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Angeleint! Entspanntes Leinentraining für Mensch und Hund

Das neue Buch von Katharina von der Leyen

 

 

Es ist ja kein Geheimnis mehr, dass Finley und ich ab und an ein klitzekleines Problem mit der Leinenführigkeit hatten. Finley glaubte, dass jeder Spaziergang nur dazu da war, dass er im Turbotempo frischen Spuren nachschnüffeln durfte oder dazu, dass er die Rüden aus unserer Straße verhauen durfte. Vive la Liberté!

 

Leinenführigkeit – ein Unwort für Finley

 

Ich hingegen glaubte fest und unverbrüchlich daran, dass Spaziergänge meiner Erbauung, meiner Entspannung und der Stärkung meines inneren Ooohhmmms dienen sollten. Theorie und Praxis lagen da oft sehr weit auseinander. Finley reichten im Schnitt schlappe drei Meter um mich in die Realität zurück zu katapultieren.

 

Menschen, schaut zuerst auf Euch

 

Hätte es dieses Buch von Katharina von der Leyen damals schon gegeben, wäre es mir eine große Hilfe gewesen. Neben praktischen Anleitungen, wie Schritt für Schritt Teilziel nach Teilziel zu erreichen sind, zieht sich eine Botschaft wie ein roter Faden durch alle Kapitel dieses Buch:

„Wenn es zwischen Dir und Deinem Hund nicht funktioniert, schau zuerst auf Dich und frage Dich was Du an Deinem Verhalten ändern kannst, damit Dein Hund kooperiert.“

 

Der Hund als Spiegel menschlichen Empfindens

 

Immer wieder macht die Autorin darauf aufmerksam, dass Hunde in der Regel direkte Reaktionen auf das menschliche Verhalten ihrer Halter zeigen. Sie macht das auf eine sehr sachliche Art und ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Sie erklärt einfach und verständlich wie Stimmungsübertragungen über die Leine funktionieren und wie man es umgehen kann, dass das falsche Signal beim Hund ankommt.

 

Hundeverhalten verstehen, ist schon die halbe Miete

 

Der Trainingsansatz, den Katharina von der Leyen aufzeigt, ist kein stures Ableisten von Arbeitsdrill sondern orientiert sich am Verhalten und der Erlebniswelt unserer Hunde. Das erscheint auf den ersten Blick vielleicht wenig konkret, ist aber bei näherer Betrachtung ein freundlicher und entspannter Weg zu einem guten Zusammenleben mit unseren Hunden. Letztlich ist alles was die Autorin schildert, anrät und erklärt, logisch nachvollziehbar und mit sehr wenig Aufwand nachzumachen.

 

Unbedingt lesen – es hilft egal wie lange ihr schon einen Hund habt

 

Finley und ich haben unser Leinenproblem in den vergangenen Jahren mit einigen geringen Abweichungen auf diese Art gelöst. Es ist nicht immer der Weg des schnellen Erfolgs aber der Weg zu einer nachhaltigen, zuverlässigen Erziehung unseres Hundes. Und wenn es zwischendurch mal wieder hakt, was durchaus vorkommt, frage ich mich: „Was habe ich an meinem Verhalten geändert, dass Finley so reagiert?“ Außer bei Katzen, da weiß ich, die hasst er wirklich. Da hilft auch kein Leinentraining.

 

Als Fazit lässt sich sagen, dass ich dieses Buch jedem Hundehalter guten Gewissens empfehlen kann. Es lohnt sich, sich einmal auf diesen anderen und wohltuenden Ansatz in der Hundeerziehung einzulassen.

 

Zur Autorin:

Katharina von der Leyen arbeitet seit den 80er Jahren als Journalistin für das „Who is Who“ der Printbranche von der „Bunten“ über die „Vogue“ oder die „Bild am Sonntag“ bis hin zur „Zeit“. Ihr Herz hat sie aber schon vor vielen Jahren dem Thema Hund verschrieben. Sie dokumentiert das Zusammenleben mit ihren mittlerweile acht Hunden (die Pflegehunde nicht mitgezählt) im eigenen Online Magazin Lumpi4, in Tageszeitungen und zahlreichen Büchern.

So ist sie im Laufe der Jahre zu einer der bekanntesten Hundeexpertinnen Deutschlands für die Haltung und das Zusammenleben zwischen Mensch und Hund geworden. Die Autorin hat nach eigener Aussage bis heute noch nie einen Hund getroffen, den sie nicht mochte.

 

Angeleint!

Autor: Katharina von der Leyen

Verlag: GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH

ISBN: 978 3833 866 456

Preis: 19,99 Euro

 

 


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Kamikaze-Otto der Jopi Heesters unter den Eichhörnchen

Mit seinem Charme wickelt er die Vorstadtkatzen ein

 

Foto: pixaby

 

 

Machtverhältnisse, das können wir ja derzeit gut in der menschlichen, politischen Landschaft beobachten, sind nicht für die Ewigkeit geschaffen. Trotzdem, was ist eigentlich mit unseren Vorstadtkatzen los? Da arbeiten sie seit Jahren an der feindlichen Übernahme unserer Vorstadtsiedlung und lassen keine Gelegenheit aus, die hier ansässigen Hunde in den Wahnsinn zu treiben und dann das. Sie unterwerfen sich einem Eichhörnchen!

 

Ich hatte Euch ja neulich (Lest mal HIER) von Kamikaze Otto erzählt, Ihr wisst schon dem Navy Seal unter den Eichhörnchen… zu Wasser, zu Lande und auf dem Baum … Hoooaahh! Er wohnt noch immer auf den drei Eichen, die am Ende unseres Vorstadt-Garagenhof stehen und ich habe den Verdacht, er wird niemals wieder weiterziehen. Warum auch denn hier bei uns in der Vorstadt läuft alles super für ihn.

 

Das Katzenterritorium ist in Gefahr

 

Die drei Eichen waren einmal pures Katzengebiet, besonders im Sommer. Da versammelten die „Samtpfoten“ sich regelmäßig in der Vorabendsonne und teilten ihre Claims unter sich auf.

Pauli, der weiße Ragdoll-Kater ist der Katzenchef hier bei uns im Vorstadtring. Er ist wunderschön und er weiß das auch. Darüber hinaus ist er aber auch sehr verwegen und hat ein nicht zu unterschätzendes Organisationstalent. Er teilt den anderen Katzen, die hier wohnen, ihre Aufgaben zu.

Die pummelige Tigerkatze Mitzi ist so etwas wie seine Generalsekretärin und Vertraute. Sie ist die Schnittstelle für Beschwerden und teilt auch schon mal – auftragsgemäß – ein paar Pfotenhiebe an insubordinative Untertanen aus.

 

Jeder Rüde im Ring hatte schon schmerzhafte Begegnungen mit Mitzis Krallen

 

Nahezu jeder im Ring wohnende Rüde, der etwas auf sich hält, hat von Mitzi schon eine Schmarre einkassiert. Bei Finley war das rechte Ohr betroffen und das hat Mitzi ein paar sehr kalte Duschen mit unserem Gartenschlauch eingetragen. Soweit kommt es wohl noch, dass ich ruhig zusehe wie diese kleine Bitch meinen Jungen perforiert, um es sich dann danach dreist in meinem Blumenkübel bequem zu machen. So nicht, Madame!

 

Terror nach der Abendrunde

 

Wenn wir Menschen nun mit unseren Hunden nach einer gemütlichen Abendrunde um die Ecke bogen, dann machten die Katzen mobil und terrorisierten uns. Bei Finley gehörte ja nun wirklich nicht viel dazu. Für ihn reicht schon der Anblick einer einzigen Katze um völlig außer sich zu geraten. In diesen Augenblicken mutierte mein mittlerweile eigentlich souveräner Bär zu vierzig Kilogramm Muskelmasse ohne messbare Gehirnfunktion.

Ich musste wirklich alles geben um ihn aus dieser Schleife wieder rauszuholen und saß dann zuhause mit einem noradrenalin verseuchten Rüden, denn ich mindestens eine halbe Stunde TTouchen musste damit er wieder ansprechbar wurde.

 

Unsere Tierwelt driftet aufs Chaos zu

 

Okay, das war zwar nervig aber da war unsere Tierweltenordnung irgendwie noch in Ordnung. Mit den Katzen hatten wir uns arangiert. Doch jetzt hat Kamikaze-Otto die Karten neu gemischt. Zuerst hat er sich bei Paulis Generalsekretärin eingeschmeichelt. Nur Otto und der Eichhörnchen-Gott wissen wie ihm das gelungen ist. Habt Ihr eigentlich eine Vorstellung davon, wie verstörend es ist, wenn man eine Kätzin dabei beobachtet, wie sie einem Eichkater schnurrend ein paar Eicheln zuschiebt, während sich drei andere Katzendamen wohlig zu seinen Füssen im Herbstlaub räkeln?

