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Menschen gibt’s – Heute, der Fäkalienradler

Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, andere gibt’s nicht.

(Konrad Adenauer)

 

 

 

 

Der  einfachste Mensch ist immer noch ein sehr kompliziertes Wesen

(Marie von Ebner-Eschenbach)

 

Sicher ich weiß, auf einem Hundeblog erwartet man eher Artikel über Hundebegegnungen. Ich will Euch heute aber mal von unserer letzten Menschenbegegnung erzählen. Es hat auch ein bisschen mit Finley zu tun, denn schließlich wurde er von diesen beiden Radfahrern beleidigt, genauso wie ich fortwährend mit Schimpfworten überzogen wurde. Uns klingeln immer noch die Ohren.

Finley und ich waren gerade auf einem unserer Wanderwege unterwegs. Ich genoss den Spaziergang trotz des Nieselregens und Finley schnupperte an den Wegrändern die Fährten seiner Kumpels ab.  Etwa 15 Meter vor uns stand ein älterer Herr in Radfahrmontur und passte auf zwei abgestellte Rennräder auf.

 

Was ein Mensch an Gutem in die Welt hinaus gibt, geht nicht verloren

(Albert Schweitzer)

 

Während Finley gerade Kapitel zwei des „Dümpel Express“ las, kam die Frau des Radlers aus dem Wald zurück. Sie sah, wenngleich schon um die siebzig, auch sehr sportlich aus. In der linken Hand trug sie ihren neongrünen Fahrradhelm, in der Rechten ein Bündel kotverschmierter Tücher. Sie lächelte ihren Gatten beseelt an, holte mit der Tücherhand aus und warf die verschmierten Tücher im hohen Bogen zurück in die Büsche.

„Fertiiig“, flötete sie ihrem Gatten entgegen und dieser nickte zufrieden.

Man musste es mir wohl angesehen haben, wie angewidert ich war. Jedenfalls drehte das Eddy Merckx Double sich zu mir um und sagte: „Guck bloß nicht so doof, Du blöde Ziege!“ Wie vom Donner gerührt blieb ich stehen. So offen wurde ich bisher selten angefeindet.

„Wie bitte?“, entgegnete ich, „Sie reden ja wohl hoffentlich nicht mit mir.“ „Mit wem denn sonst“, antwortete der Pedaltreter und ging bei jedem Wort einen Schritt weiter auf mich zu, „mit deinem Scheißköter bestimmt nicht.“ Seine Frau nickte beflissen und Finley baute sich breit neben mir auf.

 

Weh dem Menschen, wenn nur ein einziges Tier im Weltgericht sitzt

(Christian Morgenstern)

 

Das alles sagte der Mann, obwohl ich anfangs nicht ein einziges Wort gesagt hatte und durchaus bereit gewesen war, wortlos an diesen zwei Fäkalienradlern vorbeizuziehen. Ähm ja, Absichten kann man auch ändern…

 

Inzwischen hielten zwei andere Radler bei uns an und ich bekam tatsächlich Schützenhilfe. „Was ist denn hier los, brauchen Sie Hilfe“, fragte mich der Mann auf dem blauen Rad. „Ich heiße übrigens Joachim und das ist der Frank“, sagte er dann noch und zeigte auf seinen Begleiter. Nachdem ich mich auch vorgestellt hatte, versuchte ich den beiden, die Situation zu erklären. Das allerdings gestaltete sich ein wenig schwierig, weil das Eddy Merckx Double fortwährend vor sich hin zeterte: „Die doofe Kuh (meint mich) – meine Frau macht wo sie will – Scheißköter (meint Finley) – Fot… (auch ich) – blöde Zicke (schon wieder ich) … „

 

Der Mensch ist vielerlei. Aber vernünftig ist er nicht.

(Oscar Wilde)

 

 

Mir wurde es zu bunt, ich drehte mich um und stellte den durchgeknallten Pseudosportler zur Rede: „Können Sie mir vielleicht mal erklären, warum Sie so wütend auf mich sind“, fragte ich den Mann. Das Eddy Merckx Double antwortete: „Sie haben ja wohl keine Pietät. Wenn meine Frau mal kacken muss, dann schaut man weg und verzieht nicht das Gesicht.“ Seine Frau stand immer noch nickend neben ihm. Ich hakte nach: „Nur damit ich das richtig verstehe. Sie schicken ihre Frau zum „Kacken“ in unseren naturgeschützten Wald, ihre Frau hält ihren nackten Allerwertesten in die freie Natur und erleichtert sich, als gäbe es kein Morgen mehr und ICH bin pietätlos?“ Das Eddy Merckx Double antwortet mit Inbrunst: „Genau!“

 

Das Unglück ist, dass jeder denkt, der andere ist wie er, und dabei übersieht,

dass es auch anständige Menschen gibt

(Heinrich Zille)

 

Ich musste tatsächlich lachen. Soviel Realitätsferne hatte ich nicht erwartet. „Nur für das nächste Mal“, sagte ich zu seiner Frau, „dort, beim Bahnhof gibt es zwei öffentliche Toiletten. Das ist doch auch für Sie viel angenehmer.“ Die Frau nickte erneut, was sie übrigens die ganze Zeit tat, egal wer gerade was auch immer gesagt hatte. Nicken schien, gleich nach in den Wald schietern, eine ihrer Kernkompetenzen zu sein.

„Na-das-ist-doch-eine-Uuuunverschääääämtheit“, blökte der Gatte aufgebracht heraus. Und weiter: „Die da (meint mich) lässt ihren dämlichen Köter überall hinscheißen, der hat bestimmt auch Läuse. Die soll man ja die Fresse halten!“  Seine Frau nickte – was sonst…

 

Mensch: das einzige Lebewesen, das erröten kann.

Es ist aber auch das einzige was Grund dazu hat

(Mark Twain)

 

„Mäßigen Sie sich mal“, forderte Frank den Mann auf, der daraufhin ein lautes Schnauben von sich gab.

Eigentlich wäre es wohl richtig gewesen, den Rüpel und seine Wackeldackeldame einfach stehen zu lassen und sie ihrer jämmerlichen Existenz zu überlassen. Ich versuchte es – wirklich. Mein inneres Oooohhmmm betete sein Lieblingsmantra: Tiiiief einatmen Birgit, dooooch, das Leben ist ein Ponyhof…“

Es half nichts, er hatte das böse L-Wort gesagt. Am liebsten hätte ich ihm, „MEIN HUND HAT KEINE LÄUSE, DU TORFNASE“, entgegengeschrien aber ich bekam das in den Griff. Langsam drehte ich mich zu ihm um und fixierte den Mann. Finley war dicht an meiner Seite und gab ein düsteres Brummen von sich.

Dann sagte ich: „Passen Sie mal gut auf, Sie Freizeitradler. Erstens hat mein Hund keine Läuse und selbst wenn er welche hätte, wäre das nichts gegen die Defekte, die Sie offensichtlich mit sich herumtragen.“ Er lief puterrot an und wollte etwas entgegnen. Ich erstickte jede Erwiderung mit einem sehr giftigen „Ich bin noch nicht fertig“ im Keim.

Dann fuhr ich fort: „Zweitens nehme ich den Kot meines Hundes mit Gassitüten auf und entsorge sie im nächsten Mülleimer.“ Zum Beweis, hielt ich ihm die Tüte, in der Finleys letzte Hinterlassenschaft, lauwarm vor sich hin dampfte unter die Nase. Dann drückte ich ihm zwei frische Tüten in die Hand und sagte: „Sie wollen den Pups ihrer Frau doch sicherlich auch noch aus der Botanik bergen, oder?“

 

Lebenskunst besteht zu 90 Prozent aus der Fähigkeit, mit Menschen auszukommen,

die man nicht leiden kann

(Samuel Goldwyn)

 

Joachim und Frank, die das ganze Geschehen beobachtet hatten, brachen in lautes Gelächter aus. Ich zwinkerte den Beiden zu.

Wir Vier taten jetzt das einzig Richtige. Wir machten kehrt und entfernten uns von dem Pöbler und seiner nickenden Frau. Gesprächsversuche hatten offenbar keinen Zweck. Wir verabredeten uns sogar, denn Joachim und Frank haben auch einen Hund, eine wunderschöne Cocker Spaniel Dame namens Lilly.  Und während wir den Wanderweg entlang schlenderten, hörten wir den Fäkalienradler zetern, schimpfen, wettern und meckern. Sie tat mir fast leid, die nickende Frau an seiner Seite.

 

Nachtrag:

 

Ich bin sicher, wenn ich keinen Hund bei mir gehabt hätte, hätte mich der radelnde Greis in Ruhe gelassen. Das ist ein Phänomen, das ich immer wieder beobachte. Die Tatsache, dass ich einen Hund bei mir habe, löst bei vielen irgendetwas aus, dass sie ihre gute Erziehung und soziale Höflichkeit in den Wind schießen lässt. Mir ist noch nicht so klar was es ist, dass das Rüpelverhalten auslöst. Allerdings habe ich für mich entschieden, dass das auch nicht ausschlaggebend sein kann. Ich lasse mir das nicht mehr gefallen.

Finley hat in der oben geschilderten Sequenz übrigens ein ausgezeichnetes Sozialverhalten gezeigt.

 

 

 

 

 

 

Die HundeWelt, Finley und ich

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Monatliche Glosse ab August

 

 

Es gibt Neuigkeiten für Euch. Ab August könnt Ihr in jeder Ausgabe des Hundemagazins HundeWelt eine Glosse von mir lesen.

Ich werfe für Euch einen humorvollen Blick auf das Leben mit meinem Hund und berichte dort über Alltagssituationen, die jeder Hundehalter schon irgendwie einmal erlebt hat oder aber erleben wird. Und zwar auch dann, wenn er heute noch nicht daran glauben kann, dass ihm mal so etwas passieren könnte.

Jede Geschichte enthält das berühmte Quäntchen Wahrheit, einen Lösungsvorschlag, einen Paukenschlag, eine ordentliche Portion Selbstironie und manchmal auch etwas Versöhnliches.

Die Texte in der HundeWelt findet Ihr so nicht auf meinem Blog, den ich natürlich nach Kräften weiter betreiben werde. Also, wenn Ihr meine Geschichten mögt, dann schaut doch mal hinein in das Magazin. Es wird sich lohnen, das kann ich versprechen –  nicht nur wegen meiner Glosse …

In der August Ausgabe, die am 09. Juli erscheint,  geht es in meiner Glosse auf Seite 30 ums Gärtnern mit Hund, um grenzwertige Designentwürfe und naja,  „+###!!+***“…

Wenn Ihr mehr über die Hundewelt erfahren wollt klickt einfach auf den farbigen Magazintitel, oben in diesem Artikel.

 

Der Goodfellows Hundeblog feiert fünfjähriges Jubiläum

Finley und ich sagen danke

 

 

 

Whohooo – das hätte ich in diesen trubeligen Tagen ja fast vergessen.

