Die Rudelstellungen – Schluss damit!

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Skeptisch und kritisch war ich gegenüber der Theorie der vererbten Rudelstellungen, im Folgenden nur RS genannt, eigentlich schon immer. Diese Theorie geht grob gesagt davon aus, dass jeder Hund von Geburt an, einen bestimmten Platz im Rudel, verbunden mit einer eingeschränkten Aufgabe und Kompetenz inne hat. Und diese sein Leben lang auch behält. Jeder, der einmal einen Wurf Welpen begleiten durfte und dann später die erwachsenen Hunde erlebt hat, weiß: aus ruhig kann temperamentvoll werden, aus schüchtern draufgängerisch, aus neugierig ängstlich….

Normalerweise gehöre ich nicht zu denjenigen, die Kollegenschelte betreiben. Doch jetzt ist für mich der Moment gekommen, Stellung zu beziehen. Ich widerspreche deutlich jeder Methode, die diese N3-NFL-VLH-MBH-Hundetypen als in Stein gemeißelte Charaktere darstellt. Ich habe kurz überlegt hier eine Erklärung folgen zu lassen, was all diese Abkürzungen bedeuten. Ich mache es nicht, weil ich wirklich glaube, das man sein Gehirn mit solchen Blindgänger-Infos nicht unnötig überfrachten muss. Es ist Unsinn.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass jeder Hund ausnahmslos alle Aspekte und Möglichkeiten des sozialen Hunde-Verhaltens in sich trägt. Was er nach außen davon zeigt, hängt ab von den Anforderungen seiner Umgebung, seinen Lebensumständen, seiner „menschlichen“ Erziehung, seiner Bindung zur Familie und von dem, was im Laufe des Hundelebens von anderen Hunden abgefragt wird. Mit anderen Worten, ein Hund ist ein Individuum, mit Vorlieben und Abneigungen. Sein Leben verläuft nicht vorhersehbar, sondern unterliegt einer individuellen Entwicklung. Also kleben wir ihm doch bitte auch kein N3-NFL-VLH-MBH-Etikett auf die Stirn. Bleiben wir doch offen für das, was unser Hund uns im Laufe der Zeit über sich offenbart. So ist es ja auch viel spannender.

Anlass für meine Aufregung waren ein paar Internet-Videos, in denen „RS-Fachkräfte“ zeigten, was die Anwendung ihrer Theorien für Hunde bedeuten. Und ich war entsetzt, abgestoßen und aufgebracht wie schon lange nicht mehr.

In diesen Videos wird bewusst beschädigendes Verhalten unter Hunden geduldet. Mitursächlich für den dramatischen Verlauf ist auch das nicht fachgerechte Verhalten der Trainerinnen. Ihre offensichtliche Inkompetenz, solche Situationen zu regeln, verstecken die Frauen hinter sinnfreien Pseudo-Fachausdrücken.

Video1 trägt den Titel „RS – Asoziale N3 wird korrigiert“.

In diesem Video kann man wirklich sehen, wie dumm, sinnlos und meilenweit weg das ist, von allem was gut für Hunde ist. Diese beiden Frauen strotzen vor Untätigkeit und Inkompetenz.
Der Verlauf der Geschehnisse war abzusehen und leicht durch ein frühzeitiges Eingreifen der Frauen zu verhindern gewesen. Einer der Hunde mobbt einen Mali. Was macht die „Fachkraft“? Sie filmt weiter und textet den Hund aus dem Off zu: „So benimmt man sich überhaupt nicht, das ist peinlich! … Ich würde mal nachdenken und ganz tief nach meiner sozialen Ader kramen… Wie asozial bist Duuu denn? Ich wüüüürde mich schämen. Denk mal nach …. Das hat nichts, mit Nichtwissen zutun…“

DOCH, HAT ES!!! MÖCHTE ICH IHR ZURUFEN. HELFT EUREM HUND, ER VERSTEHT EUER GELABER NICHT! Doch die Frauen greifen nicht ein. Der Hund setzt sein Mobbing fort. Der Mali geht sein Geschäft machen, wird vom Mobber dabei gestört.
Filmend und wieder aus dem Off gibt die RS-Frau irgendeinem der anderen Hunde die Anweisung:
„N3 geh mal und klär das …. N3 da gibt es Arbeit …. „

