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Hooladriiiöööö, Heidifeeling, Herrliche Ruhe – Berg und Tal Report 3

Die Veranda unseres Ferienhauses, mein absoluter Lieblingsplatz

 

 

Noch nicht ganz wach – Kaffee, bitte!

 

Morgens um 6.00 Uhr, St. Lorenzen in der schönen Steiermark. „Uaaahhh“, ich stehe auf der Veranda unseres Ferienhauses und strecke mich. Einfach mal durchschnaufen und zuschauen, wie der Tag erwacht, denke ich. Ich genieße den wunderschönen Blick auf den Kreischberg. Die Luft geht langsam hinter den Bergen auf, die Sonne zwitschert und die Vögel sind frisch und klar. Ähm, Ihr merkt wohl schon, ich bin noch gar nicht ganz wach. Also gehe ich zurück in unsere kleine Bauernküche und mache mir erst einmal einen Kaffee.

 Danach setze ich mich wieder auf die Veranda, meinen Lieblingsplatz in unserer Unterkunft und genieße die Bergluft, diese wundervolle Stille und das süße Nichtstun. Im Sommer ist St. Lorenzen ein verschlafenes kleines Bergdorf. So früh am Morgen sind außer Finley und mir erst einmal nur die Dorfkatzen wach. Der schwarzweiß gefleckte Kater vom Haus nebenan hatte Finley gleich am ersten Tag auf seine ganz spezielle Art begrüßt.

 

Gestatten, Herr Beppi, seines Zeichens Wies’nchef

 

Der gefleckte Nachbar-Kater wurde von seinem Besitzer „Herr Beppi“ gerufen. Man konnte ihm ansehen, dass er in seinem Leben schon ein paar entscheidende Kämpfe gefochten hatte. Unter seinem linken Auge hatte er eine dunkelgraue, durchaus dekorative Schmarre und von seinem Schwanz fehlte ihm fast die Hälfte. Auf der großen Blumenwiese vor unserem Haus standen Finley und er sich ganz unvermittelt gegenüber. Beide gänzlich unvorbereitet und beide total perplex.

 

Finley: „Grrr…grrr… Alter, wo kommst Du denn so plötzlich her?“

 

Herr Beppi: „Fchhhhh… woas wuillst Du, haaa? Bleeder Schlickruuutscher!“

 

Finley: „GRRR … grrr … sieh mal an, soso, ein Schluchtenscheißer mit Todessehnsucht …“

 

Herr Beppi: „Fchhhhhh…Fchhhh… teil’n mir uns die Grrruft oder woos?“

 

Finley: „GrrrWau … pass mal gut auf Du Almdudler. Du die Gruft und ich die Wiese … für die nächsten 10 Tage.“

 

Herr Beppi: „10 Toag? Doas loast si moach’n. Du kriagst an vorderen Teil und i kriag den hinteren Teil der Wies’n und olle Mäuse. Do ham ma an Fried’n und es dient da Förderung des Tourismus…“

 

Finley: „Hmmm… das klingt nach einer akzeptablen Abmachung. Ich sehe Dich nicht und Du siehst mich nicht. Wird gemacht.“

 

Friedensverhandlungen erfolgreich abgeschlossen

 

Von da an herrschte Frieden an der deutsch österreichischen Hunde-Katzen-Front. Der Herr Beppi lag dann jeden Morgen, stundenlang, an der Demarkationslinie im hohen Gras. Man hörte kein Fauchen mehr von ihm, allenfalls mal ein sanftes Schnurren. Finley hingegen nahm die vordere Hälfte der Weide in Beschlag. Abmachung ist Abmachung – auch zwischen Hund und Katz. Und ich hatte endlich die Ruhe, nach der ich mich in Hamburg die letzten Monate so sehr gesehnt hatte. In diesen klangschalenruhigen Momenten auf unserer Veranda, hatte ich das Gefühl, dort nie wieder weg zu wollen.

 

Finley begann seine tägliche Pfostenschau

 

Während sich der Herr Beppi in der Morgensonne räkelte, begann Finley seine Tage mit einer Wieseninspektion. Ich nannte das seine tägliche, ganz persönliche Pfostenschau. Die Wiese war von einer Reihe rauher Holzpfähle eingerahmt. Sie grenzten die dahinter liegende Straße ab. Finley flanierte nun jeden Morgen von Pfosten zu Pfosten. Dann schnupperte er an jedem! Pfahl ausgiebig und schien sich in Gedanken ein paar Notizen zu machen: „Aha, die drei ungarischen Pudeldamen waren schon dagewesen und dort die zwei Chihuahuas von der Gondelbahn auch, … Katzen, naja um die soll sich mal der Herr Beppi kümmern…, ohhh ein Stück vom Wild, hmmmm wie lecker *ürgs …“  Nachdem er die tierischen Neuigkeiten aus dem Dorf alle gelesen hatte, ging er jeden!!! Pfosten noch mal ab und setzte dort eine wohlproportionierte Markierung ab. „Gestatten, mein Name ist Finley und mir gehört jetzt diese Wiese, die Straße und das schöne Haus mit den Holzschindeln da drüben.“

 

St. Lorenzen im hohen Schnee muss wundervoll sein

 

Nachdem wir dann unsere Dorfrunde gegangen waren, richtete ich mir auf dem rustikalen Holztisch auf der Veranda meinen Schreibplatz ein. Ich kuschelte mich mit meiner Wolldecke auf die Holzbank und stellte mir vor, wie es in St. Lorenzen wohl im Winter aussehen würde, wenn in der WM-Gemeinde der Skibetrieb beginnt und mein verschlafenes Dorf von lebhaftem Skitreiben eingenommen wird.

Ich stellte mir den Kreischberg schneebedeckt vor und schaute hinüber zur Gondelbahn. Vor meinem geistigen Auge sah ich die langen Schlangen von Skifahrern stehen, die hinauf wollen auf eine der zahlreichen Pisten. Von der Weltcupabfahrt bis hin zum Anfängerhang, Skischulen, Skiverleih, ist hier alles vorhanden. „Das müsste man vielleicht auch einmal ausprobieren“, dachte ich und fing an zu tippen.

Wie war das noch … gestern und vorgestern …

 

Kleiner Nachtrag:

Dass die Steiermark ein Ort von großen Gegensätzen sein kann, könnt ihr kommende Woche im Berg und Tal Report 4 lesen.

Wer die ersten Teile meines Berg und Tal Reports versäumt hat und Lust hat, mehr zu lesen, findet die ersten zwei Teile hier.

Vom Anti-Mobilisten zum Kilometerfresser – Berg und Tal Report 1

Einmal Pizza ohne Hund, bitte! – Berg und Tal Report 2