Der GOODFELLOWS HUNDEBLOG feiert fünfjähriges Jubiläum. 🎂 Das ist doch eine super Gelegenheit, einmal danke zu sagen.

Vielen Dank an Euch Leser. Es macht mir unglaublich viel Spaß, immer wieder neue Geschichten für Euch zu recherchieren und zu schreiben. Eure Likes und Kommentare motivieren mich, weiter zu machen.

Danke auch an mein Netzwerk in den sozialen Medien. Nichts würde so gut funktionieren, ohne das Teilen meiner Beiträge und ohne Eure konstruktiven Kommentare. Euer unermüdlicher Support feuert mich an.😍

Ein großer Dank gebührt auch meiner Freundin Susanne Klaar. Susanne, ohne Deine Zuversicht, Deine tatkräftige Unterstützung, Dein Fachwissen und Deine Kreativität, gäbe es meine Website gar nicht. 😘 Ich glaube, wir haben es gerockt

Ich bedanke mich auch bei meinem Mann und unseren Töchtern Mausi und Motte, die sich meine Texte vor der Veröffentlichung, immer wieder gaaaanz geduldig vorlesen lassen. Ihr seid Klasse!

Und letztlich gilt mein Dank auch meinen Kritikern. Jede Kritik birgt auch immer die Chance in sich, Dinge zu überdenken, manchmal zu ändern oder einfach nur das Thema für den nächsten Beitrag zu werden. 😇😃

Für die Jahre, die noch kommen wünsche ich mir, dass Ihr mir weiterhin treu bleibt und auch in Zukunft immer mal einen Kommentar, sei es auf dem Blog oder in meinen sozialen Medien zurücklasst.

Wir lesen uns….

Unter der Laterne, vor dem großen Tor – Enrico C., die Chronik einer tiefen Feindschaft Vol.3

Neues über Finleys Lieblingsfeind

 

Foto: pixabay

 

Gänseblümchen, Vogelgezwitscher und ein Treffen unter Feinden

 

Abendspaziergänge mag ich besonders gerne. Wenn im Sommer die laue Luft die Bäume umspielt, dann genieße ich unsere Gassirunden in vollen Zügen. Alle wichtigen Arbeiten habe ich erledigt und kann die Seele baumeln lassen. Finley dümpelt an langer Leine von links nach rechts und schnüffelt sich von Markierung zu Markierung und von Gänseblümchen zu Gänseblümchen.

Die letzte Runde bedeutet Entspannung, Vogelgezwitscher und Frieden. Es sei denn, …ja, es sei denn wir treffen auf Enrico C. und sein Frauchen Bruni. Dann wird es brenzlig. Ihr erinnert Euch ja vielleicht noch an Enrico C., den großen Schweizer Sennenhund aus dem Nachbarhaus. Ein Bild von einem Rüden, stramme 70 Zentimeter Schulterhöhe, gefühlte 60 Kilogramm pure Muskelmasse, unter einem abrissbirnengroßen Sturschädel.

 

Und ewig knurrt der Sennenhund

 

Die Beiden hassen sich leidenschaftlich. Und da sie beide über eine eher extrovertierte Persönlichkeit verfügen, machen sie aus ihrer Abneigung auch keinen Hehl. Da werden die Boxhandschuhe über alle vier Pfoten gestreift und dann warten sie auf den Gong … Caniden-Kickboxen, Gewichtsklasse: Cruisergewicht, 1. Runde …

Frei nach Hollywood heißt es dann „Und ewig knurrt der Sennenhund“. Bruni und ich haben dann unseren Einsatz und alle Hände voll zu tun.

 

Die Safer-Fletsch-Variante:

 

Finley und Enrico C. sind beide angeleint. Beide stehen sich gegenüber, zeigen die Zähne, knurren was das Zeug hält und aus allen Drüsen versprühen sie Rüdenchefsekret, als gäbe es kein Morgen mehr. Ich versuche Finley und mich aus der Schusslinie zu bringen. Was mir, wenn auch zäh, nach und nach gelingt. Bruni … ähm ja … beobachtet aufmerksam was Finley und ich so machen, wickelt sich die Leine dreimal um ihre Handgelenke und tut darüber hinaus nichts. Mein Adrenalin- und mein Kortisolspiegel sitzen inzwischen gemeinsam im Hormon-Pub am Kneipentresen und köpfen eine Flasche Wodka. Prost Jungs, ex und hopp, es bleibt wieder mal an uns hängen.

 

Die Foul-the-Fairplay-Variante:

 

Finley ist angeleint, Enrico C. hingegen nicht. Beide stehen sich gegenüber, fletschen die Zähne und knurren sich an, was das Zeug hält. Die Drüsen tun ihre Pflicht und verteilen Rüdenchefsekret in der Vorstadt, als gäbe es kein Morgen mehr. Ich versuche Finley meinen Fluchtplan schmackhaft zu machen. Es läuft semibeschissen, denn Enrico C. kommt langsam in drohend, gebückter Haltung auf uns zu. Keine Chance, dass Finley ihm jetzt den Rücken zudrehen wird, schließlich hat er ja keine Todessehnsucht. Bruni tut indessen … ratet mal … genau, NICHTS.

 

Die Gedanken sind frei

 

Ich erwäge kurz, die Leine fallen zu lassen und Finley zu gestatten seine Rüdenpflicht zu tun. Dann hätte ich beide Hände frei, um Bruni den Hintern zu versohlen. Mein Noradrenalin kommt in den Pub und setzt sich zu den beiden anderen Wutbrüdern an den Tresen und bestellt beim Bartender drei Cocktails namens „Hells Bells“. Meine Frustrationstoleranz ist spontan in den Kurzurlaub geflogen.

 

Ich bemühte mich redlich…

 

Trotzdem verwarf ich zähneknirschend den Plan, Bruni zu vermöbeln. Ihr könnt stolz auf mich sein. Impulskontrolle ist eben die halbe Miete aber eben auch nur die halbe … Da entschloss sich Bruni, die Situation ein wenig anzuheizen und warf, begleitet von dem Ausruf „Hol den Balli“, einen ausgeleierten Kinderball zwischen die beiden Hunde. Impulskontrolle adé (meine)! Ich brülle Bruni an, dass wenn sie ihren „K#!+**+#“ nicht sofort an die Leine nehmen würde, ich aus ihr, ihrem Mann, ihrem Hund und ihrer Nachzucht Hackfleisch machen würde und zwar BIO-Qualität. Bruni schluckte und leinte Enrico C. an, murmelte etwas wie „unter sich ausmachen“ und verzog sich unter großen Mühen mit ihrem bockenden Höllenhund gen Heimat.

 

Das Ziel fest vor Augen

 

Nun, das haben Finley und ich gottseidank alles hinter uns. Und an diesem besagten lauen Sommerabend hatten wir es schon fast nach Hause geschafft. Wir hätten an der Straßenlaterne nur noch rechts abbiegen und über unseren Garagenhof nach Hause schlendern müssen. Es waren nur noch läppische 75 Meter bis zum verdienten, friedlichen Feierabend, als Bruni und Enrico C. sich entschlossen, ihre dritte, die Lil-Marleen-Variante an uns auszuprobieren.

 

Die Lili-Marleen-Variante

 

Finley war angeleint, Enrico C. auch. Beide fletschten die Zähne, knurrten, was das Zeug hält. Rüdenchefsekret waberte durch die Vorstadt. An Flucht war nicht zu denken, Finley zu beruhigen schien unmöglich. Enrico C. versuchte sich von seinem Frauchen loszureißen und bockte wie ein wilder Hengst. Bruni wickelte sich die Schleppleine mehrfach um das Handgelenk und ließ sich von Enrico C. unter Schmerzen, widerstrebend in unsere Richtung ziehen. Sie kämpfte hart, das musste man ihr lassen. Ich stand da und tat zur Abwechslung mal nichts.

 

„Wie einst Lili Marleen…
Unsre beiden Schatten sahen wie einer aus, dass wir so lieb uns hatten…“
(Auszug aus dem Songtexte des Liedes „Lili Marleen“)

Auf halber Strecke zwischen Bruni und uns stand die Straßenlaterne. Enrico C. zog grummelnd an ihr vorbei, Bruni griff beherzt mit beiden Armen, die Schleppleine noch immer ums Handgelenk gewickelt ,  nach dem Laternenpfahl und versuchte sich an Ihn zu klammern. Das alles beachtete Enrico C. nicht, er gab Gas. Bruni landete mit einem bedenklich hohl klingenden Klong-Geräusch am Laternenpfahl … AUTSCH! … das musste wehgetan haben. Enrico C., jetzt vollständig außer sich, wurde mit einem harten Ruck gebremst. Verwirrt sprang er um Bruni herum, was dazu führte, dass meine Nachbarin mit ihrer Leine an dem Pfahl festgezurrt wurde.

 

„Wie einst Lili Marleen…
So wollen wir uns da wiedersehen,
Bei der Laterne wollen wir stehen…“
(Auszug aus dem Songtext des Liedes „Lili Marleen“)

Bruni stöhnte auf, klammerte sich aber nach wie vor an den Laternenpfahl, wie einst Lilli Marleen *träller… Bruni schielte ein wenig und ich machte mir ehrlich Sorgen. Ihre umwickelten Beine wollten weg knicken, was aber nicht ging weil sie an die Strassenlaterne wie an einem Marterpfahl festgebunden waren – Winnetoustyle . Meine Kumpels Noradrenalin, Adrenalin und Kortisol luden mein Dopamin auf ein Gläschen Champagner ein. Der Bartender im Hormon-Pub war sehr erfreut über seinen Umsatz und ich unterdrückte mit aller Kraft, einfach loszulachen.

 

Wie einst Lili Marleen… Es kann drei Tage kosten…
Da sagten wir auf Wiedersehen, wie gerne würd‘ ich mit dir gehen…“
(Auszug aus dem Songtexte des Liedes „Lili Marleen“)

Ich mache es mal kurz. Finley und ich gingen nach Hause, Bruni blieb vertäut am Laternenpfahl zurück, Enrico C. tobte am Ende der Schleppleine. Ich habe dem Heinz, Brunis Ehemann bescheid gesagt, er müsse seine Frau vom Laternenpfahl schneiden. *kichergnihihiiiipruuuuust

Der Heinz sprintete los und später sah ich die Drei durch ihre Gartenpforte gehen. Wir haben nie wieder über diesen Vorfall gesprochen. Ich fürchte, Fortsetzung wird folgen oder wie es in dem Lied „Lili Marleen“ heißt: „Wenn sich die späten Nebel drehen … Werd‘ ich bei der Laterne stehen … Wie einst Lili Marleen …“

 

 

NACHTRAG

 

Natürlich gibt es auch Große Schweizer die unproblematisch sind. Wir selber sind mit zweien und deren Haltern befreundet. Diese Hunde sind top erzogen, werden aber anders gehalten. Sie leben auf einem Biohof und haben dort ihre Aufgaben.

