Rasseliste wird in Schleswig-Holstein abgeschafft

 

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Foto: Henrik Bagdassarian

Die umstrittene Rasseliste für gefährliche Hunde in Schleswig-Holstein wird abgeschafft. Ab 1. Januar 2016 wird dort ein neues Hundegesetz eingeführt.

Neu ist, dass nicht die Rasse, sondern das individuelle Verhalten eines Hundes entscheidend dafür ist, ob ein Tier als gefährlich eingestuft wird oder nicht. Zudem müssen alle Hundehalter einen Hundeführerschein machen, wenn ihr Hund, gleich welcher Rasse, einen Menschen gebissen oder ernsthaft bedroht hat. Außerdem gibt es für alle Hunde eine Chippflicht. Der Chip erleichtert die Identifizierung des Hundes und erleichtert die Ermittlung des Hundehalters.

Bleibt zu hoffen, dass Hamburg und andere Bundesländer nachziehen und ihre Listen auch abschaffen. Denn nicht die Rassenzugehörigkeit macht einen Hund gefährlich, sondern die falsche Erziehung durch seinen Menschen.

 

Hier gibt es weitere Informationen zum Thema:

http://m.welt.de/regionales/hamburg/article137859264/Neues-Hundegesetz-soll-2016-in-Kraft-treten.html

http://www.ltsh.de/presseticker/2015-06/17/15-23-01-4b3c/PI-VYF0tUs8-fdp.pdf

 http://www.kn-online.de/News/Aktuelle-Nachrichten-Politik/News-Aktuelle-Nachrichten-Politik/Landtag-beschliesst-neues-Hundegesetz-fuer-Schleswig-Holstein

 

 

 

So gesehen – Ein Hund und viele Verlierer

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Foto: Henrik Bagdassarian

Es gibt Situationen im Leben, die kennen keine Gewinner. Im Fall des Mischlingsrüden Sammy, der vom Tierheim Großhansdorf an neue Besitzer vermittelt wurde, gibt es gleich drei Verlierer. Da ist Maik Wiedow, dessen Hund an andere Leute abgegeben wurde. Dann sind da Sammys neue Halter, die sich nun Fragen müssen, ob sie nicht die moralische Verpflichtung haben, den Hund an seinen ursprünglichen Besitzer zurückzugeben. Und dann ist da noch das Tierheim Großhansdorf, das bei der ganzen Sache sein Gesicht nicht verlieren will. Auch wenn Unterschriften geleistet, Verträge geschlossen wurden: In diesem Fall ist selbst auf den zweiten und dritten Blick nicht klar, wer sich richtig verhalten hat.

Hätten die Mitarbeiter des Tierheims die Eigentumsverhältnisse nicht besser aufklären müssen, als sie sahen, dass zwei Eigentümer im Impfpass des Hundes standen? Wäre es nicht zumutbar gewesen, eine schriftliche Vollmacht von Maik Wiedow zu verlangen? In anderen Tierheimen ist das gängige Praxis. Aber auch Maik Wiedow muss sich fragen lassen, warum er ausgerechnet seiner Ex-Frau die Verantwortung für seinen Hund übertragen hat.

Eine rechtliche Auseinandersetzung wäre nicht im Interesse des Hundes, um den es im Tierschutz in erster Linie gehen sollte. Noch haben alle Seiten die Chance einzulenken, Fehler und Versäumnisse einzuräumen, um doch noch eine einvernehmliche Lösung zu finden.

In Siek gehen die Hunde in den Kindergarten

baywatch

Lautes Gebell erklingt hinter der schweren, grünen Eisentür des Hundekindergartens (HUGA) Sieck, http://www.hundekindergarten-siek.de/. Die ersten Hunde sind schon um 7 Uhr morgens in den HUGA gebracht worden. „Viele unserer Kunden sind darauf angewiesen, dass wir so früh öffnen“, sagt Inhaberin Kirsten Schnoor.

wigwam2Kirsten Schnoor erwartet ihre Besucherin im Flur des HUGA hinter einer Absperrung. Bevor sie zu den Hunden darf, gibt sie ihr noch ein paar Verhaltensregeln mit auf den Weg: „Carlos, der Entlebucher, mag keine Fremden. Aber er tut nichts. Bleiben Sie ruhig, sprechen sie ihn nicht an, sehen sie ihm nicht direkt in die Augen.“ Denn alles andere wäre aus Hundesicht eine Provokation. Die Besucherin soll erst einmal gar nicht auf die Hunde eingehen, auch nicht auf die Freundlichen. Das fällt ihr schwer, denn sie liebt Hunde sehr.  „Wenn sie einen der Hunde intensiv streicheln, kann das die anderen eifersüchtig machen“, erklärt Schnoor. Die Hunde würden über den Tag verteilt genug Zuwendung bekommen, aber nicht solange noch so viel Aufregung herrsche.

