ohren nicht, wie es der Ausstellungs-Standard verlangen würde, kurz. Ich finde diesen Wildwuchs nämlich total niedlich. Und solange keine gesundheitlichen Probleme auftreten, darf das bei uns so bleiben.

 

Schritt 5: Als letzten Schritt, in der Hoffnung, Finley möge sich zwischendurch mal etwas weniger freuen und mit dem Schwanzwedeln aufhören, wandte ich meine Aufmerksamkeit seinem Hinterteil zu. Die hohe Kunst des Fächerschneidens ist bei Golden Retrievern nicht zu unterschätzen. Ich gestehe, ich hatte eine leichte Obsession mit der perfekten Fächerform der Haare. Ich wollte es unbedingt so haben, wie ich es auf zahlreichen Hundeausstellungen gesehen hatte.

Also kämmte ich alle Zotteln nach hinten, umfasste sie und als ich losschnitt … Riiitschschsch … kam mein Mann nach Hause, Finley freute sich wie ein Irrer, wedelte mit dem Schwanz und rannte zur Tür. Das Ergebnis dieses Handlungsablaufs war alles andere als ein akkurater Fächerschnitt. Meine Schere war abgerutscht und hatte eine salmiartige Lücke in die Haarpracht geschnitten.

Tja, was ab ist, ist ab, dachte ich mir und entschied mich für einen Freestylecut. Ich schnitt ihm noch drei weitere Salmilücken in den Schweif und Finley lief die kommenden drei Wochen mit einem, durchaus akkurat geschnittenen Zickzackmuster herum. Ich gebe freimütig zu, es hätte sicherlich elegantere Möglichkeiten gegeben, meinen Schnippelunfall zu kaschieren. Sie sind mir aber nicht eingefallen.

 

Meine Töchter fällen ein Urteil

 

„Wenn Du einen Pudel hättest, würdest Du ihn wahrscheinlich lila einfärben“, motzte meine Tochter Motte und warf mir einen verächtlichen Blick zu. (Anm. d. Redaktion: Nein, würde ich nicht!)  „Mensch Mama eine Hundefriseurin wirst Du nie … armer, armer Finley … hat die Mama Dich hässlich gemacht“, ergänzte ihre große Schwester Mausi und umarmte das Tier theatralisch. Und was tat Finley? Na was schon – er seufzte auf, schmiegte sich in Mausis Arme und wedelte mit dem Schwanz.

Ich musste spontan an meinen Züchter denken …  „stärkt die Bindung zu Deinem Hund“, hatte er gesagt … „könnt Ihr zusammen genießen“, hatte er gesagt. Pah! Allerdings hatte er auch mal gesagt, „Birgit wälze Dich auf dem Rasen“ … aber das erzähle ich Euch mal in einer anderen Geschichte.

Meine Mädchen, damals acht und neun Jahre alt,  hatten beschlossen mich nicht so leicht davonkommen zu lassen. „DAS tust Du unserem Hund nicht nochmal an“, sagte Motte und blickte mich strafend an. „Ja, wie sieht den dass aus“, pflichtete Mausi ihrer Schwester in ungewohnter Eintracht bei. Und: „Das überlässt Du beim nächsten Mal, mal schön einem Profi.“ Ich bekam also die töchterliche Anweisung, meinen Hund, sobald seine Haare nachgewachsen waren, bei einer Hundefriseurin vorzustellen. Insgeheim hatte ich auch schon daran gedacht, stimmte also relativ kleinlaut zu. Warum ein Hundefriseur auch nicht immer die richtige Entscheidung sein muss, erzähle ich Euch ein anderes Mal.

 

Ende gut, Haare gut … und wenn sie nicht … dann trimmen wir auch heute noch

 

Inzwischen hat Finley gelernt, sich auch bei der Fellpflege zu entspannen, ich übrigens auch. Wir können diese Momente zusammen genießen. An dieser Stelle, schöne Grüße an meinen Züchter 😉 . Beim Etappen-Trimmen ist es allerdings bis heute geblieben. So muss Finley sich immer nur für einen kurzen Zeitraum zusammenreißen. Ich möchte seine Geduld ja nicht überstrapazieren. Mir gibt das die nötige Ruhe und die Zeit, seine Haare vernünftig und optisch ansprechend zu schneiden. Der Rassenstandard spielt dabei bei uns inzwischen zugegebenermaßen eine recht untergeordnete Rolle. Die Hosen schneide immer noch nicht, die Angst einfach zu verschwinden sitzt bei mir viel zu tief … wer schon jemals Mitglied auf einem Hundeplatz war, wird mich verstehen… 😀

Nach dem Trimmen plane ich immer eine Ruhezeit ein, dann lese ich ein Buch und Finley kann ein wenig vor sich hin dösen. Wir sind uns dann richtig nah. Übrigens, eine leichte Obsession mit der „Fächerform“ habe ich immer noch aber das halten Finley und ich locker aus…

 


Vorankündigung:

Ich lese übrigens zurzeit ein sehr interessantes Buch über die Fellpflege beim Hund. Die Autorin heißt Franziska Knabenreich-Kratz und ist ausgebildete Hundefriseurin. Meine Buchbesprechung zu „Feingemacht“ könnt ihr demnächst hier im Blog lesen.