Fairerweise muss man sagen, dass es in unserer Gegend auch Hundehalter gibt, die zusammen mit Enrico C. und seinem Frauchen spazieren gehen. Meistens nur einmal, aber immerhin. Ich sehe auch, dass der Hund eigentlich keine Schuld daran hat, dass er nicht gelernt hat mit anderen Hunden zu spielen, nicht gut sozialisiert ist und wirklich null Erziehung hat. Das sind die Versäumnisse seiner Halter. Das nützt Finley und mir nur überhaupt nichts, wenn es zu solchen Aufeinandertreffen kommt. Es ist schlicht gefährlich für uns. Ja ich sage uns, weil Enrico schon lange entschieden hat, dass er im Zweifel nicht nur gegen seinen Hundesparringspartner vorgehen darf, sondern auch gegen die dazugehörigen Menschen. Aber das wird mal eine andere Geschichte….

 

Mehr von Enrico C. der Abrissbirne und Finley

 

Wenn Ihr mehr von den zwei Streithähnen lesen wollt, klickt einfach auf die farbigen Überschriften. Ich wünsche Euch viel Spass dabei.

Enrico C. die Abrissbirne – Chronik einer tiefen Feindschaft Vol. 1

Enrico C. die Abrissbirne – Chronik einer tiefen Feindschaft Vol. 2

Jamie

Biografie eines Vierbeiners

 

 

 

 

Ich liebe ja gerade die Bücher sehr, die mich dazu bringen an Meinungen zu rütteln, bestimmte Dinge in Frage zu stellen oder auch zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Das Buch von Miriam Heruth ist so ein Buch.

Als ich den Klappentext des Buches „Jamie“ von Miriam Heruth durchlas, war meine Reaktion verhalten. Okay, dachte ich ein Hund aus schlechter Haltung findet ein schönes Zuhause. Augenblicklich hatte ich eine feste Vorstellung von der gesamten Story. Wie ich dann beim Lesen feststellte, kann man sich aber auch mal irren. Soviel sage ich schon mal vorab, der Klappentext dieses Buches wird seinem Inhalt absolut nicht gerecht.

 

Gut unterhalten ins Ungewisse lesen

 

Dieses Buch geht inhaltlich nie den erwarteten Weg, der Leser wird immer wieder durch unerwartete Wendungen überrascht. Ich selber habe sehr schnell aufgehört mir darüber Gedanken zu machen, was wohl als Nächstes passieren wird, ich ließ mich einfach treiben.

Die Erzähler lösen sich in diesem Buch nahtlos ab, da muss man ab und an schon mal richtig gut aufpassen, dass man nicht den Anschluss verliert. Da berichtet Jamie, der Dalmatiner, über Erlebnisse, Gefühle und Wünsche. Dann wiederum erzählt Miriam Heruth von ihrem Beruf, der ihr eine so ganz andere Sichtweise auf das Leben ermöglicht. Später gesellt sich noch Ridgeback Hündin Laila zu dem Erzähler Team und bereichert das Buch durch ihre Beiträge. Diese Wechsel machen das Buch lebhaft und interessant.

 

Emotionen und Skepsis vereint auf einem Pfad

 

So fesselnd die Lebenswege der drei Protagonisten und ihr Zusammentreffen auch sind. Was dieses Buch in meinen Augen so besonders macht, ist dass es Emotionen zum Leser transportiert und zwar ganz pur und unverfälscht. Ich habe selten vorher ein Buch gelesen, bei dem ich so stark mitempfunden habe.

 

Wer mich kennt weiß, dass ich dem Themen-Komplex Tierkommunikation gegenüber skeptisch eingestellt bin. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass es für mich so wenig greifbar ist. Beim lesen hatte ich einige Momente, die mich stutzen ließen … aha, so gehts auch … vielleicht ja doch … hmmm, darüber muss ich einmal nachdenken. Ich will nun nicht behaupten, dass dieses Buch meine Skepsis gänzlich verschwinden ließ, das wäre viel zu weit gegriffen. Wenn allerdings der Glaube an bestimmte Kommunikationswege, egal ob ich es nun nachvollziehen kann oder nicht, zu einem so innigen Verhältnis wie zwischen der Autorin und ihren Hunden führt, hinterfrage ich das nicht mehr. Dann ist doch alles richtig gelaufen.

 

Fazit

 

Meine Großmutter hat immer gesagt „Es gibt mehr Dinge im Himmel und auf Erden, als Deine Schulweisheit sich träumen lässt“. Also in diesem Sinne, liebe Miriam Heruth: „Danke für dieses so besondere Buch, ich habe mich sehr gut unterhalten. Und ein wenig nachdenklich bin ich auch geworden.“

 

 

Kurzinterview mit der Autorin Miriam Heruth

 

Foto: Miriam Heruth

Goodfellows: Man liest häufig von der sogenannten artgerechten Auslastung der Hunde. Was verstehen Sie darunter?

 

Miriam Heruth: Eine artgerechte Auslastung für einen Hund bedeutet in meinen Augen nicht nur mit ihm Gassi zugehen. Wie lange und wie oft, hängt von der jeweiligen Rasse und den damit verbundenen Bedürfnissen ab. Ausgesprochen wichtig finde ich es, wenn man nur einen Hund hat, so wie ich momentan, seinen Hund mit Artgenossen rennen und toben zu lassen. Hunde sind Rudeltiere und brauchen den Kontakt zu Ihresgleichen. So freue ich mich auch, wenn ich  kleine Hunderassen auf der lang gestreckten Hundewiesen treffe.

Meine jetzige Ridgeback-Hündin Nala, ist zwar von ihrer Rasse her ein Laufhund, aber am Rad zu laufen ist ihr zu langweilig. Sie möchte lieber mit Ihresgleichen rennen, toben und hopsen, hat ja auch ein Einzelhundeschicksal. Wenn wir alleine unterwegs sind, dann beschäftige ich sie immer mal zwischendurch mit Dummysuche, kleinen Übungen fürs Köpfchen – durch die Beine gehen – im Kreis drehen – oder Kreativ-Übungen. Sie muss sich was ausdenken, was dann belohnt wird. Da sie nie bellt, wird in dem Zusammenhang auch bellen belohnt.  Die Zeit beim Gassigehen gehört meinem Hund.

Das Eine ist das Draußen sein, wir schaffen täglich Minimum 2 Stunden und das Andere die Kopfauslastung. Hunde leben in einer Geruchswelt, die uns Menschen in den Dimensionen einer Hundenase verborgen bleibt. Das für die Auslastung des Hundes zu nutzen, bedient seinen ausgeprägtesten Sinn. Das muss nicht immer gleich Mantrailing sein, wobei Nala es liebt und wir einmal pro Woche mit einer Hundetrainerin trailen. Alleine Futter im Haus, im Garten, in der Wohnung oder beim Gassigehen zu verstecken bringt Abwechslung in den Hundealltag und stärkt das Mensch-Hund-Gefüge. Darauf kommt es ja letztendlich an, bei und mit seiner Aufmerksamkeit beim Hund zu sein. Wenn mein Hund spürt, dass ich bei ihm bin, ihn zur Not auch beschütze, so dass er, wenn er unsicher ist zu mir kommt, dann braucht es auch nicht viele Worte um ihn zu führen. Das Gesamtpaket ist in meinen Augen eine artgerechte Auslastung.

 

 

Goodfellows: Wenn Sie die Wahl hätten, was würden Sie am Verhältnis der Hundehalter untereinander ändern?

 

Miriam Heruth: Da fällt mir natürlich als erstes mehr Verständnis für Hunde ein, die nicht so kompatibel sind. Aber viele Missverständnisse unter Hundehaltern entstehen aus Unwissenheit oder aus der eigenen Angst heraus. Ich glaube, wenn Halter ihre Hunde besser lesen könnten, sie in ihrer Kommunikation besser einschätzen könnten, würde der Mensch seine Angst verlieren und der Hund dürfte Hund sein. Hunde sind im Grundwesen sozial kompetente Lebewesen, von denen wir uns eine Scheibe abschneiden können. Unsere Hunde lesen in kürzester Zeit, wie in einem aufgeschlagenen Buch in uns – sie durchschauen uns und sind gleichzeitig von uns abhängig. Wenn wir Angst haben, spüren und riechen sie unsere Hormonausschüttung und reagieren darauf. Je entspannter wir sind, um so entspannter ist unser Hund. Die berühmte Wechselwirkung.

Nun gibt es nicht nur Hundehalter die ihre Angst auf den Hund übertragen sondern auch ängstliche Hunde. Wenn ich das sehe, lasse ich meinen nicht auf den Anderen zurennen, beim beliebten Mobben (Hunde können das auch) unterbinde ich das. Und an der Leine vermeide ich Hundekontakt, da keiner von beiden ausweichen kann. Für mich Grundregeln im Miteinander.

Jamie, mein Dalmatinerrüde nannte unser Hundetraining immer Menschentraining. Heute weiß ich, dass er damit nicht verkehrt lag. Ich hatte damals viel zu lernen.

 

Goodfellows: Könnten Sie sich vorstellen, wieder einmal ohne Hund zu leben?

 

Miriam Heruth: Laila starb in der Nacht ohne Vorankündigung, das war gefühlt wie heimlich sterben. Und Jamie hörte nach Lailas Tod auf zu fressen und verstarb zwei Monate später. Wenn ich ehrlich bin, wollte ich nie wieder einen Hund haben. Fast ein Jahr lang weigerte ich mich strickt, eine neue Hundeseele aufzunehmen. Ich hatte nicht den Mut, noch einmal verlassen zu werden. Jetzt muss ich zugeben; Nala macht ihrem Namen Ehre, sie ist mein Geschenk von Jamie und Laila und tut mir unendlich gut. Früher habe ich über den Spruch: „ Einmal Hund immer Hund“ , gelacht. Heute begreife ich deren Tragweite.

 

Goodfellows: Haben Sie einen Lieblingsort und warum ist er das?

 

Miriam Heruth: Ich habe viele Lieblingsorte. Orte wo wir durch den Wald streifen und ich das Gefühl habe, aufzutanken. Orte, wo jetzt Nala Spielkameraden findet.

Orte, wo ich mich mit Freunden treffe und die Hunde herumtollen können. Auch einsame Orte während der Läufigkeit. Berlin, wenn ich meine Familie besuche und all die Orte von Freunden. Amrum ist mit seinem breiten Kniepsand Strand mein Favorit für einen Urlaub und Bergwandern liebe ich noch aus der Zeit als ich in Murnau lebte.

 

Goodfellows: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, den Menschen im Umgang mit Hunden eine bestimmte Fähigkeit zu verleihen, welche wäre das?