Die Tür geht auf und die Besucherin taucht ein in Kirsten Schnoors Hundewelt. Carlos, der schwarzweißbraune Entlebucher Sennenhund schießt augenblicklich auf sie zu und bellt sie an. „Bleib mir vom Leib“ , scheint er zu sagen. Die Empörung darüber, dass jemand Fremdes in seine Sphäre eingedrungen ist, ist unüberhörbar. Ruhig bleiben, ignorieren. Und tatsächlich langsam beruhigt Carlos sich. Der angrenzende Raum ist durch ein Kindergitter abgeteilt. Dahinter steht die imposante Bertha, eine wunderschöne, silbergraue Riesenschnauzer-Hündin und wedelt erfreut mit dem Schwanz. Salz und Pfeffer heißt ihre Fellfarbe und gut gewürzt ist auch ihr Temperament. Sie würde den Gast am liebsten gleich begrüßen. Vorerst muss ein neugieriger Blick übers Gatter ausreichen. „Wir teilen unsere Gäste morgens in kleine Gruppen, um etwas Struktur in das Gewusel zu bringen“, sagt Kirsten Schnoor. Die ersten Stunden am Tag seien immer die betreuungsintensivsten. Die Hunde müssten sich wieder neu zusammenfinden. Deshalb sei es enorm wichtig, dass alles sortiert und geregelt ablaufe.

bertha2Kirsten Schnoor betreibt den Hundekindergarten seit dreieinhalb Jahren. Vorher, absolvierte sie eine Ausbildung zur Hundepsychologin und Verhaltenstherapeutin am Institut des in der Hundeszene bekannten Hundepsychologen Thomas Riepe. „Nach meinem Abschluss war ich erst einmal zwei Jahre mobil unterwegs und habe meine Kunden zuhause betreut“, sagt sie. „Da lernt man viel, über Hunde aber auch über die Menschen.“ Hundebetreuung habe sie zuerst nur für Bekannte und Freunde bei sich zuhause angeboten. Doch schnell sprach sich herum, dass die Vierbeiner bei Kirsten Schnoor gut aufgehoben sind. Die Zahl der Pensionshunde stieg. Das sprengte den privaten Rahmen. „Da habe ich den Sprung ins kalte Wasser gewagt und beschlossen einen Hundekindergarten zu eröffnen“, so Schnoor. Anfangs sei es gar nicht so leicht gewesen die Stadt und die Behörden von ihrem Geschäftskonzept zu überzeugen. „In Hamburg gab es schon vereinzelt Hundetagesstätten und professionelle Gassigänger, hier in Stormarn war das noch unbekannt.“ Nachdem sie das 1000 Quadratmeter große Gelände in Siek an der Bültbek 23 gefunden hatte, hat es noch einmal über ein halbes Jahr gedauert, bis sie alle Genehmigungen von den Behörden und vom Amtsveterinär zusammen hatte. „Einen Zoo zu eröffnen kann nicht schwieriger sein“, sagt sie und lacht.

benschingMitarbeiterin Ulrike Bensching kommt dazu. Sie ist eine von mehreren Helferinnen die KirstenSchnoor bei ihrer Arbeit unterstützen. Die Angestellten arbeiten alle nebenberuflich im HuGa. „Sie verfügen über fundierte Kenntnisse in Hundeerziehung und haben wie ich einen ausgeprägten Hundetick“, sagt Schnoor mit einem Augenzwinkern. Für einige der Vierbeiner ist nun der erste Spaziergang fällig. Jeder Hund bekommt pro Tag mindestens einen ausgedehnten Spaziergang. Sie werden von Ulrike Bensching, immer zu zweit, in die angrenzende Feldmark geführt. Dort dürfen sie nach Herzenslust schnüffeln und die Gegend erkunden. Das Schnüffeln, das sogenannte Zeitungslesen, so Schnoor, sei besonders wichtig für die Hunde. Denn so würden die Hunde eine Menge Informationen über ihre Umgebung aufnehmen, die sie verarbeiten müssten. Diese Auslastung des Kopfes sei genauso bedeutsam wie die regelmäßige Bewegung beim Spazierengehen. Während Bulldogge Abby und die elegante Jagdhündin Hope mit Ulrike Bensching auf Erkundungstour gehen, kümmert sich die lackschwarze Pudeldame Mara um den Youngster in der Truppe. Emma, die sechs Monate alte Labradorhündin lässt sich von der älteren Mara noch ein paar mal um die Bäume jagen. Dann beruhigt sich die Rasselbande langsam. Heute ist das Wetter schön, Lordi, ein Golden Retriever zieht sich zum Dösen unter einen Busch zurück. Carlos, der sensible Entlebucher bezieht Stellung in einem Wigwam. Von dort kann er den ganzen Platz überschauen. Lilly der Dackel räkelt sich wohlig in der Sonne. Bei schlechtem Wetter müssen die Hunde nicht draußen bleiben. Zur HuGa gehört eine beheizte, 500 Quadratmeter große Halle, die bei Regen Schutz gewährt.

