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Kamikaze-Otto der Jopi Heesters unter den Eichhörnchen

Mit seinem Charme wickelt er die Vorstadtkatzen ein

 

Foto: pixaby

 

 

Machtverhältnisse, das können wir ja derzeit gut in der menschlichen, politischen Landschaft beobachten, sind nicht für die Ewigkeit geschaffen. Trotzdem, was ist eigentlich mit unseren Vorstadtkatzen los? Da arbeiten sie seit Jahren an der feindlichen Übernahme unserer Vorstadtsiedlung und lassen keine Gelegenheit aus, die hier ansässigen Hunde in den Wahnsinn zu treiben und dann das. Sie unterwerfen sich einem Eichhörnchen!

 

Ich hatte Euch ja neulich (Lest mal HIER) von Kamikaze Otto erzählt, Ihr wisst schon dem Navy Seal unter den Eichhörnchen… zu Wasser, zu Lande und auf dem Baum … Hoooaahh! Er wohnt noch immer auf den drei Eichen, die am Ende unseres Vorstadt-Garagenhof stehen und ich habe den Verdacht, er wird niemals wieder weiterziehen. Warum auch denn hier bei uns in der Vorstadt läuft alles super für ihn.

 

Das Katzenterritorium ist in Gefahr

 

Die drei Eichen waren einmal pures Katzengebiet, besonders im Sommer. Da versammelten die „Samtpfoten“ sich regelmäßig in der Vorabendsonne und teilten ihre Claims unter sich auf.

Pauli, der weiße Ragdoll-Kater ist der Katzenchef hier bei uns im Vorstadtring. Er ist wunderschön und er weiß das auch. Darüber hinaus ist er aber auch sehr verwegen und hat ein nicht zu unterschätzendes Organisationstalent. Er teilt den anderen Katzen, die hier wohnen, ihre Aufgaben zu.

Die pummelige Tigerkatze Mitzi ist so etwas wie seine Generalsekretärin und Vertraute. Sie ist die Schnittstelle für Beschwerden und teilt auch schon mal – auftragsgemäß – ein paar Pfotenhiebe an insubordinative Untertanen aus.

 

Jeder Rüde im Ring hatte schon schmerzhafte Begegnungen mit Mitzis Krallen

 

Nahezu jeder im Ring wohnende Rüde, der etwas auf sich hält, hat von Mitzi schon eine Schmarre einkassiert. Bei Finley war das rechte Ohr betroffen und das hat Mitzi ein paar sehr kalte Duschen mit unserem Gartenschlauch eingetragen. Soweit kommt es wohl noch, dass ich ruhig zusehe wie diese kleine Bitch meinen Jungen perforiert, um es sich dann danach dreist in meinem Blumenkübel bequem zu machen. So nicht, Madame!

 

Terror nach der Abendrunde

 

Wenn wir Menschen nun mit unseren Hunden nach einer gemütlichen Abendrunde um die Ecke bogen, dann machten die Katzen mobil und terrorisierten uns. Bei Finley gehörte ja nun wirklich nicht viel dazu. Für ihn reicht schon der Anblick einer einzigen Katze um völlig außer sich zu geraten. In diesen Augenblicken mutierte mein mittlerweile eigentlich souveräner Bär zu vierzig Kilogramm Muskelmasse ohne messbare Gehirnfunktion.

Ich musste wirklich alles geben um ihn aus dieser Schleife wieder rauszuholen und saß dann zuhause mit einem noradrenalin verseuchten Rüden, denn ich mindestens eine halbe Stunde TTouchen musste damit er wieder ansprechbar wurde.

 

Unsere Tierwelt driftet aufs Chaos zu

 

Okay, das war zwar nervig aber da war unsere Tierweltenordnung irgendwie noch in Ordnung. Mit den Katzen hatten wir uns arangiert. Doch jetzt hat Kamikaze-Otto die Karten neu gemischt. Zuerst hat er sich bei Paulis Generalsekretärin eingeschmeichelt. Nur Otto und der Eichhörnchen-Gott wissen wie ihm das gelungen ist. Habt Ihr eigentlich eine Vorstellung davon, wie verstörend es ist, wenn man eine Kätzin dabei beobachtet, wie sie einem Eichkater schnurrend ein paar Eicheln zuschiebt, während sich drei andere Katzendamen wohlig zu seinen Füssen im Herbstlaub räkeln?

 

Katzenchef Pauli leidet unter dem Kontrollverlust

 

Ragdollkater Pauli hat das Verhalten seines Katzenharems ein wenig aus der Bahn geworfen. Seine Versuche, seinen Einfluss zurückzugewinnen verliefen fruchtlos. Thronte er vormals stolz auf dem Elektrohäuschen, unter den drei Eichen, so aristokratisch wie ein Sultan vor dem Taj Mahal, liegt er nun auf dem blauen Deckel der Papiertonne vor seinem Haus. Sein weißes Fell ist schmuddelig und schimmert gräulich, seine Augen scheinen glanzlos.