 

Miriam Heruth: Sehen – fühlen – verstehen – vertrauen und die Angst loslassen – in die Liebe mit unseren Hunden gehen. Ein Hund verfügt über eine Herzenergie die uns Menschen leider nur selten offenbar wird. Leider kann ich mich da nicht ausschließen, aber ich bemühe mich.

Mein Wunsch ist es, unseren Hunden ein artgerechtes Leben zu ermöglichen, sie nicht als Ersatz zu menschlichen Beziehungen zu sehen, ihnen Raum geben Hund zu sein – sie zu sehen.

Das größte Geschenk von ihnen an uns ist, sie wie durch einen unsichtbaren Faden zu führen. Ein Gefühl der Einheit – beglückend und erlösend – ein Geschenk.

 

Wer ist Miriam Heruth

 

Foto: Miriam Heruth

Miriam Heruth ist selbständige Osteopatin. In ihrem Beruf benötigt sie eine besondere Wahrnehmungsfähigkeit. Durch Fortbildungen hat sie diese für ganz besondere Wahrnehmungsbereiche, die im Alltag kaum genutzt werden, sensibilisiert.

Weitere Fortbildungen zum Thema Tierkommunikation erlauben es ihr, im Zusammenleben mit ihren Hunden deren vielfältige Kommunikationsebenen untereinander zu erkennen und letztendlich von ihren Hunden zu lernen, wie der Mensch mit ihnen eine Einheit bilden kann. Eine besondere Begabung. (Quelle: ihleo Verlag)

 

 

Jamie

Autor: Miriam Heruth

Verlag: ihleo Verlag

ISBN: 978-3940926852

Preis: Taschenbuch 9,95 Euro

 

 

 

 

 

 


 

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Dogwalk – Wie Hunde freudig folgen

 

Gemeinsam unterwegs – Ideen für eine glückliche Mensch-Hund-Beziehung

 

 

 

Kommunizieren und eine Einheit bilden

(Ursula Löckenhoff)

 

Auf unseren Spaziergängen treffen Finley und ich auch öfter auf größere Hundegruppen. Manchmal sind alle Halter dabei, ein anderes Mal hilft einer dem anderen aus und nimmt den Nachbarhund mit auf die Runde. Wieder ein anderes Mal treffen wir auf unsere örtliche Dogwalkerin mit ihrer Truppe. Es ist eigentlich egal, wen wir treffen. Es ist immer eine Herausforderung, nur aus unterschiedlichen Gründen.

 

Gemeinsam die Herausforderungen des Hundealltags meistern

 

Jedes Treffen ist auf seine Weise lehrreich. Stoßen wir auf unsere Plappertruppe, wissen wir, dass im Schnitt fünf bis acht Hunde unterschiedlichster Couleur quasi führerlos vor sich hin dümpeln. Die Begleit-Frauchen arbeiten den Dorfklatsch der letzten Woche auf. Für Finley und mich bedeutet das, dass wir die Entscheidung, ob es ein Zusammentreffen der Hunde geben soll oder nicht, ganz alleine treffen müssen.

Macht unsere Nachbarin X den Wald mit ihrer Dalmatinerhündin Daisy, die eher ängstlich auf andere Hunde reagiert, zusammen mit dem Berner Sennen Rüden Rufus von Nachbarin Y unsicher, dann weichen Finley und ich sofort auf einen anderen Waldweg aus. So vermeiden wir einen Konflikt zwischen den Rüden.

 

Zwischenmenschliche Kommunikation

 

Am einfachsten läuft es mit der Dogwalkerin aus unserer Vorstadt. Da ist alles abgesprochen. Ihre Hundegruppe ist sich selbst genug. Kontakt von außen ist nicht gern gesehen, was ich gut verstehen kann. Sie hat ihre Truppe im Griff. Die Hunde werden am Wegesrand abgesetzt und Finley und ich können ungehindert an ihnen vorbeigehen.

 

Jede Strategie eignet sich auch für die Einzelhundehaltung

 

Wie man Hunde so führen kann, ihnen klare Strukturen geben kann, ohne dabei auf klassische, operante Methoden der Hundeerziehung zurückgreifen zu müssen, zeigt Ursula Löckenhoff in diesem Buch.  Das Buch Dogwalk ist zwar auf das Zusammenleben mit größeren Hundegruppen ausgerichtet, dennoch finde ich, dass man auch als Einzelhundeführer sehr viel daraus lernen kann. Trifft man auf eine größere Hundegruppe ist das, was man aus diesem Buch lernen kann sicher hilfreich. Man kann das Gruppengefüge innerhalb der Gruppe sicherlich besser einschätzen. Vielleicht erleichtert es auch den Umgang der Menschen untereinander.Das wäre aus meiner Sicht sehr wünschenswert.

 

Sie liebt die Hunde, mag aber auch die Menschen

 

Was mir an diesem Buch so gut gefällt ist, dass die Autorin nicht nur versucht zu zeigen, wie man seinen Hund besser versteht und führt, sondern dass sie auch den Menschen, die das leisten sollen genug Aufmerksamkeit schenkt. Hemmungen abbauen, Stimmentraining, sich die eigene Körpersprache und Mimik bewusst machen, sind wichtige Faktoren, über die sich Hundehalter Gedanken machen müssen.

 

Der Leser lernt, warum sich sein Hund im Wald anders verhält als auf einer flachen Wiese. Dass die Stadt als Revier noch einmal andere Anforderungen stellt und wird von Ursula Löckenhoff über ein mentales Hindernis nach dem anderen geführt. Ursula Löckenhoff macht uns Menschen quasi geländegängig. Es gibt einen stetigen Wechsel, zwischen Regeln aufstellen und Freiraum geben und das alles ohne den Einsatz von Leckerchen. Belohnt wird durch Taten, Ruhezeiten oder Massagen und Ruhezeiten. So lernt der Mensch seinem Tier die Freiräume zu geben, die sinnvoll sind und eine innige Gemeinschaft mit seinem Tier zu bilden.

 

Fazit zu diesem Buch

 

Ich habe in diesem Buch viel von dem gelesen, was ich täglich praktiziere und noch mehr von dem, was ich täglich an Mensch- und Hund-Teams weitergeben möchte. Absolut lesenswert!

 

Wer ist Ursula Löckenhoff

 

Ursula Löckenhoff ist Hundephysiotherapeutin und aktive Tierschützerin. In ihrem Hundehotel „Bene Bello“ bietet sie Unterkunft mit Familienanschluss, macht Dogwalks mit ihren Hundegästen und leitet Trainings für Hunde mit Erziehungsdefiziten. Als Hunde- und Tierschutzexpertin ist sie regelmäßig Gast im Fernsehen.

 

Dogwalk

Wie Hundefreudig folgen

Autor: Ursula Löckenhoff

Verlag: Franckh Kosmos Verlag

ISBN: 978 344 0153 598

Preis: 24,99 Euro

 

 

 


 

 

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Von Wadenbeißern, Fußhupen und Grobmotorikern

Kleinhund versus Großhund, das muss nicht sein

 

Finley und seine Zwergschnauzerfreundin Loki

 

Mir als „Großhund-Besitzerin“ fällt immer wieder auf, mit wie vielen Ängsten doch Kleinhundehalter belastet sind. Sei es nun im Wald beim Spaziergang oder in den Posts in den FB-Hundegruppen. Das Ausmaß der Ängste ist manchmal erschreckend und die Schlussfolgerungen, die Halter kleiner Hunde daraus ziehen, gehen leider manchmal an den biologischen Realitäten vorbei.

Eigentlich, so dachte ich bei mir, kann man so einen Artikel ja überhaupt nicht schreiben, ohne dass man irgendjemandem dabei auf die Füße tritt. Aber kneifen wollte ich vor diesem Thema auch nicht. Ich habe es ehrlich versucht, der Gesamtsituation einigermaßen gerecht zu werden.

 

Kleine Hunde können große Hunde in die Schranken weisen

 

Die Perspektive, die ich gewählt habe ist eigentlich eher die einer Halterin eines großen Hundes, die die ganze Aufregung um das Thema ‚Groß versus Klein‘ oder ‚Klein versus Groß‘ nicht mitmachen möchte. Denn meiner Meinung nach, müsste es dieses „Versus“ nicht geben. Dieser Artikel ist also auch ein Erfahrungsbericht und Ihr werdet lesen, dass Finley und ich es geschafft haben, dass kleine Hunde und ihre Besitzer in der Regel vor Begegnungen mit uns keine Angst haben müssen.

 

Einmal die geballten Vorurteile

 

Foto: pixabay

In der Hundewelt geht es ja manchmal sehr grob und schonungslos zu. Lasst uns doch mal schauen, wo wir mit unserem Thema stehen:

Kleine Hunde sind keine richtigen Hunde, Wadenbeißer, Fußhupen, verwöhnte, kläffende Biester. Große Hunde sind tollpatschige, distanzlose Riesen, die ihre kleinen Artgenossen rücksichtslos überrennen.

Halter von kleinen Hunden halten es nicht für nötig, ihre verhätschelten Lieblinge zu erziehen und kümmern sich nicht um das Verhalten ihrer Hunde und wenn was passiert, sind immer die anderen schuld.

Halter von großen Hunden, ist es nur wichtig, dass ihr Großer zu seinem Recht kommt. Sie nehmen keine Rücksicht auf kleine Hunde, denn ihrer ist ja körperlich überlegen. Es ist ihnen egal, ob der Kleine sich verletzt.

Puhhh, ich bin erschöpft. Das sind mal grob zusammengefasst die Vorurteile, die wir Hundehalter uns täglich gegenseitig an den Kopf werfen. Irgendwo steckt da überall ein Fünkchen Wahrheit drinnen.

 

Der Mensch muss seine Ängste zuerst abbauen

 

Aber wisst Ihr was? NICHTS davon spielt in der Interaktion unserer Hunde untereinander eine Rolle! Wir Menschen sollten uns dringend fragen: „Über wessen Ängste sprechen wir hier eigentlich? Sind es nicht vorwiegend die Ängste von uns, den Hundebesitzern? Hunden ist das, was wir wahrnehmen, nämlich wie klein und verletzlich zum Beispiel ein Dackel, Pudel oder Jack Russel ist, vollkommen egal. Sie beurteilen ihre „Größe“ nicht nach der Rückenhöhe. Nein, Sie beurteilen das Ego ihres Gegenübers. Wie ist seine/ihre Körperhaltung, wie riecht er/sie, versteht er/sie meine Signale? Hunde sind da viel klüger als wir, denn sie wissen, dass es tatsächlich auf die inneren Werte ankommt.

 

Ein gutes Management hilft den Hunden

 

Foto: pixabay

Sicher, der Größenunterschied ist da, aber kann man das nicht managen? Ich behaupte ja.