abby2Die Spaziergänger kommen zurück. Bulldogge Abby marschiert schnurgerade auf den kleinen Wasserpool zu und versenkt ihren Körper in den Fluten. Schnaufend taucht sie wieder auf, schüttelt sich bis sie trocken ist. Eine blonde Frau ruft am Zaun nach der HUGA-Leiterin und erkundigt sich, ob noch ein Platz für ihren Hund frei ist. „So spontan nehmen wir keine neuen Mitglieder auf“, erklärt Kirsten Schnoor, bietet aber einen Gesprächstermin an. „Wenn ich einen neuen Hund in die feste Gruppe aufnehmen soll, muss das gut vorbereitet werden“, so die Hundefachfrau. Zuerst treffe sie sich mit den Hundehaltern zu einem Infogespräch. Der Hund ist immer dabei. „Dann kann ich schon mal beobachten, wie das Tier sich in Gegenwart seiner Halter so verhält“, sagt sie. In diesen Gesprächen frage sie nach dem Umfang der gewünschten Betreuung, ob Ernährungsberatung oder Hundetraining gewünscht wird. „Wir reden über den Charakter des Tieres, ob es irgendwelche Besonderheiten im Verhalten zu beachten gibt.“ Danach verabrede sie einen Probetag für den Hund – ohne Frauchen. Erst dann könne sie entscheiden, ob der „Neue“ bleiben darf. „Ich bin sehr kritisch bei Neuaufnahmen“, sagt Schnoor. Das Wohlbefinden der festen Gruppenhunde sei die Vorgabe, das müsse passen. Da dürfe es nicht zu langfristigen Irritationen kommen. Hunde begleiten Kirsten Schnoor seit 30 Jahren. „Ich bin mit Boxern groß geworden und habe diese Rasse später auch gezüchtet“, sagt sie. Sie saß über lange Jahre im Vorstand des Boxerclubs. „Die Kennnisse und Erfahrungen, die ich dort sammeln durfte , helfen mir heute bei der Beurteilung der unterschiedlichen Hunde“, so die Verhaltenstherapeutin.

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Gegen 12 Uhr ist Ruhezeit im Hundekindergarten. Die Pause dauert bis 15 Uhr. Die Hunde werden vom Freigelände wieder in die Räume des HuGa gebracht. Erstaunlich diszipliniert, sucht sich dort jeder Hund ein Körbchen und legt sich zum Schlafen ab. „Unsere Hunde wissen, dass jetzt nichts Aufregendes mehr passiert“, sagt Kirsten Schnoor. Jetzt ist es  Zeit für eine Klappstulle und einen leckeren Kaffee. „Meine Mitarbeiter nennen diese Zeit auch scherzhaft meine Sprechstunde“, sagt sie. Die Besitzer der HuGa-Hunde rufen an und erkundigen sich nach ihren Lieblingen. Auch ihre Sorgen werden sie los: Er ist zu dick, sie bellt andere Hunde an, er ist zu ängstlich… Für jeden Anrufer hat Kirsten Schnoor ein offenes Ohr und einen guten Rat in petto.

gerecke_carlos_walkAb 15 Uhr geht es wieder raus. Hundetrainerin Steffi Gerecke kommt, um Carlos Einzeltraining zu geben. „Wir arbeiten daran, dass er besser an der Leine geht“, sagt sie. Carlos Herrchen hat das Training gebucht. Die Ahrensburgerin nimmt die lange Leine, lässt Carlos erst ein wenig schnüffeln. Dann klickt sie die Leine im unteren Ring des Geschirrs ein. „Das ist unser Zeichen für Arbeit, unser Ritual“, erklärt Gerecke. Carlos schaut gespannt. Wortlos geht sie los, Carlos geht mit und versucht sie zu überholen. Sie gibt ihm eine leichte Korrektur mit der Leine, sofort ist er wieder an ihrer Seite. Er hat verstanden: Sie führt, er folgt. Wieder auf dem HuGa-Gelände angekommen, bespricht sie Carlos Ausbildungsstand mit Kirsten Schnoor. Zwei Gassigängerinnen, Schülerinnen, die sich etwas Taschengeld verdienen, übernehmen die Spaziergänge am Nachmittag. Die sechs Monate alte Labrador Hündin Emma lümmelt sich im  Hundetunnel. Als Bulldoge Abby auch hineinkriecht, wird es etwas eng. Aber irgendwie wurschteln sich die Zwei wieder ins Freie.