 

Anfangs hat Finley die ganze Sache ja mit ein wenig Genugtuung beobachtet. Dann bekam er doch ein wenig Mitgefühl mit seinem Kateralterego. Außerdem ist es aus seiner Sicht für die Hundepopulation im Ring von Vorteil, wenn sich zwischen diesem selbstverliebten Eichkater und den Hunden im Ring noch eine starke Katzenfront befindet, gewissermaßen als Pufferkätzchen.

 

Sondierungsgespräche unter Andersdenkenden

 

Also ging Finley eines Tages, wenn auch widerstrebend, zur blauen Trauertonne und versuchte den weißen Kater aufzurichten. Ich würde es mal vorsichtig ein Sondierungs-Gespräch unter Andersdenkenden nennen.

Finley: „Grrr …grrr … Ey, alter Schönling, hat das Eichhörnchen Dir Deine Groupies geklaut?“

Pauli: „Ffffchchchh … sieht ganz so aus … miiiauuuuu.“

Finley: „Brummel … äh, und was gedenkst Du dagegen zu tun? Du willst doch wohl etwas dagegen unternehmen, hä?“

Pauli: „Seufz … ja was denn? Die finden den ja soooo toll. Die hören mir ja gar nicht mehr zu … mauuuu.“

Finley: „Schau an, schau an … der schönste Kater im Ring versinkt im Jammertal. Sie mögen mich nicht meeehheeeer, buhuhuuu… Himmelarsch, reiß Dich mal zusammen!“

Pauli: „Hach … ich habe einfach keinen Plan …“

Finley: „Pass mal auf Blondie …“

Pauli: „Nenn mich nicht Blondie … Fffchchchh…“

Finley: „Papperlapapp! Also pass mal auf Whitey, Du hast vielleicht die vier Weiber erst mal verloren aber unsere Straße ist voller Katzen, die darauf warten, dass Du etwas unternimmst.“

Pauli strafft sich: „Wirklich? Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Wie kann ich die zusammentrommeln?“

Finley: „Ähm, also das habe ich eigentlich schon gemacht. Heute Abend gegen 18.00 Uhr werden alle hierherkommen und dann solltest Du ein paar motivierende Worte für sie parat haben. Mach was draus, Alter und kämm Dich mal.“

Pauli: „Tja, also dann … hüstel … muss ich wohl danke sagen. Glaub jetzt bloß nicht, dass wir Freunde sind … ein Hund … pfffft … Miauuu.“

Finley: „Türlich nicht … pah, ich und ein Kater … ne, echt nicht … grummel …“

 

Die Zusammenkunft

 

Am Abend machte Finley es sich dann in dem großen Ledersessel vor unserem Panoramafenster bequem und beobachtete wie Ragdollking Pauli auf seinem neuen Thron Platz nahm. Von allen Seiten kamen sie dann, seine Anhänger. Allen voran die anderen verschmähten Kater, die Glückskatze aus Haus 22b, die zwei silbergrauen Siamkatzen die erst kürzlich bei der Homöopathin aus Haus 34c eingezogen waren. Es war ein Maunzen und Miauen, da durfte man als Hundehalter keine schlechten Nerven haben.

 

Pauli setzte sich auf und abrupt entstand eine fast unheimliche Stille. Eine geordnete Katzenzusammenkunft. Pauli gab ein paar Schnurrlaute von sich, gefolgt von ein paar kräftigen Maunzern. Ab und an erklang in der Menge seiner Zuhörerschaft ein zustimmendes Fauchen. Es schien ganz gut zu laufen für Pauli – und für Finley auch. Gleich morgen würde er seinen Kumpels im Ring sagen, dass der eitle Schönling wieder fest im Sattel sitzt und sie sich auf katzengeschützte Weihnachten freuen dürfen. Denn darüber waren sich die Hunde im Ring einig: Sie hatten lieber eine Katze im Vordergarten liegen, als einen Bungee springenden Eichkater in ihren Bäumen sitzen.

 

Kleiner Nachtrag:

Ob das schon das Ende der Eichhörchen-Herrschaft in unserem Ring ist? Wer weiß das schon genau. Ich glaube, wir müssen es abwarten…

 

Kamikaze-Otto, der Erfinder des Eichhörnchen-Bungees

Achtung, dieser Artikel ist nichts für zart besaitete Naturschützer!