Das Wichtigste ist meiner Meinung nach, dass die Halter auf beiden Seiten ein Bewusstsein für ihre jeweilige Verantwortung entwickeln und diese Verantwortung dann auch übernehmen. Diese Verantwortung wiegt meiner Meinung nach auf beiden Seiten gleich schwer. Und auf beiden Seiten – jetzt wird es brenzlig für mich – wird diese Verantwortung oft im gleichen Maße ignoriert.

 

Nehmen wir mal den Klassiker: Ein großer Hund läuft ungebremst auf einen kleineren Hund zu. Der kleine Hund zeigt deutlich an, dass ihm das unangenehm ist, das kümmert den Großen aber nicht. Nachdem alle Demutszeichen versagt haben, fängt er an zu kläffen, der große Hund macht trotzdem weiter.

 

Das Gefühl ausgeliefert zu sein ist unangenehm

 

Mich erinnert das irgendwie an meine Kindheitstage. Wenn meine Tante Thorwalde (Name nicht geändert) auf unseren Familienfesten auftauchte, lief es meistens folgendermaßen ab. Diese wirklich riesengroße, breitschultrige, blonde Frau schritt durch die Esszimmertür, steuerte dann den Kindertisch an, riss mich aus meinem Stuhl, drückte mich an sich und beerdigte mich dabei unter ihrem bebenden Tantenbusen. Dann zog sie mir mit ihren Fingern links und rechts, jeweils eine Falte aus der Wangenhaut und schüttelte meinen Kopf kurz hin und her und brüllte „na, meine Süsse“ in den Raum. Das war gruselig.

 

So in etwa stelle ich mir vor, muss sich ein kleiner Hund fühlen, wenn er von einem großen überrannt wird und Frauchen oder Herrchen beider Hunde nicht einschreiten. Ihr könnt‘ mir glauben, meine Tante war eine Seele von Mensch, sie liebte mich aufrichtig und sie wollte wirklich nur mal Hallo sagen. Das alles hat mir in der akuten Situation aber nicht wirklich weitergeholfen.

 

Gegenseitige Rücksichtnahme entzerrt die Situation

 

Im umgekehrten Fall, fühlen wir Großhundehalter uns aber auch manchmal falsch beurteilt. Wenn ein kleiner, aufgeregter Hund frei auf unseren angeleinten, großen Hund zuläuft, dann bellend vor ihm auf und ab springt, birgt das für den Kleinen gewisse Risiken.  Macht der kleine Hund das am vorderen Ende des großen Hundes, braucht dieser schon sehr viel Toleranz um das auszuhalten. Mal klar betrachtet springt der kleine Hund da jedes Mal in Richtung Schlund.

 

Keine gute Situation. Ich finde nicht, dass ein Hund, egal wie groß er ist, das unbegrenzt aushalten muss. Lässt der Hundehalter des kleinen Hundes das zu und reglementiert seinen Kleinen nicht, trägt er in meinen Augen die Hauptverantwortung für das Risiko seines Hundes.

 

Missverständnisse resultieren oft aus Unkenntnis

 

Ich habe solche Situationen mit Finley oft erlebt. Inzwischen lasse ich sofort die Leine fallen. Leider reagieren die Kleinhundehalter oft panisch, wenn ich das mache. Dabei entspannt es die Situation ungemein. Finley hat dann die Freiheit, von dem kleinen Hund wegzugehen und sich der Stalkerei zu entziehen. Setzt der kleine Hund nach, hindere ich diesen daran meinem Rüden zu folgen. Meist begleitet durch das Kopfschütteln der Kleinhundbesitzer, denn ihr Kleiner wollte doch nur spielen oder hallo sagen oder…. Und wenn ich ganz ehrlich bin, ist es genau das Verhalten, welches mich an einigen Kleinhundbesitzern total nervt. Man klärt die Situation für sie, weil sie es nicht tun und wird auch noch angemacht. Upsi, jetzt habe ich ja doch noch gemeckert.

 

Hundebegegnungen souverän durchstehen, das kann man üben

 

Im Idealfall übt man solche Hundebegegnungen mit seinem Hund schon von klein auf an. Das erfordert allerdings eine gewisse Toleranz auf allen Seiten und die Fähigkeit einen selbstkritischen Blick auf sich und seinen Hund zu werfen. Es muss einem klar sein, dass die Begegnungen menschliche Begleitung brauchen. Und vor allem ist es hilfreich, wenn die beteiligten Menschen ruhig und ausgeglichen in diese Begegnungen gehen. Die ersten Begegnungen sollten deshalb möglichst kurzgehalten werden, damit sich der Stresspegel beim Menschen und beim Hund nicht ins Unendliche hochschraubt. Und mit „Stress“ meine ich nicht nur Angst. Auch Freude und Spaß sind Stress und können zu Überreaktionen führen. Und was uns Menschen betrifft – eine klare Kommunikation in gegenseitigem Respekt füreinander, könnte schon viele Situationen entschärfen.

 

Ist der Halter entspannt, steigen die Chancen auf eine harmonische Begegnung

 

Ich behaupte jetzt einmal ganz frech: Es gibt so etwas wie Harmonie zwischen großen und kleinen Hunden, wenn ihre Halter es zulassen. Finley und ich zelebrieren das jeden Donnerstag- und jeden Samstagmorgen. Da treffen wir uns mit Colette, Loki, Fritz und Dave. Colette ist eine Französische Bulldogge und die Chefin der Gang. Finley würde ihr niemals widersprechen. Loki ist Finleys liebste Spielpartnerin, sie ist noch jung und er hat sie unter seine Fittiche genommen. Sheltie Dave ist etwas unsicher, deshalb hat Finley gelernt (unter Anleitung) etwas Temperament herauszunehmen, wenn er ihn begrüßt. Dave hat begriffen, dass Finley nicht sein Feind ist und sucht manchmal Deckung hinter dem Großen, wenn ein fremder Hund auf uns zukommt. Und Fritz, ja Fritzi ist ein lustiger Senfhund aus dem Tierschutz. In ihm vereinigen sich optisch alle Kleinhundrassen dieser Welt. Er und Finley haben sich akzeptiert.

 

Die Kommunikation beginnt bei uns Hundehaltern

 

Das alles ist uns Menschen, den Haltern der Gang, nicht geschenkt worden. Wir haben gemeinsam daran gearbeitet. Manchmal gab es Rückschläge, dann musste schon mal einer „Gagstas“ seine Runde alleine zu Ende gehen. Wir Menschen haben uns davon aber nicht verschrecken lassen und haben es beim nächsten Mal mit einer anderen Strategie versucht. Es hat funktioniert, weil wir es wollten und weil jeder von uns bereit war Kompromisse einzugehen. Wenn es heute mal Tage gibt, an denen es nicht so entspannt läuft. Zum Beispiel, wenn sich eine Läufigkeit bei den Mädels ankündigt, dann splitten wir uns auf, bis die Hormone wieder im Lot sind.

 

Den Rückschlägen nicht so viel Gewicht einräumen

 

Mein Fazit sieht wohl so aus. Ja, es gibt die rücksichtslosen Großhundbesitzer und ja, es gibt auch die sorglosen Kleinhundbesitzer. Aber an Ihnen müssen wir uns ja nicht orientieren.  Ein Feindbild aufzubauen ist niemals nützlich, dem nachzugeben schon gar nicht. Was uns bleibt ist es, unserem Hund zuzugestehen Begegnungen mit großen und kleinen Hunden zu haben. Es macht uns als Hundehalter selbstbewusster, wenn wir lernen diese Begegnungen zu managen und unser Hund bekommt die Gelegenheit seine sozialen Kompetenzen auszubauen. Es hilft schon viel, wenn der eigene Hund das kann.

 

 

Figaro, Figaro Vol.2 … Retriever-Cut vom Hundefriseur – ein Unfallbericht

Fegefeuer der Eitelkeiten

(Filmsatire 1990; James Cagney)

 

 

 

 

Quax, der Bruchpilot

(Komödie 1941; Heinz Rühmann)

 

Neulich hatte ich Euch ja von meinem ersten Versuch meinen wilden Kerl zu trimmen erzählt. Das Ergebnis war, sagen wir mal, semibefriedigend ausgefallen und ich hatte mir zuhause eine Menge Ärger dafür eingehandelt. Im Ergebnis hatte Finley ein Zickzack-Muster im Schweif – sehr akkurat durchgestuft – aber eben nicht dem Standard entsprechend.

 

Das Familiengericht, bestehend aus meinen zwei Töchtern Motte und Mausi, hatte mich dazu verurteilt, unseren Hund einer Hundefriseurin vorzustellen, sobald mein selbsterfundener Zickzack-Cut herausgewachsen war. Bis dahin war das Durchbürsten seines Fells das Höchste der Gefühle, was mir noch gestattet war. Ich war auf Bewährung. Die ganze Geschichte findet Ihr HIER.

 

Denn sie wissen nicht was sie tun

(Drama 1955; James Dean)

 

Finleys Fell brauchte etwa fünf Wochen, bis meine Schnippelsünden herausgewachsen waren. In dieser Zeit machte ich mich auf die Suche nach einem Hundefriseur, der Finleys Lockenpracht zu bändigen wusste. Die Internetrecherche ergab, dass es im Umkreis drei Hundefriseure zur Auswahl gab.

 

Direkt bei uns in der Vorstadt gab es den Salon „Ratzfatz“. Dessen Inhaber Stefan warb mit ein paar „Kundenfotos“ im Netz, die bei mir doch einige Zweifel an seiner Qualifikation hervorriefen. Auf einem dieser Bilder war ein ziemlich unglücklich dreinschauender Pudel zu sehen. In der Bildunterschrift hieß es optimistisch: „Peppi kann jetzt den Wind wieder spüren.“ Ich hatte hingegen den Verdacht, dass Peppi sich den Arsch abfriert und auf den Wind den er jetzt spüren konnte, ganz gepflegt pfeifen konnte. Ich endschied, dass „Ratzfatz“ zwar um die Ecke war aber trotzdem nicht unser neuer Hundesalon werden würde.

 

Dann war da noch der Hundesalon „Mona mit den Scherenhänden“ im angrenzenden Edel-Örtchen. Als Referenz gab die Coiffeurin an, „jahrelange Erfahrung im qualifizierten Umgang mit Hunden unterschiedlichster Haarlängen“ gemacht zu haben. Also das konnte wirklich alles oder nichts bedeuten. Ich rief an und fragte, ob sie schon mal das Fell eines Golden Retrievers gepflegt hatte.

Mona kicherte und sagte dann die bedeutungsschweren Worte: „Einen Retriiiifer nicht aber einen Rietreiwer schon. Das spricht man Rietreiwer aus. Natürlich habe ich einige davon die ich jedes Jahr schere…“

Nun unseren Finley sicher nicht. Soviel war, angesichts der totalen Absenz von Kompetenz schon mal sicher.