Mara_ArmEs ist früher Abend und die erste Besitzerin möchte ihren Liebling nach Hause holen. Königspudel Mara hat ihr Frauchen schon entdeckt. Begeistert läuft Mara auf Stefanie Delz zu. Immer wieder springt sie an ihr hoch und landet schließlich mit einem riesigen Satz auf ihrem Arm. Die schwarze Mara hat auch einen Job. Sie ist ein Therapiehund und begleitet ihr Frauchen , eine Hamburger Logopädin, zu deren Arbeit mit Traumapatienten. „Maras Arbeit ist mental extrem anstrengend“, sagt Delz. Und: „Hunde, die bei Wachkomapatienten eingesetzt werden, altern schneller.“ Deshalb dürfe sich Mara einmal in der Woche im HUGA austoben, mit Artgenossen spielen und einfach mal nur Hund sein. „Das tut ihr so gut, das ist wie Urlaub für Mara.“ Nach und nach trudeln auch die übrigen Hundebesitzer ein und holen ihre tierischen Familienmitglieder nach Hause. Für Kirsten Schnoor beginnen dann die Aufräumarbeiten. Die Spielgeräte und Stühle müssen weggeräumt, die Hinterlassenschaften der Hunde entfernt werden. Dann kann auch Kirsten Schnoor nach Hause fahren, zu ihrem Mann, der sie, wie sie sagt, in ihrer Arbeit immer voll unterstützt.

Ruhe vor dem Job findet Kirsten Schnoor sehr selten. Urlaub hat sie seit Jahren nicht gemacht. „Das geht gar nicht. Meine Kunden sind alle berufstätig und sind darauf angewiesen, dass wir geöffnet haben“, sagt Kirsten Schnoor. Ab und an schaufele sie sich mal ein langes Wochenende frei. Aber das sei alles okay so. Sie tue schließlich jeden Tag das, was sie am meisten liebe. „Ich kann den ganzen Tag mit den Hunden zusammen sein und mit ihnen arbeiten“, sagt sie und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Da kann ich meinen Hundetick richtig ausleben.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hunde können die Mimik der Menschen lesen

QuerschnuteKein anderes Lebewesen versteht es so gut, die Mimik und Gesten der Mensch zu deuten, wie ein Hund. Unsere Hunde sind wahre Fremdsprachengenies. Im Laufe der Domestizierung des Hundes haben sich seine sozialen und kognitiven Fähigkeiten immer näher an denen der Menschen orientiert. Mehr dazu könnt ihr hier lesen.

http://www.welt.de/print/wams/wissen/article130596443/Hunde-lesen-unser-Gesicht.html

Kastration ja oder nein – eine Gewissensfrage

SchwarzDie Kastration bei Hunden ist immer wieder ein Thema auf den Hundewiesen und Gassi-Runden. Mein Golden Retriever Finley hat sehr viel Temperament und war für mich als Anfänger schwer zu führen. Leider war der Field Trial Typ auch bei vielen Trainern nicht so bekannt. Also lautete der Tipp immer: lass ihn kastrieren, dann wird er ruhiger. Mein Bauchgefühl sagte immer nein dazu. Ich habe mich dann intensiv mit dem Thema Kastration und Pubertät auseinandergesetzt. Finley ist intakt geblieben. Heute ist er ein fünf Jahre alter, temperamentvoller, gut arbeitender Schatz. Es brauchte nur Geduld, Verständnis und den Willen zu lernen auf meiner Seite.

So vielfältig wie die Gründe für eine angeblich unausweichliche Kastration sind, so groß sind die Unsicherheiten bei diesem Thema.„Meine Hündin ist jetzt sieben Monate alt. Die wird ja bald läufig, ist jetzt der richtige Zeitpunkt sie kastrieren zu lassen?“ „Mein Hund gehorcht nicht gut.“ „Astor bellt andere Hunde an, ich lasse ihn kastrieren, dann wird er friedlicher und ruhiger.“ Ziehen an der Leine, Kryptorchismus (ein Hoden im Bauchraum), häufiges Markieren bei Rüden, Aufreiten (Hypersexualität) bei Hunden beiderlei Geschlechts…. Die Liste der Gründe, warum ein Hundehalter eine Kastration für notwendig erachtet, könnte noch weitergeführt werden.