 

Katzenchef Pauli leidet unter dem Kontrollverlust

 

Ragdollkater Pauli hat das Verhalten seines Katzenharems ein wenig aus der Bahn geworfen. Seine Versuche, seinen Einfluss zurückzugewinnen verliefen fruchtlos. Thronte er vormals stolz auf dem Elektrohäuschen, unter den drei Eichen, so aristokratisch wie ein Sultan vor dem Taj Mahal, liegt er nun auf dem blauen Deckel der Papiertonne vor seinem Haus. Sein weißes Fell ist schmuddelig und schimmert gräulich, seine Augen scheinen glanzlos.

 

Anfangs hat Finley die ganze Sache ja mit ein wenig Genugtuung beobachtet. Dann bekam er doch ein wenig Mitgefühl mit seinem Kateralterego. Außerdem ist es aus seiner Sicht für die Hundepopulation im Ring von Vorteil, wenn sich zwischen diesem selbstverliebten Eichkater und den Hunden im Ring noch eine starke Katzenfront befindet, gewissermaßen als Pufferkätzchen.

 

Sondierungsgespräche unter Andersdenkenden

 

Also ging Finley eines Tages, wenn auch widerstrebend, zur blauen Trauertonne und versuchte den weißen Kater aufzurichten. Ich würde es mal vorsichtig ein Sondierungs-Gespräch unter Andersdenkenden nennen.

Finley: „Grrr …grrr … Ey, alter Schönling, hat das Eichhörnchen Dir Deine Groupies geklaut?“

Pauli: „Ffffchchchh … sieht ganz so aus … miiiauuuuu.“

Finley: „Brummel … äh, und was gedenkst Du dagegen zu tun? Du willst doch wohl etwas dagegen unternehmen, hä?“

Pauli: „Seufz … ja was denn? Die finden den ja soooo toll. Die hören mir ja gar nicht mehr zu … mauuuu.“

Finley: „Schau an, schau an … der schönste Kater im Ring versinkt im Jammertal. Sie mögen mich nicht meeehheeeer, buhuhuuu… Himmelarsch, reiß Dich mal zusammen!“

Pauli: „Hach … ich habe einfach keinen Plan …“

Finley: „Pass mal auf Blondie …“

Pauli: „Nenn mich nicht Blondie … Fffchchchh…“

Finley: „Papperlapapp! Also pass mal auf Whitey, Du hast vielleicht die vier Weiber erst mal verloren aber unsere Straße ist voller Katzen, die darauf warten, dass Du etwas unternimmst.“

Pauli strafft sich: „Wirklich? Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Wie kann ich die zusammentrommeln?“

Finley: „Ähm, also das habe ich eigentlich schon gemacht. Heute Abend gegen 18.00 Uhr werden alle hierherkommen und dann solltest Du ein paar motivierende Worte für sie parat haben. Mach was draus, Alter und kämm Dich mal.“

Pauli: „Tja, also dann … hüstel … muss ich wohl danke sagen. Glaub jetzt bloß nicht, dass wir Freunde sind … ein Hund … pfffft … Miauuu.“

Finley: „Türlich nicht … pah, ich und ein Kater … ne, echt nicht … grummel …“

 

Die Zusammenkunft

 

Am Abend machte Finley es sich dann in dem großen Ledersessel vor unserem Panoramafenster bequem und beobachtete wie Ragdollking Pauli auf seinem neuen Thron Platz nahm. Von allen Seiten kamen sie dann, seine Anhänger. Allen voran die anderen verschmähten Kater, die Glückskatze aus Haus 22b, die zwei silbergrauen Siamkatzen die erst kürzlich bei der Homöopathin aus Haus 34c eingezogen waren. Es war ein Maunzen und Miauen, da durfte man als Hundehalter keine schlechten Nerven haben.

 

Pauli setzte sich auf und abrupt entstand eine fast unheimliche Stille. Eine geordnete Katzenzusammenkunft. Pauli gab ein paar Schnurrlaute von sich, gefolgt von ein paar kräftigen Maunzern. Ab und an erklang in der Menge seiner Zuhörerschaft ein zustimmendes Fauchen. Es schien ganz gut zu laufen für Pauli – und für Finley auch. Gleich morgen würde er seinen Kumpels im Ring sagen, dass der eitle Schönling wieder fest im Sattel sitzt und sie sich auf katzengeschützte Weihnachten freuen dürfen. Denn darüber waren sich die Hunde im Ring einig: Sie hatten lieber eine Katze im Vordergarten liegen, als einen Bungee springenden Eichkater in ihren Bäumen sitzen.

 

Kleiner Nachtrag:

Ob das schon das Ende der Eichhörchen-Herrschaft in unserem Ring ist? Wer weiß das schon genau. Ich glaube, wir müssen es abwarten…

 

Vetfinder und Pfotenplätze jetzt auf einer APP

Tierarztsuche, Hundestrände und Pfotenplätze

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Sämtliche Inhalte der Dog Apps findet Ihr in Zukunft als Bestandteil der kostenfreien App VetFinder.

Dazu gehören die Apps:

Hundestrände, Pfotenplätze, Hundewälder, Hundezonen und Darf ich mit.

Die alten Apps werden mit Erscheinen der neuen Android Version des VetFinders vollständig eingestellt. Zugriff auf die Infos der Dog Apps könnt Ihr dann kostenfrei über die App von VetFinder erfragen.

 

Auch auf der GemeinschaftsApp, alle Termine von HundimFreibad

 

Außerdem werden alle Termine aus 2018 von der Initiative „Hundimfreibad“ mit der Erweiterung angezeigt. So verpasst Ihr kein Hundeschwimmen in Eurer Nähe.

 

Das müsst Ihr tun, um wie gewohnt an Eure Dog Apps Infos zu kommen:

 

Ladet Euch die kostenfrei VetFinder App für Euer Gerät herunter. Es gibt sie in den Versionen VetFinder für Android und VetFinder für iOS.

Legt mindestens ein Hundeprofil unter dem Menupunkt „Meine Tiere“ an.

Die Pfotenplätze werden freigeschaltet.

Wische die Startseite der VetFinder App nach links. Jetzt siehst Du die Pfotenplätze.

Ich habe heute gerade Finleys Profil angelegt. Es war wirklich ganz einfach. Alle Daten des VetFinder und der Pfotenplätze werden regelmäßig aktualisiert und stehen Dir auch offline zur Verfügung.

 

Plattform für Gewerbetreibende im Hundesektor

 

VetFinder bietet auch Platz für gewerbliche Einträge. Du suchst Dir eine Sparte aus, wie zum Beispiel Hundeschule, Hundezubehör oder Fotograf. Wenn jemand in diesen Sparten sucht, taucht Dein Profil auf einer Landkarte auf.

 

 

 

 

 

 

Hilde – Mein neues Leben als Frauchen

Sehnsucht an der Leine,Irrsinn auf der Hundewiese und spätes Glück mit Gassibeutel

 

 

 

Die Rezension dieses Buches war nicht einfach. Oft war ich in der Beurteilung hin- und hergerissen und mancher Passus hinterließ Ratlosigkeit bei mir. Ich hatte, Schande über mich, vorher noch nie ein Buch von Ildikó von Kürthy gelesen. Das war keine Absicht, es hatte sich einfach nicht ergeben.

 

Freimachen von dem was andere schrieben

 

Allerdings hatte ich vorher schon einige Rezensionen von „Hilde“ von anderen Hundebloggern gelesen und erwartete daraufhin ein Werk, das inhaltlich irgendwo zwischen einem Hitchcock-Schocker und einem BUNTE-Skandal anzusiedeln wäre. Soviel mal vorweg, ich habe weder das eine noch das andere in diesem Buch gefunden. Denn wenn man sich auf das besinnt, was eine Rezension sein sollte, nämlich eine Analyse des Buches, und nicht eine Kritik an Lebensstil und vermeintlichem Charakter der Autorin, gibt es gleich viel weniger Stoff über den man sich aufregen kann.

 

Unterhaltung – ja das ist es

 

Als erstes fragte ich mich nach der Lektüre dieses Buches, ob mich das, was ich gelesen hatte, unterhalten hat. Also hatte es das?