 

Das Schweigen der Lämmer

(Drama 1991; Jodie Foster/Anthony Hopkins)

 

Als Drittes erzählte man sich auf einer unserer Hundewiesen, dass es im angrenzenden Ammershausen* einen richtig guten Hundesalon gab. Die Friseurin hieße Anke und sei sehr erfahren im Umgang mit Hunden und die Ergebnisse ihrer Schnittkunst seien sehr zufriedenstellend gewesen. Zum Schutze der Anonymität der Protagonistin habe ich den Ortsnamen bis zur Unkenntlichkeit verändert. *augenzwinker

Also, sah ich mir die betreffenden Hunde auf der Wiese an und musste mir eingestehen, dass keiner wie Finley mit einem Zickzack-Muster im Schweif herumlief. Und Adressen, die man über Mund-zu-Mund-Propaganda bekam, waren ja schon immer die besseren Tipps – oder?

Ich rief also bei Anke an und machte einen Termin für Finley und mich. Es musste an einem Nachmittag sein, denn meine Tochter Mausi hatte es sich als Vorsitzende meines Bewährungsausschusses auserbeten, mitzukommen. „Vielleicht brauchst Du etwas Unterstützung“, hatte das Kind gesagt, von dem sein Kinderarzt einmal behauptet hatte, es müsse altersmäßig erst noch in seinen IQ hineinwachsen.

 

Haus aus Sand und Nebel

(Literaturverfilmung 2003; Ben Kingsley)

 

Wir fuhren also über die Stadtgrenze in Richtung Norden. Vorbei an einem großen See, der bei uns Hundeleuten ein sehr beliebtes Auslaufgebiet war. Gott sei Dank hatte ich Franziska, mein Navi dabei, denn wir verließen die befestigten Straßen und fuhren auf Schotter- und Waldwegen weiter. „In 200 Metern bitte rechts abfahren“, flötete Franzi mir von der Konsole zu. Die Gegend wurde immer einsamer. Im Rückspiegel sah ich wie mein Kind sich umschaute, dann sagte sie: „Maaan, das ist ja tote Hose hier. Wenn jetzt was schiefläuft, dann findet uns kein Schwein.“ „Ach was soll schon schieflaufen“, antwortete ich. Vielleicht war ich da eine Spur zu zuversichtlich gewesen.

 

In the Land of Blood and Honey

(Liebesfilm 2011; Angelina Jolie)

 

Ich bog rechts ab und am Ende des Weges standen wir vor einem alten weiß gestrichenen Siedlungshaus. Das Haus hatte einen viereckigen Vorbau, mit einem flachen Dach. In diesem Vorbau, der wohl früher mal ein Tante-Emma-Laden gewesen war, befand sich der Hundesalon. Über der hellblau gestrichenen Eingangstür hing ein Holz-Schild auf dem auf weißem Untergrund in großen pinkfarbenen Buchstaben das Wort „Fellmäuse“ zu lesen war. Das war offensichtlich der Name von Ankes Salon.

 

Überwältigt von so viel Kreativität und subtiler Werbekunst, stieg ich aus meinem Auto aus. Mausi und Finley folgten mir. Anke stürzte auf mich zu, hakte mich ein und flötete: „Willkommen bei den Fellmäusen. Wir machen das schon, was?“ Und in der nächsten Sekunde standen wir alle vier im „Behandlungsraum“. Anke plauderte indes munter weiter. Ihre Oma habe hier früher selbstgekochte Marmelade verkauft und was der Garten sonst noch so hergegeben hatte. Man hätte nach dem Krieg ja nichts gehabt und hätte aus Scheiße Gold gemacht, um die Familie durchzubringen. Äh, ja … tapfer die Omi …

 

Glaubensfrage

(Literaturverfilmung 2008; Meryl Streep)

 

Während Anke so plapperte, räumte sie schon mal die Gerätschaften zusammen, die sie gleich benutzen wollte. Ich sah ich mich inzwischen um. Der Innenraum war professionell ausgerüstet – soweit ich das überhaupt beurteilen konnte. In der einen Ecke stand eine Badewanne mit Seiteneinstieg und mitten im Raum ein Friseurtisch mit der Möglichkeit den Hund zu fixieren. An den Wänden standen zwei Regale, in denen unterschiedlichste Shampoos und andere Pflegemittel aufgereiht waren. Rechts daneben standen ein Tisch und zwei gemütliche Korbstühle.

 

Anke deutete auf die Korbstühle und sagte: „Das ist die Mutti-Ecke. Macht es Euch bequem.“ Ich unterdrückte die Bemerkung, dass wir Finleys Mutti gar nicht mitgebracht hätten und setzte mich. Anke stellte sich einen alten Gartenstuhl dazu und fragte: „Was soll denn gemacht werden?“ Ich atmete auf, denn endlich kam ich auch mal zu Wort. „Also Finley soll getrimmt werden. Das Fell soll dem Standard entsprechend geschnitten werden, nicht zu kurz. Also die Brust, der Schweif in Fächerform und die unteren Läufe und die Pfoten. Weißt Du, wie das bei den Golden aussehen muss?“

 

Lost in Translation

(Independentfilm 2003; Scarlett Johannsen)

 

„Na klar“, sagte Anke, sie sei regelmäßig Gast auf Hundeausstellungen. Sie wäre zum Beispiel in Cloppenburg, Rostock und Neumünster gewesen und habe sich bei diversen Züchtern schlau gemacht, wie so ein Retriever-Cut auszusehen hätte. Und: „Mit so einem sommerlichen Retriever-Cut, kann der Kleine die heiße Jahreszeit genießen.“ Okay, dachte ich, sie hat sich echt engagiert um vor Ort an die nötigen Kenntnisse zu kommen. Ich entspannte mich, blieb in der Mutti-Ecke sitzen und begann zu lesen.

 

Dann hörte ich dieses surrende Geräusch … Sssrrrrrr! Meine Nackenhaare stellten sich auf. Ich sah die Schermaschine in Ankes Hand und während ich „Nicht scheeereeeeennnn!!!!“ in den Raum brüllte, pflügte sie eine etwa 10 cm breite Schneise in das rotgoldene Rückenfell meines Jungen. Anke nahm das Gerät kurz hoch und sah mich verdutzt an.  Sie verstand meine Aufregung nicht und ich verstand nicht, wie sie auf diese total bekloppte Idee kam, nachdem zuvor die Worte „Brust Einkürzen“ und „nicht zu kurz“ gefallen waren. Wo zum Henker lag da das Missverständnis? Der Fachausdruck „Retriever-Cut“ war offenbar frei interpretierbar, genauso wie der Begriff „Fachkraft“.

 

Zeiten des Aufruhrs

(Drama 2008; Leonardo DiCaprio)

 

Hinter mir gab meine Tochter ein paar Japser von sich, Tränen kullerten über ihre Wangen. „Mama“, sagte sie vorwurfsvoll, „das sollte doch so nicht, oder?“ „Ne, so nicht“, antwortete ich. Ich starrte fassungslos auf die Lücke auf dem Rücken meines Hundes. In dieser Schneise hätten meine Mädchen ganz bequem ihre Playmobil-Flugzeuge landen lassen können. Mir fiel nicht mal ansatzweise ein, wie ich das zuhause plausibel erklären sollte.

Ich stotterte: „Wir haben nicht aufgepasst … das hätten … das Du hast Du doch auch nicht gesehen, oder …“

Meine Tochter, die sich inzwischen ganz offensichtlich gefangen hatte, antwortete in sehr aufgeräumten Ton: „Du bist hier die Erwachsene. Du hättest das verhindern müssen. Ich muss mich nur erschrecken.“ Touchè, da hatte sie natürlich recht, die liebe Kleine.

Finley blieb bei der ganzen Sache erstaunlich ruhig. Für ihn schien das Ganze ein Riesenspass zu sein. Er hatte aber auch keine Augen am Hinterkopf und konnte den Schaden nicht sehen.

 

There will be Blood

(Fiktiondrama 2007; Daniel Day-Lewis)

 

Anke hatte offenbar immer noch nicht verstanden, dass sie Mist gebaut hatte und redete auf mich ein. In meinem Kopf begann es zu rauschen, ich nahm nur Wortfetzen wahr, sie redete und redete – wenn sie doch nur endlich mal den Mund halten würde. Ich merkte, wie in mir langsam aber stetig die Wut hochkochte. Mein inneres Ooohhmmm!!! meldete sich gerade noch rechtzeitig, bevor der Siedepunkt erreicht war: „Gaaanz ruhig, Birgit. Atme durch, das Fell wächst nach. Und jetzt, pack zusammen und nix wie weg da!“ Also atmete ich durch und tat – fast – wozu mein inneres Ooohhmmm!!! mir gerade geraten hatte.

„Anke, pass mal gut auf“, leitete ich das folgende ein. „Ich weiß ja nicht mit wem Du auf diesen Ausstellungen gesprochen hast. Golden-Retriever-Züchter können es jedenfalls nicht gewesen sein. Ein Golden wird NIEMALS geschoren, wenn dafür keine medizinischen Gründe vorliegen. Das zerstört die Fellstruktur. Ein Golden braucht sein Unterfell. Im Winter wärmt es, und im Sommer kühlt es. DAS solltest Du als Profi MINDESTENS wissen.“

Anke wollte gerade darauf antworten, doch ich bedeutete ihr mit einer Geste dass sie schweigen sollte. Ich war in Fahrt: „Wir brechen das jetzt hier ab. Du hast mir vorhin offensichtlich nicht zugehört. Für so einen Murcks zahle ich keinen Cent, damit das schon mal klar ist!“ Daraufhin nahm ich mir, ohne eine Entgegnung abzuwarten, meinen Hund und mein Kind und rauschte in unserem Kombi vom Hof als wäre der Leibhaftige hinter uns her.

 

Was vom Tage übrig blieb

(Drama 1993; Emma Thompson)

 

Ein schlechtes Gewissen, weil ich den Laden ohne zu Bezahlen verlassen hatte, hatte ich nicht. Anke hat deswegen auch nie versucht Kontakt mit mir aufzunehmen. Wie hätte sie das auf der Rechnung auch formulieren sollen? Einmal Rückentabularasa … oder, einmal Flugschneisen-Undercut … oder, einmal Ridgeparadox …?

Zuhause angekommen, fielen meine kleine Bewährungshelferin und ich aufs Sofa. Müde und erschöpft betrachteten wir unseren Hund. Finley lag unbeeindruckt und friedlich eingekuschelt auf seinem Lieblingssessel. Und während ich ihn betrachtete und mir überlegte, wie ich den Schaden am besten kaschieren könnte, sah ich vor meinem geistigen Auge, wie kleine Playmobil-Flugzeuge auf seinem Rücken starteten und landeten, starteten und landeten …..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Facebook, Freundschaftsanfragen, Spendenaufrufe und andere Tierschützer

Ach, ich merk es! Wehe! wehe!