Das Tierschutzgesetz setzt Grenzen

Möglicherweise wissen viele Hundehalter nicht, dass das deutsche Tierschutzgesetz (TierSchG) eine Kastration ohne vernünftigen Grund verbietet. Der vierte Abschnitt dieses Gesetzes regelt die Voraussetzungen dafür, unter welchen Umständen an Tieren Eingriffe vorgenommen werden dürfen. § 6, der sogenannte Amputationsparagraph, verbietet das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder Organen ohne medizinische Indikation (https://dejure.org/gesetze/TierSchG/6.html). Da der Gesetzgeber davon ausgeht, dass unsere Hunde in einem kontrollierten Umfeld leben, anders als beispielsweise Freigänger-Katzen, bezieht sich die gesetzliche Ausnahme in §6 Abs1 Nr 5 TierSchG „außer zur Verhinderung unkontrollierter Fortpflanzung“ nicht auf Haushunde. Kastrationen dürfen auch nicht zur Vorbeugung vor anderen Krankheiten gemacht werden.

Doch würde eine Kastration die aufgezählten Probleme überhaupt beseitigen können? Das darf man in den meisten Fällen verneinen. Das Markierverhalten bei Rüden zum Beispiel wird bereits im Mutterleib durch den Einfluss des Hormons Testosteron angelegt. Deshalb markieren kastrierte Rüden gleich viel wie intakte Rüden. Um eine konsequente Erziehung zur Stubenreinheit kommt man bei diesem Problem nicht herum.

Chemische Kastration als Probelauf

Zugegeben, wenn ein Hund ständig bei anderen aufreitet, ist das lästig und kann Grund zu Konfliktsituationen zwischen den Hunden führen. Und wenn dieses Verhalten sich auf einer echten Hypersexualität begründet, kann die Kastration das beste Mittel zur Beseitigung sein. Doch die Ursachen für das Aufreiten können vielfältig sein. Aufreiten kann zum Beispiel auch aus Stress entstehen. Wenn ein Hund in Stress gerät, schüttet er vermehrt das Stresshormon Cortisol aus. Dessen natürlicher Gegenspieler im Organismus des Hundes ist das Testosteron. Es wirkt also stresshemmend. Kappt man nun bei so einem Hund den Hauptproduzenten (die Hoden) für das stresshemmende Testosteron ab, wird sich das unerwünschte Verhalten nach der Kastration verschlimmern.

Wenn es sich bei dem störenden Verhalten des Rüden jedoch um sexuell motiviertes Verhalten handelt, kann man zur Sicherheit einen Probelauf starten und seinen Hund chemisch kastrieren lassen. Dem Hund wird ein etwa reiskorngroßes Hormonimplantat zwischen die Schulterblätter unter die Haut gesetzt. Die Wirkung der Implantate hält zwischen einem halben und einem ganzen Jahr an. Nun kann man beobachten, welche Auswirkungen eine chirurgische Kastration auf den Hund haben würde. Der hormonelle Zustand des gechipten Rüden entspricht dem eines chirurgisch kastrierten Rüden. Die chemische Kastration ist reversibel.

Abschließend noch ein paar Worte zu dem verbreiteten Irrtum, dass bei einem kryptochiden Rüden immer auch eine Kastration durchgeführt werden muss. Man kann den Hoden im Bauchraum entfernen, ohne eine Kastration vorzunehmen. Leider werden darüber die meisten Hundebesitzer von ihren Tierärzten nicht aufgeklärt. Das machen auch gute Tierärzte so, weil sie aus ihrer Sicht, fachlich gesehen nichts falsch machen. Im Hinblick auf das Verhalten des Tieres kann es jedoch negative Folgen haben (siehe oben). Die gleichzeitige Kastration wird leider oft als Routine mitgemacht. Wenn man einen Hoden aus dem Bauchraum entfernen muss, es keine medizinischen Gründe für eine Kastration gibt, der Rüde aber keine Nachkommen zeugen soll, kann gleichzeitig eine Sterilisation durchgeführt werden. Als Mittel, Verhaltensänderungen beim Hund herbeizuführen, ist die Kastration ungeeignet. Eine konsequente, zielführende Erziehung kann sie nicht ersetzen.