Und die ehrliche Antwort lautet: Ja – punktuell. Der Schreibstil der Autorin ist überwiegend leicht und locker, manchmal plätschert die Erzählung ein bisschen dahin. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es beabsichtigt war, humorvoll zu schreiben. Wenn dem so sein sollte, ist das Ganze von einem leicht säuerlichen Unterton durchzogen.

 

Es kommt ganz aufs Thema an

 

Unterhaltsam fand ich das Buch immer dann, wenn Ildikó von Kürthy sich thematisch auf sicherem Terrain befand. Da geht es zum Beispiel um diverse Ausflüge auf die Insel Sylt mit und ohne Hilde. Dort auf der Insel fühlt sich die Autorin offensichtlich wohl und kennt jeden Winkel. Ihre Schilderungen, wie sie mit Hilde an den alljährlichen „Hundstagen“ auf Sylt teilgenommen hatte, fand ich sehr amüsant, was zum Teil auch daran gelegen haben mag, dass ich einige der Protagonisten schon einmal persönlich kennengelernt habe. Absolut lesenswert ist das Kapitel, das Ildikó von Kürthy ihrem Kollegen Jörg Thadeusz abgetreten hat. Er hatte Hilde für die Dauer der Frankreichferien der Autorin in Pflege genommen.

 

Sehr einfühlsam schreibt Ildikó von Kürthy von ihrem Verhältnis zu ihrer Tante Hilde, der Namenspatin ihrer Hündin. Sie schreibt auf diesen Seiten von bedingungsloser Liebe, Verlust, und was der Tod der geliebten Tante für sie bedeutete. Diese Passage in dem Buch hat mich sehr berührt, weil sie einen kleinen Einblick in die Seele der Autorin gewährte. Diesen Tiefgang habe ich in anderen Abschnitten des Buches sehr vermisst.

 

Gewichtsprobleme – Orangenhaut – 50er Jahre Klischees

 

Dann gab es aber auch viele Passagen im Buch, die mich mit einem großen Fragezeichen zurückgelassen haben. Etwa die episch langen Ausflüge in die Welt der Bindegewebsschwächen und Gewichtsprobleme. Das hätte ich nicht gebraucht, auch nicht kürzer beschrieben. Gewichtsprobleme betrachte ich als persönliches Schicksal. Und was die berühmte, von ihr viel zitierte Orangenhaut betrifft, halte ich es mit meiner Omi: Gut einpacken, geht niemanden etwas an.

 

Als etwas überholt habe ich das häufige Abgleiten in die Klischeewelt der 50er-Jahre empfunden. Die immer wieder auftauchenden Jungsmütter-müssen-das-Mädchenmütter-haben-es-besser-Textstellen, lagen letztlich so schlaff vor mir wie ein totgerittenes Pferd.  Jungs machen sich immer dreckig, Mädchen sind immer gut frisiert. Während Jungs sich gegenseitig auf die Fresse hauen (Zitat), ziehen Mädchen rosa Tütüs an und spielen mit Mamis Concealer.

 

Tja, was soll ich dazu sagen – nicht in unserem Kindergarten

 

Meine Tochter hat ihren Platz auf der Netzschaukel gerne mal mit dem Satz „Komm zu Satan“ verteidigt. Und ich habe im Kindergarten so viel Glitzerschminke auf Jungengesichtern verteilt, dass es Frau von Kürthy wahrscheinlich himmelangst werden würde.

In diesen Bereichen haben Frau von Kürthy und ich ganz offensichtlich völlig unterschiedliche Erlebniswelten. Macht ja nichts. Das kommt eben vor.

 

Gesellschaftsreportage oder Kummertagebuch ?

 

Trotzdem habe ich mir beim Lesen eine Frage immer wieder gestellt. Was hat das eigentlich alles mit Hilde zu tun? Ist das jetzt ein Hundebuch, eine Gesellschaftsreportage oder Frau von Kürthys persönliches Kummertagebuch? Ich kann diese Frage nicht klar beantworten. Wahrscheinlich ist es von allem ein bisschen. Der Leser muss selbst herausfinden, ob er diese Mischung mag.

 

Wenn ich mich auf die Ausführungen konzentriere, die wirklich nur mit dem Zusammenleben mit ihrem Hund zu tun haben, fehlt es mir an Substanz. Man gewinnt den Eindruck, dass Frau von Kürthy sich wohl vorgestellt hatte, ein „Hundebuch“ schreibe man mal eben so weg. Das ist natürlich ein Weg, aber kein guter, denn „Hundebücher“ werden von, neben der zugegeben großen schon durch andere von-Kürthy-Bücher entstandenen Fangemeinde auch von Hundemenschen gelesen, die über weit mehr Ahnung über Hundehaltung verfügen als die Autorin.

Viele der von ihr geschilderten Hundebegegnungen, oder genauer gesagt ihre Interpretationen dieser Begegnungen, werden daher beim Durchschnittshundehalter auf Unverständnis stoßen.

 

Prominente Unterstützung

 

Kurz-Interviews mit Profis wie Martin Rütter oder Birgit Balzer bringen zwar ein wenig mehr Sachverstand in dieses Buch, um allerdings das Manko an Fachwissen aufzufangen, sind diese Statements zu allgemein gehalten. Themen wie Tierschutz, Zucht, Qualzucht werden auf fünf! Seiten im Buch kurz angekratzt. Auch wenn das Geschriebene zum Teil mit Expertenzitaten unterlegt ist, kann es den Themen in dieser Kürze in keiner Weise gerecht werden. Eine Klarstellung der Autorin, dass sie selbst nicht den idealen Weg zum Hund gewählt hat, fehlt völlig.

 

Mir persönlich wäre es am liebsten gewesen, Ildikó von Kürthy hätte diese in der Hundeszene sehr polarisierenden Themen gar nicht angesprochen. Denn jedes dieser Themen braucht ein großes, schon vertieftes Hintergrundwissen, wenn man diesen Themen auch nur annähernd gerecht werden wollte.

Es wäre wohl besser gewesen mit dem Schreiben eines Hundebuches noch etwas zu warten. Manchmal ist es besser, Erfahrungen zu sammeln, dazuzulernen und vielleicht auch das eine oder andere Trauma verkraftet zu haben, bevor man sich hinsetzt und schreibt.

Hilde

Mein neues Leben als Frauchen

Autor: Ildikó von Kürthy

Verlag: Wunderlich

Sprache: Deutsch

ISBN: 978-3805200134

Preis: 19,95

 


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Ich möchte einen Hund weil … 1001 Gründe

Das Kurzinterview hat mich zum Nachdenken gebracht

 

 

Wenn mir vor einer Woche jemand gesagt hätte, dass ich mal ein Interview fürs Fernsehen geben würde, hätte ich gelacht und abgewinkt. Aber dann klingelte mein Handy und eine sehr nette Dame vom Sender Hamburg 1 fragte mich, ob ich zum Welthundetag für ein paar kurze O-Töne zur Verfügung stehen würde. Den ganzen Beitrag könnt Ihr Euch HIER anschauen.

Gleich das erste Thema, nämlich die Frage aus welchen Gründen Menschen sich einen Hund anschaffen würden, verdient wie ich finde, mal eine nähere Betrachtung. Die Palette von Gründen, warum sich jemand einen Hund in sein Leben holen möchte ist bunt, vielfältig und manchmal auch etwas überraschend für den äußeren Betrachter.

 

Eine bunte Palette von Gründen

 

Für einige Menschen ist der Hund eine Möglichkeit ihrer persönlichen Einsamkeit zu entfliehen. Vielleicht haben sie sich gerade von ihrem Partner getrennt oder er ist verstorben oder ihre Kinder sind flügge geworden und haben das sichere Nest verlassen. Vielleicht aber gehörten Kinder gar nicht zu ihrem Lebensentwurf und sie suchen in dem Hund einen Partner mit dem sie ihre Freizeit verbringen können.

Andere wiederum sind im Tierschutz aktiv und geben verwaisten, kranken oder anderweitig benachteiligten Hunden ein Zuhause. Eltern schaffen einen Hund an, damit ihre Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen. Und mancher braucht einen ausgebildeten Assistenzhund um sein eigenes Leben besser bewältigen zu können.

