Freigang in der Mittagspause

goodfellows-freilauf-schild

Hunde-Freilaufflächen gibt es in Hamburg leider nicht genug. Glücklicherweise gibt es in Volksdorf eine. Nicht eingezäunt, total idyllisch gelegen. Die Fahrgeräusche der vorbeiführenden Hauptverkehrsstraße dringen durch die Baumkronen und werden nur noch übertönt vom Geratter der Züge die über die an der anderen Seite angrenzenden Bahngleise poltern.

Man hat uns (steuerzahlende) Hundebesitzer wirklich lieb in dieser Stadt. Aber egal – das lernt der Hundehalter schnell – man nimmt was man kriegen kann. Besser wird’s nicht.

Finley und ich also rauf auf den Rasen. Vorfreude pur. Dummys in der Tasche. Falls keine anderen Hunde auf der Wiese sind, wird trainiert. Doch so einfach sollte es nicht werden. Links von uns sitzen zwei Männer – adrett gekleidet – schwarze Anzughosen, weiße Oberhemden, roter Schlips (Partnerlook, wie niedlich). Sie genießen die ersten Sonnenstrahlen im aufkeimenden Frühling. Soweit so gut.

Ich packe meine Dummys aus. Finley dreht aufgeregt ein paar Ehrenrunden um die Sonnenanbeter herum. „Halloho, wir sitzen hier“, ruft mir der eine leicht genervt zu. „Ja bleiben Sie ruhig, Sie stören uns nicht“, flöte ich zurück. Totale Irritation bei den Männern. Mit zusammengepressten Lippen steht der Größere auf und kommt langsam auf mich zu.

Währenddessen hat Finley eine Nordicwalking-Gruppe am Ende des Rasens entdeckt. Die Herrschaften machen ihre Dehnungsübungen auf seiner Freilauffläche. Links neben der Gruppe stehen an einen Baum gelehnt die Nordicwalking-Stöcke (seufz). Mein kleiner Menschenfreund prescht ungebremst in die Gymnastikgruppe, bringt zwei rüstige Rentner zu Fall, was denen mindestens genauso peinlich ist wie mir. Finley apportiert inzwischen schon den zweiten Nordicwalking-Stock. Was soll man da machen? Positiv bestärken? Die Rentnertruppe nimmt es mit Humor und schickt meinen Hund laut gackernd auf Stock Nr. 3.

Inzwischen hat es auch der Anzughosentyp bis zu mir geschafft. „Junge Frau“, sagt er (hi,hi,hi…danke dafür). Also „Junge Frau wir wollen hier in Ruhe unsere Mittagspause verbringen – IST DAS WOHL MÖGLICH?“ Finley fegt gerade mit Stock Nr. 4 heran und haut dem Anzugträger das eine Stockende in die Kniekehlen.

Tja schau’n wir mal denke ich: kann man auf der Landebahn des Hamburger Flughafens frühstücken, auf der A1 Rollschuhfahren, unter Wasser steppen…? Laut sage ich: „Junger Mann“ (hi,hi,hi… Retourkutsche) Also: „Junger Mann, das hier ist eine Hundefreilauffläche.“ Und weise mit dem Zeigefinger auf das Schild vom Ordnungsamt.

Rentner-Gejohle im Hintergrund:„Schau, Hundiiii wir haben noch mehr Stockiiiis!“ Finley rast los. Zeitgleich stapft der Anzughosentyp auf das brusthohe Schild zu. „Kann ja jeder sagen“, murmelt er. Stock Nr.5 und 6 landen auf unserem Beutehaufen. Ich halte mich für weitere Fragen des Anzugträgers zur Verfügung. Der liest das Schild, wird rot und geht in einem beschwichtigenden Bogen, den direkten Augenkontakt vermeidend zu seinem Kumpel zurück.

Finley liegt inzwischen völlig erschöpft neben dem Stöckchen-Haufen. Ich sammele seine Beute zusammen und bedanke mich bei den Nordicwalkern des örtlichen Sportvereines für das 1A Apportiertraining mit meinem Hund. Ich hätte es nicht besser machen können.

 

 

 

 

 

 

 

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.