Tipps zum Weiterlesen

Ich habe mich hier hauptsächlich mit der Kastration bei Rüden auseinandergesetzt. Zum Thema Frühkastration und Kastration bei Hündinnen und zur Vertiefung des Themas empfehle ich folgende Links:

http://hasenhirsch.bplaced.com/bouv/images/M_images/kastration.pdf
http://www.stadthunde.com/magazin/gesundheit/hundegesundheit/hunde-kastration-interview-mit-dr-udo-ganslosser.html
http://www.cottage-hill.de/Kastration.htm
http://www.klaeffpunkt.de/2011/03/14/kastration-pro-und-kontra-2/

Auch lesenswert:

Kastration                                                                                                                                                                                                    Sophie Strodtbeck / Udo Gansloßer

Kastration und Verhalten beim Hund

Müller Rüschlikon Verlag

ISBN: 3275018205

 

 

 

 

 

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Gabriele Niepel

Kastration beim Hund

Chancen und Risiken – eine Entscheidungshilfe

Kosmos Verlag

ISBN 3440101215

 

 

 

 

 

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Wir suchen Gustav

gf_blog_7_pic6Die blonde Frau kauert auf einer Decke auf dem kalten Waldboden des Krähenwaldes im Reinbeker Ortsteil Hinschendorf. Sie wartet. Im Dickicht gegenüber knackt es. Ihr Blick folgt dem Geräusch. Sie seufzt – wieder nichts. Schon viele Nächte hat Julia Bentin an dieser Stelle verbracht. Sie wartet auf Gustav, ihren sechs Jahre alten Dackelrüden. Genau an dieser Stelle ist er am 21. Juni 2014 weggelaufen.

Die 42 Jahre alte Bergedorferin ging mit Gustav und ihrer Hündin Melli im Krähenwald in Reinbek joggen. „Wir laufen regelmäßig dort“, erzählt sie. Plötzlich habe Gustav geschnüffelt und sei dann mit hoher Geschwindigkeit fortgelaufen. Kein Rufen half, die Pfiffe seines Frauchens verhallten ungehört. Ihre Hoffnung sei, dass Gustav zu dem Punkt zurückkehrt, an dem er sie zuletzt gesehen hat.gf_blog_7_pic2

Gustav lebte seit zwei Monaten in Julia Bentins Familie. Sie übernahmen ihn von einer alten Dame, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr um den kleinen Hund kümmern konnte. „Er war so lieb und anhänglich. Wir haben ihn schnell in unser Herz geschlossen“, sagt Julia Bentin. Jeden Tag begleiteten Gustav und die Dackelhündin Melli ihr Frauchen in deren Immobilien-Büro in Lohbrügge. „Für uns ist Gustl ein vollwertiges Familienmitglied geworden. Er fehlt uns sehr“, so die 42-Jährige.

Bei der Suche lassen die Bentins nichts unversucht. Sie telefonierten mit den ansässigen Tierärzten und klapperten alle Tierheime ab und hängten Suchplakate in Geschäften aus. Sie richteten Futterstellen im Wald ein und verteilten gebrauchte Hundedecken, damit Gustav die Spur zu ihnen aufnehmen kann.

Die Söhne Kalli, 15, und Henni, 13, richteten auf Facebook die Seite „Wir suchen Gustav“ ein. Dort gibt es Fotos und eine detaillierte Beschreibung von dem Dackelrüden. Gustav ist sechs Jahre alt, sein Fell ist dunkel, Saufarben, und er hat helle Pfoten. Gustav ist beim Haustierregister TASSO unter der Nummer 119.155 registriert. Die Seite der Jungs hat bis heute 1637 Follower.gf_blog_7_pic3

„Unglaublich, wie viel Unterstützung uns diese Seite gebracht hat“, sagt die Mutter der Jungen. Viele hätten Nachrichten gepostet und berichtet, dass sie Extrarunden durch die Wälder mit ihren Hunden gehen und nach Gustav Ausschau halten würden. Sogar Reiter beteiligten sich an der Suche.

Ein Paar aus Blankenese habe sich über Facebook bei ihr gemeldet, deren Dackelhündin gerade läufig gewesen sei. „Wir haben uns im Krähenwald getroffen und die drei sind den ganzen Weg von dort zu Fuß mit mir nach Hause gegangen, in der Hoffnung, dass Gustav der Spur der läufigen Hündin folgt und so zu uns findet“, sagt Julia Bentin.gf_blog_7_pic5

Auch die K9 Suchhundestaffel Nordost mit ihren Bloodhounds habe mitgesucht. „Das sind im Mantrailing ausgebildete Suchhunde, deren Menschen diese Einsätze ehrenamtlich durchführen“, so Bentien. Die Suche habe ergeben, dass sich Gustav wohl noch im Raum Reinbek Schönningstedt und Oststeinbek aufhalten könnte. Bentin: „Es ist unglaublich, wie viel Trost mir diese Menschen gespendet haben. Ich kann da jederzeit anrufen.“gf_blog_7_pic1

Dass drei Wochen eine lange Zeit sind, für einen Hund ohne seine Familie, ist Julia Bentin durchaus klar: „Ich weiß, dass die Möglichkeit besteht, dass Gustav seinen Ausflug nicht überlebt hat.“ Allerding hätten die Bloodhounds auch die Bauten der Waldtiere inspiziert und keinen verendeten Hund gefunden. Dass gebe ihr Hoffnung. Bentin: „Meine Seele findet keine Ruhe, solange ich nicht weiß, was mit Gustav passiert ist.“