 

Der Weg zu einer guten Mensch-Hund-Beziehung ist oft eine Achterbahnfahrt

 

Alle diese Gründe sind getragen von einer sehr menschlichen Sehnsucht nach etwas, das aktuell im eigenen Leben fehlt. Und ich finde alle diese Gründe legitim, denn unsere Hunde sind in der Lage in diese Nischen einzuscheren und sie auszufüllen. Solange die Bedürfnisse der Hunde beachtet werden, ihre Grenzen respektiert werden und ihnen nichts Unmögliches abverlangt wird, ist aus meiner Sicht der Grund warum jemand einen Hund haben möchte sekundär. Hauptsache das Team funktioniert auf eine sich zugewandte, liebevolle Weise.

Der Weg kann schon mal holperig sein, die Zuneigung zueinander kann mal ein paar Schrammen davontragen, so wie in jeder guten Beziehung. Aber am Ende ist doch nur wichtig, ob und wie man wieder zueinander findet.

 

Warum beurteilen, wenn es besser wäre genau hinzusehen?

 

Mir fällt immer häufiger auf, dass gerade die Motivationen, warum ein Hund in die Familie einziehen soll, unter Beschuss stehen. Da fallen Schlagworte wie Partnerersatz, Kindersatz, Helfersyndrom und Kinderspielzeug. Bei diesen Schlagworten schwingt auch immer gleich eine Wertung mit, vorzugsweise eine Abwertung. Das finde ich sehr schade und auch ein wenig kurz gedacht.

Wir wissen doch gar nicht, warum jemand gerade keinen Partner hat. Die Gründe ein Leben ohne Kinder zu führen, müssen nicht per se getragen sein von Egoismus oder Selbstverliebtheit, sondern können sehr schicksalhaft sein. Wie schön, wenn Menschen in dieser Situation einen Ausweg sehen, ihrem Leben eine Wendung zu geben. Warum gestehen wir Tierschützern nicht einfach zu, dass sie wirklich nur helfen wollen?

Was ich aber viel wichtiger finde: Es geht uns überhaupt nichts an. Jemand hat eine Entscheidung für sein Leben getroffen und ist uns darüber überhaupt keine Rechenschaft schuldig. Warum also beurteilen, kategorisieren oder gar verurteilen?

 

Die Leute machen es anders? Wie interessant!

 

Möglicherweise entspricht die Art eines Anderen mit einem Hund zu leben nicht unseren eigenen Vorstellungen – so what?

Das muss nicht bedeuten, dass es dem Hund bei ihm nicht gut geht. Und das sollte doch immer das Maß aller Dinge bleiben. Was kostet es uns denn, den Weg der anderen zu akzeptieren? Es sagt doch gar nichts über unsere eigene Art und Weise mit unserem Hund zusammenzuleben aus.

Wir sollten die Unterschiede als Chance sehen, vor Augen geführt zu bekommen welche vielfältigen Möglichkeiten es gibt mit einem Hund zusammenzuleben. Anstatt die Lebensentwürfe anderer zu kritisieren, könnten sie uns helfen offen zu bleiben, tolerant zu sein oder vielleicht sogar einen Anstoß geben, etwas anderes auszuprobieren.

 

Hurra, hurra die Post ist da

Man sieht sich immer zwei Mal im Leben (Zitat: Omi)

 

Foto: pixaby

 

Man denkt ja immer, es gibt Dinge, die können einem nicht zweimal passieren. Und dann stand wieder so ein Karnevalspostler in meinem Garten. Genau gesagt dümpelte er bepackt, mit verschlafenem Blick durch meinen Garten hindurch und steuerte zielgenau unseren äußeren Kellerzugang an.

Mein Mann und ich saßen am Frühstückstisch und beobachteten den Mann mit Erstaunen. Er wird jetzt doch wohl stehen bleiben, dachte ich so bei mir. Nein, genau das tat er nicht. Ich ging also auf meine Terrasse und fragte:

„Moin, kann ich etwas für sie tun?“

Finley sprang hinter mir her und baute sich neben mir auf. Ein bisschen angespannt aber immer noch freundlich. In Zeitlupe sah der Mann, nennen wir ihn hier mal den Postbeamten Tranig, zu mir herauf und sagte lächelnd:

„Nee danke, ich mach das schon.“

Ich: „Sie machen was?“

Postbeamter Tranig: „Ich stell das Päckchen zu.“  Sein Lächeln wurde breiter …

Mühsam bekämpfte ich den Wunsch dem Postbeamten Tranig mein Erdbeermarmeladenbrot mitten in sein breites Lächeln zu pressen und fragte:

„Warum klingeln Sie denn nicht vorne und geben es an der Tür ab?“

 

Gestatten, mein Name ist Schmittke … äh, nein

 

Postbeamter Tranig:

„Also auf meinem Laufzettel steht, wenn niemand zuhause ist, soll ich durch den Garten gehen und das Paket im Kellerabgang ablegen, das haben Sie bei der Post so angegeben, Frau Schmittke.“

Welche rauschverheißenden Flüssigkeiten hat der denn oral verklappt, frage ich mich im Stillen. Offensichtlich hatte der Gute sich durch den falschen Garteneingang gezwängt. Nämlich durch denjenigen, auf dessen Pforte breit und deutlich mehrere Mein-Hund-hasst-Dich-Schilder angebracht waren … ich werde das nie verstehen. Eigentlich war das Päckchen an meine Nachbarin Frau Schmittke adressiert, sie bewohnt mit Familie das Haus Nr. 20b. Die drei weiteren Alternativen, die Nummern a, c, d hatten den Paketboten Tranig offensichtlich vollkommen durcheinander gewirbelt.

Also klärte ich ihn auf:

„Ich bin nicht Frau Schmittke. Sie wollen zu 20b, wir sind hier aber 20c!“  Mit meinem Zeigefinger deutete ich über unseren Maschendrahtzaun zur Linken um dem armen, verwirrten Mann die richtige Richtung zu weisen.

Dann sagte ich:

„Also würden Sie das Paket dann bitte nebenan abliefern?“

Und dann, weil Tranig unverändert unsere Kellertreppe anvisierte, etwas lauter:

„JETZT BLEIBEN SIE DOCH MAL STEHEN, HERGOTTNOCHMAL!“

 

Postbeamter mit Beratungsresistenz

 

Ich war echt genervt, denn Tranig zeigte keinerlei Anzeichen von Bedauern oder Einsicht. Finley ging dann mal die Treppe runter auf den Rasen und baute sich direkt vor dem Karnevalspostler auf und gab ein tiefes Knurren von sich:

„GRRRrrr … pass mal auf Du Pappnase. Sie ist hier der Chef. Da heißt STOPP stehenbleiben und zwar sofort. GRRrrrsabber … Und wenn Du das nicht kapierst, bin ich noch da … Fletsch, grrr …ich bin hier der Torwächter … Jeder weitere Schritt bedeutet ein Lochmuster in der Büx.“

Irritiert schaute der Postler nach unten auf meinen Torwächter und fragte ihn:

„Ja, wathattudenn?“  Echt jetzt?

Finley antwortete:

„Grrr … grrr … Aggressionsprobleme Alter, Aggressionsprobleme … ###**+++‘‘*‘##**++!!!“

 

Ruhig Finley, denk an Deine Frustrationstoleranz

 

Ich versuchte Finley zu beruhigen und weil mein Hund in solchen Konfliktsituationen mittlerweile einfach spitze ist, gelang das auch – jedenfalls bis zu einem gewissen Maß. Zwar schaute er etwas enttäuscht aber er fuhr das Gebiss wieder ein und das ist doch schon was. Allerdings ließ er den Mann keinen weiteren Schritt mehr in Richtung Terrasse machen.

Herr Tranigs Hirn, soweit vorhanden, hatte ohne Zweifel komplett den Dienst quittiert, denn er sagte – an Finley gewandt:

„Duuuu bist aber ein Lieber. Willst Dein Frauchen beschützen, vor dem bösen, bösen Mann.“

Ich: „Hä???????“

Mein Mann, der inzwischen hinter mir stand, sagte grinsend:

„Machen Sie sich keine Sorgen um den Hund. Achten Sie besser auf die Frau …“ Er hat wirklich einen sehr trockenen Humor mein Gatte.

 

Bin ich die Christel von der Post?

 

Tranig zog daraufhin seine Stirnfalten zusammen und dachte ganz offensichtlich nach. Dann sagte er mit Blick auf das Paket:

„Ich lass‘ das dann mal hier, Sie können es dann ja über den Zaun reichen…“

Hatte der sie noch alle?

Ich wurde so rot wie mein Hundewarnschild am Zaun und sog mit einem lauten Geräusch Sauerstoff ein. Mein Mann hinter mir lachte leise, murmelte etwas wie „… und ich sag noch, achte lieber auf die Frau …“. Dann ging mein Mann, der fest davon überzeugt ist, dass jeder der Baumeister seines eigenen Schicksals ist, ins Haus zurück.