HAT DIE SIE NOCH ALLE? Es kommt, wie es kommen muss, der Mali bekommt keine kompetente Unterstützung, hat die Schnauze voll und greift den Mobber an – und zwar massiv. Die Frauen greifen nicht ein. Der Mobber schreit immer wieder vor Schmerz auf und sucht Schutz bei der Filmenden. Diese reagiert prompt: „Hau ab! Denk‘ nicht mal dran…“  und „NFL geh mal dazwischen…“, dann im zufriedenen Ton „Mit Maß …. mit Maß….“. Bei mir ist das Maß schon lange voll. Besonders deren Verhaltensanalyse am Ende des Beitrages ist erschütternd neben der Realität. Seht Euch das bitte einmal an.

Wenn ihr die anderen Videos sehen möchtet, um Euch ein Bild zu Machen, findet ihr diese in den Kommentaren meines Posts zu diesem Thema, auf meiner Facebookseite. Was übrig bleibt sind zutiefst verstörte und verwirrte Hunde, denen die Fähigkeit ein normales Hundeleben zu führen oder normale soziale Beziehungen zu Artgenossen zu erleben genommen wurde.

Verbreitet wird diese „Lehre“ von einer ehemaligen Verkäuferin für Damenoberbekleidung, namens Barbara Ertel. Diese Frau führt ein hartes Regiment unter den Hunden und ihren Jüngern. Ja, ich sage Jünger. Denn es mehren sich die Berichte von Aussteigern aus der Gemeinschaft, die von sektenähnlichen Strukturen sprechen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es schier unmöglich ist Zutritt zu einem solchen Seminar zu bekommen. Nicht wenn man ehrlich ist und sagt, man möchte einen Artikel schreiben. Ein Interview? Auf meine Anfrage von vor zwei Jahren, habe ich immer noch keine Antwort.

Ich habe Euch einmal ein paar Links zusammengetragen in denen ihr sachliche Informationen zu der Problematik bekommt.

Der VDH zur Rudelstellung

Die Aufklärungsseite Rudelstellungen klargestellt.

Bericht einer RS-Aussteigerin auf der Seite Polar-Chat.

Und jetzt noch zwei Beiträge der Bloggerin Katja Krause, auf ihrem Blog Serendipity is life die einmal an einem solchen Seminar teilgenommen hat.

  1. http://serendipity-le.blogspot.de/2014/06/maja-nowak-und-die-vererbte.html
  2. http://serendipity-le.blogspot.de/2017/02/der-rudelwahnsinn-geht-weiter.html

Natürlich habe ich auch darüber nachgedacht, ob es journalistisch nicht zwingend notwendig sei, den Link von Frau Ertel auch zu veröffentlichen. Ich habe mich dagegen entschieden, weil das was sie lehrt so schädlich und zerstörerisch auf unsere Hunde wirken kann. Solche Inhalte möchte ich nicht auf meiner Seite.

6 Kommentare
  1. Silvia Renner
    Silvia Renner says:

    DANKE. Du sprichst mir aus dem Herzen. ich hoffe so sehr dass man diesem Horror ein Ende setzen kann.
    Ich bin Züchterin und die schönsten Momente, für mich und ich denke auch für die Welpen, sind wenn wir Körperkontakt haben. Und das vom ersten Tag an. Aber auch das ist nach Frau E. schädlich für die Hunde und sollte strengstens unterlassen bleiben.
    Der absolute Wahnsinn. Hier fehlt jeglicher Funke Empathie für die Hunde.

    Antworten
    • bj
      bj says:

      Das Kontaktliegen mit den Hunden und das Kuscheln, ist so wichtig für die Entwicklung einer guten Bindung zu den Menschen, aber auch für die Entwicklung ihrer sozialen Kompetenz.
      Ich danke Dir für Dein Feedback, Silvia.

      Antworten

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