Sie habe die Vermutung, dass eine Person den Hund in dem Glauben, er sei ausgesetzt worden, zu sich genommen hat. „Es könnte jemand sein, der mit dem Internet nicht so vertraut ist“, meint die Bergedorferin. Und: „Vielleicht erfährt diese Person über diesen Artikel, dass Gustavs Familie ihn sucht. Bitte rufen sie uns an. Wir kommen sofort.“ Julia Bentin ist bereit, dem Finder entstandene Kosten zu erstatten und: „Eine kleine Belohnung ist sicherlich auch noch drin“, sagt sie schmunzelnd.

Hier können sie ihre Hinweise geben: www.facebook.com auf der Seite „Wir suchen Gustav“, TASSO 24-Stunden-Hotline 06190/937300, Julia Bentin Handynummer 0172/4548354.

Ja – ich weiß, das sind keine Hunde!

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Aber die sind so niedlich, dass sie ihnen unbedingt zeigen wollte. Und in diesem Alter riechen die auch noch richtig gut. Ich war beim alljährlichen Ziegenlämmeraustrieb des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau auf Gut Trenthorst. Gerold Rahmann, der Leiter des Instituts, hatte mehr als 300 Kindergartenkinder aus Schleswig-Holstein als Taufpaten eingeladen. Jedes Kind durfte sich für „seine Ziege“ einen eigenen Namen ausdenken.

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Sie heißen Laura, Banana, Zippi, Wackelschwanz und Fritz oder ganz vornehm Ilona-Patricia. Die Lütten haben sich ganz tolle Namen ausgedacht. Ein kleiner Junge aus Bargteheide nannte seine Ziege ganz inbrünstig Mama. Ob seine Mutti sich darüber wohl freut ;))?

 

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Deutschland sucht die Supernase

Valeska hat das "Opfer" gefunden

Valeska hat das „Opfer“ gefunden

Eine Frau liegt zusammengekauert zwischen Trümmern und regt sich nicht. Plötzlich ein aufgeregtes, lautes Bellen. Die schwarze Schäferhündin Valeska schießt hinter einem Geröllhaufen hervor und bleibt vor der Verletzten stehen. „Jetzt bestätigen“, ruft eine Männerstimme. Das vermeintliche Unfallopfer richtet sich auf, und gibt der Hündin einen Dummy ins Maul und spielt mit ihr. Valeska hat es gut gemacht. Mit dem Spiel wird sie von ihrer Trainingspartnerin, „Unfallopfer“ Cornelia Godau, belohnt.

Internationales Starterfeld

Die Stimme aus dem Hintergrund gehört zu Detlef Kühn, Vizepräsident der Internationalen Rettungshunde Organisation (IRO). Er ist einer von sechs internationalen Leistungsrichtern, die vom 2. Mai bis zum 4. Mai in Bargfeld-Stegen die Leistungen von 85 Mensch-Hund-Teams bei der 9. offenen VDH Meisterschaft für Rettungshunde bewerten sollen. „Offene Meisterschaften heißt es, weil hier Hunde, die Rettungshundearbeit nur als Sport betreiben auf die Hunde aus Hilfsorganisationen treffen, die auch real im Einsatz sind“, erklärt Leistungsrichter Kühn. Neben den deutschen Starterteams sind für diesen dreitägigen Wettkampf weitere europäische Teams extra aus Dänemark, Holland, Tschechien, der Slowakei und der Schweiz angereist. Die Hündin Valeska tritt nicht zu den Meisterschaften an. Sie gehört Bärbel Dreisow, die als Ausbildungswartin der Ortsgruppe Bargfeld-Stegen vom Verein der Deutschen Schäferhunde (OG Bargfeld-Stegen) maßgeblich an der Organisation der Veranstaltung beteiligt ist. „Wir haben einfach keine Zeit zu starten. Das gilt für die gesamte Ortsgruppen-Truppe“, sagt die engagierte Frau. Sie alle seien als Helfer im Einsatz. Entweder am Kuchenbuffet, dem Grill- und Brötchenstand oder bei der Betreuung der Gäste. „Da können sich unsere Besucher zwischen den Prüfungsdurchgängen entspannen und erholen.“ Damit die Kinder sich nicht langweilen, stelle der THW an allen Tagen seine Riesenrutsche zur Verfügung.