 

Ich war … sauer … aber sowas von sauer

 

Was dann folgte, ich will es mal so sagen … man sollte echt auch nicht zu viel Impulskontrolle von mir verlangen. ICH WAR NICHT AMUSED!

Langsam ging ich die fünf Terrassenstufen herunter. Währenddessen sagte ich:

„Sie verlassen jetzt auf der Stelle meinen Garten Sie Briefmarkenschubser – mit dem Paket. Machen Sie Ihren Job gefälligst selber und vor allem besser. Und wenn Sie noch einziges Mal meinen Garten betreten, dann … GRRRrrr … fletschgrrrr … ##***++###**+!!!“

 

Wenn der Hund zum Guru wird

 

Finley sah irritiert auf mich, dann auf Herrn Tranig der zögerlich und sichtlich verwirrt den Garten verließ.

Dann kam er zu mir und leckte mir über die Hand.

„Ruhig, ganz ruhig Frauchen“ schien er zu sagen, „an Deiner Frustrationstoleranz müssen wir aber noch arbeiten, hmmm? Mach, Dir keine Sorgen, das kriegen wir hin.“

Und wie in Trance beobachtete ich, wie Paketbote Tranig den Garten 20d (!) betrat und das Päckchen langsam aber zielsicher im Treppenabgang der Frau ablegte, die er jetzt für Frau Schmittke hielt. Irgendwie sind wir ja wohl alle etwas Schmittke … oder?

 

Nachtrag:

Wer Lust hat zu lesen, wie meine erste Begegnung mit unserem Garten-Postler verlaufen ist, findet die ganze Geschichte HIER.

Ich konnte auch diesen Vorfall natürlich nicht auf sich beruhen lassen. Die Situation, wenn auch mit Humor geschildert, hätte für Herrn Tranig auch sehr gefährlich werden könne. Finley bewacht sein Grundstück und ich möchte das auch so.

Also habe ich mich nachmittags ans Telefon gesetzt und habe ein Gespräch geführt, mit einem Servicemitarbeiter der Beschwerdestelle der Post. Ja, was soll ich sagen. Schwamm drüber … oder vielleicht mal eine andere Geschichte …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fünf Gründe… drei Tipps… ein Schnarch…

 … Oder warum eine Überschrift kein Abzählreim sein sollte

 

 

Neulich hat meine von mir sehr geschätzte Bloggerkollegin Heidi Schmitt vom Blog „kommstduhierher“ einen sehr treffenden Artikel über die Verantwortung von Bloggern geschrieben. Den ganzen Artikel könnt Ihr HIER! Lesen.

Ich finde Heidi hat recht, Expertentum wird mancherorts nur simuliert und der Leser tut gut daran, zu hinterfragen ob die veröffentlichten Erkenntnisse nun auf persönlichen Erfahrungen oder auf gesicherten, wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Beides finde ich in Ordnung, solange es im Text auch deutlich gemacht wird. Und genau dort liegt die Verantwortung beim Blogger.

 

12 Gründe … Echt jetzt?

 

Mir geht es hier aber um einen anderen Aspekt des Schreibens und zwar um einen Wesentlichen. Es geht um die Überschriften zu den Blogposts. In der Bloggerszene erfreuen sich die Aufzähl-Überschriften einer großen Beliebtheit. Ihr wisst schon Überschriften wie „12 Wege wie …“ und dann kann man beliebig ergänzen:

a. Euer Hund leinenführig wird b. Euer Hund allein zuhause bleibt c. Ihr euren Hund richtig ernährt und so weiter, und so weiter ….

 

Individualität anstatt Beliebigkeit

 

Die Tatsache, dass man die Themen beliebig austauschen kann, zeigt schon deutlich, dass der Blogger mit so einer Überschrift auch eine Chance verschenkt. Die Chance seinem Blogartikel von Anfang an etwas Individuelles zu geben, die Chance sich von anderen Blogposts abzuheben und auch die Chance den Leser vom ersten Moment an neugierig zu machen.

Ich übergehe diese “5-Gründe-warum-Dein-Hund…” Artikel mittlerweile immer häufiger, denn wer suggeriert er könne so komplexe Themen wie Hundeerziehung oder Hundeverhalten auf 5 Punkte reduzieren, wirkt auf mich nicht glaubhaft.

 

Was ist eigentlich eine Headline?

 

Also was ist eigentlich eine Überschrift oder wenn man so will die Schlagzeile? Wikipedia ist sich da mit dem Duden weitestgehend einig:

 

„Als Schlagzeile bezeichnet man in der Regel die Überschrift in einer Zeitung oder Zeitschrift. Die Aufgabe einer Schlagzeile besteht darin, die Aufmerksamkeit eines flüchtig und selektiv lesenden Betrachters zu erzielen, ihn anzusprechen und auf den anschließenden Fließtext zu leiten.“

 

Wenn der Einstieg nicht passt, verliert man Leser

 

In der Journalistenschule lernt man, dass die Headline der Einstieg in den Artikel ist und nicht erst der erste Satz. Sie ist gewissermaßen der Türsteher, der den Leser ins Etablissement … ähm, also in den Artikel hinein schubst.

Stimmt die Überschrift nicht, springt ein großer Prozentsatz der Leser ab bevor sie sich die Mühe gemacht haben, den ersten Satz zu lesen. Online ist dieser Effekt des „Artikel-Flüchtens“ noch um ein Vielfaches stärker, weil die Konzentrationsfähigkeit eine andere ist. Wie schade, wenn man seinen Artikel doch gut recherchiert hat und sich Mühe gegeben hat ein interessantes Thema für seine Leser zu finden. (Einen sehr interessanten Artikel zu diesem Thema findet Ihr HIER!)

 

Die ganze Geschichte in einem Satz

 

Eine Headline kann schon ein Stück der Geschichte erzählen, neugierig machen, sie liefert dem Leser den Grund weiter in den Artikel einzusteigen, egal ob es sich um ein sachbezogenes Thema, eine Unterhaltungsgeschichte oder einen Werbeartikel handelt. Deshalb muss der Blogger ja nicht darauf verzichten auf seine fünf Tipps aufmerksam zu machen. Service am Leser kann, je nach Ausrichtung des Blogs auch wichtig sein. Gute Nachrichten! Für die „Ich-gebe-Euch-drei-Tipps“ hat der Zeilengott die Subheadlines erfunden. Diese Infos können leicht in den Unterüberschriften hervorgehoben werden.

 

Blogger-Kreativität beginnt bei den Überschriften

 

Ich mag die Bloggerszene, sie ist bunt, vielseitig und manchmal auch unberechenbar. Klingt irgendwie nach einer spannenden Angelegenheit – findet Ihr nicht? Also warum gerade bei den Überschriften, einer so wichtigen Sache, in der Einheitssuppe abtauchen. Seid hier genauso kreativ wie in Euren Artikeln, entwickelt Euren eigenen Stil. Es muss nicht reißerisch und laut sein, nur individuell. Lasst Euch etwas einfallen.

 

Kamikaze-Otto, der Erfinder des Eichhörnchen-Bungees

Achtung, dieser Artikel ist nichts für zart besaitete Naturschützer!

 

Fotos: pixaby

 

Zurzeit muss ich nämlich aufpassen, dass in mir nicht ein unkontrollierbarer, sehr archaisch ausgeformter Territorialinstinkt durchbricht. Ich erwäge, mir eine Axt anzuschaffen … oder ein Katapult … oder noch besser eine Streckbank … ich bin offen für weitere Vorschläge…

Grund dafür ist – und wehe, ich höre jetzt jemanden lachen – ein Eichhörnchen. Dieses rothaarige Biest ist auf eine der drei Eichen gezogen, die die Ausfahrt unseres Vorstadt-Garagenhofes säumen. Es sind drei wunderschöne Bäume, geschätzte 15 Meter hoch, gesund und stark … fällen kommt also nicht in Frage, ich habe mich danach bereits bei der zuständigen Behörde erkundigt. They where not amused….

 

Kamikaze-Otto ist ein Ausnahmehörnchen

 

Jetzt sitzt Ihr sicherlich in euren Sesseln und wundert Euch. Ich kann es förmlich hören: „Ooohhh die sind doch sooo putzig, das sieht sooo niedlich aus, wenn die Ihre Nüsse, Eicheln u.s.w. sammeln …“. Das habe ich auch gedacht, bis ich Kamikaze-Otto kennengelernt habe. Ja, so heißt das Eichhörnchen, den Namen hat es von mir – aus gutem Grund.