(aus Goethes Zauberlehrling)

 

 

 

 

Mir drückt was auf der Seele, irgendwas läuft schief im Staate Dänemark … ähm, auf meinem Facebook-Account.

Wenn man einen Hundeblog betreibt wie ich, ist man regelmäßig in den Sozialen Medien präsent. Denn schließlich habe ich ja auch ein Interesse daran, dass meine Geschichten von möglichst vielen Lesern gesehen werden. Facebook ist eines dieser sozialen Medien auf dessen Spielwiese ich mich deswegen fast täglich tummele.

 

Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los.

(aus Goethes Zauberlehrling)

 

Die Dynamiken auf Facebook folgen ihren eigenen Gesetzen. Und immer dann, wenn ich denke ich wüsste jetzt wie der Hase läuft, ändert Facebook die Algorithmen oder seine Firmenpolitik. Die Dynamiken ändern sich dann, zuerst zögerlich, dann rasant. Im Moment komme ich mir vor wie Goethes Zauberlehrling. Die Geister, die ich rief, überfluten mich.

Ich bekomme auf Facebook in letzter Zeit sehr viele neue Freundschaftsanfragen. Im Schnitt sind es 10 bis 20 neue Anfragen pro Tag. Nach einer längeren Dürrezeit empfinde ich das als viel. Per se ist das erst einmal sehr erfreulich. Dennoch macht es mir auch Probleme, weil auch die Bots und Spams dazulernen und zunehmend „anfragen“. Neue Spams werben für sich mit Hundefotos und angeblich „gemeinsamen Freunden“.

 

Immer neue Güsse bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse stürzen auf mich ein.

(aus Goethes Zauberlehrling)

 

Ruft man diese Profile auf, kann man aus den dort zur Verfügung stehenden Informationen nicht erschließen mit wem man es zu tun hat. Dazu müsste ich diese Freundschaftsanfragen annehmen. Was ich im Übrigen anfangs auch ganz blauäugig getan habe. Kaum hatte ich das getan, begann ein regelrechtes Spendenaufruf-Flooding. Könnte man sich im Internet vor dieser Überflutung durch das Verlegen von Sandsäcken schützen – ich hätte es getan.

 

Proportional zu den Zahlen der Freundschaftsanfragen wächst also auch die Zahl der Aufforderungen bestimmte Seiten zu liken, Petitionen zu unterschreiben oder zu spenden. Oftmals sind diese Seiten gefaked oder dienen vor allem nur der Reichweitengenerierung für Spendenaufrufe. Mit meinem Profil, meiner Einstellung zu Hunden oder meinem Blog haben sie herzlich wenig zu tun. Das könnte ich aber in der Regel erst feststellen, wenn ich diese Seiten liken würde. Das ist zeitaufwendig und auch extrem ärgerlich.

 

Nein, nicht länger kann ichs lassen;
will ihn fassen.
Das ist Tücke!

(aus Goethes Zauberlehrling)

 

Also muss ich mir etwas ausdenken, diese Freundschafts-Fallen, so empfinde ich diese Anfragen, zu umgehen. Ich muss die Dynamiken neu kennenlernen und einen Weg finden wie ich neue Freundschaften, an denen ich durchaus interessiert bin, von den Fakes unterscheiden kann. Besonders schwierig ist das für mich im Hundebereich, denn Hundefotos sind schnell heruntergeladen und ein real anmutendes Profil ist schnell erstellt.

In einer besseren, virtuellen Welt würde ich nur Anfragen von Menschen bekommen, die wirkliches Interesse an meinen Geschichten hätten. Ich würde nur Anfragen bekommen, von Menschen, die sich wirklich für meine Themen in- und außerhalb der Hundewelt interessierten. Leider sind die meisten Anfragen in der virtuellen Realität zielgerichteter. Eine ganz besondere Unart ist es geworden, dass man ungefragt zu irgendwelchen Gruppen hinzugefügt wird oder ungefragt markiert wird, zum Beispiel bei Spendenaufrufen. Mich stört das insbesondere im Bereich des Tierschutzes. So entsteht einfach ein falsches Bild von meinem Engagement.

 

Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!

(aus Goethes Zauberlehrling)

 

Vorab möchte ich klarstellen, dass ich natürlich weiß, dass es unzählige Tierschutzorganisationen gibt, die seriös arbeiten. Ihre zum größten Teil ehrenamtlich arbeitenden Helfer haben meinen Respekt. Ihre Arbeit ist gut und wichtig. Von Ihnen schreibe ich hier aber nicht.

Sicherlich werde ich mir mit diesem Artikel trotzdem den Zorn einiger Tierschützer zuziehen. Dennoch erlaube ich mir an dieser Stelle einmal Kritik. Die Vorgehensweise einiger Tierschutzgruppen, die ich in den letzten Tagen auf Facebook zwangsläufig kennenlernen „durfte“, kann man nur als unerträglich manipulativ, ihr Auftreten als erschreckend aggressiv bezeichnen. Die Botschaft ist klar: Wenn Du nicht spendest, bist Du ein schlechter Mensch. Und da sind manche Tierschützer gar nicht zimperlich im Umgang mit Menschen. Wer nicht mitzieht oder eine andere Meinung oder gar Kritik äußert,  wird oft als Verbrecher beschimpft, als wertlos dargestellt. Oft gipfeln diese Hasstiraden in Äußerungen wie, „man würde diesen Menschen keine Träne nachweinen, würden lachend und applaudierend zusehen, wenn sie elendig in einer Gasse verreckten…“.

 

Wehe! wehe! Beide Teile stehn in Eile
schon als Knechte völlig fertig in die Höhe!

(aus Goethes Zauberlehrling)

 

Eine dieser Organisationen hat mich, immer wieder durch ein anderes Mitglied, an einem einzigen Tag bei 12 Spendenaufrufen markiert. Das empfinde ich als bedrängend und nötigend. Man hat mitzumachen. Ich finde allerdings – nein, ich muss gar nichts, wenn es nicht meiner Überzeugung entspricht und wenn ich mich schon woanders engagiert habe. Meine Entscheidung!

Ich werde mir in nächster Zeit die Mühe machen, anhand der einzelnen Posts von Personen aus meiner Freundesliste herauszubekommen, wer meine FB-Freundschaft nur deshalb wollte, um mich für Spendenaufrufe zu markieren oder mich ungefragt irgendwelchen Tierschutzgruppen hinzuzufügen. Diese Connections werde ich kappen. Das möchte ich so nicht.

 

Ein verruchter Besen, der nicht hören will!

(aus Goethes Zauberlehrling)

 

Insbesondere verspüre ich überhaupt keine Bereitschaft mit Tierschützern zusammenzuarbeiten, die pauschal angeben, sie würden Menschen verachten oder Menschen seien ihnen zuwider. Wenn man in seiner Tätigkeit an einen solchen Punkt kommt, sollte man mal eine Pause einlegen, dann hat man die Bodenhaftung verloren.

Bei einem solchen Distanzverlust, sei er nun nachvollziehbar oder nicht, kann man keinen verantwortungsvollen Tierschutz mehr leisten. Zumindest müssen sich diese Tierschützer einmal fragen lassen, an wen sie ihre Tiere dann überhaupt noch vermitteln wollen.
Zu guter verantwortungsvoller Arbeit gehört bei vielen Berufen und ehrenamtlichen Tätigkeiten immer eine gesunde Distanz. Das gilt für Tierschützer genauso, wie für Polizisten, Krankenschwestern, Juristen oder Journalisten. Diese Distanz gibt einem die Fähigkeit auszuhalten was schief läuft und zu erkennen was möglich ist und was nicht.

 

Wie ich mich nur auf dich werfe, gleich, o Kobold, liegst du nieder

(aus Goethes Zauberlehrling)

 

Bitte habt Verständnis, dass ich in Zukunft anders mit Freundschaftsanfragen verfahren werde.

Zukünftig werde ich keine Freundschaftsfragen mehr annehmen, wenn ich aus dem Profil nicht ersehen kann, mit wem ich es zu tun habe. Ich weiß, wir gehen alle sehr vorsichtig mit unseren Daten um und das ist gut so. Meiner Meinung nach sollte man der FB-Gemeinschaft jedoch ein Gerüst von überprüfbaren Informationen zur Verfügung stellen. Wer es ernst meint, sollte zumindest die URL seiner Website zugänglich machen, damit man eine Möglichkeit hat zu sehen, dass man es mit einem realen Menschen zu tun hat.

 

Stock, der du gewesen, steh doch wieder still!

(aus Goethes Zauberlehrling)

 

Ja, ich bin engagiert im Tierschutz. Allerdings ist es mir, nur weil ich Hunde liebe, nicht egal in welchen Gruppen ich Mitglied bin. Ich suche mir das nach einer eingehenden Prüfung, gerne selber aus. Also seht bitte in Zukunft davon ab, mich ungefragt irgendwelchen Tierschutzgruppen hinzuzufügen. Ich möchte auch in Zukunft nicht ungefragt bei Spendenaufrufen markiert werden. Ob und für welche Oganisationen ich zu Spenden aufrufe, entscheide ich und sonst niemand. Fälschlicherweise entsteht sonst nämlich der Eindruck, ich stünde mit meinem Engagement hinter dieser Organisation. Tierschutzseiten, die mich weiterhin ungefragt markieren, werde ich entliken und melden. Das gilt natürlich nicht für Einladungen, die schaue ich mir gerne an und entscheide dann.

 

In die Ecke, Besen, Besen!
Seids gewesen.

(aus Goethes Zauberlehrling)

 

Bei Tierschutzseiten, die in einer Sprache abgefasst sind, die ich nicht spreche, bin ich raus. Taucht mein Name da auf, könnt Ihr davon ausgehen, dass ich entweder nichts davon weiß oder dass man mich gegen meinen Willen hinzugefügt hat. Dazu gehören Seiten auf Rumänisch, Russisch, Thailändisch und überwiegend allen anderen slawischen und asiatischen Sprachen. Das bedeutet nicht, dass diese Menschen keinen guten Tierschutz betreiben. Das kann ich nicht beurteilen. Und da liegt die Krux in der Sache. Wenn ich mich engagiere, dann verstehe ich gerne, was vor sich geht und da ich diese Sprachen nun einmal nicht spreche, ist das nicht gewährleistet.

 

Ich engagiere mich vorwiegend im Inlandstierschutz und verlasse mich, was den Auslandstierschutz betrifft, vorwiegend auf einen eingeschränkten Personenkreis mit guten, persönlichen Kontakten in das entsprechende Land. Diese Menschen sind mir persönlich bekannt und haben in den letzten Jahren bewiesen, dass man ihnen trauen kann. Und wegen diverser, fehlgeleiteter Anfragen in letzter Zeit sage ich ganz deutlich: ICH SELBER VERMITTLE KEINE HUNDE! Ich berichte darüber oder zeige mal einen Hund, den andere vermitteln.