Der Sport ist nicht ungefährlich

Gute Arbeit wird mit einem Zerrspiel belohnt

Gute Arbeit wird mit einem Zerrspiel belohnt

„Einige von unseren Helfern sind besonders mutig und assistieren bei den Prüfungen“, so Dreisow. So wie Cornelia Godau, die wieder das Opfer mimen wird. „Das ist nicht ungefährlich“, so Dreisow. In der Königsdisziplin „Nasenarbeit im Trümmerfeld“ würden Mauerreste, Betonteile, Gullideckel und alte Röhren aufeinander geschüttet. So entstünden Hohlräume im Geröll, in denen die Helfer sich verstecken müssen. Dort müssen sie ausharren, bis die Hunde sie gefunden haben. Manchmal mehrere Stunden lang. „Der Schutt ist bis zu vier Meter hoch aufgetürmt, liegt locker, ist statisch nicht extra abgesichert. So, wie es bei einem Erdbeben oder Gebäudeeinsturz eben auch wäre“, erklärt Dreisow. In der Umgebung von Bargfeld-Stegen hat die Ortsgruppe verschiedene Prüfungsgelände angelegt. „Wo das genau ist, wird erst am Tag der Prüfung preisgegeben. Dann kann niemand luschern gehen und sich einen Vorteil verschaffen“, sagt Bärbel Dreisow. „Unsere Hunde arbeiten mit der Nase, jeder Tritt mit einem Schuh hinterlässt Geruchsspuren. Wir nennen das Bodenverletzungen, Fremdspuren können da zu Irritationen führen.“

Unterordnung und Gewandtheit

Valeska auf der Leiterbrücke

Valeska auf der Leiterbrücke

Insgesamt werden fünf Disziplinen geprüft. Zuerst müssen alle Teams in den Fächern Unterordnung und Gewandtheit antreten. Dazu gehören die sogenannten Grundkommandos, Sitz, Platz, Steh, auf verschiedenen Untergründen mit und ohne Ablenkung, ohne zu zögern, auf nur einen Befehl hin. „Im Fach Gewandtheit geht es um Geschicklichkeit und Vertrauen. Da müssen die Hunde zum Beispiel über eine Leiter- oder Fassbrücke gehen“, sagt Cornelia Godau. „Ich zeige es ihnen“, sagt Bärbel Dreisow und geht mit Valeska auf den Trainingsplatz. Erwartungsvoll blickt die schwarze Hündin auf ihr Frauchen. Ein kurzer Befehl und Valeska macht einen dynamischen Satz auf den Steg der Brücke. Das Brett zwischen den zwei Fässern liegt nur lose auf, schwankt und wippt bei jedem Schritt, den Valeska macht. „Jetzt darf sie sich nicht irritieren lassen und muss sich weiterhin lenken lassen und die Übung zu Ende führen“, so Dreisow. Wenn die Starter die ersten zwei Fächer bestanden haben, teilen sie sich auf die weiteren drei Fächer auf. Die Disziplinen heißen Fährte, Fläche und Trümmer. Die Hunde müssen unter unterschiedlichsten Bedingungen durch Einsatz ihres hochsensiblen Geruchssinns Personen finden und ihren Hundeführern den Fundort eindeutig anzeigen. Dabei dürfen sie die Person weder erschrecken noch bedrängen. Bei der Flächensuche werden gleichzeitig, je nach Schwierigkeitsgrad, zwei oder drei Personen im unwegsamen Gelände gesucht. Bei der Fährte müssen die Hunde eine abgängige Person finden. Im Ernstfall könnte dies ein vermisstes Kind sein. „Die Hunde haben die Nase dabei immer dicht am Boden“, sagt Leistungsrichter Kühn. Die Witterung werde über die Trittspuren des Spurenlegers aufgenommen. „Auf der Strecke deponiert der Helfer Gegenstände wie Schuhe, Schlüssel oder eine Brille“, so Kühn. So könne der Hund den Gerüchen bis zum Fundort folgen.

Reva freut sich auf ihren Einsatz

Reva freut sich auf ihren Einsatz

Die Nase der Hunde ist ihr wichtigstes Werkzeug

Die Wettkämpfe beginnen an allen drei Tagen um 8 Uhr und enden gegen 18 Uhr. Treffpunkt ist der Sportplatz in Bargfeld-Stegen in der Schulstraße. „An der Jersbeker Straße werden Schilder stehen, die unsere Besucher zu uns führen“, so Dreisow. Am Sonntag wartet ein besonderes Highlight auf die Besucher. Um 14.30 Uhr zeigen die Zollhundeführer des Hamburger Hauptzollamtes, wie sie ihre Hunde im Schutzdienst und in der Rauschgiftfahndung einsetzen. Am Sonntagabend endet der Wettkampfmarathon in Bargfeld-Stegen mit den Siegerehrungen der besten Mensch-Hund-Teams.