Die folgende Beschreibung fußt zugegebener Maßen nicht auf fundierten, biologischen Kenntnissen, sondern ist rein subjektiv geprägt. Die Eindrücke sind gewissermaßen aus dem Leben gegriffen, ungefiltert, brutal ehrlich.

 

Fly on the wings of love … fly Baby, fly…

Kamikaze-Otto ist ein sehr großes, übergewichtiges, rothaariges Eichhörnchen-Männchen, mit einer grauweißen Blesse auf der Brust. Er ist verfressen, manchmal geradezu respektlos und absolut angstfrei.  Oh, und nicht zu vergessen, Otto denkt ganz offensichtlich, dass er fliegen kann. Glaubt mir, er ist ein Alpha-Hörnchen auf Speed, mit der Lizenz zu nerven.

Aus seiner Sicht ist er „König Otto der Einzige“, Herr der Baumwipfel, wild und unerschrocken, der Liebling aller Hörnchen-Frauen. Mehrmals im Monat läuft Kamikaze-Otto, ich will nicht sagen Amok aber es ist nahe dran.

 

Jovi, ein alter Herr mit Klasse

 

Meine erste Begegnung mit Otto hatte ich, als ich Jovi, den Hund meiner Nachbarin Bente* (eine von den Netten) spazieren führte. Jovi ist ein Border-Collie-Labrador-Mix und schon ein alter Herr. Seine Schritte sind langsamer und kleiner geworden, sein Dickkopf hingegen größer – ich habe ihn wirklich sehr gern. Für Jovis Gassibegleiter bedeutet das, Jovi gibt Richtung und Tempo vor und Jovi bestimmt auch das Ende eines Spazierganges.

Wenn er an dem Punkt ist, an dem er wieder nach Hause möchte, duldet er keine Diskussionen. Er setzt dem Gassigänger, durch gezielt eingesetzte Inaktivität, klare Grenzen und schaut ihm solange bedeutungsvoll in die Augen, bis derjenige ES endlich kapiert hat. Als wir wieder an einem solchen Punkt waren, schwenkte ich sofort um und machte mich mit ihm auf den Heimweg. Ich werde den Teufel tun und mit einem 14 Jahre alten Rüden diskutieren.

 

Das erste Date, unverhofft und … ausbaufähig

 

Jovi und ich erreichten also unseren Garagenhof und bewegten uns auf die drei Eichen zu. Als wir direkt darunter waren geschah es:

Im Baum über uns raschelte es, ich schaute irritiert nach oben … ein großer, dunkler Klops fiel herunter … ich schrie auf … das Große Dings flumpte mit einem dumpfen „Wwhumppp“, etwa einen Meter neben mir auf dem Asphalt. Wie bei einem Bungee-Jump, nur ohne Seil.

 

Jovi mein Held, mein … Dings …

 

Gleich darauf erkannte ich ein überdimensional dickes Eichhörnchen – Kamikaze-Otto – der Erfinder des Eichhörchen-Bungees. Das alles schien dem Viech viel Spaß zu machen. Mit lauten Geckgeckgeckgeck-Lauten, es hörte sich fast ein wenig wie Gelächter an, raste er auf den nächsten Baum zu und kletterte im Turbo-Tempo in den Baumwipfel. Jovi war empört und erwachte zu neuer Jugend. Er drehte sich in einem für ihn schon sehr scharfen Tempo um und fing an zu schimpfen: „Wage es ja nicht meine … äh, die Dings … wie heißt Du noch … öh, egal jedenfalls lässt Du die in Ruhe, Du Habicht“! Ich habe ihn wirklich sehr gern. Danke für Dein … äh, Dings … Engagement, lieber Jovi.

 

Eichhörnchen-Bungee: Spass – Nervenkitzel und Wettkampfsportart

 

Kamikaze-Otto hatte offenbar seine Berufung gefunden, denn ich war nicht die Einzige bei uns im Vorstadtring, die solche Begegnungen hatte. Meine Nachbarin Bruni, Ihr wisst schon das Frauchen von Enrico C. der Abrissbirne, konnte gar nicht Herr ihrer Empörung werden, als sie schilderte, dass Otto ihren Schatz angegriffen hatte. Gleicher Tathergang, nur war Kamikaze-Otto statt auf dem Asphalt auf dem breiten Rücken von Finleys Lieblingsfeind gelandet. Also ehrlich … das ist ja … In dieser Nacht legte ich bei Vollmond heimlich eine Handvoll Erdnüsse an den Fuß der Otto-Eiche. *grins

 

Otto ist ein fleißiger Produktentwickler

 

In den kommenden Wochen verfeinerte Otto die Techniken seines Eichhörchen-Bungees. Manchmal konnte man seine Anwesenheit nur erahnen. Sein „Geckgeckgeck“ erklang und er lag wahrscheinlich irgendwo auf einem bequemen Ast, die Beine lässig übereinandergeschlagen und rauchte eine Havanna.  Ich malte mir aus, wie er es genoss, zu beobachten, wie Menschen und Hunde unter seinem Einfluss in Hektik gerieten.

Ein anderes Mal segelte er wie ein Paraglider, die Extremitäten seitlich ausgestreckt,  zwischen den Eichen hin und her. Immer mit der Option – zumindest in meiner Vorstellung – wie ein 4 Kilogramm schwerer Rollbraten auf meinen Kopf niederzusausen. Mir ließ das keine Ruhe. Es sollte sich was ändern. Ich wollte mich auf meinem Grund und Boden frei und gefahrlos bewegen können.

 

Förster Hans lacht und lacht und …

 

Also kontaktierte ich unseren zuständigen Förster und schilderte die Lage. Ich beendete meine Ausführungen mit dem schlichten Satz:

„Mach‘ dass er wegzieht, Hans!“

Hans hatte aufmerksam zugehört, Tränen standen in seinen Augen, dann lachte er los.

Hans der Förster:

„Pfffthahahaaa…, da kann ich Dir vorerst gar nicht helfen. Leider … hmpffhihihi…“.

Und weiter:

„Weswegen auch, …kichergurgelprust… dass ein Eichhörnchen wegen hochgradiger Gewitztheit umgesiedelt werden muss, das habe ich vorher auch noch nie gehört … hihihiii… das hätten wir exklusiv, Birgit.“

Na danke auch. Muss man denn alles selber machen?

 

Na warte Otto! Methoden entwickeln kann ich auch

 

Also entwickelte ich, parallel zu Kamikaze-Ottos sportlichem Ehrgeiz, ständig neue Abwehrmethoden. Wir waren in stetigem Wettstreit. Ja, es ist was Persönliches!

Ging ich allein durch das Tor der Hölle, klackerte ich so laut mit einer alten Kinderrassel, dass im Umkreis von mehreren Kilometern alle Wildtiere aufschreckten, von den Nachbarn will ich gar nicht erst reden.

Eine Zeit lang hatte ich eine Wasserflasche bei mir, jederzeit bereit, mich als Vorstadtwasserwerfer zu betätigen. Bei jedem Spaziergang scannte ich die Umgebung ab, wie ein Radargerät.

Zeitweise hatte ich immer einen Stockschirm bei mir und spannte ihn unter den drei Eichen auf und dachte „Spring‘ doch Du Blödmann“. Ich glaube, das war der Moment in dem Finley anfing sich ernsthafte Sorgen um mich zu machen.

 

Man muss wissen wann man loslassen muss

 

Ich gebe es nicht gerne zu aber ich scheiterte mit jeder Strategie. Otto ist ein harter Brocken. Es wird wohl noch eine Weile so weitergehen, denn Eichhörnchen können, bei guter Pflege *kicher, bis zu 12 Jahre alt werden *schluchz. Mit einer Winterpause brauche ich auch nicht zu rechnen, denn Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf, ich habe das gegooglet.

Bleibt eigentlich nur eines:

„Otto, such Dir eine Frau! Vielleicht kommst Du dann mal auf andere Gedanken…“

Kleiner Nachtrag:

Manchmal kann man sie beobachten, eine große, kurzhaarige Frau. Sie wandert durch die Vorstadtwälder und flüstert leise vor sich hin:

„Es ist noch nicht vorbei, Otto, es ist noch nicht vorbei …“

Fortsetzung folgt …

 

 

 

Kuhfladen, an jungem Rotzlöffel naturaromatisiert – Berg und Tal Report 5

Die Karlhütte hat sich das Prädikat „Stammlokal“ verdient

 

 

Lebensmittel, Kochen und Essen, spielt in Österreich und meiner österreichischen Familie eine große Rolle. Das Prädikat „Gutes Essen“ wird nicht einfach so verteilt, egal ob es sich um ein privates Essen handelt oder um ein Menu im Restaurant. Hat man mal ein Lokal gefunden, wo es allen geschmeckt hat, kehrt man dort immer wieder ein.  Denn in dieser Hinsicht und das hat er mit uns Hanseaten gemein, ist der Steirer kompromisslos treu.