 

Fotos: pixaby

 

Zurzeit muss ich nämlich aufpassen, dass in mir nicht ein unkontrollierbarer, sehr archaisch ausgeformter Territorialinstinkt durchbricht. Ich erwäge, mir eine Axt anzuschaffen … oder ein Katapult … oder noch besser eine Streckbank … ich bin offen für weitere Vorschläge…

Grund dafür ist – und wehe, ich höre jetzt jemanden lachen – ein Eichhörnchen. Dieses rothaarige Biest ist auf eine der drei Eichen gezogen, die die Ausfahrt unseres Vorstadt-Garagenhofes säumen. Es sind drei wunderschöne Bäume, geschätzte 15 Meter hoch, gesund und stark … fällen kommt also nicht in Frage, ich habe mich danach bereits bei der zuständigen Behörde erkundigt. They where not amused….

 

Kamikaze-Otto ist ein Ausnahmehörnchen

 

Jetzt sitzt Ihr sicherlich in euren Sesseln und wundert Euch. Ich kann es förmlich hören: „Ooohhh die sind doch sooo putzig, das sieht sooo niedlich aus, wenn die Ihre Nüsse, Eicheln u.s.w. sammeln …“. Das habe ich auch gedacht, bis ich Kamikaze-Otto kennengelernt habe. Ja, so heißt das Eichhörnchen, den Namen hat es von mir – aus gutem Grund.

Die folgende Beschreibung fußt zugegebener Maßen nicht auf fundierten, biologischen Kenntnissen, sondern ist rein subjektiv geprägt. Die Eindrücke sind gewissermaßen aus dem Leben gegriffen, ungefiltert, brutal ehrlich.

 

Fly on the wings of love … fly Baby, fly…

Kamikaze-Otto ist ein sehr großes, übergewichtiges, rothaariges Eichhörnchen-Männchen, mit einer grauweißen Blesse auf der Brust. Er ist verfressen, manchmal geradezu respektlos und absolut angstfrei.  Oh, und nicht zu vergessen, Otto denkt ganz offensichtlich, dass er fliegen kann. Glaubt mir, er ist ein Alpha-Hörnchen auf Speed, mit der Lizenz zu nerven.

Aus seiner Sicht ist er „König Otto der Einzige“, Herr der Baumwipfel, wild und unerschrocken, der Liebling aller Hörnchen-Frauen. Mehrmals im Monat läuft Kamikaze-Otto, ich will nicht sagen Amok aber es ist nahe dran.

 

Jovi, ein alter Herr mit Klasse

 

Meine erste Begegnung mit Otto hatte ich, als ich Jovi, den Hund meiner Nachbarin Bente* (eine von den Netten) spazieren führte. Jovi ist ein Border-Collie-Labrador-Mix und schon ein alter Herr. Seine Schritte sind langsamer und kleiner geworden, sein Dickkopf hingegen größer – ich habe ihn wirklich sehr gern. Für Jovis Gassibegleiter bedeutet das, Jovi gibt Richtung und Tempo vor und Jovi bestimmt auch das Ende eines Spazierganges.

Wenn er an dem Punkt ist, an dem er wieder nach Hause möchte, duldet er keine Diskussionen. Er setzt dem Gassigänger, durch gezielt eingesetzte Inaktivität, klare Grenzen und schaut ihm solange bedeutungsvoll in die Augen, bis derjenige ES endlich kapiert hat. Als wir wieder an einem solchen Punkt waren, schwenkte ich sofort um und machte mich mit ihm auf den Heimweg. Ich werde den Teufel tun und mit einem 14 Jahre alten Rüden diskutieren.

 

Das erste Date, unverhofft und … ausbaufähig

 

Jovi und ich erreichten also unseren Garagenhof und bewegten uns auf die drei Eichen zu. Als wir direkt darunter waren geschah es:

Im Baum über uns raschelte es, ich schaute irritiert nach oben … ein großer, dunkler Klops fiel herunter … ich schrie auf … das Große Dings flumpte mit einem dumpfen „Wwhumppp“, etwa einen Meter neben mir auf dem Asphalt. Wie bei einem Bungee-Jump, nur ohne Seil.

 

Jovi mein Held, mein … Dings …

 

Gleich darauf erkannte ich ein überdimensional dickes Eichhörnchen – Kamikaze-Otto – der Erfinder des Eichhörchen-Bungees. Das alles schien dem Viech viel Spaß zu machen. Mit lauten Geckgeckgeckgeck-Lauten, es hörte sich fast ein wenig wie Gelächter an, raste er auf den nächsten Baum zu und kletterte im Turbo-Tempo in den Baumwipfel. Jovi war empört und erwachte zu neuer Jugend. Er drehte sich in einem für ihn schon sehr scharfen Tempo um und fing an zu schimpfen: „Wage es ja nicht meine … äh, die Dings … wie heißt Du noch … öh, egal jedenfalls lässt Du die in Ruhe, Du Habicht“! Ich habe ihn wirklich sehr gern. Danke für Dein … äh, Dings … Engagement, lieber Jovi.