 

Und nun kann ich hoffen, und ich atme frei!

(aus Goethes Zauberlehrling)

 

Ich hoffe, dass es mir so leichter fallen wird, die echten Account aus den Gefakten herauszusieben. Aus juristischen Gründen habe ich in diesem Artikel bewusst darauf verzichtet, Namen der einzelnen Tierschutzorgas zu benennen. Ich werde sie auch per PN nicht preisgeben. 😉 Denn wie schon oben erwähnt, ich kann über die Qualität ihrer Arbeit nicht urteilen.

 

 

 

 

 

Frau Nörgel, ein Blümchenpyjama und ein Fitnessguru

Finleys Unterhaltungsprogramm zum Wochenende

 

 

 

Die Stille genießen – nicht bei uns

 

Manchmal gehen Finley und ich auch am Samstag ganz früh raus. Um 6.30 Uhr liegt unsere Siedlung noch im Tiefschlaf. Wenn wir dann schläfrig durch unseren Garten gehen, herrscht eine ganz ruhige, friedliche Stimmung. Das sonst eher leise Quietschen unserer Gartenpforte erscheint dann plötzlich störend laut.

Doch dieses Mal wurde die Stille von einem anderen Geräusch unterbrochen. „Aaaaahhhh….“, dröhnte es über den Bonanza-Zaun. Finley und ich zuckten zusammen. Das war nicht unsere Pforte gewesen, nein das Stöhnen kam eindeutig aus dem geöffneten Panoramafenster meiner Nachbarin Frau Nörgel. Die Gardinen waren zurückgezogen und die Laute, die in den jungfräulichen Morgenhimmel entwichen, hörten sich sehr gequält an.

Frau Nörgel, für diejenigen, die sie noch nicht kennen, ist meine Nachbarin und meine persönliche Vorstadt-Nemisis. Sie hat uns alle, insbesondere mich, unter Wind und ist sofort am Zaun, wenn ihrer Meinung nach, etwas aus dem Ruder läuft in unserer Siedlung. Dabei ist es ihr total gleichgültig, ob sie die Geschehnisse etwas angehen oder nicht. Weitere Geschichten, in denen Frau Nörgel eine Rolle spielt, findet ihr am Ende dieses Artikels.

 

Ein ganz besonderes Panorama am Fenster der Nachbarin

 

Doch zurück zum Samstagmorgen. Finley tappelte unruhig auf seinen Pfoten hin und her. „Fiiiebwer, Seufzwas, Grummelwohin, sollichhelfennnn …“, schnaubte er verwirrt. Er überlegte wohl kurz, ob er versuchen sollte, mit einem großen Satz durch Frau Nörgels Fenster zu springen. „Warte mal kurz, mein Dicker“, sagte ich, „ich schau mal nach, was da los ist.“ Langsam schlich ich mich an das nörgelsche Panoramafenster heran und wagte einen scheuen Blick ins Wohnzimmer.

 

Eightys-Revival im Wohnzimmer

 

Wow! Was ich dort erblickte, machte mich sprachlos. Ich hatte alle Mühe ein Kichern zu unterdrücken. Frau Nörgel kniete vor ihrem Fernseher und war in das Morgenprogramm eines Lokalsenders vertieft. Ich sah einen Mann in Boxershorts, Muscle Shirt, weißen Socken und Sportschuhen. Fokuhila-Frisur und Stirnband deuteten darauf hin, dass es sich um eine etwas ältere Sendung handelte. „Hacke, Spitze, Hacke, Spitze“, skandierte der Mann. Hinter ihm hüpften vier stark geschminkte, blond gelockte Damen in pinkfarbenen Sportklamotten auf und ab.

 

Fitness in den Achtzigern – einfach gnadenlos

 

„Ja-das-soll-wehtun, das-soll-ziehen-und-brennen…“, feuerte Fokuhila-Joey seine Mädels und meine Frau Nörgel an. Offenbar war der Mann sadistisch veranlagt, anders konnte ich mir seine Worte nicht erklären. Wie wäre es denn mal mit, „hey, das soll Euch Spaß machen“ und „passt auf, dass Ihr nicht kollabiert“? Frau Nörgels Gesichtsfarbe hatte inzwischen ein strahlendes Pflaumenblau angenommen und auch bei den blonden Schönheiten im TV konnte das perfekte Achtziger-Jahre-Make Up nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass ihre Körper komplett übersäuert waren. Das alles kommentierte der gnadenlose Fitness-Frontman mit einem lapidaren: „Tja, meine Damen – von nichts kommt nichts.“

 

Cool down, Atemtechniken, alles gut

aber beim Outfit ist noch Luft nach oben

 

Immer zuerst an das Gute im Menschen glaubend, ging ich erst einmal davon aus, dass es sich hier tatsächlich nur um Frühsport handelte, so wie man das in den achtziger Jahren eben gemacht hatte. Jetzt erst bemerkte ich Frau Nörgels Outfit – einen hellblauen Blümchenpyjama, Model „Stretch 2006, Frühlingsfrische rund ums Jahr“.

Ich lehnte mich kurz an Frau Nörgels weiß gestrichene Hauswand atmete durch und versuchte mit aller Kraft nicht los zu prusten. Aus dem Fenster drang psychedelische Musik. Es ging einfach nicht anders, ich musste noch einen Blick riskieren. Der Marquis de Sade der Fitnesswelt war offenbar am Ende seines Trainings angelangt. Er versuchte nun, den Puls seiner Probandinnen mit ein paar gezielten Atemübungen, wieder auf ein Normalmaß zurückzubringen.  „Aaatmeeet in Eure Mitte, in den Bauch, durch die Beine, iiin Eure Füße hinein“, umschmeichelte seine Stimme die völlig ausgelaugten Frauen.

 

Obidience für Vorstadtrentner

 

Frau Nörgel war hochkonzentriert, sog mit aller Kraft, Luft in Ihre Lungen hinein und wartete auf weitere Anweisungen vom Fokuhila-Joey. So aufgebläht, bemüht den eingeatmeten Sauerstoff, den Anweisungen gemäß in ihre Füße zu pumpen, stand sie da und wartete und wartete und wartete …
Ich fing langsam an mir Sorgen zu machen, meine Nachbarin wirkte nicht sehr entspannt, eher verkrampft.

Endlich hatte der Fitnessmensch ein Einsehen und erlöste die arme Frau, kurz bevor sie explodieren würde: „Jetzt klappen wir zusammen und stoßen die ganze Luft in unserem Körper nach draußen.“

Frau Nörgel, gehorchte ohne zu zögern. Blitzschnell kippte sie nach vorne. Dabei streckte sie ihren geblümten Allerwertesten in voller Pracht Richtung Panoramafenster. Obidience für Vorstadtrentner, bei dem Tempo war Frau Nögel sicherlich eine heiße Anwärterin auf den Meistertitel. Sie atmete schwer, stöhnte und seufzte herzzerreißend und wiederholte den ganzen Vorgang mehrere Male.

 

Finley will Genugtuung

 

Finley stupst mich an: „Los sag‘ schon, was ist da los?“ Geduld war ja noch nie seine Stärke. „Also, Frau Nörgel steht im Blümchenpyjama vor dem Fernseher und streckt den Hintern zum Fenster raus“, fasste ich das Geschehen, nicht ganz detailgetreu, für meinen Rüden zusammen.

Finley verzog das Gesicht. Dann sagte er entrüstet: „Na die ist gut. Bei jedem Haufen, den ich in Sichtweite absetze, flippt sie total aus und jetzt streckt sie uns ihren Popo entgegen?“ Und weiter: „Das ist doch eindeutig unerwünschtes Verhalten, Birgit. Das sollten wir nicht positiv verstärken!“

 

Ich will ja nur ihr Bestes…

 

Ich dachte kurz nach. Ich hätte jetzt leise abtreten können. Hätte ein paar Restbestände Empathie zusammenkratzen können und still wie ein Mäuschen in meinem Bau verschwinden und mein Blümchentrauma mit einem heißen Kaffee herunterspülen können. Tja, was soll ich sagen … es ging einfach nicht. Finley hatte es auf den Punkt gebracht. Nach allem, was wir mit Frau Nörgel schon erlebt hatten, war es da nicht unsere Verpflichtung, sie nicht einfach diesem Folterknecht der Aerobic-Szene zu überlassen? *Unschuldsaugenaufschlag

 

Frau Nörgel, ich bin für Sie da …

 

Leise, ganz leise habe ich mich zurück zu Frau Nörgels Panoramafenster geschlichen, ihren geblümten Hintern fest im Blick. Dann habe ich wirklich alles, was ich an Theatralik und Pathos in mir finden konnte, in meine Stimme gelegt und entsetzt gerufen: „Frau Nörgel, brauchen Sie Hilfe, ist ihnen schlecht? … Kann mir jemand helfen – Frau Nörgel ist zusammengeklappt! Mein Gott, Sie röcheln ja …“

Frau Nörgel schoss hoch wie ein vom Bogen geschossener Pfeil. Der Kopf dunkelrot angelaufen, die Mireille-Matthieu-Frisur derangiert, blickte sie sie mir panisch ins Gesicht. „Pssschhhhttt“, machte Frau Nörgel und ruderte dabei mit den Armen, „leise … nein alles … ich mache doch nur … also Frühsport mit dem WDR … das ist für die Fitness … trotzdem danke … äh, wie nett … ähäm, ja dann mache ich mal … ich war ohnehin fertig …“

„Na Gottseidank, dann ist ja alles gut“, sagte ich mit Unschuldsblick. Dann ließ ich meinen Blick zum Abschied noch einmal genüsslich über Frau Nörgels Blümchen-Alptraum gleiten und verabschiedete mich formvollendet.

 

„Oh, what a beautiful mornin‘, oh what a beautiful day
I got a beautiful feelin‘ everything’s goin‘ my way …“

(Frank Sinatra)

 

„Es gibt Samstage, die könnten nicht besser beginnen, was Finley“, sagte ich lächelnd zu meinem Dicken.

„Hihihiii … das kann man wohl sagen. Manchmal ist das Leben doch gerecht“, antwortete mein Schlingel und pieselte gegen Frau Nörgels Rhododendron. Dann gingen wir Zwei fröhlich in den Wald und atmeten ganz tief in unsere Mitte, in den Bauch, durch die Beine, in unsere Pfoten … äh, Füße hinein …

 

Mehr von Frau Nörgel, findet Ihr hier:

 

Wenn Ihr meine Nachbarin Frau Nörgel genauso gern mögt, wie ich, dann findet Ihr unter den folgenden Links weiteren Lesestoff. Einfach auf die Überschriften klicken und Ihr landet beim Artikel.

Booombangebang – Silvestergeschichten aus der Vorstadt

Danke Frau Nörgel oder wie Finley zu seinem Namen kam