Deshalb ist es bei uns in der Familie zur norddeutschsteirischen Tradition geworden die Karlhütte am Etrachsee zu besuchen, wenn wir unsere Verwandten in Murau besuchen. Unsere Tante kannte schon den alten Karl, den Gründer des Restaurants und hat als Gast inzwischen schon zwei Generationswechsel mitgemacht. Deshalb ist die Einkehr dort auch immer ein wenig wie ein Besuch bei Freunden.

 

Tierliebe wird groß geschrieben

 

Was unsere Stippvisiten für mich dort immer zu einer runden Sache macht ist, dass der junge Karl und seine Belegschaft sehr große Tierfreunde sind. Finley und alle anderen Tiere sind dort herzlich willkommen. Bevor noch die Bestellung aufgenommen wird, steht schon ein Hundenapf mit frischem Wasser vor Finley und ob im Vorbeigehen oder beim Streicheln und Loben, „mei bist du a schöner Bua“, verschwinden etliche Leckerchen im Schlund meines Hundes.

 

Himmlisches Gericht! Das schmeckt lecker

 

Wir menschlichen Gäste werden aber genauso verwöhnt. Der junge Karl und seine Frau sind Parade-Gastronomen, wie aus steirischer Lärche geschnitzt. Jeder kleine Sonderwunsch ihrer Gäste wird, wenn es möglich zu machen ist, mit einem freundlichen „joa, aber sicher“ erfüllt. Ich ordere dort jedes Mal das wohl beste Wiener Schnitzel, dass man in der Steiermark bekommen kann. Die Panade gelbkross ausgebraten aber nicht trocken, dass Kalbfleisch schön flachgeklopft und unglaublich zart. Im Zusammenspiel mit dem selbstgemachten Preiselbeeren Kompott öffnet sich das Tor zum kulinarischen Himmel, bei jedem Bissen ein kleines Stückchen mehr.

 

Die Umgebung dort ist ein Traum. Saftiger, grüner Rasen auf dem Kühe weiden, ohne abgrenzenden Zaun, ganz ruhig und ohne die Gäste zu erschrecken. Irgendwo in der Ferne hört man ab und an das dumpfe Moll der Kuhglocken erklingen. Menschen, Kühe, Hunde, Katzen, alle in einem friedlichen Miteinander an demselben Platz. In diesen Höhen weht immer ein leichter Wind. Bei den diesjährigen Sommertemperaturen war das eine Wohltat. Der Wind trägt den leichten Duft von Kiefernnadeln zu unseren Tischen, das ist Balsam für meine Städterseele, hier kann ich Kraft tanken. Und Finley liegt derweil neben dem großen Holztisch und folgt den Kühen mit den Augen. Von seinem Jagdtrieb ist nichts zu merken. Hach….

 

Neue Spezialität: Retriever, naturaromatisiert mit essbaren Blüten

 

Nach dem Essen geht es dann, über die grünen Wiesen, um den See herum. Das ist auch eine unserer Familientraditionen. Der Spaziergang ist eine schöne Gelegenheit für gute Gespräche. Außerdem dürfen wir Finley währenddessen von der Leine lassen. Es macht einfach Spaß ihm zuzusehen, wie er da ausgelassen über die Wiese tollt, ohoh …. neeeein!!! Das hat man nun davon, wenn man sich entspannt. Ich war wohl nicht aufmerksam genug und hatte es nicht kommen sehen. Finley peilte zielgerichtet den nächsten auf der Wiese abgeflatschten Kuhfladen an.

Ich gab wirklich alles: „Hierher! Stooooop!! Doppelpfiff!!! HUHUUUHHH!!! WageesnichtDudickköpfigerBlubberko…*++**#*#**!“

Nichts was wir einmal eingeübt hatten, konnte ihn noch stoppen. Als er da so trügerisch ruhig bei uns am Tisch gelegen hatte, hatte der Banause die Kühe wohl beim Absetzen beobachtet. Als echter Retriever hatte er die Fallorte der Kuhfladen markiert und auf seine Chance gelauert.

 

Die wissenschaftlichen Daten

 

Ich musste hilflos zusehen, wie sich mein frisch getrimmter Hund mit Wonne und Anlauf in einen dieser Kuhfladen schmiss und sich in der grünlichen Masse drehte, wie ein Rollbraten im Gemüsefond. Und damit hier jedem das Ausmaß des Geschehens klar wird, wir reden über Kuhfladen von geschätzt 1,50 m Durchmesser und einem Fassungsvermögen von gefühlt etwa 25 Litern Öddelflüssigkeit, mit einem Sprenkelradius um die drei Meter. Mindestens! Warum auch nicht, schließlich kamen sie ja von steirischen Kühen. Und nein, ich übertreibe nicht, ich bin Hanseatin! *Augenzwinker

 

Möge die olfaktorische Macht mit Dir sein

 

Nachdem Finley sein Tagewerk erledigt hatte, sah er ein bisschen aus wie der ockergrüne Yediritter Yoda aus Starwars. Von nun an war die olfaktorische Macht mit ihm. Hätte er irgendwelche territorialen Ansprüche an die Alpenrepublik gestellt, glaubt mir, er hätte sich durchgesetzt. Nur kämpfen er nicht musste, weil zum Himmel er stank …. *würg

Panik kroch in mir hoch, ich schickte ein Stoßgebet gen Himmel. „BITTE, NICHT SCHÜTTELN. Wir werden alle sterben ….“, dachte ich. Die Vorstellung, dass meine Familie und ich nach unserem Ausflug aussehen könnten, wie ein Rudel Dalmatiner, hatte in diesem Moment wenig positive Aspekte für mich. Nun ich wurde erhört, er schüttelte sich nicht – Danke Schutzengel.

 

Gott sei Dank lag der Etrachsee, mit seinem klaren Wasser ja in Sehweite und es gelang mir, Finley mit einem fachgerechten „braves Hundi, geh planschen“ von uns weg, ins kühle Nass zu dirigieren. Sobald Finley das Wasser erblickt hatte, darum musste man ihn da nie lange bitten, sprang mein Yoda in die Fluten.

 

Karma kann manchmal auch nicht alles

 

Eine meiner Töchter, die Motte, hat sich erbarmt und ist hinterher gegangen und hat ihn dann gewaschen. Finley genoss die massierenden Bewegungen sichtlich, meine Motte offensichtlich nicht. Sie rümpfte die Nase und sagte: „Also echt Mama, wenn der nachher auch noch so stinkt, setze ich mich nicht ins Auto. Nicht cool Finley, nicht cool…“.

Während ich derweil versuchte, den Kuhpups aus Finleys geflochtenem Fettlederhalsband zu waschen, beobachtete ich, wie sich um meine Motte und Finley herum eine gigantische, grüne Lache bildete. Ja, Scheiße treibt oben. Von weitem konnte man den Komplex für Entengrütze halten – Danke Schutzengel. Auch wenn das in diesem See, für Ortskenner ein wenig ungewohnt wäre.

Ich liebe diesen See. Die ruhige Wasseroberfläche vermittelt einem das Gefühl von Stille und Frieden.  Diese Ruhe wird nur ab und an von einer Entenfamilie unterbrochen, die ihren Küken das Schwimmen beibringt und das ist total niedlich. Je nachdem, wie gerade das Sonnenlicht einfällt, funkelt das Wasser in tiefen bläulichen oder grünen Aquatönen. Es ist so klar, dass man auch noch dort, wo es tiefer wird, auf den Grund schauen kann. Eigentlich …

 

Kronenzeitung: „Konterminierte Forellenzucht entdeckt“

 

An diesem Tag allerdings konnten wir beobachten, wie eine riesige Lache aus Kuhpupslake langsam aber zielgerichtet auf den Teil des Sees zutrieb, in dem der junge Karl seine Forellenzucht betrieb. „Forelle Müllerin Art“ war nämlich eine weitere Spezialität meines Lieblingslokals. Die Gäste konnten sich ihre Forelle in einem Auffangbecken aussuchen. Die wurde dann gefischt und zur Verarbeitung in die Küche gebracht. Frischer kann man Forelle nicht zubereiten, als so.