 

Eichhörnchen-Bungee: Spass – Nervenkitzel und Wettkampfsportart

 

Kamikaze-Otto hatte offenbar seine Berufung gefunden, denn ich war nicht die Einzige bei uns im Vorstadtring, die solche Begegnungen hatte. Meine Nachbarin Bruni, Ihr wisst schon das Frauchen von Enrico C. der Abrissbirne, konnte gar nicht Herr ihrer Empörung werden, als sie schilderte, dass Otto ihren Schatz angegriffen hatte. Gleicher Tathergang, nur war Kamikaze-Otto statt auf dem Asphalt auf dem breiten Rücken von Finleys Lieblingsfeind gelandet. Also ehrlich … das ist ja … In dieser Nacht legte ich bei Vollmond heimlich eine Handvoll Erdnüsse an den Fuß der Otto-Eiche. *grins

 

Otto ist ein fleißiger Produktentwickler

 

In den kommenden Wochen verfeinerte Otto die Techniken seines Eichhörchen-Bungees. Manchmal konnte man seine Anwesenheit nur erahnen. Sein „Geckgeckgeck“ erklang und er lag wahrscheinlich irgendwo auf einem bequemen Ast, die Beine lässig übereinandergeschlagen und rauchte eine Havanna.  Ich malte mir aus, wie er es genoss, zu beobachten, wie Menschen und Hunde unter seinem Einfluss in Hektik gerieten.

Ein anderes Mal segelte er wie ein Paraglider, die Extremitäten seitlich ausgestreckt,  zwischen den Eichen hin und her. Immer mit der Option – zumindest in meiner Vorstellung – wie ein 4 Kilogramm schwerer Rollbraten auf meinen Kopf niederzusausen. Mir ließ das keine Ruhe. Es sollte sich was ändern. Ich wollte mich auf meinem Grund und Boden frei und gefahrlos bewegen können.

 

Förster Hans lacht und lacht und …

 

Also kontaktierte ich unseren zuständigen Förster und schilderte die Lage. Ich beendete meine Ausführungen mit dem schlichten Satz:

„Mach‘ dass er wegzieht, Hans!“

Hans hatte aufmerksam zugehört, Tränen standen in seinen Augen, dann lachte er los.

Hans der Förster:

„Pfffthahahaaa…, da kann ich Dir vorerst gar nicht helfen. Leider … hmpffhihihi…“.

Und weiter:

„Weswegen auch, …kichergurgelprust… dass ein Eichhörnchen wegen hochgradiger Gewitztheit umgesiedelt werden muss, das habe ich vorher auch noch nie gehört … hihihiii… das hätten wir exklusiv, Birgit.“

Na danke auch. Muss man denn alles selber machen?

 

Na warte Otto! Methoden entwickeln kann ich auch

 

Also entwickelte ich, parallel zu Kamikaze-Ottos sportlichem Ehrgeiz, ständig neue Abwehrmethoden. Wir waren in stetigem Wettstreit. Ja, es ist was Persönliches!

Ging ich allein durch das Tor der Hölle, klackerte ich so laut mit einer alten Kinderrassel, dass im Umkreis von mehreren Kilometern alle Wildtiere aufschreckten, von den Nachbarn will ich gar nicht erst reden.

Eine Zeit lang hatte ich eine Wasserflasche bei mir, jederzeit bereit, mich als Vorstadtwasserwerfer zu betätigen. Bei jedem Spaziergang scannte ich die Umgebung ab, wie ein Radargerät.

Zeitweise hatte ich immer einen Stockschirm bei mir und spannte ihn unter den drei Eichen auf und dachte „Spring‘ doch Du Blödmann“. Ich glaube, das war der Moment in dem Finley anfing sich ernsthafte Sorgen um mich zu machen.

 

Man muss wissen wann man loslassen muss

 

Ich gebe es nicht gerne zu aber ich scheiterte mit jeder Strategie. Otto ist ein harter Brocken. Es wird wohl noch eine Weile so weitergehen, denn Eichhörnchen können, bei guter Pflege *kicher, bis zu 12 Jahre alt werden *schluchz. Mit einer Winterpause brauche ich auch nicht zu rechnen, denn Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf, ich habe das gegooglet.

Bleibt eigentlich nur eines:

„Otto, such Dir eine Frau! Vielleicht kommst Du dann mal auf andere Gedanken…“

Kleiner Nachtrag:

Manchmal kann man sie beobachten, eine große, kurzhaarige Frau. Sie wandert durch die Vorstadtwälder und flüstert leise vor sich hin:

„Es ist noch nicht vorbei, Otto, es ist noch nicht vorbei …“

Fortsetzung folgt …