GIB GUMMI oder BARFUß DURCH DEN WALD

goodfellows-gruen-gummistiefel

 

Ein ganz alltäglicher Spaziergang – nicht!

Eigentlich begann es ganz harmlos. Ein ganz normaler Spaziergang mit meinem sechs Monate alten Hund. Nun, das war isoliert betrachtet schon eine enorme Herausforderung. Finley im adoleszenten PrepuberTierstadium. Meint ungebremstes Temperament, von Leinenführig keine Spur, nicht kanalisierter Jagdinstinkt. Schlechtes Karma für Frauchen. Und dann war da noch seine Vorliebe für Wasser und Matsch. Vor allem für Matsch. Und davon gibt es in den Volksdorfer Wäldern mehr als genug.

Kurz nach der ersten Weggabelung gibt mein Kleiner Gummi und stürzt sich ohne auf meine „NEINS“, „PFUIS“ und „BLÖDMANNS“ zu achten in das nächste teichgroße Schlammloch. Das Freudengeheul meines kleinen Abenteurers verwandelte sich allerdings schnell in klägliche Jammerlaute. Er steckte fest und versank immer tiefer im Morast. Ohne zu zögern aber leider auch ohne nachzudenken stürzte ich hinterher und rettete Finley aus seiner misslichen Lage. Mit Schwung warf ich den Rabauken ans staubige Ufer.

 

Meine sauteuren Gummistiefel – abgesoffen

 

Dabei überhörte ich wohl den schmatzenden Laut, den meine neuen, lackroten Gummistiefel machten, als sie sich im Schlamm festsogen. Jetzt aber nichts wie raus aus dem Loch dachte ich und – nichts ging mehr. Ich sank immer tiefer. Panikgefühle ergriffen Besitz von mir. Vor meinem inneren Auge sah ich mich im Matsch versinken wie die Titanic im Ozean. Im geistigen Hintergrund hörte ich Céline Dion singen: „My Heart will go on…“ Ich gab mir einen Ruck, ließ mich lang hinfallen, ergriff die Äste eines umgefallenen Baumstammes und zog mich aus dem Schlick. Meine schicken Stiefel (seufz!) versanken derweil vollends im Moor.

Schlammverschmiert, ohne Schuhe, ein Fuss nackt, der andere in eine weiße Sportsocke gehüllt, machten Finley und ich uns auf den Heimweg. Und natürlich – gerade an diesem Morgen hatten wir Rushhour im Wald. Alles was Rang und Namen hatte ging Gassi, joggte, fuhr Fahrrad oder nordicwalkte uns über den Weg. Spießrutenlauf im Vorortforst.

 

Hartmut hat jetzt Angst vor mir…

 

Betretende Blicke, dämliches Grinsen und immer wieder die Frage: „Wieso hast Du keine Schuhe an?“ Ich war echt genervt. Hartmut aus meiner Straße, immer korrekt, immer adrett, brachte dann das Fass zum Überlaufen. „Heute mal barfuß, ich frage mich warum“, sagte er gestelzt. „Das hat religiöse Gründe“, antwortete ich mit irrem Blick. Und weiter: „Ich bin praktizierende Hexe und suche direkten Kontakt zur Mutter Erde um meine Kräfte zu stärken.“ Hartmut wird blass, starrt mich an.

Mit den Worten: „Na denn mal Tschüß….. vikka,vikka,vikka….. ach ja grüße Helga von mir“, gehe ich weiter und überlasse Hartmut seinen Gedanken.

Nachtrag1: Helga und ich sind nach wie vor gute Freunde, sie erzieht nämlich auch einen Hund.

Nachtrag2: Hartmut hat in der Magnolie, in seinem Vorgarten merkwürdige kleine Gegenstände und selbstgebastelte Vodoopuppen aufgehängt. Sieht echt scheiße aus.

 

 

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8 Kommentare
  1. Susanne
    Susanne says:

    Danke, für diese kleine Geschichte <3.
    Es sind diese Momente, die die Liebe zu Hund, Freundin und allen "Leidensgefährtinnen" wachsen und ein tolles Gemeinschaftsgefühl entstehen lassen. Mein Rüde kam mit etwa 6 Monaten zu mir, kaum sozialisiert und mit ganz viel Angst vor (fast) allem. Wenn ich mit ihm in der Stadt oder sonstwo unterwegs war und er zwischen Panik und Neugier schwankte, bot er ein teils jämmerliches Bild. Die Blicke, die uns trafen schwankten zwischen Mitleid – teils mit mir, teils mit ihm – und Empörung, wie ich das diesem armen Hund antun kann. Heute findet er Stadt toll und aufregend.
    Nur Veranstaltungen mit lauter Musik, vor allem live, und vielen Menschen findet er noch gruselig. Und wenn wir das üben … siehe oben.

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  2. Irmgard Töpelmann
    Irmgard Töpelmann says:

    Lieben Dank für diese heitere Geschichte, obwohl mit ernsten Hintergrund. Wir sind auch mal in Neuhaus an der Oste im Wattmatsch versunken und die Feuerwehr musste kommen. Deshalb kann ich mir das gut bildhaft vorstellen. Wie gut, dann man den Humor dabei nicht verliert. Wie gut, dass Du Dich selbst befreien konntest. Aber Deine Schlagfertigkeit ist köstlich.

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