 

Finley – Coco Chanels olfaktorischer Erbe

 

Wir haben unseren – aus Gründen – sehr ausgedehnten Spaziergang um den See dann trotzdem noch sehr genossen. Finley musste allerdings an der Schleppleine bleiben. Ein Schlammbad am Tag musste reichen. Die Tante und unser Cousin sammelten unterwegs ein paar Pfifferlinge, für das Mittagessen am kommenden Tag ein und unsere Gespräche konnten wir auch alle führen.

Am Auto angekommen war Finley durchgetrocknet und wir konnten losfahren. Durch unser Fahrzeug waberte ein leichtes Bouquet von „Eau de Kuhfladè No 5“.  Zum Mindesthaltbarkeitsdatum des Kuhfladen-Aromas, sei kurz angemerkt – es dauert einen Sommerurlaub lang … mindestens.

 

Berg und Tal Report 1-4

Wenn Ihr unsere vorangegangen Berg und Tal Reporte verpasst habt und noch Lust zum Weiterlesen habt, klickt einfach auf die folgenden Überschriften und Ihr landet direkt auf dem Artikel.

Vom Antimobilsten zum Kilometerfresser – Berg und Tal Report 1

Einmal Pizza ohne Hund, bitte! – Berg und Tal Report 2

Hooladriöööö, Heidifeeling, Herrliche Ruhe – Berg und Tal Report 3

Himmel, Donner und Hagelsturm – Berg und Tal Report 4

 

 

 

 

 

Himmel, Donner und Hagelsturm – Berg und Tal Report 4

Abenteuerurlaub in der Steiermark – Halbpension mit Unwetter

Wenn ein Steierer sagt, „Es kummt a G‘witter“, verändert er seinen ganzen Habitus. Als meine Schwiegermutter das zum ersten Mal zu mir sagte, bekam sie einen leicht gequälten, sorgenvollen Gesichtsausdruck und ihre Pupillen weiteten sich angstvoll. Dann dreht sie sich zu mir um, dämpfte die Stimme und fügte noch hinzu, „An Hoagel wiads a geb’n“. Danach herzergreifende Seufzer und Abgang. Da stand ich dann mit dieser Info und meiner norddeutschen Seele und dachte – jaaa, und…? Dann hagelt es eben, meine Güte das haben wir in Hamburg ganzjährig jeden zweiten Tag – kein Grund zu jammern.

 

Schneeschieber im Einsatz und das im August – hat was…

 

Dann jedoch wurde der Himmel so schwarz wie in einem Harry-Potter-Film, wenn die Dementoren ausziehen den Guten die Seele aus dem Körper zu saugen. Und als wäre das noch nicht genug „Drama-Baby“, schossen tennisballgroße Hagelkörner vom Himmel und demolierten im Umkreis von etlichen Kilometern alles, woran das Steirerherz so hing. Die Kürbis- und Obsternte war ernsthaft gefährdet, bei meinen Schwiegereltern waren Fenster, Gewächshaus und das Dach stark beschädigt worden. Jedes „Jöööö“ und jeder Seufzer hatten vollste Berechtigung. Im Stillen leistete ich zähneknirschend Abbitte bei meiner Schwiegermutter und fing an, die Berge von Hagelkörnern mit dem Schneeschieber vom Pool wegzuschaufeln. Mein Autodach hatte ein paar hässliche Dellen davongetragen, die mich fortan immer ermahnten, dass ich besser auf meine Schwiegermutter hören sollte. *knirsch

 

Genauso war es gestern wieder. Wir saßen mit unserer Tante und unserem Cousin ganz gemütlich im Garten beim Egidiwirt und haben wunderbar gegessen. Unser Sitzplatz lag unter einer herrlichen Pergola, die mit Wein und Holunder berankt war. Finley hatte es sich gleich neben mir bequem gemacht und lag im Schatten zweier großer Hortensienbüsche. Hach, so stellt klein Erna aus Hamburg sich die Steiermark vor. Doch noch bevor wir aufgegessen hatten, schwärmten die Dementoren aus und brachten die Dunkelheit mit sich. Ich überlegte schon, ob es nicht besser wäre ins Haus zu wechseln. Aber der nette Kellner vom Egidiwirt ließ vom Chef ausrichten: „Naaa, Ihr könnt’s scho sitz‘n bleib’n, des Dach hoalt des aus …“

 

Blinde Zuversicht zeichnet den Steirer ganz allgemein aus

 

Was soll ich sagen – es hielt nicht. Schon die ersten Hagelbrocken erzeugten Risse im Plexiglasdach. Finley blieb erstaunlich ruhig aber er setzte sich auf und warf mir diesen „Es-ist Zeit-zu-gehen-Blick“ zu. Wir wechselten in den Schankraum, dort hatten die Einheimischen den Ausnahmezustand ausgerufen. Jeder von Ihnen fragte sich, ob er zuhause alle Fenster geschlossen hatte oder ob nun Bäche von Eiswasser durch ihre Flure und Zimmer flossen.

„Mei und die Mutter is ganz alloa dahoam“, rief eine Frau am Nebentisch. Die Feuerwehr war schon alarmiert und fuhr laufend irgendwelche Einsätze. Die Männer im Schrankraum liefen immer wieder unruhig zur Tür um einen besorgten Blick auf ihre vormals blitzblank geputzten Autos zu werfen. Wir Norddeutschen hingegen saßen mit stoischer „Es-is-wie-es-is-Haltung“ am Tisch und aßen fertig. Schließlich sind wir inzwischen dellenfest.

 

Finley tröstet so gut er kann und heimst viel Lob ein

 

Finley entdeckte in diesen Momenten sein bisher verborgenes Talent zum Therapiehund und ging abwechselnd immer zu Denjenigen, die am aufgeregtesten waren. Dann setzte er sich neben sie, stupste sie kurz an und ließ sie sich ihren Stress wegstreicheln. Natürlich ganz uneigennützig, mein Bärchen. Die unzähligen „Mei is der liab“, „Bist a Guada“, „So an Bärli“, „Mogst a Wuascht?“, „Mogst an Kaas?“, dürften bis zum nächsten Steiermark Urlaub als Sympathievorrat ausreichen.

 

Aufmunterung bitte nur vom Hund!

 

Was gleichzeitig vor der Tür geschah, könnt Ihr auf meinem Video sehen. Die Zustände erinnerten mich an den Tornado in Meiendorf und Volksdorf von vor zwei Jahren. Da ich die Stimmung auch ein wenig auflockern wollte und die Anwesenden a Bisserl aufmuntern wollte, zeigte ich den Egidigästen meine Tornado-Videos aus Hamburg. So nach dem Motto „Den haben wir schließlich auch überstanden“. Tja so groß können Mentalitätsunterschiede sein …. nur soviel dazu, hat nicht funktioniert. Mein Berlingo hat jetzt also auch steirische Hagel-Dellen auf dem Dach und der Motorhaube. Ich betrachte das einfach mal als den steirischen Ritterschlag für meine Autos.

 

Während der Rückfahrt nach St. Lorentzen hatte man streckenweise das Gefühl durch eine Winterlandschaft zu fahren. Schon etwas schräg in Shorts und Flipflops. Auf dem Rücksitz philosophierten meine Pubertiere vor sich hin.

Mausi: „Alter, das war ja echt heftig.“

 

Motte: „Kannst Du wohl sagen.“

 

Finley: „Fiiiep.“

 

Mausi: „Eigentlich haben wir ja immer Unwetter, wenn wir hierherfahren.“

 

Motte: „Nö, eigentlich immer nur wenn Mama mitfährt.“

 

Finley: „Fie…hihihi…hiiiiip.“

 

Das war ja wieder klar. Jetzt bin ich auch noch fürs steirische Wetter verantwortlich. Das geht doch wirklich zu weit. Manchmal denke ich allerdings, dass meine Schwiegermutter da auch einen Zusammenhang zwischen mir und den steirischen Unwettern sieht. Oder wie sonst kann ich mir erklären, dass sie kaum das ich angekommen bin sorgenvoll wispert: „Es wiad an Hoagel geb’n…“

 

Berg und Tal Report 1 – 3

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Vom Antimobilisten zum Kilometerfresser – Berg und Tal Report 1

Einmal Pizza ohne Hund, bitte! – Berg und Tal Report 2

Hooladriiiöööö, Heidifeeling, Herrliche Ruhe – Berg und Tal Report 3

 


Teaser-Foto zu diesem Beitrag; Credit: Tobi Sturmjaeger via Pixaby